DIN EN ISO 41014:2021-10 Facility Management Strategie
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ISO 41014:2021 – Entwicklung einer Facility-Management-Strategie
DIN EN ISO 41014 ist ein internationaler Leitfaden für die Entwicklung einer Facility-Management-Strategie. Er richtet sich an Organisationen – im Standard Nachfrageorganisationen genannt – die das Facility Management (FM) strategisch ausrichten wollen, um ihr Kerngeschäft optimal zu unterstützen. Eine erfolgreich implementierte FM-Strategie zeigt sich letztlich darin, dass die Ziele erreicht oder übertroffen werden und das Kerngeschäft spürbar von den FM-Maßnahmen profitiert. Dies sollte – im Sinne von Best Practice – nach außen und innen kommuniziert werden: etwa durch Geschäftsberichte, die Erfolge im FM erwähnen, oder durch Auszeichnungen (wie z.B. Teilnahme an Benchmark-Wettbewerben). Solche Signale verstärken die Anerkennung des FM als strategischer Partner im Unternehmen.
ISO 41014:2021 liefert einen umfassenden Rahmen für strategisches Facility Management, der von der Analyse über die Planung bis zum Monitoring alle Schritte abdeckt. Die Anwendung dieser Leitlinien – in Verbindung mit einschlägigen nationalen Normen (DIN, VDI) und bewährten Branchenpraktiken – ermöglicht es Facility Managern, die Rolle des FM langfristig weiterzuentwickeln und dauerhaft sicherzustellen, dass FM-Leistungen im Einklang mit dem Kerngeschäft stehen sowie Mehrwert für Organisation, Umwelt und Gesellschaft schaffen.
Norm zur Entwicklung FM-Strategien und Ziele
- Geltungsbereich
- Begriffe und Grundlagen
- Organisation der Bedarfsorganisation
- Führungsstruktur und Governance im FM
- Kontext des Kerngeschäfts
- Risikomanagement
- Strategische Ausrichtung
- Facility-Management-Anforderungen
- Zukünftiger Bedarfe
- Einbeziehung von Stakeholdern
- Berücksichtigung von Markttrends
- Validierung der Anforderungen
- Formulierung der FM-Strategie
- Budgetplanung
- Sourcing-Strategie
- Kommunikation der Strategie
- Umsetzungsplan
- Leistungssteuerung
- Kontinuierliche Verbesserung
Der Anwendungsbereich umfasst Leitlinien für FM-Organisationen, wenn diese:
die Ausrichtung der FM-Leistungen an den Zielen, Bedürfnissen und Randbedingungen des Kerngeschäfts der Nachfrageorganisation sicherstellen möchten;
den Nutzen und Mehrwert der Facilities für das Kerngeschäft steigern wollen;
anstreben, die Anforderungen aller relevanten Stakeholder sowie geltende Vorschriften konsequent zu erfüllen;
Nachhaltigkeit im FM gewährleisten wollen, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können.
Durch die Umsetzung dieser Leitlinien soll eine Diskrepanz zwischen den Zielen des Kerngeschäfts und den unterstützenden FM-Maßnahmen vermieden werden. Eine klar formulierte FM-Strategie trägt dazu bei, die Effektivität und Effizienz der FM-Leistungen zu verbessern und ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg messbar zu machen. Zu den Nutzen einer FM-Strategie zählen etwa: besseres Verständnis der Geschäftsanforderungen, engere Ausrichtung der FM-Aktivitäten an die Unternehmensziele, höhere Effizienz in Prozessen und Ressourcenverwendung sowie eine transparente, reproduzierbare Methodik für strategische FM-Entscheidungen. Letztlich unterstützt eine FM-Strategie auch die Kostenoptimierung und Nachhaltigkeit durch gezielten Einsatz knapper Ressourcen.
Die Norm schließt eine Lücke in der bisherigen FM-Richtlinienlandschaft, indem sie praxisorientierte Empfehlungen für strategische Entscheidungen im FM liefert. Sie kann von jeder FM-Organisation genutzt werden, die eine einheitliche Vorgehensweise zur Strategieentwicklung etablieren oder ihre bestehende Strategie an internationalen Best Practices messen möchte.Die FM-Strategie wird dabei als Planungswerkzeug verstanden, das aufzeigt, wie FM langfristig ausgerichtet und mit dem Geschäftszweck verzahnt wird.
Begriffe und Grundlagen
Facility Management (FM) wird gemäß ISO 41011 als organisatorische Funktion definiert, die Menschen, Orte und Prozesse in der gebauten Umwelt integriert, um die Lebensqualität der Menschen und die Produktivität des Kerngeschäfts zu verbessern. FM ist strategisch bedeutsam, da es das Erreichen der Unternehmensziele durch sichere, zuverlässige, effiziente, kosteneffektive und nachhaltige Einrichtungen unmittelbar unterstützt. Die Organisation, deren Kerngeschäft durch FM unterstützt wird, bezeichnet der Standard als Nachfrageorganisation („demand organization“). Dies ist die Einheit (z.B. Eigentümer, Betreiber oder Nutzer eines Gebäudes), welche den Bedarf an FM-Leistungen hat und die Kosten dafür trägt. Diejenige Organisationseinheit oder der Dienstleister, der die FM-Leistungen erbringt, wird als FM-Organisation bezeichnet. In der Praxis können FM-Organisation und Nachfrageorganisation Teil desselben Unternehmens sein (internes FM) oder es handelt sich um externe FM-Dienstleister. ISO 41014 macht diese Unterscheidung deutlich, da FM-Leistungen je nach Organisationsform intern, extern oder gemischt erbracht werden können.
Eine FM-Strategie im Sinne der Norm ist eine schriftliche Erklärung, die die analysierten Bedarfe der Nachfrageorganisation, die vorgeschlagenen FM-Lösungsansätze sowie einen groben Umsetzungsplan zusammenfasst. Sie dient als verbindliche Leitlinie für das FM und bildet die Brücke zwischen den strategischen Vorgaben des Kerngeschäfts und der operativen FM-Umsetzung. Die FM-Strategie steht zudem im Zusammenhang mit der FM-Politik (übergeordnetes FM-Leitbild, vgl. ISO 41018) und dem FM-Managementsystem (ISO 41001). Sie konkretisiert die FM-Politik durch langfristige Ziele, Prioritäten und Maßnahmen im Verantwortungsbereich des Facility Managements.
Organisation der Bedarfsorganisation (Struktur, Personal, Kultur)
Der erste Schritt der Strategieentwicklung ist ein gründliches Verständnis der Nachfrageorganisation und ihrer Strukturen. Da keine zwei Organisationen gleich sind, muss die FM-Organisation die spezifischen organisatorischen Rahmenbedingungen ihres Unternehmens analysieren.
Dazu zählen:
die Aufbau- und Ablauforganisation: Wie ist das Unternehmen strukturiert (z.B. Zentralisierung vs. Dezentralisierung, Abteilungen) und welche Prozesse bestehen? Eine klare Organisationsstruktur fördert effiziente Abläufe, definierte Zuständigkeiten und transparente Zusammenarbeit. Dies ist entscheidend, um FM-Maßnahmen erfolgreich umzusetzen. Änderungen in der Organisationsstruktur – etwa Expansion, Verkleinerung oder Umstrukturierungen – müssen berücksichtigt und dokumentiert werden, da sie direkten Einfluss auf den Bedarf an Gebäuden und Services haben.
das Humankapital: Größe und Zusammensetzung der Belegschaft, Qualifikationen und Kompetenzen der Mitarbeiter. Personelle Aspekte sind wichtige Einflussfaktoren, da Sicherheit, Wohlbefinden und Produktivität der Beschäftigten eng mit FM-Leistungen verknüpft sind. Die FM-Strategie sollte die Personalentwicklungspläne der Nachfrageorganisation kennen (z.B. geplantes Wachstum oder Reduktion der Mitarbeiterzahl) und deren zeitliche Horizonte berücksichtigen. So kann FM frühzeitig auf veränderte Kapazitäten oder Anforderungen (etwa an Büroflächen, Arbeitsumgebung, Services) reagieren.
das Wertesystem und die Unternehmenskultur: Die gemeinsamen Werte, Normen und Verhaltensweisen im Unternehmen prägen, wie Entscheidungen getroffen und Arbeit gestaltet wird. Eine offene, sicherheits- und qualitätsbewusste Kultur begünstigt FM-Maßnahmen, während eine kostenorientierte Kultur andere Schwerpunkte setzt. Die FM-Organisation muss diese kulturellen Gegebenheiten erkennen und respektieren. Beispielsweise beeinflusst die Kultur, ob neue FM-Initiativen auf Akzeptanz stoßen. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe an verschiedenen Standorten (z.B. international) können ebenfalls angepasste FM-Ansätze erfordern. Wichtig ist, die Kultur nicht als starres Hindernis zu sehen, sondern als Rahmen, in dem FM-Strategien kommuniziert und umgesetzt werden.
der Managementstil der Unternehmensführung: Hier geht es darum, wie Führungskräfte Ziele setzen, Entscheidungen treffen und Ressourcen zuteilen. Manche Organisationen sind z.B. innovativ und risikofreudig, andere konservativ und prozessorientiert. Der Managementstil wirkt sich darauf aus, welche FM-Vorgehensweisen erfolgreich sein können. Es gilt zu ermitteln, wer im Unternehmen welche Entscheidungen bezüglich Facilities trifft und nach welchen Kriterien. Die FM-Strategie sollte darauf abgestimmt werden – etwa ob formale Berichte und Kennzahlen gefragt sind oder eher pragmatische Lösungen.
Durch diese organisatorische Bestandsaufnahme erhält die FM-Organisation ein ganzheitliches Bild der internen Faktoren, die ihre Strategie beeinflussen. Alle relevanten Annahmen über Organisation, Personal und Kultur sollten dokumentiert und bei der Strategieformulierung klar benannt werden, um Missverständnisse zu vermeiden. Letztlich schafft dieses Verständnis die Grundlage dafür, FM-Ziele so zu formulieren, dass sie realistisch und auf die Bedürfnisse der Nachfrageorganisation zugeschnitten sind.
Führungsstruktur und Governance im FM
Neben den Strukturen der Nachfrageorganisation muss die FM-Organisation die Governance-Rahmenbedingungen betrachten, unter denen FM betrieben wird. Governance im FM-Kontext umfasst die Führungs- und Kontrollmechanismen, durch die FM-Aktivitäten gesteuert, Verantwortlichkeiten zugewiesen und die Einhaltung von Vorgaben sichergestellt werden.
Folgende Aspekte sind wesentlich:
Eigentumsverhältnisse und Betreiberrolle: Es ist zu klären, welche Einheiten im Unternehmen als Betreiber der Facilities fungieren und damit rechtlich verantwortlich sind (z.B. der Eigentümer oder ein beauftragter Property Manager). Die Eigentums- und Nutzungsstruktur (Wer besitzt die Immobilien? Wer nutzt sie? Gibt es externe Mieter?) beeinflusst die Gestaltung der FM-Strategie. Daraus ergeben sich Verantwortlichkeiten, etwa für Investitionen oder Betriebskosten. Die FM-Strategie sollte diese Verantwortlichkeiten widerspiegeln und ggf. vertragliche Regelungen zur Betreiberpflicht einbeziehen.
Führungsorganisation im FM: Hier geht es um die interne Verankerung des FM in der Unternehmensführung. Existiert eine zentrale FM-Abteilung mit klarer Führungsrolle oder ist FM dezentral organisiert? Die Unterstützung des Top-Managements ist entscheidend für die Umsetzung der FM-Strategie. Führungskräfte müssen von der strategischen Bedeutung des FM überzeugt sein. Gegebenenfalls sollte die FM-Strategie einen Sponsor oder Lenkungsausschuss im Management benennen, der die Umsetzung überwacht.
