GEFMA 400: CAFM – Begriffsbestimmungen und Leistungsmerkmale
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GEFMA 400 CAFM-Grundlagen und Leistungsmerkmale
GEFMA 400 liefert eine grundlegende Systematik für Begriffe und Leistungsmerkmale von CAFM-Systemen im Facility Management. Die Richtlinie erläutert marktübliche Definitionen und beschreibt Anforderungen an Softwarelösungen zur Unterstützung von FM-Prozessen über den gesamten Lebenszyklus von Immobilien. Sie schafft eine einheitliche Basis für Planung, Auswahl und Bewertung von CAFM-Systemen und stärkt die Transparenz digitaler FM-Strukturen.
CAFM-Begriffe und funktionale Leistungsmerkmale
- Zielsetzung, Anwendungsbereich und Einordnung
- Grundverständnis von CAFM
- Systemarchitektur und Grundprinzipien von CAFM‑Systemen
- Begriffe und Terminologie
- Leistungsmerkmale von CAFM‑Systemen
- Funktionsmodule von CAFM‑Systemen
- Prozessunterstützung durch CAFM
- Nutzer‑ und Rollenmodelle
- Schnittstellen und Systemintegration
- Anforderungen an Daten, Struktur und Qualität
- Einsatz von CAFM im Lebenszyklus von Immobilien
- Nutzen und Grenzen
- Bedeutung der GEFMA 400 für Auswahl und Einsatz von CAFM‑Systemen
Zielsetzung der Richtlinie
Die Richtlinie verfolgt das Ziel, ein einheitliches Begriffs‑ und Leistungsverständnis für CAFM‑Systeme zu schaffen. Sie erläutert wesentliche Begriffe und Anforderungen an CAFM‑Software und beschreibt, wie diese Anforderungen bei der konzeptionellen Vorbereitung, der Auswahl geeigneter Werkzeuge, der Implementierung und dem Betrieb berücksichtigt werden. Damit soll die Vergleichbarkeit von Systemen verbessert und die Entscheidungsfindung bei Ausschreibungen unterstützt werden.
Anwendungsbereich
GEFMA 400 gilt für computerunterstützte Facility‑Management‑Systeme unterschiedlicher Ausprägungen. Der Anwendungsbereich erstreckt sich auf CAFM‑, IWMS‑ und FM‑Softwarelösungen, die technische, infrastrukturelle und kaufmännische FM‑Prozesse unterstützen. Sie richtet sich sowohl an Eigen‑ als auch Fremdorganisationen und kann für Einzelobjekte ebenso wie für umfangreiche Immobilienportfolios eingesetzt werden. Die Richtlinie betont, dass ein CAFM‑System als Komplettlösung die Prozesse im Betrieb unterstützen soll.
Einordnung in die GEFMA‑Richtlinienlandschaft
GEFMA 400 gehört zur Richtliniengruppe 400 „CAFM“. Sie bildet die Grundlagenrichtlinie für IT‑gestütztes Facility Management und wird von vertiefenden Richtlinien flankiert. Dazu gehören beispielsweise GEFMA 410 (Schnittstellen zur IT‑Integration von CAFM‑Software), GEFMA 420 (Einführung eines CAFM‑Systems) und GEFMA 430 (Datenbasis und Datenmanagement). GEFMA 400 bildet den Referenzrahmen für diese nachfolgenden Richtlinien und legt die Grundbegriffe fest.
Begriff und Abgrenzung
Computer Aided Facility Management (CAFM) ist ein softwaregestützter Ansatz zur systematischen Planung, Steuerung und Kontrolle von Immobilien und ihrer technischen Infrastruktur. Ein CAFM‑System besteht aus einer zentralen Datenbank und einer Benutzeroberfläche, in der alle Informationen zu Gebäuden, Anlagen und Einrichtungen erfasst, historisiert und ausgewertet werden. Es digitalisiert und optimiert die gesamte Bandbreite des Facility Managements – von der Wartungs‑ und Prüfungsplanung bis zur Ressourcenverwaltung.
