GEFMA 924-1 bis -8: Katalog der Bauwerkstypen
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Ziel, Einordnung und Anwendungsrahmen der GEFMA 924-1 bis -8
Die GEFMA 924-1 bis -8 „Katalog der Bauwerkstypen“ konkretisieren das in GEFMA 924 definierte FM-Datenmodell durch praxisnahe Beispiele für unterschiedliche Gebäudetypen. In acht Teilkatalogen werden strukturierte Beispielsammlungen von Datenobjekten, Attributen und Ordnungslogiken bereitgestellt. Diese dienen als anwendungsorientierte Referenz für Planung, Aufbau und Betrieb standardisierter FM-Datenmodelle in der Immobilienbewirtschaftung. Ziel ist es, die Anwendbarkeit, Vergleichbarkeit und Konsistenz von CAFM-/IWMS-Datenstrukturen über verschiedene Bauwerkstypen hinweg sicherzustellen und eine belastbare Grundlage für digitale Facility-Management-Prozesse zu schaffen.
Ziel und Anwendungsrahmen der GEFMA 924-Reihe
- Normativer Rahmen und Stellung innerhalb der GEFMA-Regelwerke
- Methodischer Aufbau der Bauwerkstyp-Kataloge
- Übersicht der acht Bauwerkstyp-Kataloge (GEFMA 924-1 bis -8)
- GEFMA 924-6 – Industrie- und Produktionsgebäude
- Datenobjekte und Attribute im bauwerkstypbezogenen Kontext
- Nutzung der Kataloge in CAFM- und Digitalisierungsprojekten
- Abgrenzung zu anderen Regelwerken und Standards
- Bedeutung für einen standardisierten und vergleichbaren Gebäudebetrieb
Einordnung der GEFMA 924-1 bis -8 im Kontext der GEFMA 924
Die Teilrichtlinien GEFMA 924-1 bis -8 fungieren als anwendungsorientierte Beispiel- und Mustersammlung zur GEFMA 924. Während GEFMA 924 selbst das generische Datenmodell für das Facility Management vorgibt (d.h. die grundlegenden Datenklassen und Beziehungen definiert), liefern die Bauwerkstyp-Kataloge konkrete Ausprägungen dieses Modells für bestimmte Gebäudekategorien. Es handelt sich um eine Ergänzung des Datenmodells durch praxisgerechte Detailierung, keine Ablösung oder Änderung desselben. Durch diese Kataloge wird die Standardisierung im FM-Datenmanagement weiter gefördert: Sie verbessern die Datenqualität durch klare Vorgaben und erhöhen die Interoperabilität zwischen Systemen, da einheitliche Strukturen und Begrifflichkeiten genutzt werden.
Die GEFMA 924-1 bis -8 richten sich an sämtliche Akteure, die im FM mit der Strukturierung von Gebäudedaten befasst sind:
Betreiber und Eigentümer: Unterstützung bei der Etablierung einheitlicher Stammdatenstrukturen für unterschiedliche Immobilien im Bestand, um Transparenz und Vergleichbarkeit zu erhöhen.
Facility-Management-Organisationen: Ob interner FM-Bereich oder externer Dienstleister – die Kataloge dienen als Leitfaden, um Leistungen objektübergreifend nach gleichen Datenstandards zu erfassen und zu steuern.
CAFM-/IWMS-Implementierungsprojekte: Bei Einführung oder Erweiterung von FM-Software helfen die Kataloge, ein Lasten-/Pflichtenheft zu erstellen, das die Datenmodell-Anforderungen klar definiert. Sie reduzieren Unklarheiten in der Datenmodellierung und erleichtern die Systemeinrichtung.
Planer, Berater und IT-Dienstleister im FM-Umfeld: Für Fachplaner (z.B. im Bauprozess mit Blick auf FM), FM-Berater oder Software-Anbieter bieten die Bauwerkstyp-Kataloge eine verlässliche Referenz. So können bereits in der Planung oder Beratung FM-Datenstrukturen berücksichtigt und mit allen Beteiligten einheitlich kommuniziert werden.