Regulatorische Anforderungen und Compliance: FM unterliegt zahlreichen Gesetzen, Verordnungen und Normen – von Arbeitssicherheit über Brandschutz bis Umweltauflagen. Die Einhaltung aller Betreiberpflichten („Compliance“) hat oberste Priorität in der FM-Strategie. In Deutschland sind hierzu z.B. Anforderungen aus dem Arbeitsstättenrecht, der Betriebssicherheitsverordnung, dem Gebäudebetrieb (Energie, Brandschutz) usw. strikt zu beachten. Die Betreiberverantwortung des Unternehmens bedeutet, für sichere Anlagen und regelkonformen Betrieb Sorge zu tragen; Verstöße können Haftungsrisiken nach sich ziehen. Anerkannte Richtlinien wie GEFMA 190 „Betreiberverantwortung“ bündeln die wesentlichen Pflichten und helfen, Risiken systematisch zu managen. Die FM-Strategie sollte daher darlegen, wie die Organisation Compliance sicherstellt (etwa durch Prüfpläne, Verantwortliche für Rechtskonformität und regelmäßige Audits). Ferner sind interne Richtlinien und Verfahren zu berücksichtigen: bestehende Arbeitsanweisungen, Qualitätsstandards oder Handbücher, die das Tagesgeschäft regeln. Diese internen Vorgaben – soweit sie Facilities und Services betreffen – müssen bei der Entwicklung der FM-Strategie einbezogen werden. Jede Lücke in der Abdeckung wichtiger Vorschriften oder interner Policies ist zu identifizieren und zu dokumentieren.
Prozessreife und Systematik: Die FM-Organisation sollte ihren Reifegrad in Bezug auf Prozesse, Technologien und Managementmethoden einschätzen. Ein höherer Reifegrad (z.B. durch zertifizierte Managementsysteme, digitale CAFM-Systeme, etablierte KPI-Systeme) ermöglicht eine fundiertere strategische Planung als ein unreifer, reaktiv geprägter FM-Betrieb. In ISO 41014 wird empfohlen zu prüfen, wie ausgereift die laufenden FM-Aktivitäten und -Systeme sind und wo Verbesserungspotenzial besteht. Dazu zählt auch die vorhandene Fachkompetenz im FM-Team (technische, kaufmännische und strategische Kenntnisse). Gegebenenfalls muss die Strategie Qualifizierungsmaßnahmen vorsehen, um benötigte Fähigkeiten aufzubauen – die Entwicklung und Erhaltung fachlicher Kompetenzen ist ein zentraler Bestandteil strategischen FM.
Im Ergebnis dieses Governance-Checks entsteht ein klares Bild, wie FM aktuell geführt wird und welche Rahmenbedingungen für Veränderungen gelten. Die FM-Strategie sollte Verantwortlichkeiten matrixartig abbilden (wer ist wofür verantwortlich, rechenschaftspflichtig, zu konsultieren, informiert – Stichwort RACI-Matrix). Insgesamt gilt: Eine gut definierte Führungs- und Organisationsstruktur im FM erleichtert die Strategieumsetzung erheblich. Sie stellt sicher, dass Zuständigkeiten geklärt sind, Regelkonformität gewahrt bleibt und Verbesserungen systematisch angegangen werden.
Kontext des Kerngeschäfts und Anforderungen an das FM
Ein zentrales Element der Strategieentwicklung ist die Analyse des Geschäftskontextes der Nachfrageorganisation. Das FM muss dessen Ziele, Treiber und Rahmenbedingungen verstehen, um daraus die richtigen FM-Strategien abzuleiten.
Folgende Punkte sind im Kontext des Kerngeschäfts zu betrachten:
Geschäftsstrategie und Werttreiber: Die Kerngeschäftsstrategie der Organisation definiert die langfristige Ausrichtung des Unternehmens (z.B. Wachstum, Marktführerschaft, Innovationsführerschaft). FM soll diese Strategie unterstützen. Daher muss man ermitteln, welche Aspekte der Geschäftsstrategie besonders vom Facility Management beeinflusst werden. Beispielsweise legen Kostenführer-Unternehmen großen Wert auf effizienzsteigerndes FM, während Differenzierungsstrategien vielleicht mehr Fokus auf repräsentative Gebäude und hochwertige Services legen. Es gilt, die Werttreiber des Geschäfts (Kosten, Qualität, Geschwindigkeit, Flexibilität etc.) zu identifizieren und zu verstehen, wie FM dazu beitragen kann. Eine strategische FM-Planung berücksichtigt interne wie externe Einflussfaktoren auf das Geschäft und integriert Nachhaltigkeits- und Effizienzüberlegungen in die FM-Strategie. Dadurch erzielt das Unternehmen ökologischen und ökonomischen Mehrwert, z.B. durch Energieeinsparungen oder bessere Flächennutzung.
Ziele, Bedürfnisse und Einschränkungen: Aus der Geschäftsstrategie leiten sich konkrete Geschäftsziele und Anforderungen ab – etwa Expansionspläne, neue Produkte, Umstrukturierungen oder Kostensenkungsprogramme. Ebenso gibt es Einschränkungen, z.B. Budgetlimits oder Standortfaktoren. Die FM-Organisation muss diese Ziele, Bedarfe und Randbedingungen in Erfahrung bringen und nachvollziehen. Dazu gehört, mit den Entscheidungsträgern der Nachfrageorganisation im Dialog zu stehen. Beispielsweise könnte ein Ziel sein, in 3 Jahren die Mitarbeiterzahl um 20 % zu erhöhen – was Auswirkungen auf Flächenbedarf und Services hat. Oder gesetzliche Einschränkungen (z.B. Denkmalschutz beim Gebäudebestand) begrenzen gewisse Maßnahmen. Die FM-Strategie soll alle solchen Faktoren widerspiegeln und in FM-Anforderungen übersetzen. Ein Abgleich der Geschäfts- und FM-Ziele reduziert die Wahrscheinlichkeit von Diskrepanzen zwischen gewünschten Geschäftsergebnissen und den bereitgestellten Facilities und Services.
Erfolgsmessung und Leistungskennzahlen: Jedes Unternehmen definiert, wie es Erfolg misst – seien es finanzielle Kennzahlen (Gewinn, ROI), Produktivitätskennzahlen, Kundenzufriedenheit oder Nachhaltigkeitsindikatoren. Diese Leistungskennzahlen des Kerngeschäfts geben einen Anhaltspunkt, welchen Beitrag FM leisten sollte. Die FM-Strategie sollte aufzeigen, welche FM-Kennzahlen als Indikatoren dienen, um den Erfolg der FM-Maßnahmen zu beurteilen (z.B. Flächenkosten pro Mitarbeiter, Energieverbrauch pro Quadratmeter, Verfügbarkeitsraten technischer Anlagen). Wichtig ist, dass FM-KPIs mit den übergeordneten Unternehmenszielen verknüpft werden (Balanced Scorecard-Ansatz). Dadurch kann regelmäßig geprüft werden, ob FM die gewünschten Ergebnisse unterstützt. ISO 41014 empfiehlt, bestehende Messsysteme und Werttreiber der Organisation zu analysieren, um passende Messgrößen für FM abzuleiten.
Marktumfeld und Wettbewerbsfaktoren: Je nach Branche und Marktposition der Nachfrageorganisation können äußere Einflüsse relevant sein. Zum einen betrifft das die Wettbewerbssituation des Unternehmens selbst (z.B. hoher Kostendruck, Innovationsdruck), was Anforderungen an FM (etwa Kostensenkung oder Flexibilität) erhöht. Zum anderen hat auch das Facility-Management-Umfeld eigene Trends, die berücksichtigt werden sollten: z.B. technologische Entwicklungen (Smart Building, Automation), Arbeitswelt-Trends (Homeoffice, flexible Offices) oder ESG-Vorgaben. Die FM-Strategie sollte diese Trends insofern einbeziehen, als sie Chancen und Risiken für das Unternehmen darstellen. Etwa kann Digitalisierung im FM Prozesse effizienter machen und Kosten senken, während Ignorieren digitaler Möglichkeiten einen Wettbewerbsnachteil bedeuten könnte. Ebenso verlangen Investoren und Kunden zunehmend Nachhaltigkeit und ESG-Integration vom FM. Die Strategie muss solche externen Anforderungen antizipieren, um das Unternehmen zukunftsfähig zu halten.
Kern- und Nicht-Kern-Aktivitäten: Ein wichtiges strategisches Abwägungsfeld ist, was das Unternehmen als Kernaufgaben betrachtet und was als unterstützende Tätigkeiten (Non-Core), die ggf. ausgelagert werden können. Facility Management gehört typischerweise zum Nicht-Kerngeschäft, dient aber dem Kerngeschäft. Die FM-Strategie sollte das Verhältnis von Kern- und Nebenaktivitäten klar betrachten. Oft wird hierzu eine Make-or-Buy-Analyse durchgeführt: Welche FM-Leistungen müssen eng am Kerngeschäft bleiben (z.B. strategisches Flächenmanagement, sicherheitskritische Dienstleistungen) und welche können externe Spezialisten effizienter erbringen (z.B. Catering, Reinigung)? Die aktuelle Leistungstiefe und künftige Pläne (z.B. weitere Auslagerungen oder Insourcing) sollten in der Strategie beschrieben werden. ISO 41014 schlägt vor, bestehende Betriebsmodelle und mögliche Zielmodelle zu skizzieren. Ein Ziel-Betriebsmodell definiert, wie FM-Leistungen in Zukunft organisiert sein sollen – z.B. verstärkt integriert über einen Gesamtanbieter, oder in Form eines hybriden Modells mit Kernteam plus Outsourcing-Partnern. Diese Entscheidungen haben maßgeblichen Einfluss auf Personal, Verträge und Qualitätssteuerung im FM und müssen daher strategisch getroffen werden.
Geplante Veränderungen und Verbesserungsziele: Schließlich sollten alle absehbaren Veränderungen in der Nachfrageorganisation erfasst werden, die FM betreffen. Das können geplante Investitionsprojekte sein (neue Standorte, Umbauten, Zusammenlegungen) oder Initiativen wie Umzüge, Einführung neuer IT-Systeme oder Prozessoptimierungen. Für jedes größere Vorhaben muss FM frühzeitig eingebunden werden, sei es bei Planung neuer Gebäude (Stichwort: FM-gerechte Planung, Mitwirkung bei der Bedarfsplanung für Neubau/Sanierung) oder bei Veränderungsprojekten (z.B. agile Arbeitswelten einführen). Aus den übergreifenden Geschäftszielen lassen sich zudem Verbesserungsziele für FM ableiten (z.B. 10 % Energiekostensenkung in 5 Jahren, Steigerung der Flächenproduktivität). ISO 41014 betont die Definition solcher Zielvorgaben im Rahmen der strategischen Analyse. Diese dienen später als Benchmark, ob die FM-Strategie erfolgreich ist.
Insgesamt schafft die Kontextanalyse die Basis dafür, FM-Anforderungen präzise zu bestimmen. Alle relevanten Erkenntnisse zum Geschäftskontext und den Erwartungen der Nachfrageorganisation sollen in die FM-Strategie einfließen, damit diese vollständig auf die Geschäftsziele abgestimmt ist. Dadurch wird sichergestellt, dass die FM-Strategie nicht isoliert entwickelt wird, sondern integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie ist. Eine enge Verzahnung vermindert das Risiko, am tatsächlichen Bedarf vorbei zu planen, und erhöht die Akzeptanz der FM-Strategie im Top-Management.
Risikomanagement und Notfallvorsorge
Eine robuste FM-Strategie muss proaktiv Risiken und Chancen im Zusammenhang mit Facilities und Services berücksichtigen.