GEFMA unterscheidet zwischen der CAFM‑Software und dem CAFM‑System: Ein CAFM‑System bezeichnet eine an die individuellen Anforderungen angepasste Komplettlösung, die aus einer CAFM‑Software und weiteren Programmen sowie Schnittstellen zu anderen Systemen besteht. Die reine Software ist damit nur ein Teil des Gesamtsystems. Im Unterschied zu einem Computerized Maintenance Management System (CMMS) konzentriert sich das CAFM auf die physische Arbeitsumgebung und die Flächennutzung, während ein Integrated Workplace Management System (IWMS) darüber hinaus strategische Aspekte wie Portfolio‑ und Energiemanagement integriert.
CAFM ist abzugrenzen von ERP‑Systemen, BIM‑Systemen und technischen Leitsystemen. Es ergänzt ERP‑Funktionen durch objektspezifische Informationen und weist gegenüber reinen CAD/BIM‑Lösungen eine stärkere Ausrichtung auf betriebliche Prozesse auf. Im Gegensatz zur Gebäudeautomation, die vor allem technische Anlagen steuert, bietet CAFM eine umfassende Informations‑ und Analyseplattform.
Rolle von CAFM im FM
CAFM übernimmt im Facility Management die Rolle eines integrierten Informations‑, Steuerungs‑ und Dokumentationssystems. Es sammelt alle gebäudebezogenen Daten, unterstützt die Planung von Wartungs‑ und Prüfungsmaßnahmen und stellt diese Informationen verschiedenen Nutzergruppen in Listen, Grafiken oder Berichten zur Verfügung. Die systematische Erfassung und Auswertung aller FM‑Prozesse schafft Transparenz und unterstützt fundierte Entscheidungen. Zudem gewährleistet CAFM eine einheitliche und aktuelle Datenbasis, die über Schnittstellen zu ERP‑, HR‑, Energie‑ und Dokumentationssystemen ausgetauscht werden kann.
Aufbau von CAFM‑Systemen
Ein CAFM‑System setzt sich aus einer zentralen Datenbasis, modularen Funktionskomponenten und einer oder mehreren Benutzeroberflächen zusammen. Historisch entstanden viele Systeme aus CAD‑Anwendungen; moderne Systeme speichern vektorgraphische (CAD/BIM) und alphanumerische Daten in einer gemeinsamen Datenbank. Es existieren aber auch CAFM‑Lösungen ohne CAD‑Unterstützung, bei denen Grafiken als gescannte Pläne eingebunden werden. Über Schnittstellen wird das System mit ERP‑, Finanz‑ und Personalverwaltung sowie Gebäudetechnik‑ und Dokumentationssystemen verbunden.
Datenorientierung und Objektbezug
Die Informationsbasis eines CAFM‑Systems ist eine strukturierte Datenbank. In ihr werden alle gebäudespezifischen Daten gespeichert und so aufbereitet, dass Nutzer definierte Kennzahlen und Berichte erstellen können. Die Richtlinie unterscheidet verschiedene Datenbanktypen: relationale Datenbanken speichern Daten in miteinander verknüpften Tabellen, postrelationale und objektorientierte Datenbanken erlauben hierarchisch geschachtelte Strukturen bzw. objektbezogene Speicherung, und objektrelationale Datenbanken verbinden beide Ansätze. Durch die Zuordnung von Raum‑, Flächen‑, Anlagen‑ und Vertragsdaten entsteht ein enger Objektbezug, der eine eindeutige Identifikation von Gebäudeteilen, Anlagenkomponenten oder Verträgen ermöglicht.
Zentrale Begriffe
Zu den wesentlichen Fachbegriffen im CAFM gehören das Raumbuch (strukturierte Sammlung von Raum‑ und Gebäudedaten), Flächenmanagement, Umzugsmanagement, Auftrags‑/Instandhaltungsmanagement, Dokumentenmanagement, Raumbelegung, Budgetplanung, Reinigung, Schlüsselmanagement und Gefahrstoffkataster. Auch technische Anlagen, Verträge, Arbeitsaufträge sowie Verbräuche und Kostenstellen zählen zu den Dateneinheiten eines CAFM‑Systems. Diese Begriffe bilden die Grundlage für die Kommunikation zwischen FM‑Fachleuten, IT und Management.
Bedeutung einheitlicher Terminologie
Klare und einheitliche Begrifflichkeiten erleichtern die Zusammenarbeit zwischen FM, IT und Eigentümern. Die GEFMA‑Richtlinie stellt deshalb definierte Begriffe bereit, um Missverständnisse zu vermeiden und die Vergleichbarkeit verschiedener Systeme zu gewährleisten. Die im Kurzreferat der DIN‑Media‑Beschreibung hervorgehobenen Begriffsbestimmungen unterstützen die Auswahl und Einführung von CAFM‑Systemen.