Grundprinzip der Bauwerkstypisierung
Zentrales Prinzip der Katalogreihe ist die Definition des Bauwerkstyps als strukturierendes Element. Jeder Bauwerkstyp (z.B. Bürogebäude, Krankenhaus etc.) repräsentiert eine Kategorie von Immobilien mit ähnlicher Nutzung und vergleichbaren FM-Anforderungen. Durch die Bauwerkstypisierung werden nutzungs- und betriebsspezifische Anforderungen im Datenmodell abgebildet: Beispielsweise erfordert ein Krankenhaus andere Daten (etwa zu medizinischen Geräten und Hygiene) als ein Bürogebäude. Der Bauwerkstyp-konkretisierte Datenansatz erlaubt es, solche Unterschiede gezielt zu berücksichtigen. Gegenüber einem generischen FM-Datenmodell ergeben sich typische Abweichungen in Umfang und Detailtiefe der erfassten Informationen – die Kataloge stellen sicher, dass diese Abweichungen systematisch und standardkonform erfolgen. So entsteht für jeden Bauwerkstyp ein angepasstes, aber dennoch mit dem Gesamtmodell kompatibles Datenstruktur-Beispiel.
Jeder der acht Kataloge folgt einem einheitlichen Ordnungsrahmen mit definierten Bausteinen:
| Strukturbaustein | Inhaltliche Funktion |
|---|---|
| Bauwerkstypbeschreibung | Charakterisierung von Nutzung, Betrieb und Besonderheiten des jeweiligen Gebäudetyps |
| Objektstruktur | Hierarchische Gliederung der baulichen und technischen Objekte des Gebäudetyps (z.B. Gebäude, Bereiche, Anlagen) |
| Datenobjekte | Definition der FM-relevanten Objekte gemäß GEFMA 924, zugeschnitten auf den Bauwerkstyp |
| Attribute | Konkretisierung der Objekt-Merkmale je Bauwerkstyp (Pflicht- und optionale Attribute, Wertebereiche etc.) |
| Praxisbeispiele | Illustriertes Beispiel-Datenset für den Gebäudebetrieb dieses Typs (typische Konstellationen und Zusammenhänge der Daten) |
GEFMA 924-1 – Bürogebäude
Typische Nutzungs- und Flächenstrukturen: Bürogebäude umfassen vorwiegend Arbeitsplätze in Einzel-, Gruppen- oder Großraumbüros sowie Besprechungsräume. Ergänzt werden sie durch Funktionsflächen wie Empfangsbereiche, Teeküchen, Archiv- und Lagerflächen. Die Aufteilung ist häufig modular nach Etagen gegliedert, um flexible Büroaufteilungen zu ermöglichen.
Relevante technische Anlagen und Ausstattungen: Charakteristisch sind gebäudetechnische Installationen für ein angenehmes Arbeitsumfeld, z.B. Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen, elektrotechnische Infrastruktur (IT-Netzwerke, Beleuchtung) sowie Aufzüge und Sicherheitssysteme (Brandmeldeanlagen, Zutrittskontrolle). Zur Ausstattung zählen typischerweise Möblierung und IT-Arbeitsplatzausstattung, die standardisiert verwaltet werden.
FM-Schwerpunkte: Im Facility Management von Bürobauten stehen Flächenmanagement (Optimierung der Flächennutzung und Belegungsplanung), die Bewirtschaftung von Arbeitsplätzen (Arbeitsumzugsorganisation, Bereitstellung von Infrastruktur) sowie die Kontrolle der Betriebskosten (z.B. Energiekosten, Reinigung, Wartung) im Vordergrund. Effizienz und Nutzerzufriedenheit werden durch ein abgestimmtes Management dieser Faktoren erreicht.
GEFMA 924-2 – Handels- und Verkaufsgebäude
Verkaufsflächen, Nebenflächen, Kundenbereiche: Handels- und Verkaufsimmobilien (z.B. Einkaufszentren, Kaufhäuser oder Supermärkte) zeichnen sich durch ausgedehnte Verkaufszonen mit Präsentationsflächen für Waren aus. Daneben existieren umfangreiche Nebenbereiche wie Lager, Anlieferzonen, Personalräume und Technikräume. Wichtige Kundenbereiche sind z.B. Eingangsbereiche, Kassenbereiche, Sanitäranlagen und Parkflächen für Besucher.
Hohe Dynamik bei Nutzung und Ausstattung: Die Nutzung und Ausstattung unterliegt einer hohen Veränderungsdynamik. Häufige Ladenumbauten, saisonale Dekorationswechsel oder Mieterwechsel erfordern flexible Flächenkonzepte und eine anpassungsfähige technische Infrastruktur. Ladenbau-Elemente, Regalsysteme und Beleuchtung werden oft umgestaltet, was im Datenmodell eine schnelle Anpassbarkeit der Objekthierarchie und Attribute voraussetzt.