ISO 41014 empfiehlt einen systematischen Risikomanagement-Prozess, der Bestandteil der Strategieentwicklung ist. Wichtige Aspekte hierbei:
Identifikation von Bedrohungen und Chancen: Die FM-Organisation sollte alle potenziellen internen und externen Risiken erfassen, welche die Betriebsabläufe oder Zielerreichung der Nachfrageorganisation beeinträchtigen könnten. Typische FM-bezogene Risiken sind z.B. Ausfall kritischer technischer Anlagen (IT, Klima), Brandschäden, Versorgungsausfälle (Strom, Wasser), Arbeitsunfälle, aber auch Risiken wie Fachkräftemangel im FM-Team oder Vertragspartnerausfälle. Ebenso sind Chancen zu identifizieren – etwa neue Technologien, die Kosten senken oder die Möglichkeit, durch nachhaltige Sanierungen Fördermittel zu erhalten. Für jedes Risiko sollte eine Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit und potenziellen Auswirkungen erfolgen (Risikobewertung, z.B. mittels Risikomatrix). Ein Hauptverantwortlicher FM (HoFM) wird idealerweise eine Risikomatrix erstellen mit der Frage: Welche Risiken bedrohen die Betriebskontinuität und die Zielerreichung?. Dies schafft Transparenz.
Vorsorgeplanung für Kontinuität: Ein besonderer Fokus liegt auf der Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs im Störfall. Die FM-Strategie sollte daher Konzepte für Business Continuity Management (BCM) enthalten. Dazu zählt, wichtige Infrastruktur und Services als kritisch zu klassifizieren (z.B. Rechenzentrum, Sicherheitssysteme) und Redundanzen bzw. Notfallpläne vorzuhalten. Notfall- und Wiederherstellungspläne (Disaster Recovery) beschreiben, wie im Ereignisfall (Brand, Überschwemmung, Stromausfall etc.) vorzugehen ist, um Personen zu schützen, Schäden zu begrenzen und den Betrieb schnellstmöglich wiederherzustellen. Konkrete Maßnahmen können z.B. Evakuierungsübungen, Backup-Stromversorgungen, Ausweichstandorte oder Service Level Agreements mit Notfall-Dienstleistern sein. Die Strategie sollte darlegen, wer im Krisenfall welche Rolle übernimmt und wie die Kommunikation läuft. Auch präventive Maßnahmen zur Risikominimierung gehören dazu, etwa regelmäßige Wartungen zur Ausfallvermeidung, Sicherheitsinspektionen, Schulungen für Notfälle.
Einhaltung rechtlicher Vorgaben im Risikobereich: Viele Risiken betreffen das Einhalten von Gesetzen (Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Technische Überwachung). Hier überschneidet sich Risikomanagement mit Compliance. Die FM-Strategie muss aufzeigen, wie die Organisation gesetzliche Pflichten erfüllt, um Risiken aus Rechtsverstößen (Haftung, Strafen) zu vermeiden. Beispielsweise erfordert die Verkehrssicherungspflicht regelmäßige Prüfungen von Aufzügen, Elektrik etc.; die Nichteinhaltung stellt ein erhebliches Risiko dar. Eine Dokumentation aller Prüf- und Wartungspflichten und deren Erfüllungsstatus ist daher Teil des strategischen Risikomanagements. GEFMA 190 bietet hierfür eine Übersicht über ca. 2000 relevante Regeln und Pflichten und führt Konformitätslevel ein, um die Verbindlichkeit einzuschätzen. Solche Hilfsmittel unterstützen die FM-Strategie in der systematischen Abarbeitung von Betreiberpflichten.
Versicherungen und Absicherung: Im Rahmen der Strategie sollten auch die Versicherungsstrategie für Facilities (Gebäudeversicherung, Haftpflicht) und vertragliche Risikoallokationen mit Dienstleistern (Haftungsregelungen, Pönalen) geprüft werden. Diese Mechanismen mindern finanzielle Schäden, falls Risiken eintreten, und gehören daher in das strategische Gesamtkonzept.
Durch die Integration von Risikomanagement wird die FM-Strategie resilient. Sie zeigt, dass das FM nicht nur auf ideale Bedingungen ausgerichtet ist, sondern auch auf Störungen vorbereitet ist. Dadurch erhöht sich die Widerstandsfähigkeit der gesamten Organisation. Wichtig ist, dass Risikobetrachtungen kein einmaliger Akt sind: Die Strategie sollte vorsehen, Risiken kontinuierlich zu überwachen und das Risikoprofil regelmäßig zu aktualisieren. So können neue Risiken (etwa Cyber-Bedrohungen in Smart Buildings) rechtzeitig in die Planung aufgenommen werden. Insgesamt untermauert ein solides Risikomanagement das Vertrauen der Stakeholder (Geschäftsführung, Eigentümer, Kunden) in das FM und dessen Beitrag zur Geschäftskontinuität.
Strategische Ausrichtung des FM am Kerngeschäft
Die strategische Ausrichtung (Alignment) des Facility Management am Kerngeschäft ist das Kernziel der ISO 41014-Leitlinien. Alle zuvor analysierten Informationen – Organisation, Governance, Kontext und Risiken – fließen nun in eine übergreifende Ausrichtungsentscheidung: Wie soll sich das FM positionieren, um den bestmöglichen Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten?
Essentiell ist, dass die FM-Strategie die Geschäftsziele, Anforderungen und Einschränkungen der Nachfrageorganisation widerspiegelt und in entsprechende FM-Maßnahmen übersetzt. Die Strategieentwicklung erfolgt daher idealerweise in enger Abstimmung mit der Unternehmensführung. Es empfiehlt sich, frühzeitig Workshops oder Strategiegespräche zwischen Facility Managern und Geschäftsleitung durchzuführen, um ein gemeinsames Verständnis zu schaffen. Nur so kann gewährleistet werden, dass FM-Ziele nicht isoliert entwickelt werden, sondern direkt auf die Business-Ziele einzahlen. ISO 41014 betont, dass dadurch die Wahrscheinlichkeit von Diskrepanzen deutlich verringert wird – FM und Kerngeschäft ziehen an einem Strang.
Ausrichtung bedeutet beidseitige Anpassung
Zum einen sollte die Kerngeschäftsstrategie den Beitrag berücksichtigen, den FM zum Erfolg leisten kann. Beispielsweise muss ein Unternehmen, das globale Expansion plant, FM frühzeitig einbinden für Standortauswahl, Infrastrukturaufbau und FM-Personalplanung. Zum anderen muss die FM-Strategie alle relevanten Geschäftspläne und Planungshorizonte mit bedenken. Dazu gehören kurz-, mittel- und langfristige Pläne der Nachfrageorganisation. Wenn das Kerngeschäft beispielsweise eine Digitalisierungsstrategie verfolgt, muss FM entsprechend digitale Tools einführen oder unterstützen (Smart-Building-Technologien, IoT im Gebäude).
Die strategische Alignment-Phase bringt oft mehrere Szenarien hervor
FM-Planer sollten verschiedene Zukunftsszenarien durchspielen (z.B. optimistisches Wachstumsszenario vs. stagnierendes Szenario) und prüfen, wie FM in jedem Fall optimal aufgestellt wäre. Dabei werden mögliche Risiken und externe Entwicklungen mit einbezogen. Das Dokument ISO 41014 zeigt Methoden auf, um aus mehreren Zukunftsszenarien das wahrscheinlichste Szenario abzuleiten und darauf basierend die Strategie zu planendinmedia.dedinmedia.de. Die FM-Strategie sollte also flexibel genug sein, um auch bei veränderten Rahmenbedingungen Gültigkeit zu behalten – oder zumindest Anpassungsschritte vorzusehen.
FM-Leitlinien, Prioritäten und strategischer Rahmen
Ein praktisches Ergebnis der strategischen Ausrichtung ist oft die Definition von Leitlinien und Prinzipien für das FM. Diese Grundsätze dienen als Kompass für alle nachfolgenden Entscheidungen. Beispiele für solche strategischen Leitlinien können sein: “FM-Leistungen werden grundsätzlich qualitätsorientiert und nutzerzentriert erbracht.” oder “Eigenleistungen werden auf Kernkompetenzen konzentriert, übrige Leistungen nach Prüfung an Dritte vergeben.” Auch Themen wie Nachhaltigkeit können hier verankert werden, z.B. “Wir streben Klimaneutralität unserer Gebäude bis 2030 an.” Solche Aussagen schaffen Klarheit für das gesamte FM-Team und die Dienstleister.
Ein weiterer Aspekt der Ausrichtung ist das Setzen von Prioritäten. Oftmals können nicht alle Verbesserungen gleichzeitig umgesetzt werden. Die Strategie sollte daher priorisieren, welche Handlungsfelder zuerst adressiert werden (z.B. zuerst die Einführung eines CAFM-Systems zur Datenbasis, dann Energieoptimierungen). Prioritäten richten sich danach, welche Maßnahmen den größten Beitrag zu den Unternehmenszielen liefern (Value Contribution) und welche Abhängigkeiten bestehen.
Zusammengefasst stellt die strategische Ausrichtung sicher, dass die FM-Strategie vollständig auf die Unternehmensstrategie ausgerichtet ist – in Zielen, Timing und Ressourcen. Sie schafft einen verbindlichen Rahmen, in dem das FM agiert, und stellt die Weichen für die anschließende Ausarbeitung konkreter Anforderungen und Maßnahmen. Nach dieser konzeptionellen Festlegung der Ausrichtung kann die FM-Organisation dazu übergehen, die Details der Strategie auszuarbeiten: Welche Anforderungen ergeben sich und wie wird die Strategie formuliert und umgesetzt? Dies wird in den folgenden Abschnitten beschrieben.
Ermittlung der Facility-Management-Anforderungen
In diesem Schritt werden die zuvor gewonnenen Erkenntnisse in konkrete FM-Anforderungen und Planungsgrößen überführt. Es geht darum, ein vollständiges Bild dessen zu zeichnen, was das FM liefern muss, um der strategischen Ausrichtung und den Geschäftsbedürfnissen gerecht zu werden. ISO 41014 strukturiert diese Phase als Entwicklung der FM-Anforderungen (Developing FM requirements) mit diversen Aspekten, die im Folgenden erläutert werden.
Zunächst ist eine Bestandsaufnahme der derzeitigen FM-Leistungen und Facilities nötig, sowie eine Prognose künftiger Anforderungen. Hierzu gehören:
Aktuelle Inanspruchnahme der Facilities: Welche Gebäude, Flächen und Services stehen derzeit zur Verfügung und wie werden sie genutzt? Es empfiehlt sich, Kennzahlen zum Gebäudebestand und Serviceumfang zu erheben (Anzahl/Fläche der Standorte, Art der genutzten Flächen – Büros, Lager, Produktion –, aktuelle Auslastung, erbrachte FM-Services und deren Leistungsniveau). Dabei werden auch Stärken und Schwächen des Status quo sichtbar: z.B. Überbelegung mancher Flächen, veraltete technische Anlagen oder Servicelevel, die nicht erreicht werden. Diese Analyse des Ist-Zustands bildet die Ausgangsbasis der Strategie.
Zukünftige Anforderungen und Kapazitäten: Basierend auf den Geschäftszielen und Wachstumsprognosen muss abgeschätzt werden, wie sich der Bedarf an Facilities und Services entwickeln wird. Steigende Mitarbeiterzahlen bedeuten etwa mehr Büroarbeitsplätze und infrastrukturelle Services; neue Geschäftsbereiche könnten spezielle Flächen (Labor, Rechenzentrum) erfordern. Hier fließen die Planungen der Nachfrageorganisation ein (z.B. Erschließung neuer Märkte, Digitalisierung, Outsourcing-Pläne). Auch externe Trends (z.B. zunehmendes Arbeiten im Homeoffice) beeinflussen den Flächen- und Servicebedarf. Die FM-Strategie soll diese Faktoren antizipieren und in Szenarien ausdrücken: etwa ein Basisszenario und ein Wachstumsszenario mit entsprechend unterschiedlichem Flächenbedarf. Soll ein Standort veräußert oder neu eröffnet werden? Solche Entscheidungen müssen in den Anforderungskatalog einfließen.