Grundlegende Leistungsdimensionen
Funktionale Leistungsmerkmale beziehen sich auf die Abdeckung der FM‑Prozesse. Dazu zählen das Flächen‑, Anlagen‑, Instandhaltungs‑ und Vertragsmanagement, aber auch Aufgaben wie Reinigung, Schlüsselverwaltung, Energiemanagement und Budgetverwaltung. Die Module von HSD NOVA‑FM zeigen beispielsweise, dass das Flächenmanagement eine zentrale Verwaltung von Liegenschaften, Gebäuden, Ebenen und Räumen ermöglicht und die Nutzung, Belegungsplanung sowie Auswertung der Flächendaten unterstützt. Das Instandhaltungsmanagement unterstützt die Planung, Durchführung und Überwachung von Prüfungen, Wartungen und Inspektionen. Das Anlagenmanagement verwaltet technische Anlagen, ordnet Komponenten zu, hinterlegt technische und kaufmännische Daten und ermöglicht die Planung aller Wartungs‑ und Instandhaltungsarbeiten. Das Vertragsmanagement dokumentiert und verwaltet alle Vertragsarten inklusive Fristen, Laufzeiten, Kündigungsterminen und zugehöriger Dokumente. Die Dokumentenverwaltung wiederum archiviert und verknüpft Dokumente mit Datenbankobjekten und Prozessen.
Technische Leistungsmerkmale umfassen Stabilität, Skalierbarkeit und Integration der IT‑Architektur. Moderne CAFM‑Systeme bieten bidirektionale Schnittstellen zu CAD‑ und BIM‑Systemen, integrieren gängige Prüfsysteme für das Instandhaltungsmanagement, ermöglichen die Anbindung externer Leitsysteme und unterstützen mobile Anwendungen. Sie bieten zudem Funktionen wie Reporting und Dashboards für Echtzeit‑Analysen.
Organisatorische Leistungsmerkmale betreffen Rollen‑, Rechte‑ und Workflowkonzepte. Untersuchungen an Hochschulen zeigen, dass 90 % der Einrichtungen Zugriffsrechte über Rollen wie „Nutzer‑allgemein“, „Nutzer‑Technik“, „Nutzer‑Bereich“ oder „Administrator“ vergeben. Die personelle Vergabe von Rechten erfolgt seltener; stattdessen werden Rollenmodelle genutzt, die die Benutzergruppen (operative Anwender, Key‑User, Administratoren, Management) differenziert und Verantwortlichkeiten klar zuordnet. Workflow‑Funktionen wie Fristenüberwachung im Vertragsmanagement, Protokollierung von Statusänderungen im Instandhaltungsmanagement und automatische Eskalationen unterstützen die Prozesssteuerung.
Qualitätsmerkmale
Für die Qualität eines CAFM‑Systems sind Datenkonsistenz, Nachvollziehbarkeit, Aktualität und Auswertbarkeit entscheidend. Die Richtlinie betont, dass die Informationsbasis eine aktuelle, vollständige und transparente Datenbank sein muss. Ein Anteil von fünf bis zehn Prozent falscher Daten macht die Datenbank nahezu unbrauchbar. Daher müssen klare Verantwortlichkeiten für die Datenpflege definiert und regelmäßige Aktualisierungen durchgeführt werden. Nur eine konsistente Datenbasis ermöglicht aussagekräftige Kennzahlen, Benchmarking und Controlling.
Qualität eines CAFM‑Systems
| Leistungsdimension | Beschreibung | FM Nutzen |
|---|---|---|
| Funktional | Abdeckung von Flächen , Anlagen , Instandhaltungs , Vertrags und Dokumentenmanagement | Prozessunterstützung |
| Technisch | Stabile Architektur, Integrationsfähigkeit, CAD/BIM Anbindung, mobile Anwendungen | Betriebssicherheit |
| Organisatorisch | Rollen und Rechtekonzepte, Workflows, Fristenüberwachung | Steuerbarkeit |
Modulkonzept
CAFM‑Systeme sind modular aufgebaut. Sie bieten eine Vielzahl von Funktionsmodulen, die bedarfsgerecht kombiniert werden können. Die Entwicklung der Systeme hat gezeigt, dass nahezu alle Hersteller den Anspruch verfolgen, alle FM‑Aufgaben mittels Modulen abzudecken; gleichwohl sind externe Speziallösungen weiterhin sinnvoll. Das Modulkonzept ermöglicht es, nur die benötigten Funktionen zu lizenzieren und das System schrittweise zu erweitern.