FM-Schwerpunkte: Im FM stehen Flächenflexibilität und Umnutzungsfähigkeit im Fokus, um auf wechselnde Anforderungen im Verkauf schnell reagieren zu können. Ebenso zentral sind Instandhaltung und technische Betriebsführung – trotz intensiver Beanspruchung der Einrichtungen muss die Verfügbarkeit (z.B. von Rolltreppen, Kühlanlagen) gewährleistet sein. Sicherheit spielt ebenfalls eine große Rolle: Brandschutz, Einbruchsschutz und die Sicherheit der Kundschaft (z.B. durch Evakuierungskonzepte und Hygienemaßnahmen) müssen durch entsprechende Daten (Prüftermine, Wartungsdokumentation) gesteuert werden können.
GEFMA 924-3 – Hotelgebäude
Trennung von Gästebereichen und Betriebszonen: Hotelgebäude verfügen über strikt getrennte Bereiche für Gäste (Zimmer, Lobby, Restaurants, Wellness) und für den internen Betrieb (Küche, Housekeeping, Technikzentralen, Personalräume). Diese funktionale Trennung spiegelt sich im Datenmodell wider, indem Objekte und Räume nach „Front of House“ und „Back of House“ kategorisiert werden.
Hohe Anforderungen an Verfügbarkeit und Servicequalität: Hotels müssen einen kontinuierlichen Betrieb sicherstellen – Heizung, Klima, Aufzüge, Warmwasser etc. müssen 24/7 störungsfrei funktionieren. Auch die Servicequalität (Sauberkeit, schnelle Reaktion auf Mängel) ist essenziell. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Haustechnik und Services hoch verfügbar zu halten. Das FM-Datenmodell eines Hotels beinhaltet daher zahlreiche planbare Maßnahmen wie Reinigungszyklen, Wartungsfenster in belegungsarmen Zeiten und Notfallpläne für technische Ausfälle.
FM-Schwerpunkte: Zentral sind Zimmermanagement und Instandhaltung: Die Verwaltung von Zimmerstatus (belegt/frei, gereinigt/reparaturbedürftig) und die Koordination von Wartungsarbeiten in Gästezimmern bei minimaler Beeinträchtigung des Gasts. Weiterhin liegt ein Augenmerk auf der Haustechnik – Klimaanlagen, Aufzugsanlagen, Sicherheitssysteme – die permanent überwacht und gewartet werden müssen. Auch die Betriebskosten (Energie, Wasser, Wäscherei, etc.) werden genau verfolgt, da sie erheblich zur Wirtschaftlichkeit beitragen. Das Datenmodell unterstützt hier beispielsweise durch hinterlegte Zählerdaten und Kostenstellen je Bereich.
GEFMA 924-4 – Krankenhaus
Komplexe Funktions- und Organisationsstrukturen: Krankenhäuser sind hochkomplexe Bauwerke mit einer Vielzahl an Funktionsbereichen (Stationen, Operationssäle, Labore, Intensivstationen, Verwaltung, technische Betriebsflächen). Jede Funktionseinheit hat spezifische Anforderungen an Räume, Klima, technische Ausstattung und Zugänge. Im Datenmodell wird diese Komplexität durch eine detaillierte Objektstruktur abgebildet, die medizinische Einrichtungen (z.B. OP-Räume, Reinräume), Pflegebereiche und Verwaltungsbereiche hierarchisch und logisch trennt.
Medizinische und technische Spezialbereiche: Viele Bereiche (etwa Radiologie mit bildgebenden Großgeräten, Sterilisationsräume, Apotheken, Notstromanlagen) erfordern spezielle technische Anlagen und regelmäßige Prüfungen. Der Katalog für Krankenhäuser berücksichtigt solche Spezialobjekte – z.B. medizinische Geräte, Druckbehälter, Gasversorgungsanlagen – als eigene Datenobjekte mit spezifischen Attributen (z.B. Kalibrierungsdaten, Prüfvorschriften nach Medizinproduktegesetz).
FM-Schwerpunkte: Im Vordergrund steht die Betriebssicherheit und Verfügbarkeit: Technische Ausfälle können Menschenleben gefährden, daher liegen Schwerpunktdaten auf Wartungsplänen, Redundanzen (z.B. USV-Anlagen, Notstrom) und Störungsmanagement. Ebenso ist Dokumentation entscheidend – umfangreiche Nachweispflichten (Hygienepläne, Prüfprotokolle für Medizinprodukte, Brandschutzdokumentation) müssen im Datenmodell abgebildet und abrufbar sein. Die Verfügbarkeit von Bereichen und Geräten (z.B. OP-Zeitfenster, Gerätepool) wird ebenfalls mittels Daten geplant und überwacht, um einen reibungslosen Krankenhausbetrieb sicherzustellen.