Gebäude- und Anlagenzustand: Teil der Bestandsanalyse ist eine Bewertung der vorhandenen Facilities: baulicher Zustand, technischer Zustand der Anlagen, Modernisierungsbedarf. Wenn z.B. viele Gebäude alt sind, könnte die Strategie vermehrte Sanierungen oder Ersatzneubauten vorsehen – was wiederum Anforderungen an Projekt-FM und Übergangsplanung stellt. Umgekehrt, hochmoderne Gebäude könnten nahelegen, dass FM vor allem das Wert- und Funktionsniveau erhalten muss. ISO 41014 enthält hierfür einen Abschnitt zur „Briefing for refurbished or new facilities“, was bedeutet, dass für geplante Sanierungs- oder Neubauprojekte frühzeitig FM-Anforderungen formuliert werden sollen. D.h. der FM-Bereich soll definieren, welche Anforderungen neue oder sanierte Gebäude aus FM-Sicht erfüllen müssen (z.B. Standardisierung der technischen Ausstattung, Flächenmodule, Flexibilität), damit sie im Betrieb optimal gemanagt werden können.
Mängel und Lücken: Durch Abgleich von Ist-Zustand und zukünftigem Bedarf werden Lücken identifiziert. ISO 41014 empfiehlt, jede Diskrepanz zwischen bestehenden und benötigten Facilities bzw. Services zu dokumentieren. Beispielsweise: „Aktuell 20 % zu wenig Besprechungsräume für die Bedarfsspitzen“ oder „Keine Facility Services an neu geplantem Standort vorhanden“. Diese Lückenbeschreibungen sind essenziell, denn sie bilden die Ansatzpunkte für strategische Maßnahmen. Die Dokumentation sollte auch Gründe für Lücken umfassen und evtl. Präferenzen, wie die Lücke geschlossen werden könnte (z.B. Neubau vs. Anmietung). Jede identifizierte Lücke fließt als Anforderung oder Projekt in die FM-Strategie ein.
FM-Leistungsfähigkeit und Verbesserungsbedarf: Parallel zur Bedarfsanalyse ist der Reifegrad des internen FM zu prüfen (wie bereits im Governance-Teil begonnen). Hier konkretisiert man: Welche Kompetenzen hat die FM-Organisation heute und welche werden künftig gebraucht? Gibt es Lücken z.B. im technischen Know-how (etwa Energiemanagement) oder im strategischen FM-Wissen (z.B. Datenanalysefähigkeiten)? Solche Kompetenzlücken sind ebenfalls Anforderungen – nämlich an Personalentwicklung oder Rekrutierung. ISO 41014 schlägt vor, Verbesserungsziele festzulegen, um diese Lücken zu schließen. Ein Beispiel: „Steigerung des FM-Digitalisierungsgrades von niedrig auf mittel in 2 Jahren“ oder „Aufbau Know-how im Bereich Nachhaltigkeitszertifikate im FM-Team“. Diese Ziele definieren dann Maßnahmen (Schulungen, neue Stellen). Ebenso sollte man aktuelle Prozessdefizite im FM benennen (z.B. fehlendes zentrales CAFM-System, mangelndes Berichtswesen) und als Anforderungen aufnehmen, was verbessert werden muss (FM-interne Optimierungsanforderungen). Jede solche Verbesserung erhöht die Fähigkeit des FM, die Geschäftsbedürfnisse zu erfüllen.
Zusammengefasst entsteht aus der Analyse ein umfassender Anforderungskatalog: Er enthält quantitative Bedarfe (Flächen, Services in bestimmter Anzahl/Qualität), qualitative Erwartungen (z.B. höhere Nutzerzufriedenheit, moderne Arbeitsumgebung) und interne Entwicklungsziele für das FM. Wichtig ist, diesen Katalog mit der Nachfrageorganisation abzustimmen, um Vollständigkeit und Richtigkeit sicherzustellen (siehe Abschnitt „Validierung der Anforderungen“ weiter unten).
Zunächst ist eine Bestandsaufnahme der derzeitigen FM-Leistungen und Facilities nötig, sowie eine Prognose künftiger Anforderungen. Hierzu gehören:
Aktuelle Inanspruchnahme der Facilities: Welche Gebäude, Flächen und Services stehen derzeit zur Verfügung und wie werden sie genutzt? Es empfiehlt sich, Kennzahlen zum Gebäudebestand und Serviceumfang zu erheben (Anzahl/Fläche der Standorte, Art der genutzten Flächen – Büros, Lager, Produktion –, aktuelle Auslastung, erbrachte FM-Services und deren Leistungsniveau). Dabei werden auch Stärken und Schwächen des Status quo sichtbar: z.B. Überbelegung mancher Flächen, veraltete technische Anlagen oder Servicelevel, die nicht erreicht werden. Diese Analyse des Ist-Zustands bildet die Ausgangsbasis der Strategie.
Zukünftige Anforderungen und Kapazitäten: Basierend auf den Geschäftszielen und Wachstumsprognosen muss abgeschätzt werden, wie sich der Bedarf an Facilities und Services entwickeln wird. Steigende Mitarbeiterzahlen bedeuten etwa mehr Büroarbeitsplätze und infrastrukturelle Services; neue Geschäftsbereiche könnten spezielle Flächen (Labor, Rechenzentrum) erfordern. Hier fließen die Planungen der Nachfrageorganisation ein (z.B. Erschließung neuer Märkte, Digitalisierung, Outsourcing-Pläne). Auch externe Trends (z.B. zunehmendes Arbeiten im Homeoffice) beeinflussen den Flächen- und Servicebedarf. Die FM-Strategie soll diese Faktoren antizipieren und in Szenarien ausdrücken: etwa ein Basisszenario und ein Wachstumsszenario mit entsprechend unterschiedlichem Flächenbedarf. Soll ein Standort veräußert oder neu eröffnet werden? Solche Entscheidungen müssen in den Anforderungskatalog einfließen.
Gebäude- und Anlagenzustand: Teil der Bestandsanalyse ist eine Bewertung der vorhandenen Facilities: baulicher Zustand, technischer Zustand der Anlagen, Modernisierungsbedarf. Wenn z.B. viele Gebäude alt sind, könnte die Strategie vermehrte Sanierungen oder Ersatzneubauten vorsehen – was wiederum Anforderungen an Projekt-FM und Übergangsplanung stellt. Umgekehrt, hochmoderne Gebäude könnten nahelegen, dass FM vor allem das Wert- und Funktionsniveau erhalten muss. ISO 41014 enthält hierfür einen Abschnitt zur „Briefing for refurbished or new facilities“, was bedeutet, dass für geplante Sanierungs- oder Neubauprojekte frühzeitig FM-Anforderungen formuliert werden sollen. D.h. der FM-Bereich soll definieren, welche Anforderungen neue oder sanierte Gebäude aus FM-Sicht erfüllen müssen (z.B. Standardisierung der technischen Ausstattung, Flächenmodule, Flexibilität), damit sie im Betrieb optimal gemanagt werden können.
Mängel und Lücken: Durch Abgleich von Ist-Zustand und zukünftigem Bedarf werden Lücken identifiziert. ISO 41014 empfiehlt, jede Diskrepanz zwischen bestehenden und benötigten Facilities bzw. Services zu dokumentieren. Beispielsweise: „Aktuell 20 % zu wenig Besprechungsräume für die Bedarfsspitzen“ oder „Keine Facility Services an neu geplantem Standort vorhanden“. Diese Lückenbeschreibungen sind essenziell, denn sie bilden die Ansatzpunkte für strategische Maßnahmen. Die Dokumentation sollte auch Gründe für Lücken umfassen und evtl. Präferenzen, wie die Lücke geschlossen werden könnte (z.B. Neubau vs. Anmietung). Jede identifizierte Lücke fließt als Anforderung oder Projekt in die FM-Strategie ein.
FM-Leistungsfähigkeit und Verbesserungsbedarf: Parallel zur Bedarfsanalyse ist der Reifegrad des internen FM zu prüfen (wie bereits im Governance-Teil begonnen). Hier konkretisiert man: Welche Kompetenzen hat die FM-Organisation heute und welche werden künftig gebraucht? Gibt es Lücken z.B. im technischen Know-how (etwa Energiemanagement) oder im strategischen FM-Wissen (z.B. Datenanalysefähigkeiten)? Solche Kompetenzlücken sind ebenfalls Anforderungen – nämlich an Personalentwicklung oder Rekrutierung. ISO 41014 schlägt vor, Verbesserungsziele festzulegen, um diese Lücken zu schließen. Ein Beispiel: „Steigerung des FM-Digitalisierungsgrades von niedrig auf mittel in 2 Jahren“ oder „Aufbau Know-how im Bereich Nachhaltigkeitszertifikate im FM-Team“. Diese Ziele definieren dann Maßnahmen (Schulungen, neue Stellen). Ebenso sollte man aktuelle Prozessdefizite im FM benennen (z.B. fehlendes zentrales CAFM-System, mangelndes Berichtswesen) und als Anforderungen aufnehmen, was verbessert werden muss (FM-interne Optimierungsanforderungen). Jede solche Verbesserung erhöht die Fähigkeit des FM, die Geschäftsbedürfnisse zu erfüllen.
Zusammengefasst entsteht aus der Analyse ein umfassender Anforderungskatalog
Er enthält quantitative Bedarfe (Flächen, Services in bestimmter Anzahl/Qualität), qualitative Erwartungen (z.B. höhere Nutzerzufriedenheit, moderne Arbeitsumgebung) und interne Entwicklungsziele für das FM. Wichtig ist, diesen Katalog mit der Nachfrageorganisation abzustimmen, um Vollständigkeit und Richtigkeit sicherzustellen (siehe Abschnitt „Validierung der Anforderungen“ weiter unten).
Einbeziehung von Stakeholdern
Facility Management steht an der Schnittstelle vieler Interessengruppen (Stakeholder). Daher müssen bei der Entwicklung der FM-Anforderungen die Bedürfnisse aller relevanten Stakeholder systematisch erfasst werden.
Dazu zählen insbesondere:
Mitarbeiter und Nutzer der Facilities: Sie sind die primären Kunden der FM-Leistungen im Alltag. Ihre Zufriedenheit und Produktivität hängen wesentlich von gut funktionierenden FM-Services ab. Daher sollte die FM-Strategie auf Nutzeranforderungen eingehen: z.B. Arbeitsplatzkomfort, Servicequalität beim Empfang, Sauberkeit, Verpflegung, technische Unterstützung. Methoden zur Erhebung dieser Anforderungen können Mitarbeiterbefragungen, Workshops oder Beschwerdeauswertungen sein. Beispiel: Wenn Nutzer sich über lange Reaktionszeiten des technischen Dienstes beklagen, wird ein strategisches Ziel sein, einen bestimmten Reaktionszeit-Standard einzuführen. ISO 41014 hebt die Bedeutung der Facility Nutzer als eigene Kategorie von Stakeholdern hervor – ihre Perspektive sollte ausdrücklich berücksichtigt werden.
Management und Eigentümer: Die Unternehmensleitung hat Erwartungen an FM in Bezug auf Kosteneffizienz, Risikokontrolle und Beitrag zu strategischen Projekten. Eigentümer (falls vom operativen Management getrennt, z.B. Vermögensverwaltung) achten insbesondere auf den Werterhalt der Immobilien und die Einhaltung aller gesetzlichen Pflichten. Diese Erwartungen müssen im Anforderungskatalog auftauchen, z.B.: „Kostenreduktion um X %“ oder „Implementierung eines Compliance-Reportings für Betreiberpflichten“. Oft sind Management-Erwartungen bereits durch die Geschäftsziele abgedeckt, aber es schadet nicht, sie explizit mitzunehmen – z.B. in Form von Servicezielen (Kosten, Qualität) und Berichtspflichten gegenüber der Leitung.