Überblick über typische CAFM‑Module
| Modul | Inhaltlicher Schwerpunkt | FM Bezug |
|---|---|---|
| Flächenmanagement | Verwaltung von Liegenschaften, Gebäuden, Ebenen und Räumen; Erfassung von Nutzungsarten und Belegung; Auswertung der Flächennutzung | Strategisch |
| Instandhaltungsmanagement | Rechtssichere Planung und Überwachung von Prüfungen, Wartungs und Inspektionsmaßnahmen; automatische Auswahl von Prüfvorschriften; Protokollierung von Statusänderungen | Operativ |
| Anlagenmanagement | Verwaltung technischer Anlagen und Bauwerke; Zuordnung von Anlagenkomponenten; Hinterlegung technischer und kaufmännischer Daten; Planung und Organisation von Wartungs und Instandhaltungsarbeiten | Betrieb |
| Vertragsmanagement | Verwaltung aller Vertragsarten (Dienstleistungs , Miet , Leasing , Versicherungs , Wartungsverträge usw.); Fristen und Terminüberwachung; Dokumentenablage | Kaufmännisch |
| Dokumentenmanagement | Zentrale Ablage und Kategorisierung von Dokumenten; Verknüpfung mit Datenbankobjekten; rollenabhängige Rechtevergabe; Protokollierung der Dokumentenablage | Rechtssicherheit |
Abbildung von FM‑Prozessen
CAFM‑Systeme bilden operative und steuernde FM‑Prozesse durchgängig ab. Sie erfassen Störmeldungen, organisieren Wartungs‑ und Prüfaufträge und unterstützen bei der Auswertung von Kennzahlen. Das Flächenmanagement dient als Grundlage zur Verortung technischer Geräte und zur systematischen Auswertung der Flächendaten. Das Instandhaltungsmanagement dokumentiert sämtliche Prüf‑ und Wartungsmaßnahmen und protokolliert Statusänderungen. Das Anlagenmanagement ermöglicht die Planung, Organisation und Leistungsabrechnung aller Wartungs‑ und Instandhaltungsarbeiten. Durch integrierte Funktionen für Budgetverwaltung, Dokumentation und Reporting bildet CAFM die Basis für ein prozessorientiertes FM.
Workflows und Automatisierung
Standardisierte Workflows und digitale Freigabeprozesse sind wesentliche Vorteile moderner CAFM‑Systeme. Vertragsmanagement‑Module erinnern automatisch an Kündigungsfristen und Verlängerungsoptionen. Instandhaltungsmanagement‑Module wählen automatisch die zugehörige Prüfvorschrift aus und übernehmen Prüfergebnisse sowie Terminfortschreibungen. Journalfunktionen protokollieren Änderungen mit Angaben zu verantwortlichen Personen und Zeitpunkten. Solche Mechanismen erhöhen die Nachvollziehbarkeit, reduzieren den manuellen Aufwand und unterstützen das Eskalationsmanagement.
Nutzergruppen im CAFM
Die Hauptnutzergruppen in einem CAFM‑System lassen sich in operative Anwender (z. B. Servicetechniker, Objektmanager), Key‑User, Administratoren und Management unterteilen. Operative Anwender erfassen Störmeldungen, Wartungsaufträge oder Flächenbelegungen. Key‑User konfigurieren Module, betreuen Daten und bilden die Schnittstelle zur IT. Administratoren verwalten Benutzer, Rechte und Schnittstellen. Das Management nutzt Analysen und Reports für strategische Entscheidungen.