GEFMA 924-5 – Bildungsgebäude (z. B. Schule, Hochschule)
Nutzungsabhängige Raumtypen: Bildungsbauten umfassen diverse Raumarten wie Klassenzimmer, Hörsäle, Fachräume (Labore, Werkstätten), Bibliotheken, Sporthallen und Versammlungsräume. Jede Raumart bringt unterschiedliche Ausstattungen und Anforderungen mit sich (z.B. Tafel und Projektor im Klassenraum, spezielle Labortechnik im Chemieraum). Der Katalog bildet diese Vielfalt durch vordefinierte Objektkategorien für Raumtypen und Ausstattung ab, um ein FM-gerechtes Raumbuch aufzubauen.
Wechselnde Belegungszeiten: In Schulen und Hochschulen variieren die Nutzungszeiten stark – Unterrichts- und Vorlesungspläne, Semesterferien, Veranstaltungen am Abend. FM-seitig bedeutet dies, dass Reinigungs- und Wartungspläne flexibel an Leerzeiten angepasst werden müssen. Das Datenmodell berücksichtigt Kalender und Zeiträume pro Raum oder Bereich, sodass Belegungspläne mit FM-Maßnahmen verknüpft werden können (z.B. Grundreinigung in Schulferien, Raumumbauten in vorlesungsfreier Zeit).
FM-Schwerpunkte: Wichtig sind die Erfüllung von Betreiberpflichten (z.B. Verkehrssicherung in Pausenbereichen, regelmäßige Prüfungen von Sportgeräten oder Laborabzügen gemäß Vorschriften) und umfassende Sicherheitsaspekte (Brandschutzübungen, Notfallwege in Versammlungsstätten). Zudem steht die Flächenverwaltung im Fokus: Zuordnung von Räumen zu Fachbereichen/Klassen, Verwaltung von Schlüssel- und Zugangsrechten und Optimierung der Raumbelegung. Der Katalog unterstützt dies durch entsprechende Attributierung (z.B. Kapazität eines Hörsaals, zugewiesene Nutzergruppe).
GEFMA 924-6 – Industrie- und Produktionsgebäude
Produktions- und Nebenbereiche: Industriebauten umfassen primäre Fertigungsbereiche (Produktionshallen, Montagebänder, Reinräume bei Bedarf) sowie zahlreiche Nebenflächen: Lager für Rohstoffe und Endprodukte, Werkstätten, Labor- und Prüfbereiche, Infrastrukturzentralen (Dampf, Druckluft, Kühlwasser) und Verwaltungsflächen für Produktionssteuerung. Die Objektstruktur muss diese Bereiche klar trennen und Beziehungen (etwa Versorgung von Produktion durch Infrastruktur) abbilden.
Anlagen- und prozessnahe Infrastruktur: Industriegebäude haben einen hohen Ausrüstungsgrad an technischen Anlagen, die eng mit den Produktionsprozessen verzahnt sind – von Maschinen und Robotern über Förderanlagen bis hin zu speicherprogrammierbaren Steuerungen in der Gebäudeleittechnik. Der Bauwerkstyp-Katalog berücksichtigt produktionstechnische Anlagen als FM-Datenobjekte, inklusive relevanter Attribute wie Wartungszyklen, Betriebsstunden, Ersatzteilmanagement. Auch gebäudetechnische Anlagen (Drucklufterzeuger, Transformatoren, Lüftungsanlagen mit Prozessabluft) werden detailliert erfasst.
FM-Schwerpunkte: An erster Stelle steht die Anlagenverfügbarkeit. Ausfallzeiten von Produktionsmitteln verursachen hohe Kosten, daher liegt der FM-Fokus auf vorbeugender Instandhaltung, schneller Störungsbehebung und Zustandsüberwachung (gegebenenfalls durch Sensorik, vgl. Predictive Maintenance). Wartung und Prüfungen (z.B. nach Betriebssicherheitsverordnung) müssen lückenlos geplant und dokumentiert sein. Ebenso zentral ist die Sicherheit – sowohl Arbeitssicherheit (Maschinenschutz, Gefahrstoffmanagement) als auch Anlagensicherheit (Brandschutz in Produktionsbereichen, Explosionsschutz). Das Datenmodell stellt hierzu u.a. Gefährdungsbeurteilungen, Wartungspläne und Schulungsnachweise als Datenobjekte bereit.