Kunden und Besucher: In manchen Organisationen hat FM auch Einfluss auf Außenstehende, etwa Kunden, Patienten, Studenten oder Besucher von Einrichtungen. Deren Wahrnehmung (Stichwort: Außenwirkung der Facilities) kann geschäftsrelevant sein. Beispielsweise trägt ein repräsentatives und gut organisiertes Firmengebäude zum Markenimage bei, was im B2B-Geschäft bedeutsam sein kann. Solche indirekten Anforderungen (z.B. „Gebäudedesign und -zustand unterstützen das Corporate Image“) sollten aufgenommen werden, sofern relevant.
Lieferanten und FM-Dienstleister: Diese sind Partner im FM-Leistungserstellungsprozess. Ihre Perspektive ist wichtig hinsichtlich Machbarkeit und Innovation. Ein externer Caterer etwa kann Hinweise geben, welche Anforderungen realistisch sind oder wo Effizienzpotenziale liegen. In die Strategie fließen Anforderungen an Lieferanten in Form von Leistungsvorgaben und Schnittstellenbeschreibungen ein. Beispielsweise: „Reinigungsdienstleister müssen Nachhaltigkeitskriterien nachweislich erfüllen (chemiefreie Reinigungsmittel etc.)“. Auch die Einbeziehung der wichtigsten FM-Dienstleister in den Strategieprozess (in beratender Rolle) kann sinnvoll sein, um deren Know-how zu nutzen.
Behörden und Öffentlichkeit: Diese Stakeholder wirken indirekt durch Regulierung und gesellschaftliche Erwartungen (z.B. Umweltauflagen, barrierefreier Zugang, Denkmalschutz). Daraus entstehen Anforderungen wie „Einhaltung von ESG-Standards“ oder „Stufenplan zur Verbesserung der Barrierefreiheit in allen Gebäuden“. Barrierefreiheit, Inklusion und Gleichstellung sind im Standard explizit als Anforderungskategorie genannt. Die FM-Strategie sollte festlegen, wie solche gesellschaftlichen Anforderungen erfüllt oder übertroffen werden – etwa die Umsetzung der Barrierefreie-Zugänglichkeit-Verordnung in allen neuen Projekten, oder Diversity-Aspekte bei der Servicegestaltung (z.B. Gebetsräume, familienfreundliche Infrastruktur je nach Organisationstyp).
Zusammenfassung
Die Einbindung der Stakeholder erfolgt idealerweise während der Strategieerarbeitung, z.B. in Form von Interviews, Workshops oder Umfragen. ISO 41014 rät dazu, die relevanten Interessengruppen – insbesondere Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten – aktiv einzubeziehen, um eine ganzheitliche, zukunftsorientierte FM-Strategie zu entwickeln. Aus den Rückmeldungen werden dann konkrete Anforderungen abgeleitet. Wichtig ist, diese Anforderungen klar zu priorisieren, da nicht alle Wünsche gleichermaßen erfüllbar sein werden. Hier hilft es, sie mit den Unternehmenszielen zu verknüpfen (Wünsche, die starken Beitrag liefern, haben Priorität).
Ein oft übersehener Punkt ist, dass Stakeholder-Anforderungen manchmal implizit sind – die Stakeholder äußern sie nicht direkt. Beispielsweise erwarten Mitarbeiter eine gewisse Flexibilität der FM-Services (Raumbuchungen auch kurzfristig möglich etc.), ohne dies explizit zu fordern. Die FM-Strategie muss daher auch solche stillschweigenden Erwartungen antizipieren – z.B. durch Service-Level-Vorgaben, die üblichen Marktstandards entsprechen oder durch regelmäßige Zufriedenheitsmessungen, um verdeckte Bedürfnisse aufzudecken.
Zusammenfassend sorgt die umfassende Stakeholder-Analyse dafür, dass die FM-Strategie nutzerorientiert und akzeptanzfähig ist. Sie stellt sicher, dass das FM nicht an den Bedürfnissen der Menschen vorbeiplant, sondern diese zentralstellt – was letztlich dem Kerngeschäft zugutekommt (Mitarbeitermotivation, Kundenbindung etc.). Die Ergebnisse dieser Analyse fließen in Form von qualitativen und quantitativen Anforderungen (z.B. Servicequalität X, Reaktionszeit Y, Ausstattungsstandard Z) in den Anforderungskatalog ein.
Berücksichtigung von Markttrends und Optionen
Moderne FM-Strategien entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern berücksichtigen auch die Entwicklungen der FM-Branche und verfügbare Lösungsoptionen am Markt. ISO 41014 enthält hierzu Abschnitte wie „Innovations in service delivery“ und „Market audit“, was impliziert, dass die FM-Organisation den Markt für FM-Dienstleistungen und -Technologien beobachten und in ihre Planung einbeziehen soll.
Konkret heißt das:
Innovationen und Technologietrends: Welche neuen Technologien, Methoden oder Best Practices im FM könnten für die eigene Organisation relevant sein? Beispiele: Digitale Lösungen (Smart Building, IoT-Sensorik, CAFM-Software, KI-gestützte Analysen), neue Arbeitsmodelle (Activity-Based-Working mit entsprechenden FM-Konzepten), Nachhaltigkeitsinnovationen (CO₂-neutrale Gebäudetechnik, Circular Economy Ansätze im Gebäudeunterhalt) etc. Die FM-Strategie sollte antizipieren, welche Innovationen in den nächsten Jahren eingeführt werden könnten, um Effizienz oder Qualität zu steigern. Etwa könnte sie vorsehen: „Implementierung eines modernen CAFM-Systems bis Jahr X“ oder „Pilotierung von IoT-Sensoren für Raumklima in Konferenzräumen“. Digitalisierung wird in vielen Branchen als Transformationsfeld gesehen und im FM-Sektor als Chance zur Kostensenkung und Serviceverbesserung erkannt. Ebenso gewinnt Nachhaltigkeit rasant an Bedeutung – viele Unternehmen messen ihren FM-Bereich mittlerweile an ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance). Eine strategische FM-Planung integriert daher nachhaltige Praktiken (Energie- und Ressourcenmanagement, Abfallstrategien, gesundheitsfördernde Arbeitsumgebung) und setzt ggf. ambitionierte Umweltziele, die über Compliance hinausgehen. Die Norm empfiehlt, solche Innovations- und Nachhaltigkeitsaspekte proaktiv in Betracht zu ziehen, da sie zukünftige Wettbewerbsfähigkeit beeinflussen.
Sourcing-Strategie (Fremd- vs. Eigenleistung): Ein zentrales marktbezogenes Thema ist die Frage, welche FM-Leistungen intern erbracht und welche extern eingekauft werden sollen. Dieser Make-or-Buy-Entscheidungsprozess gehört zur Strategieentwicklung. Dabei sind diverse Kriterien abzuwägen: Kosten, Kernkompetenzen, Qualitätsanforderungen, Flexibilität, Risiken (z.B. Abhängigkeit von Anbietern). Die FM-Strategie sollte einen klaren Sourcing-Plan formulieren: Wird man verstärkt auf Outsourcing setzen (vielleicht sogar integrierte FM-Gesamtvergabe an einen IFM-Dienstleister), oder strebt man Insourcing kritischer Bereiche an? Viele Organisationen fahren hybrid und passen den Mix kontinuierlich an. ISO 41014 trägt dem Rechnung, indem es auch externe Servicebereitstellung und Marktanalyse adressiert. In der Praxis bedeutet dies: Die FM-Strategie sollte eine Bewertung der FM-Dienstleistungsbranche enthalten – z.B. welche Dienste sind als Standard am Markt verfügbar, welche Anbieter gibt es, wie ist deren Zuverlässigkeit und Innovationsgrad. Ein Marktaudit kann durchgeführt werden, um festzustellen, ob externe Angebote die eigenen Anforderungen besser erfüllen können oder wirtschaftlicher sind. Auch Benchmarks gegenüber Marktkennzahlen (Kosten per m², Personalquoten etc.) helfen, sinnvolle Sourcing-Entscheidungen zu treffen. Das Ergebnis fließt in den Anforderungskatalog ein, z.B. als geplante Ausschreibungen oder als Entscheidung, bestimmte Kompetenzen intern auszubauen.
Externe Partnerschaften und Verträge: Falls bereits externe Dienstleister im Einsatz sind, sollte geprüft werden, ob diese Partnerschaften strategisch passen. Die FM-Strategie kann vorschlagen, bestimmte Verträge zu konsolidieren (z.B. mehrere Dienstleistungen an einen Anbieter = Bündelung) oder neu auszuschreiben, um bessere Konditionen oder Innovationen zu erzielen. Ebenso könnten Partnerschaftsmodelle (z.B. Public Private Partnerships, wenn relevant) als Option betrachtet werden. Ein strukturiertes Entscheidungsframework (Kosten/Nutzen-Analyse, Kernkompetenz-Check, Qualitätsvergleich, Risikobetrachtung) ist Teil der strategischen Erarbeitung der Sourcing-Optionen. ISO 41014 regt implizit an, diese Professionalität in der Entscheidungsfindung zu nutzen, indem es „External service provision“ und „verification and feedback“ als Punkte aufführt – was man so interpretieren kann, dass man externe Optionen sorgfältig prüft und die Ergebnisse validiert.
Kapazitäten des externen Markts: Als strategische Info sollte auch bekannt sein, wie der FM-Markt im relevanten Gebiet aufgestellt ist. Gibt es genügend Anbieter? Wie entwickelt sich der Preistrend? Gibt es Spezialanbieter für die eigenen Bedürfnisse? Diese Erkenntnisse bestimmen, ob Outsourcing vorteilhaft ist oder ob man mangels Angebot besser intern Kompetenz aufbaut. Beispielsweise, wenn hochspezialisierte Labortechnik betreut werden muss und es kaum Dienstleister dafür gibt, wäre Insourcing oder Hersteller-Wartung im Vertrag die sicherere Variante. Die Strategie sollte solche Erwägungen dokumentieren.
In Summe erweitert dieser Blick über die eigene Organisation hinaus den Anforderungskatalog um Optionen und Erwartungen an den FM-Markt. Ein greifbares Resultat kann z.B. sein: „Anforderungen an externe Dienstleister: Nachweis ISO-Zertifizierungen, ESG-Konzept, Skalierbarkeit etc.“ oder „Interne Serviceeinheit wird in den nächsten 2 Jahren auf Kernportfolio X reduziert, restliche Leistungen werden sukzessive ausgeschrieben.“ Solche strategischen Stoßrichtungen basieren auf der Bewertung dessen, was der Markt hergibt und wo Wettbewerbsvorteile liegen. Sie sind daher integraler Bestandteil der FM-Strategie. Wichtig ist, diese Überlegungen mit der Unternehmensstrategie abzugleichen: Passt es zur Unternehmenskultur, vermehrt auszulagern? Entspricht es den finanziellen Zielen, eventuell höhere Fremdkosten gegen interne Einsparungen zu tauschen? Hier schließt sich der Kreis zum Alignment mit dem Kerngeschäft.
Nach Sammlung all dieser Anforderungen – aus interner Analyse, Stakeholder-Input und Marktsichtung – ist es unerlässlich, den gesamten Anforderungskatalog zu validieren. Das bedeutet:
Abstimmung mit der Geschäftsleitung: Die konsolidierten FM-Anforderungen sollten der Unternehmensführung präsentiert und von ihr freigegeben werden. So stellt man sicher, dass keine Erwartungen übersehen wurden und dass die Leitung hinter den priorisierten Anforderungen steht. Dies ist wichtig, weil die Umsetzung vieler FM-Maßnahmen (Investitionen, organisatorische Änderungen) Unterstützung von oben erfordert.