Rechte‑ und Rollenkonzepte
Ein CAFM‑System muss differenzierte Zugriffs‑ und Verantwortungsmodelle bereitstellen. Untersuchungen zeigen, dass die meisten Organisationen Zugriffsrechte nicht personengebunden, sondern rollenbasiert vergeben; typische Rollen sind „Nutzer‑allgemein“, „Nutzer‑Technik“, „Nutzer‑Bereich“ und „Administrator“. Rollenmodelle erleichtern die Pflege der Zugriffsrechte, da Rechte und Pflichten zentral definiert werden können. Ein Single‑Sign‑On‑Verfahren ermöglicht, dass sich der Nutzer einmal anmeldet und mit dem hinterlegten Profil in alle integrierten Systeme eingeloggt wird. Dies erhöht die Sicherheit und Nutzerakzeptanz.
Integration in IT‑Landschaften
CAFM‑Systeme müssen sich in vorhandene IT‑Landschaften integrieren lassen. Schnittstellen zu ERP‑, HR‑, Energie‑, CAD/BIM‑ und Dokumentationssystemen stellen sicher, dass Daten ausgetauscht werden können und Redundanzen vermieden werden. Moderne Systeme bieten bidirektionale CAD‑Schnittstellen, um aus CAD‑Plänen Raum‑ und Flächendaten auszulesen und bei Änderungen zurückzuschreiben. Darüber hinaus wird in GEFMA 410 die Integration in weiterführende Systeme wie plattformbasierte Ökosysteme und Common Data Environment‑Systeme beschrieben.
Datenflüsse und Konsistenz
Durch strukturierte Datenflüsse über Systemgrenzen hinweg wird die Konsistenz der Daten gewährleistet. Die Richtlinie hebt hervor, dass der regelmäßige Datenaustausch mit der zuständigen Bauverwaltung oder externen Dienstleistern sicherstellen soll, dass Pläne, CAD‑Daten und Informationen zu technischen Anlagen aktuell bleiben. Schnittstellenformate wie DXF, DWG, IGES und STEP werden für den Austausch vektorgraphischer Daten eingesetzt. Eine konsequente Schnittstellenstrategie verhindert redundante Datenhaltung und erleichtert die Integration von Spezialsoftware.
Datenmodelle im CAFM
Die Datenbasis eines CAFM‑Systems besteht aus verschiedenen Datenarten: Bestandsdaten (Raumbuch, CAD‑Daten), Zustandsdaten (Betriebszustände, Temperaturen), Verbrauchsdaten (Wasser‑, Energieverbrauch), Leistungskataloge (Reinigungs‑ und Wartungsverträge), Workflowdaten (Prozesssteuerung), kaufmännische Daten (Mietverträge, Budget, Kostenstellen) sowie pixel‑ und vektorgrafische Daten. Die Daten werden in relationalen, postrelationalen, objektorientierten oder objektrelationalen Datenbanken gespeichert. Der objektbezogene Aufbau des Datenmodells ermöglicht die eindeutige Zuordnung von Attributen zu Räumen, Anlagen, Verträgen und Personen.
Datenpflege und Verantwortlichkeiten
Die Pflege der Daten ist eine organisatorische Kernaufgabe. Verantwortlichkeiten müssen eindeutig definiert werden, damit Daten regelmäßig aktualisiert und Fehler vermieden werden. Eine Priorisierung der aufzunehmenden Daten nach Häufigkeit und Bedeutung erleichtert die Datenaufnahme und reduziert den Aufwand. Daten mit hoher Veränderlichkeit verursachen einen großen Pflegeaufwand; daher sollten Detaillierungsgrad und Perfektionismus sorgfältig abgewogen werden. Nach der Inbetriebnahme des Systems müssen sämtliche baulichen, organisatorischen und personellen Änderungen zeitnah in der Datenbank nachgeführt werden. Schon ein geringer Anteil falscher Daten (5–10 %) kann die Datenbank nahezu unbrauchbar machen. Tabellarische Übersichten in der Richtlinie geben Hinweise zur Aktualisierungshäufigkeit verschiedener Datenarten.
Planung und Übergabe
Bereits in der Planungs‑ und Bauphase unterstützt CAFM die Dokumentation und Datenübernahme. Über Schnittstellen können CAD‑Pläne, BIM‑Modelle und technische Spezifikationen übergeben werden, sodass die Datenbasis zum Zeitpunkt der Betriebsübergabe vollständig vorhanden ist. Ein regelmäßiger Datenaustausch mit Planungs‑ und Baupartnern stellt sicher, dass Änderungen an Gebäudeplänen und Anlagen sofort im CAFM‑System verfügbar sind. Die klare Definition von Datenformaten (DXF, DWG, STEP) erleichtert die Integration.