GEFMA 924-7 – Wohngebäude
Nutzungseinheiten und Gemeinschaftsflächen: Im Wohnungsbau gliedern sich Gebäude in einzelne Nutzungseinheiten (Wohnungen) und gemeinsame Bereiche (Treppenhaus, Flure, Technikräume, Außenanlagen). Der Katalog für Wohngebäude definiert daher Strukturen, um Daten pro Wohnung (z.B. Wohnungsgröße, Mieterdaten, Ausstattungsstandard) getrennt von gebäudeübergreifenden Objekten (z.B. Aufzug, Heizanlage, Dach) zu verwalten.
Rechtliche Besonderheiten im Betrieb: Wohngebäude unterliegen spezifischen rechtlichen Rahmenbedingungen, etwa der Betriebssicherheitsverordnung bei Aufzügen in Mietshäusern, Trinkwasserhygiene (Stichwort Legionellenprüfungen) oder mietrechtlichen Vorgaben zur Instandhaltung. Auch sind Betriebskostenabrechnungen nach Wohnflächenverordnung und Heizkostenverordnung zu erstellen. Diese Besonderheiten spiegeln sich in zusätzlichen Datenfeldern wider – beispielsweise Fristen für wiederkehrende Prüfungen oder Dokumentation von Mieterwechseln und Übergabeprotokollen.
FM-Schwerpunkte: Im Fokus stehen Instandhaltung (Werterhalt der Bausubstanz und technischen Anlagen, z.B. regelmäßige Inspektionen von Dach und Fassade, Wartung der Haustechnik) und Betriebskostenmanagement (Erfassung und Umlage von Kosten für Strom, Wasser, Heizung, Allgemeinstrom, Aufzugskosten usw.). Ebenso wichtig ist die Dokumentation: etwa von Wartungsdurchführungen, Begehungsprotokollen oder Versicherungsfällen, um gegenüber Mietern und Eigentümern Nachweispflichten zu erfüllen. Der Katalog sorgt dafür, dass diese Informationen strukturiert erfasst und abrufbar sind.
GEFMA 924-8 – Sonder- und Mischbauwerke
Kombination mehrerer Nutzungsarten: Dieser Katalog behandelt komplexe Immobilien, die mehrere unterschiedliche Nutzungszwecke kombinieren – z.B. ein Gebäudekomplex mit Einkaufszentrum, Büros und Hotel oder andere Sonderbauten wie Flughäfen, Bahnhöfe, Veranstaltungsstätten. Solche Objekte vereinen heterogene Anforderungen unter einem Dach. Im Datenmodell muss daher eine hybride Struktur abgebildet werden, die verschiedene Bauwerkstypen in einem Modell vereint und dennoch klare Grenzen zwischen ihnen zieht.
Hohe Anforderungen an Datenmodell-Flexibilität: Bei Mischbauwerken werden hohe Ansprüche an die Flexibilität des FM-Datenmodells gestellt. Es muss erweiterbar und anpassbar sein, um die unterschiedlichen Objektarten und Attribute verschiedener Nutzungen abzudecken. Gleichzeitig sind standardisierte Schnittstellen wichtig, um bereichsübergreifende Daten (z.B. gebäudegesamte Sicherheitssysteme oder Energiemanagement) konsistent zu halten. Der Katalog liefert hierfür Beispiele, wie unterschiedliche Nutzungs-Bausteine modular kombiniert werden können, ohne die Einheitlichkeit des Gesamtmodells zu verlieren.
FM-Schwerpunkte: Im Gebäudebetrieb stehen die klare Abgrenzung der Bereiche, die eindeutige Zuordnung von Zuständigkeiten und Kosten sowie die konsolidierte Auswertung im Vordergrund. Das bedeutet zum einen, dass z.B. Betriebskosten oder Flächen genau den jeweiligen Nutzungsbereichen (Gewerbe, Wohnen, Öffentlich etc.) zugeordnet werden, um Gerechtigkeit und Transparenz zu gewährleisten. Zum anderen müssen übergreifende Auswertungen (etwa Gesamtenergieverbrauch des Mischobjekts, Sicherheitsstatus) möglich sein. Der Katalog unterstützt dies, indem er aufzeigt, wie Kennzeichnungen, Verantwortlichkeiten und Auswertungsstrukturen über verschiedene Nutzungssegmente hinweg einheitlich geführt werden können.