Priorisierung und Machbarkeitscheck: Nicht alle identifizierten Anforderungen sind gleichermaßen kritisch oder sofort erfüllbar. Daher muss eine Rangfolge festgelegt werden (z.B. Must-have vs. Nice-to-have). Kriterien hierfür sind Beitrag zum Geschäftserfolg, Dringlichkeit (z.B. rechtliche Anforderungen immer höchste Priorität), Abhängigkeiten und Ressourcenaufwand. Auch sollte geprüft werden, ob Anforderungen eventuell im Widerspruch stehen oder Synergien nutzen können. Ein Beispiel: Stakeholder fordern längere Servicezeiten, gleichzeitig soll Personal eingespart werden – hier wäre ein Konflikt, der gelöst werden muss (z.B. durch Automatisierung oder Self-Service-Lösungen). Die FM-Strategie sollte offen kommunizieren, welche Abwägungen getroffen wurden.
Annahmen explizit festhalten: Falls gewisse Informationen seitens der Nachfrageorganisation nicht erhältlich waren, mussten Annahmen getroffen werden (etwa zukünftiges Wachstum). Solche Annahmen sind klar zu dokumentieren und zu kommunizieren. In der FM-Strategie sollte stehen: „Dieser Plan basiert auf der Annahme einer 5%igen Mitarbeiterzunahme jährlich; sollte sich dies ändern, ist die Strategie entsprechend anzupassen.“ Dadurch wird Transparenz geschaffen und die Strategie bleibt glaubwürdig.
Feedbackschleife: ISO 41014 erwähnt „verification and feedback“ als Schritt. Das heißt, die vorläufigen Anforderungen sollen nochmals überprüft werden – idealerweise nicht nur intern, sondern auch mit ausgewählten Stakeholdern. Beispielsweise könnte man den Entwurf des Anforderungskatalogs mit einem Nutzergremium oder dem Betriebsrat diskutieren, um Feedback einzuholen. Ebenso können externe Experten hinzugezogen werden (z.B. FM-Berater, falls im Prozess involviert), die die Anforderungen auf Vollständigkeit und Branchenstandard prüfen. Diese Rückmeldungen werden eingearbeitet, bevor die endgültige FM-Strategie formuliert wird.
Die Validierung stellt sicher, dass der Grundlagenblock der Strategie – die Anforderungen – tragfähig und von allen Schlüsselakteuren mitgetragen ist. In vielen Fällen entstehen während der Validierung bereits Hinweise auf Priorisierungen oder Lösungsansätze, die in den nächsten Schritt (Formulierung der Strategie) übergehen. Abschließend sollte ein freigegebener Anforderungskatalog vorliegen, der quasi das Lastenheft für die FM-Strategie darstellt. Darauf aufbauend kann nun die eigentliche Strategieausarbeitung erfolgen, in der festgelegt wird, wie diese Anforderungen erfüllt werden sollen.
Formulierung der FM-Strategie
In dieser Phase wird die Facility-Management-Strategie ausgearbeitet und dokumentiert. Aus den definierten Anforderungen wird ein konkreter Strategieplan entwickelt, der Ziele, Maßnahmen und Ressourcen darstellt. ISO 41014 beschreibt diesen Schritt als Formulating the FM strategy (Formulierung der FM-Strategie) und gibt Leitlinien für Inhalt und Aufbau des Strategiedokuments sowie für begleitende Planungsschritte. Wichtig ist ein strukturierter Prozess, um alle entscheidenden Punkte abzudecken. Die Norm gliedert die Strategieformulierung in mehrere Elemente, die im Folgenden behandelt werden.
Zusammenstellung, Format und Inhalt der Strategie
Zunächst gilt es, die gesammelten Informationen in einer kohärenten Strategie zusammenzuführen (Compiling the strategy). Das Ergebnis ist in der Regel ein schriftliches FM-Strategiepapier. Dabei sollte das Format und der Inhalt so gestaltet sein, dass die Strategie klar, verständlich und für die Umsetzung hilfreich ist.
Gute Praktiken für das Strategie-Dokument:
Inhaltliche Struktur: Üblich ist eine Gliederung, die zunächst die Ausgangslage (Analyseergebnisse, Anforderungen) zusammenfasst und dann die strategischen Ziele und Maßnahmen präsentiert, gefolgt von Umsetzungs- und Controlling-Überlegungen. ISO 41014 schlägt vor, eine übersichtliche Dokumentstruktur zu verwenden, die alle relevanten Aspekte abdeckt, aber Doppelungen vermeidet. Dies kann z.B. so aussehen: 1) Vision und Ziele des FM, 2) Analysierte Anforderungen (Zusammenfassung), 3) Strategische Handlungsfelder und Maßnahmen, 4) Implementierungsplan, 5) Kennzahlen und Monitoring, 6) Anhang (Detaildaten, falls nötig).
Prägnanz und Verweis auf Details: Die FM-Strategie sollte alle wichtigen Bedürfnisse und Anforderungen skizzieren, nicht aber im Detail ausführen. Detaillierte Ausführungen (etwa technische Spezifikationen, detaillierte Kostenaufstellungen) können in separaten Dokumenten oder Anhängen ausgelagert werden. Die Strategie gibt den Rahmen vor und verweist an entsprechender Stelle auf weiterführende Dokumentationen, wo tiefergehende Details nachzulesen sind. Dies hält das Strategiedokument fokussiert und lesbar für Entscheider. Zum Beispiel könnte in der Strategie stehen: „Die detaillierte Flächenbedarfsberechnung je Standort ist in Dokument XYZ hinterlegt.“ Dadurch bleibt das Strategiepapier auf einem strategischen Abstraktionsniveau.
Klarheit und Professionalität: Der Ton des Strategiedokuments ist formell und sachlich, wie es in der Unternehmensführung üblich ist. Es werden keine Umgangssprachen oder vagen Aussagen benutzt, sondern präzise Definitionen. Wichtige Begriffe (z.B. „Facility Management“, „Nachfrageorganisation“) sollten konsistent verwendet werden, im Zweifel mit kurzer Definition zu Beginn, damit Leser eindeutig verstehen, was gemeint ist. So wird eine gemeinsame Terminologie geschaffen.
Visuelle Aufbereitung: Wo sinnvoll, können Grafiken, Tabellen oder Diagramme genutzt werden, um Punkte zu verdeutlichen – z.B. ein Organigramm des zukünftigen FM-Betriebsmodells, eine Roadmap-Timeline für die Umsetzung, oder Diagramme für Kostenentwicklungen. Dies verbessert die Verständlichkeit. Allerdings sollten allzu technische Pläne im Anhang bleiben, um das Management nicht zu überfrachten.
Zielgruppengerechte Fassung: Das Hauptdokument richtet sich an Entscheidungsträger der Nachfrageorganisation. Für die interne FM-Organisation kann die Strategie ggf. in operative Leitlinien heruntergebrochen werden. Doch das Strategiepapier selbst sollte auf die Managementperspektive abgestimmt sein: es beantwortet die Fragen „Was kostet es?“, „Welchen Nutzen bringt es?“, „Wie passt es zur Unternehmensstrategie?“, „Wie messen wir Erfolg?“.
ISO 41014 stellt mit Kapitel 6.1 bis 6.2 entsprechende Vorgaben
Die Strategie muss kompiliert werden und Format/Struktur sind festzulegen. Sobald das Grundgerüst steht, können die inhaltlichen Elemente eingebracht werden – insbesondere die strategischen Ziele und Maßnahmen: Diese ergeben sich aus dem Anforderungskatalog und der Ausrichtung. Man formuliert zum Beispiel: „Ziel: Verbesserung der Flächenproduktivität um 15% in 3 Jahren. Maßnahme: schrittweise Einführung von Desk-Sharing-Konzepten und Flächenumbau bis 2024.“ Solche Ziel-Maßnahmen-Paare sollten den Kern der Strategie bilden, idealerweise gegliedert nach Handlungsfeldern (z.B. „Flächen & Infrastruktur“, „Services & Prozesse“, „Organisation & Personal“).
Das Strategiedokument sollte ferner die geplante Leistungstiefe (Eigen-/Fremdleistung) und den Service Scope festlegen. ISO 41014 erwähnt „Scope of services“ als Thema, unterteilt in technische Services und infrastrukturelle (business support) Services. Das heißt, die Strategie sollte klar benennen, welche Dienstleistungen das FM künftig umfasst. Beispielsweise: „Zum FM-Portfolio gehören technische Gebäudeausrüstung, Instandhaltung, Flächenmanagement, Reinigung, Sicherheit, Catering…“ und ggf. welche Kategorien wie behandelt werden (z.B. technische Leistungen intern geführt, infrastrukturelle outgesourct – sofern das die Strategie ist). Diese Festlegung verhindert Unklarheiten darüber, was FM verantwortet und was nicht.
Abschließend sollte in diesem Dokumentteil auch die Freigabeprozess erwähnt werden
Wer genehmigt die Strategie und in welchen Abständen wird sie geprüft/aktualisiert (mehr dazu im Abschnitt „Kontinuierliche Verbesserung“). Oft wird in der Einleitung der Strategie festgehalten: „Dieses Dokument wird vom CFO genehmigt und mindestens alle 3 Jahre oder bei bedeutenden Änderungen überprüft.“ Dies verleiht der Strategie formale Verbindlichkeit.
Budgetplanung und Ressourcen
Ein zentraler Bestandteil der Strategieformulierung ist die Finanz- und Ressourcenplanung. Nachdem Ziele und Maßnahmen definiert sind, muss abgeschätzt werden, welche Kosten ihre Umsetzung verursacht und welche Ressourcen benötigt werden. Die Norm ISO 41014 widmet diesem Aspekt ein eigenes Unterkapitel (6.3 Budgetary requirements – Budgetanforderungen).
Wichtigste Leitlinien dabei:
Kostenschätzung: Alle strategischen Initiativen (z.B. Projekte, Neueinstellungen, Investitionen in Technik) müssen grob kalkuliert werden. Es empfiehlt sich, die Methode der Zero-Base-Budgeting (Nullbasis-Budgetierung) anzuwenden: anstatt von historischen Vorjahreswerten auszugehen, werden die Kosten aller FM-Leistungen und neuen Maßnahmen „from scratch“ berechnet. Dies verhindert, dass alte Ineffizienzen fortgeschrieben oder Fehlannahmen übernommen werden. Die Schätzung sollte konservativ sein, um nichts zu übersehen – insbesondere indirekte Kosten sind einzubeziehen. Beispiel: Wenn man einen Service outzusourcen plant, nicht nur den Angebotspreis des Dienstleisters kalkulieren, sondern auch interne Verwaltungskosten für Vertragssteuerung berücksichtigen. Komplexe Leistungsbereiche benötigen Puffer für Administration und Überwachung. ISO 41014 betont, die tatsächlichen Kosten von FM-Leistungen nicht zu unterschätzen. Transparenz hierbei ist wichtig, um später böse Überraschungen zu vermeiden.
Mehrjährige Budgetierung und Lebenszykluskosten: FM-Strategien wirken oft über mehrere Jahre. Daher sollte die Budgetplanung mehrjährig angelegt sein – idealerweise synchron mit dem unternehmerischen Planungszeitraum (z.B. 5-Jahres-Plan). Lebenszykluskosten sind zu berücksichtigen, d.h. nicht nur Anschaffungskosten, sondern auch Folgekosten (Betrieb, Wartung, Abschreibungen). Bei Investitionen (z.B. Energiesparmaßnahmen, Gebäudeautomation) sollte der langfristige Return on Investment (ROI) betrachtet werden – manche Maßnahmen rechnen sich erst nach einigen Jahren, was aber strategisch in Ordnung sein kann. Die FM-Strategie sollte hier Weitblick beweisen und Value-for-Money auf die gesamte Nutzungsdauer ausrichten, nicht auf kurzfristige Einsparungen.