Betrieb und Optimierung
Im laufenden Betrieb dient CAFM als Werkzeug zur Steuerung, Analyse und kontinuierlichen Verbesserung. Es unterstützt die Überwachung von Wartungs‑ und Prüfterminen, die Auswertung von Verbrauchs‑ und Betriebsdaten, das Benchmarking von Kennzahlen und die Ableitung von Optimierungsmaßnahmen. Durch die Verknüpfung mit Reporting‑ und Dashboard‑Funktionen können Facility Manager den Zustand von Flächen und Anlagen überwachen und gezielt auf Abweichungen reagieren. Langfristig ermöglicht die Analyse historischer Daten die Anpassung von Wartungsstrategien und Flächenkonzepten.
Nutzen für das Facility Management
Transparenz und Nachweisfähigkeit: Die systematische Erfassung und Dokumentation aller FM‑Prozesse schafft Transparenz über Flächen, Anlagen, Verträge und Kosten. Journalfunktionen im Instandhaltungsmanagement protokollieren Statusänderungen. Im Vertragsmanagement werden alle Verträge mit ihren Fristen und Laufzeiten zentral verwaltet, sodass Kündigungsfristen nicht mehr übersehen werden.
Effizienzsteigerung: Automatisierte Workflows, Fristenüberwachung und die Integration von Prüfsystemen reduzieren manuellen Aufwand. Mobile Anwendungen ermöglichen die Nutzung der Daten vor Ort.
Entscheidungsunterstützung: Durch Reporting‑ und Dashboard‑Funktionen können Kennzahlen und Benchmarks erzeugt werden, die das Management bei strategischen Entscheidungen unterstützen.
Compliance: Die hinterlegten Prüf‑ und Wartungspläne sowie die Dokumentation von Prüfprotokollen unterstützen die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben.
Grenzen und Voraussetzungen
Der Nutzen eines CAFM‑Systems ist eng an die Qualität der Daten und die organisatorische Verankerung gebunden. Hoher Detailgrad und unzureichende Ressourcen können zu Datenfriedhöfen führen; daher ist eine sorgfältige Datenaufnahme und kontinuierliche Pflege notwendig. Der Aufwand für Datenpflege und Systembetreuung muss realistisch eingeschätzt werden, um die Nutzerakzeptanz zu sichern. Spezialisierte externe Softwarelösungen können für bestimmte Funktionen (z. B. Energiemanagement) sinnvoller sein als integrierte Module. Zudem erfordert die Einführung eines CAFM‑Systems Schulungen, Anpassungen an bestehende Prozesse und die Bereitschaft der Nutzer, mit neuen Arbeitsweisen umzugehen. Ohne diese organisatorischen Voraussetzungen bleibt das System hinter den Erwartungen zurück.
Orientierung und Vergleichbarkeit
Die Richtlinie bietet einen Referenzrahmen zur Bewertung von CAFM‑Systemen. Sie enthält definierte Begriffe und Leistungsmerkmale und ermöglicht es Betreibern, Eigentümern und Beratern, Anforderungen in Lasten‑ und Pflichtenheften präzise zu formulieren. Bei Ausschreibungen und Vergaben können Anbieter anhand der GEFMA‑Kriterien systematisch verglichen werden. Die TGA‑Fachzeitschrift hebt hervor, dass GEFMA 400 zusammen mit den Richtlinien 410, 430, 440, 444 und 460 eine umfassende Grundlage für Digitalisierung und Informationstechnik im Facility Management bildet.
Grundlage für weitere CAFM‑Richtlinien
GEFMA 400 ist die Basis für weiterführende Richtlinien, die spezifische Aspekte des CAFM behandeln. GEFMA 410 beschreibt Schnittstellen zur IT‑Integration, GEFMA 420 erläutert den Einführungsprozess, GEFMA 430 widmet sich der Datenbasis und dem Datenmanagement, GEFMA 440 behandelt Ausschreibung und Vergabe von Lieferungen und Leistungen im CAFM, und GEFMA 444 legt Mindeststandards für CAFM‑Softwareprodukte fest. Diese Richtlinien bauen auf den in GEFMA 400 definierten Begriffen und Leistungsmerkmalen auf und bieten praktische Hilfestellungen für Einführung, Betrieb und Ressourcenplanung.