Auswahl und Gewichtung von Datenobjekten
Die Bauwerkstyp-Kataloge treffen eine spezifische Auswahl der relevanten FM-Datenobjekte für jeden Gebäudetyp und gewichten deren Bedeutung unterschiedlich. Aus dem generischen Datenmodell der GEFMA 924 wird für jeden Bauwerkstyp jene Menge von Objekten herausgefiltert, die in diesem Kontext tatsächlich erforderlich ist. Dadurch bleibt das Datenmodell übersichtlich und fokusiert: Unnötige Objektklassen werden weggelassen, während wichtige Objektarten für den jeweiligen Gebäudetyp besonders hervorgehoben oder detailliert abgebildet sind. Diese Relevanzfilterung stellt sicher, dass z.B. ein Bürogebäude-Datenmodell nicht mit klinikspezifischen Objektklassen überfrachtet wird und umgekehrt im Krankenhausmodell keine irrelevanten Büro-Objekte auftauchen. Insgesamt führt die angepasste Objektauswahl dazu, dass jedes Teilmodell die Praxisrealität des betreffenden Gebäudetyps treffend widerspiegelt und dennoch auf dem gemeinsamen Fundament des GEFMA-924-Datenmodells steht.
Attributierung und Detailtiefe
Neben der Objektwahl passen die Kataloge auch die Attributtiefe an den Bedarf des Bauwerkstyps an. Je nach Gebäudeart werden bestimmte Attribute als Pflichtmerkmale definiert, andere als optionale Zusatzinformation gekennzeichnet. Beispielsweise können in sicherheitskritischen Gebäuden (Krankenhaus, Industrieanlage) erweiterte Attribute zu Prüfintervallen oder Redundanzen verpflichtend vorgesehen sein, wohingegen in weniger komplexen Gebäuden diese als optional gelten. Diese Differenzierung trägt den unterschiedlichen Informationsbedürfnissen und Pflegeaufwänden Rechnung: Ein komplexer Gebäudetyp erfordert oft mehr Detaildaten, die entsprechend gepflegt werden müssen, während einfachere Objekte mit einem Grundsatz an Basisdaten effizient verwaltet werden können. Die gewählte Attributtiefe hat direkte Auswirkungen auf den Betrieb (benötigte Aktualität und Vollständigkeit der Daten im Alltag), das Controlling (Granularität, in der Kennzahlen und Auswertungen möglich sind) und die Auswertung (Analysierbarkeit und Benchmarking). Die Kataloge liefern hierfür eine Guideline, welche Informationen für welchen Zweck unerlässlich sind, und unterstützen dadurch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Informationsdichte und handhabbarem Aufwand.
Unterstützung bei der Datenmodellierung
Die Bauwerkstyp-Kataloge dienen als Werkzeuge bei der Datenmodellierung in FM-Projekten. Schon in der Planungsphase eines CAFM-/IWMS-Projekts können sie herangezogen werden, um ein projektspezifisches Datenmodell auf Basis bewährter Vorlagen abzuleiten. Dabei kann man den passenden Katalog (oder mehrere bei gemischten Objekten) als Vorlage nehmen und an die individuellen Gegebenheiten anpassen. Dies beschleunigt den Aufbau der Datenstruktur und stellt sicher, dass keine wichtigen Objektarten oder Attribute übersehen werden. Zudem verringern die Kataloge Interpretationsspielräume: Da Begriffe, Objektdefinitionen und Hierarchien bereits standardisiert vorgegeben sind, müssen sie nicht jedes Mal neu zwischen den Projektbeteiligten ausgehandelt werden. Missverständnisse in der Definition von Datenfeldern oder in der Benennung von Objekten werden vermieden, was letztlich zu einem konsistenteren Modell führt. Kurz: Die Kataloge bieten einen roten Faden für die Modellierung und damit eine Art Qualitätsrahmen für die Datenstruktur in FM-Digitalisierungsprojekten.
Auch bei der Einführung und dem laufenden Betrieb von CAFM-Systemen spielen die Bauwerkstyp-Kataloge eine wertvolle Rolle:
In Lastenheften und Pflichtenheften für die Ausschreibung oder Implementierung eines CAFM-Systems können Anforderungen direkt aus den Katalogen entnommen werden. So wird definiert, welche Datenobjekte und Funktionen das System für bestimmte Gebäudetypen unterstützen muss. Anbieter und Integratoren erhalten dadurch klare Vorgaben, was die Datenstruktur angeht.