Budgetallokation und -sicherung: Es muss aufgezeigt werden, wie die Budgetmittel bereitgestellt werden. Zum Beispiel kann die Strategie vorschlagen, ein FM-Investitionsbudget beim Vorstand zu beantragen, oder Einsparungen in einem Bereich umzuschichten. Gegebenenfalls sind separate Budgetfreigaben erforderlich (für Personal, für Projekte). Die Strategie sollte klar adressieren, wer für welche Budgetposten die Freigabe erteilen muss und bis wann. Außerdem muss die FM-Organisation sicherstellen, dass ausreichende finanzielle Mittel für alle Kosten über mehrere Jahre eingeplant werden – inkl. eventueller Übergangskosten (z.B. Doppelbetrieb beim Outsourcing-Übergang). Es ist sinnvoll, Reservepositionen für Unvorhergesehenes einzuplanen.
Ressourcen (Personal & Infrastruktur): Neben Geld sind auch Personalressourcen zentral. Die Strategie sollte aufzeigen, ob zusätzliches FM-Personal benötigt wird oder Umschichtungen vorgenommen werden (z.B. Einstellung eines Energie-Managers ab Jahr X). Ebenso, ob externe Beratungsleistungen nötig sind für die Umsetzung (z.B. eine Projektsteuerung für einen Großumbau). Wenn gewisse Initiativen die Unterstützung anderer Abteilungen brauchen (IT für CAFM-Einführung, HR für Schulungen), sollte dies erwähnt werden, damit bereichsübergreifende Ressourcen reserviert werden können.
Kosten-Nutzen-Argumentation: Da jede Strategie vor der Geschäftsleitung bestehen muss, sollten Kosten stets im Kontext des erwarteten Nutzens dargestellt werden. Das heißt, wo immer möglich, den Investitionen Einsparpotenziale oder Wertsteigerungen gegenüberstellen (Business Case). Beispiel: „Investition 500k € in Energiemanagement-System, erwartete jährliche Einsparung 120k € Energie, ROI ~4 Jahre“ oder „Neue CAFM-Software kostet 100k €, ermöglicht aber Optimierungen, die 3 VZÄ einsparen (~150k € p.a.)“. Solche Argumente erhöhen die Chance auf Genehmigung erheblich. ISO 41014 liefert zwar keine konkreten Formeln, aber erwähnt Cost/benefit analysis in seinen Definitionen – sprich, es wird als bekannt vorausgesetzt, dass Kosten/Nutzen-Analysen Teil der Entscheidungsfindung sind.
Transparenz und Dokumentation: Alle Annahmen in der Budgetkalkulation sollten dokumentiert sein (Preisbasis, Indexsteigerungen, Fremdkostensätze etc.). So kann man später Nachverfolgen, warum Abweichungen auftreten (z.B. „Strompreis deutlich höher als angenommen, daher Mehrkosten“). Zudem ist eine transparente Darstellung der FM-Gesamtkosten (auch bestehender Betrieb) hilfreich, um Stakeholdern ein vollständiges Bild zu geben. Benchmarking-Daten können hier als Plausibilitätscheck dienen – etwa Vergleichswerte aus der Branche für FM-Kostenquote etc., wie in ISO 41014 ebenfalls als Option genannt.
Nach dieser Planung sollte die FM-Strategie einen Abschnitt haben, der Budget und Ressourcenbedarf über den Planungszeitraum zusammenfasst – idealerweise tabellarisch nach Jahr und Kostenkategorie. Darin sind sowohl laufende Betriebskosten (Opex) als auch strategische Investitionen (Capex) enthalten, inkl. Einspar- bzw. Nutzenannahmen. Dieses Zahlenwerk wird dann in die Finanzplanung der Nachfrageorganisation integriert.
Beschaffung und Sourcing-Strategie
Ein weiterer wichtiger Teil der Strategieformulierung ist die Beschaffungsplanung. ISO 41014 umfasst dies in Abschnitt 6.4 (Procurement). Hier wird beschrieben, wie die benötigten Leistungen und Güter beschafft werden sollen, um die FM-Strategie umzusetzen.
Aspekte sind unter anderem:
Interne Beschaffungsorganisation: Die Strategie sollte festlegen, wie die Einkaufsfunktion für FM-Leistungen gestaltet ist. Oft gibt es die Frage, ob FM-Einkauf durch die zentrale Einkaufsabteilung erfolgt oder eigenständig im FM. ISO 41014 legt nahe, Beschaffung im FM als eigene Funktion zu betrachten, die von einer bestimmten Rolle überwacht werden muss. Das heißt, es sollte klar benannt sein, wer für die Ausschreibungen, Vertragsverhandlungen und -verwaltung im FM zuständig ist. In großen Organisationen könnte ein Category Manager FM in der Einkaufsabteilung diese Rolle innehaben oder die FM-Leitung selbst, je nach Governance. Wichtig ist, dass Beschaffung als strategischer Hebel erkannt wird – gute Verträge mit Dienstleistern oder Lieferanten sind entscheidend für den Erfolg der Strategie.
Ausschreibungsfahrplan: Alle größeren Fremdleistungen, die neu vergeben oder neu verhandelt werden müssen, sollten in einem Ausschreibungsfahrplan festgehalten sein. Z.B.: „Reinigung neu vergeben Q1 nächstes Jahr, Technical FM Ausschreibung in Q3, Catering-Vertrag Verlängerung Option nutzen bis 2025, danach EU-weite Ausschreibung“ usw. So ein Plan sorgt dafür, dass rechtzeitig begonnen wird (gerade EU-weite Vergaben brauchen langen Vorlauf) und die benötigten Leistungen lückenlos abgedeckt sind. Bei Neuprojekten (z.B. Neubau) ist auch die Beschaffung von Planern, Bauleistungen etc. relevant, aber das fällt meist in andere Bereiche – FM sollte hier jedoch die Schnittstellen definieren (z.B. FM wirkt bei der Auswahl des TGA-Planers mit).
Vergabestrategie: Die FM-Strategie kann Leitlinien enthalten, wie man beschaffen will. Beispielsweise: Bündelung vs. Einzelvergabe – will man Integraldienstleister einsetzen oder spezialisierte Fachfirmen pro Gewerk? Partnerschaftsmodelle – strebt man langfristige Partnerschaften an (über 5+ Jahre mit Bonus-Malus-Regelungen) oder kürzere Verträge um flexibel zu bleiben? Kriterien – legt man Wert auf bestimmte Qualitäten wie Nachhaltigkeit (z.B. Vergabekriterium 10% ESG-Performance) oder Innovation? Die Strategie sollte hier die Stoßrichtung vorgeben, die dann in konkreten Ausschreibungen umgesetzt wird.
Vertragsmanagement: Ebenso gehört ein Ausblick dazu, wie Verträge gesteuert werden. Z.B. Einführung eines SLM (Service Level Management) mit regelmäßigen Leistungsmeetings, Etablierung von KPIs in Verträgen, Bonus/Malus-Systeme, etc. Auch die Rollenverteilung (wer überwacht Dienstleister vor Ort? – z.B. Objektleiter) sollte erwähnt werden, zumindest in groben Zügen, damit klar ist, dass auch nach der Beschaffung die Leistung sichergestellt wird.
Material/Waren-Beschaffung: Abgesehen von Dienstleistungen betrifft FM auch Produkte (Reinigungsmittel, Ersatzteile, Büromaterial, Möbel etc.). Die Strategie kann hier Vorgaben machen, z.B. Nutzung zentraler Rahmenverträge, Standardsortimente (um Synergien zu heben), oder Einführung eines elektronischen Bestellsystems. Diese operativeren Punkte sind zwar nicht Kern der Strategie, aber wenn es größere Änderungen gibt (z.B. zentraler Einkauf aller FM-Materialien über ein Portal), sollte es erwähnt werden, um Ressourcen einzuplanen.
Insgesamt zeigt die Strategie im Beschaffungs-Teil auf, wie die Supply Side gemanagt wird, um die geforderten Leistungen zu erhalten. In einem großen Unternehmen kann FM-Jahresvolumen leicht zweistellige Millionenbeträge umfassen – hier ist Professionalisierung des Einkaufs ein bedeutender Hebel. Deshalb sollte die FM-Strategie eng mit der Unternehmens-Einkaufsstrategie abgestimmt sein. Etwaige Besonderheiten (z.B. Tariftreue von Dienstleistern, Outsourcing von Personal) müssen transparent dargelegt und mit HR/Compliance abgestimmt werden. Die Norm zielt darauf ab, dass FM-Strategen diese Themen nicht vergessen, da ein rein inhaltlich guter Plan ohne Umsetzungsmittel (sprich gute Verträge) ins Leere laufen könnte.
Kommunikation der Strategie und Feedback
Eine FM-Strategie entfaltet ihren Wert erst, wenn sie im Unternehmen kommuniziert und gelebt wird. Daher ist ein weiterer Teil der Strategieformulierung die Planung, wie die erarbeitete Strategie allen relevanten Parteien vermittelt und von ihnen akzeptiert wird. ISO 41014 hebt dies in Abschnitt 6.5 (Communication and feedback) hervor.
Folgende Punkte sind wesentlich:
Interne Kommunikation an Stakeholder: Zunächst muss die genehmigte FM-Strategie an alle internen Stakeholder kommuniziert werden, die davon betroffen sind oder zur Umsetzung beitragen. Das Top-Management sollte die Strategie idealerweise offiziell billigen und z.B. in einer Führungsrunde vorstellen. Anschließend muss die FM-Organisation selbst detailliert informiert werden: Jeder Mitarbeiter im FM sollte die Kerninhalte kennen (Vision, Hauptziele, wesentliche Änderungen). Workshops oder Präsentationen können hier eingesetzt werden, um Fragen zu klären und Commitment aufzubauen. Wichtig ist, zu betonen, warum Änderungen erfolgen (z.B. „um Wettbewerbsfähigkeit zu steigern“), damit Mitarbeiter den Sinn verstehen und mitziehen. Auch andere Abteilungen sind ggf. einzubinden – etwa IT, HR, Recht – wenn deren Unterstützung nötig ist (z.B. IT für neue Software, HR für Schulungen, Recht für Vertragsdinge).
Mitarbeiter-Einbindung und Change Management: Größere strategische Neuausrichtungen lösen oft Veränderungen im Tagesgeschäft aus (neue Prozesse, evtl. Personalumbau). Daher sollte die Strategieumsetzung von einem Change-Management-Plan begleitet sein. Das beinhaltet: frühzeitige Einbindung der Mitarbeiter (viele wurden schon bei Anforderungserhebung einbezogen – diese Linie fortsetzen), offene Informationspolitik und ggf. Schulungen zu neuen Arbeitsweisen. Die FM-Strategie kann vorschlagen, einen Change Manager zu benennen oder ein Projektteam für die Umsetzung zu bilden, das auch die kommunikative Begleitung verantwortet. Ein Kommunikationsplan legt fest, wer wann welche Information bekommt – z.B. regelmäßige Updates an das Management, Projekt-Newsletter ans FM-Team etc.
Dokumentation und Zugänglichkeit: Die Strategie sollte in geeigneter Form dokumentiert und allen Beteiligten zugänglich gemacht werden (z.B. im Intranet oder als Broschüre). Dabei kann es sinnvoll sein, für unterschiedliche Zielgruppen zusammengefasste Versionen bereitzustellen: etwa ein Management Summary für die Führungskräfte (konzentriert auf Ziele, Nutzen, Kosten) und ein operatives Handbuch für das FM-Team (mit mehr Details zu Maßnahmen und Verantwortlichkeiten). Ein One-Pager mit den wichtigsten strategischen Zielen kann helfen, die Botschaft klar zu vermitteln.