Bei der Datenmigration und Bestandsaufnahme hilft der Katalog als Checkliste: Welche Daten sollen aus Altbeständen übernommen oder im Vorfeld erfasst werden? Durch Abgleich mit dem Katalog kann systematisch geprüft werden, ob alle notwendigen Objektinformationen (z.B. alle Anlagen mit ihren Pflichtattributen) vorliegen. Fehlende Datenpunkte werden so frühzeitig identifiziert.
In der Qualitätssicherung dient der Katalog als Referenzmodell: Im laufenden Betrieb können die gepflegten Datenstrukturen regelmäßig mit dem Soll-Modell aus dem Katalog verglichen werden. So wird erkennbar, ob das Datenmodell im Unternehmen noch standardkonform und vollständig ist oder ob Lücken bzw. wild gewachsene Abweichungen entstanden sind.
Für die Weiterentwicklung des CAFM (z.B. Integration neuer Module oder Anpassung an veränderte gesetzliche Vorgaben) bieten die Kataloge einen stabilen Rahmen. Erweiterungen können im Sinne der bestehenden Ordnungslogik vorgenommen werden, und bei Updates der GEFMA-Standards lässt sich nachvollziehen, wie das eigene Modell entsprechend angepasst werden sollte.
Verhältnis zu GEFMA 924 (Datenmodell)
Die Bauwerkstyp-Kataloge sind als Ergänzung zur GEFMA 924 zu verstehen, nicht als Ersatz. GEFMA 924 liefert das allgemeine, abstrakte Datenmodell – quasi den Baukasten aller potentiellen FM-Datenelemente und ihre generischen Beziehungen. Die Kataloge 924-1 bis -8 hingegen konkretisieren diesen Baukasten pro Anwendungsfall, also pro Gebäudeart. Damit haben sie eine praxisnahe, spezifizierende Funktion, bleiben aber stets im Rahmen der in GEFMA 924 definierten Strukturen. Anwender sollten die Kataloge daher im Zusammenspiel mit der Haupt-Richtlinie nutzen: GEFMA 924 gibt den formalen Ordnungsrahmen und die Definitionstiefe vor, während 924-1 bis -8 Beispiele liefern, wie dieser Rahmen sinnvoll ausgefüllt werden kann. Sie stehen also in einem komplementären Verhältnis. Wichtig ist, dass durch die Kataloge keine neuen Objekttypen eingeführt werden, die den Rahmen von GEFMA 924 sprengen, sondern nur eine Auswahl und Spezialisierung getroffen wird. Dadurch bleibt die Konsistenz mit dem Gesamtstandard gewahrt.
Die Kataloge der Bauwerkstypen berühren zahlreiche andere Aspekte und Standards des Facility Managements, da ein FM-Datenmodell letztlich alle relevanten Informationen integrieren muss:
Wirtschaftlichkeit und Betriebskosten: Die erfassten Datenobjekte (z.B. Flächen, Anlagen, Verträge) bilden die Basis für Kostenberechnungen nach Standards wie DIN 18960 (Nutzungskosten im Hochbau) oder GEFMA 200er-Richtlinien (Wirtschaftlichkeitsberechnungen). Durch standardisierte Kostenzuordnungen und Kennzahlen in den Katalogen können Auswertungen zur Wirtschaftlichkeit bauwerkstypübergreifend konsistent erfolgen.
Betreiberpflichten und Sicherheit: Die Kataloge enthalten Objekte und Attribute, die direkt mit Betreiberverantwortung in Verbindung stehen – etwa Prüf- und Wartungsobjekte gemäß gesetzlichen Vorgaben (z.B. Aufzugprüfungen nach BetrSichV, Brandschutzeinrichtungen nach Landesbauordnung, Medizinprodukte nach MPBetreibV). Damit schlagen sie eine Brücke zu Regelwerken wie den Technischen Regeln der DGUV, den VDI 3810-Blättern (Betreiben und Instandhalten von TGA) oder GEFMA 190er-Richtlinien (Betreiberverantwortung). Die Datenstrukturen unterstützen die Einhaltung solcher Standards, indem sie z.B. Prüftermine, Verantwortliche und Dokumente verknüpft bereitstellen.
Ganzheitliche FM-Prozesse: Die Kataloge fügen sich ein in das Prozess-Framework, wie es z.B. GEFMA 100 oder die europäische Norm DIN EN ISO 41001 (FM-Managementsysteme) vorgeben. Indem sie die Datenbasis für Flächenmanagement, Instandhaltung, Reinigungsmanagement usw. standardisieren, erleichtern sie die Verzahnung der Prozesse. Ein Beispiel: Standardisierte Raum- und Flächendaten (nach Katalog) ermöglichen ein reibungsloses Zusammenspiel mit einem Flächenbuch nach GEFMA 130 oder einem Reinigungsstandard nach GEFMA 240.
Beitrag zur Datenkonsistenz und Transparenz
Durch die GEFMA 924-1 bis -8 Kataloge wird ein hoher Grad an Datenkonsistenz erreicht. Alle Gebäudetypen werden nach einem einheitlichen Prinzip beschrieben – gleiche Begriffe bedeuten das Gleiche, unabhängig vom Objekt. Diese gemeinsame „Sprache“ im FM-Datenmanagement erhöht die Transparenz deutlich: Anlagen, Flächen oder Verträge sind in jedem System und an jedem Standort vergleichbar strukturiert. Unterschiedliche Liegenschaften oder Bauwerkstypen lassen sich so hinsichtlich Kennzahlen, Leistungen oder Kosten direkt gegenüberstellen, weil keine Konvertierung oder manuelle Zuordnung abweichender Datenmodelle nötig ist. Für Eigentümer und Betreiber mit verteilten Portfolios bedeutet das, dass Standort- und typenübergreifende Vergleiche (Benchmarking) valid und belastbar durchgeführt werden können. Zudem reduziert die Konsistenz das Fehlerrisiko, da Informationen eindeutiger zuzuordnen sind und weniger Interpretationsspielraum besteht. Zusammengefasst schaffen die standardisierten Kataloge eine durchgängige Datenbasis, die transparente Entscheidungen ermöglicht – vom operativen Berichtswesen bis zum strategischen Portfolio-Management.
Die Verwendung der Bauwerkstyp-Kataloge bietet für Betreiber und FM-Organisationen einen deutlichen Mehrwert:
Effizientere Prozesse: Einheitliche Datenstrukturen beschleunigen Arbeitsabläufe. Beispielsweise kann ein FM-Dienstleister, der verschiedene Objekte betreut, dieselben Auswertungs- und Berichtstemplates nutzen, weil die Daten an der Quelle standardisiert vorliegen. Schulungsaufwände sinken, da das Personal mit einem konsistenten Modell arbeitet, statt sich pro Gebäude auf unterschiedliche Strukturen einstellen zu müssen.
Verbesserte Entscheidungsgrundlagen: Mit vollständigen und standardisierten Daten lassen sich Entscheidungen fundierter treffen. Ob Investitionsplanung, Instandhaltungsstrategie oder Flächenoptimierung – die verlässliche Datengrundlage ermöglicht präzisere Analysen und Prognosen. Zudem erhöht die Vergleichbarkeit (siehe 7.1) die Aussagekraft von KPIs: Man erkennt z.B., warum ein bestimmtes Gebäude höhere Energiekosten hat, wenn alle nötigen Parameter gleich strukturiert vorliegen.
Nachhaltige FM-Datenstrukturen: Die Kataloge fördern langlebige, zukunftssichere Datenmodelle. Anpassungen an neue Anforderungen (etwa gesetzliche Änderungen oder technologische Entwicklungen wie IoT) lassen sich leichter integrieren, wenn die Basis standardisiert ist. Außerdem erleichtert ein standardkonformes Datenmodell die Kooperation mit externen Partnern (z.B. beim Wechsel von FM-Dienstleistern oder beim Datenübergang von Bauprojekten an den Betrieb). Organisationen schaffen sich so eine belastbare Datenplattform, die auch langfristig gepflegt und erweitert werden kann, ohne an Strukturqualität zu verlieren.
Zusammenfassende Bewertung und Anwendungsempfehlung
Die GEFMA 924-1 bis -8 stellen ein zentrales Instrument zur praxisnahen Umsetzung standardisierter FM-Datenmodelle dar. Durch die konsequente Bauwerkstypisierung ermöglichen sie eine strukturierte, nachvollziehbare und langfristig tragfähige Abbildung von Gebäudedaten im Facility Management. Insbesondere für Organisationen mit heterogenem Gebäudebestand bilden sie eine robuste Grundlage, um Digitalisierung, Transparenz und Effizienz im Gebäudebetrieb voranzutreiben. Die Kataloge verbinden die abstrakten Vorgaben des GEFMA-Datenmodells mit der Realität verschiedener Immobilienarten und machen Standardisierung somit anwendbar. Ihre Nutzung wird daher empfohlen, um FM-Datenstrukturen im Einklang mit den methodischen Vorgaben von GEFMA aufzubauen und über den Lebenszyklus hinweg einheitlich fortzuschreiben.