Externes Messaging: Falls die FM-Strategie Auswirkungen nach außen hat (z.B. neue Nachhaltigkeitsinitiativen, Serviceverbesserungen für Kunden), kann es ratsam sein, dies in der Öffentlichkeitsarbeit oder gegenüber Geschäftspartnern zu kommunizieren. Beispielsweise könnte man Lieferanten über die neue Sourcing-Strategie informieren („Wir legen künftig verstärkten Wert auf Nachhaltigkeit – bereiten Sie sich darauf in Ausschreibungen vor“) oder Mietern eines Gebäudes ankündigen, was sich ändern wird. Solche Kommunikationen sollten abgestimmt und Teil der strategischen Umsetzung sein, um Erwartungen aktiv zu managen und positive Effekte (z.B. Imagegewinn durch Nachhaltigkeitsstrategie) zu nutzen.
Feedback-Kultur etablieren: Kommunikation sollte keine Einbahnstraße sein. ISO 41014 nennt „feedback“ explizit, was bedeutet, dass man Mechanismen haben sollte, um laufend Rückmeldungen zur Strategie und ihrer Umsetzung einzusammeln. Zum Beispiel kann ein Regelkreis eingerichtet werden: quartalsweise Strategiereviews mit den FM-Führungskräften und Kundenvertretern, jährliche Mitarbeiterbefragungen zur Zufriedenheit mit Änderungen, etc. Diese Rückkopplungen sind wichtig, um zu erkennen, ob die Strategie greift oder nachjustiert werden muss. Auch Erfolge sollten zurückgemeldet werden, um Motivation zu schaffen („Eure harte Arbeit hat zu 5% Kostensenkung geführt – gut gemacht!“).
Durch gezielte Kommunikations- und Feedbackmaßnahmen wird die FM-Strategie in der Organisation verankert. Alle Beteiligten verstehen die Ziele und wissen, welche Beiträge von ihnen erwartet werden. Widerstände können früh erkannt und adressiert werden, weil ein offener Dialog gefördert wird. Gerade im Facility Management, wo viele Maßnahmen nur mit Unterstützung anderer Abteilungen oder Nutzer gelingen, ist die Kommunikation ein Schlüsselfaktor. Somit ist dieser Teil der Strategie nicht zu vernachlässigen – ein gut ausgearbeiteter technischer Plan kann an mangelnder Kommunikation scheitern. Die Norm trägt dem Rechnung, indem sie die Etablierung einer transparenten, partizipativen Kommunikationskultur fordert, was im Einklang mit bewährten FM-Praktiken steht.
Umsetzungsplan
Abschließend enthält die formulierte FM-Strategie einen Implementierungs- oder Umsetzungsplan (ISO 41014 Abschnitt 6.6 Implementation plan). Dieser beantwortet die praktische Frage: Wie kommen wir von der Strategie zu realen Verbesserungen?
Kernpunkte eines solchen Plans sind:
Maßnahmenplan und Zeitachse: Aus den strategischen Zielen und Maßnahmen werden konkrete Projekte und Actions abgeleitet, mit Meilensteinen und Terminen. Beispielsweise könnte der Umsetzungsplan eine Tabelle beinhalten: Maßnahme A (z.B. „CAFM-System einführen“), Startdatum Q1 2023, Meilenstein „Software ausgewählt“ bis Q2 2023, „System live“ bis Q4 2023, Verantwortlicher X. Für alle wichtigen Vorhaben sollten Start- und Endpunkte definiert sein, um die zeitliche Umsetzung zu steuern. Der Plan kann kurz-, mittel- und langfristige Phasen haben. Oft nutzt man hierfür Gantt-Diagramme oder Roadmaps, um die Parallelität von Aktivitäten darzustellen und Abhängigkeiten zu markieren.
Prioritäten und Quick Wins: Der Umsetzungsplan sollte kenntlich machen, welche Maßnahmen zuerst angegangen werden (Priorität 1) und welche später folgen. Es kann sinnvoll sein, Quick Wins vorzuziehen – also Maßnahmen, die mit geringem Aufwand spürbare Verbesserungen bringen, um Erfolgserlebnisse zu schaffen und Skeptiker zu überzeugen. Größere, komplexe Projekte werden ggf. in Etappen aufgeteilt, um Risiken zu managen.
Verantwortlichkeiten: Für jede Maßnahme ist eine verantwortliche Person oder Einheit zu benennen (RACI-Matrix kann hier verfeinert eingesetzt werden). So weiß jeder, wer „am Steuer“ ist. Große Projekte haben Projektleiter, kleinere Aktionen vielleicht nur einen Sachbearbeiter als Verantwortlichen. Wichtig ist, auch die Verantwortung der Nachfrageorganisation festzuhalten, wenn nötig – z.B. muss das Top-Management bis zu einem Stichtag eine Entscheidung treffen oder Budget freigeben, damit FM weitermachen kann.
Ressourcenzuteilung: Der Plan sollte aufzeigen, welche Ressourcen den einzelnen Maßnahmen zugeteilt werden (im Sinne von Budget und Personal, zumindest auf hoher Ebene). Falls manche Projekte auf die gleichen internen Spezialisten zugreifen, ist darauf zu achten, dass diese nicht überlastet werden – ggf. Projekte nacheinander staffeln oder externe Unterstützung einplanen. Der Implementierungsplan muss realistisch sein, was die Machbarkeit parallel laufender Initiativen angeht.
Steuerungs- und Monitoringverfahren: Es ist sinnvoll anzugeben, wie der Fortschritt der Umsetzung verfolgt wird. Zum Beispiel Einrichtung eines regelmäßigen Strategie-Boards oder Lenkungskreises, der quartalsweise zusammentritt und Fortschritte prüft (verknüpft mit dem Performance Management, siehe nächster Abschnitt). Ggf. sollen Zwischenberichte erstellt werden. Ein Prozess für das Änderungsmanagement (Change Control) während der Umsetzung kann definiert werden – falls äußere Umstände eine Anpassung des Plans nötig machen, wer entscheidet darüber?
Kommunikationsmaßnahmen zur Umsetzung: Querverweis auf den Kommunikationsplan – z.B. wann interne Ankündigungen zu bestimmten Änderungen erfolgen (z.B. „Neues Raumkonzept wird im Januar kommuniziert, Umsetzung ab März“). So sind Umsetzung und Kommunikation synchronisiert.
Insgesamt bildet der Umsetzungsplan eine Landkarte für die nächsten Jahre, anhand derer die FM-Strategie Realität werden soll. Er sollte ehrgeizig, aber durchführbar sein. Die Norm fordert hier ein systematisches Vorgehen, damit die Strategie nicht ein Papiertiger bleibt. Durch einen klaren Implementierungsfahrplan erhöht sich die Verbindlichkeit: Die einzelnen Teams und Personen sehen ihre Aufgaben und Deadlines vor sich. Zudem kann das Management anhand dieses Plans nachvollziehen, wann mit Ergebnissen zu rechnen ist, was wiederum Vertrauen schafft.
Abschließend ist die FM-Strategie damit vollständig formuliert
Sie enthält Vision und Ziele, abgeleitete Anforderungen, strategische Maßnahmen, Ressourcenplanung, Beschaffungsstrategie, Kommunikations- und Implementierungsplan. Im nächsten Schritt geht es darum, die Umsetzung zu begleiten und Erfolge zu messen – hierzu liefern die folgenden Kapitel (Performance-Management und Verbesserung) Leitlinien.
Leistungssteuerung und Überwachung
Eine FM-Strategie ist nur so gut wie ihre Umsetzung. Daher legt ISO 41014 großen Wert auf das Performance-Management nach der Einführung der Strategie (Kapitel 7 Managing performance). Dieser Abschnitt befasst sich mit der Messung, Überwachung und Steuerung der Leistung, um sicherzustellen, dass die strategischen Ziele erreicht werden und bei Abweichungen gegengesteuert wird.
Wesentliche Elemente sind:
Monitoring der Leistungskennzahlen: Aufbauend auf den in der Strategie definierten KPIs (Key Performance Indicators) wird ein Überwachungssystem eingerichtet. Kapitel 7.1–7.3 der Norm behandeln Monitoring, Performance-Indikatoren und -Messung. Das bedeutet konkret: Für jedes strategische Ziel sollten passende Messgrößen erhoben werden. Beispielsweise, wenn ein Ziel „Nutzerzufriedenheit steigern“ lautet, kann eine jährliche Nutzerbefragung mit Zufriedenheitsindex als KPI dienen. Oder bei „Energiekosten senken um 10%“ wird monatlich der Energieverbrauch gemessen und gegen die Baseline verglichen. Wichtig ist, dass die Daten verlässlich und regelmäßig erhoben werden – oft hilft hier ein CAFM-System oder BI-Tool, um automatisiert Berichte zu generieren. Die Norm empfiehlt transparente Methoden, damit Ergebnisse nachvollziehbar sind (z.B. Messintervalle, Berechnungsformeln dokumentieren).
Soll-Ist-Vergleich und Reporting: Die gemessenen Werte müssen mit den vorgegebenen Zielen verglichen werden (Performance Review gemäß ISO 41014 Kap. 7.4). Weichen sie ab, ist zu analysieren warum. Die FM-Organisation sollte regelmäßige Performance-Reports erstellen – z.B. monatlich für das interne FM-Management und quartalsweise verdichtet für die Geschäftsleitung. Diese Berichte zeigen den Status der Umsetzung (Meilensteine erreicht/nicht erreicht) und die Ergebniskennzahlen (KPI-Werte vs. Zielwerte) sowie ggf. Risikoindikatoren. Es empfiehlt sich ein Ampelsystem, um schnell zu visualisieren, wo alles im Plan ist (grün) und wo Handlungsbedarf besteht (rot).
Regelmäßige Strategiereviews: ISO 41014 impliziert, dass nicht erst am Ende der Laufzeit evaluiert wird, sondern fortlaufend. Daher sollten Strategiemeetings oder -reviews in fixem Turnus stattfinden (etwa quartalsweise), in denen die FM-Leitung und ggf. Vertreter der Nachfrageorganisation zusammenkommen, um die Ergebnisse zu besprechen. Dabei werden die zuvor genannten Reports diskutiert. Das Gremium kann sein: ein Strategie-Lenkungsausschuss im Unternehmen mit FM-Verantwortlichen und Geschäftsleitungsmitgliedern. Hier wird bewertet, ob die FM-Strategie auf Kurs ist.
Abweichungsanalyse und Korrekturmaßnahmen: Falls Kennzahlen hinter den Zielen zurückbleiben, müssen Korrekturmaßnahmen ergriffen werden (ISO 41014 Kap. 7.5 Corrective actions). Beispielsweise: Wenn die geplante Kosteneinsparung nicht erreicht wird, analysiert man die Ursachen (z.B. Einsparmaßnahmen wirkten nicht wie gedacht oder ungeplante Zusatzkosten traten auf) und entwickelt Gegensteuerungsmaßnahmen (weitere Effizienzprogramme, Budgetanpassung etc.). Ähnlich bei Qualitätszielen: wird ein Servicelevel nicht erreicht, könnte man Schulungen intensivieren oder den Dienstleister wechseln. Die Strategie sollte so flexibel sein, dass sie solche Anpassungen zulässt. Hier zahlt es sich aus, wenn in der Strategiephase bereits Risikopuffer eingeplant wurden – dann kann man Abweichungen auffangen. Alle Korrekturmaßnahmen sollten dokumentiert und ebenfalls nachverfolgt werden, um zu sehen, ob sie Wirkung zeigen.
Performance-Indikatoren verfeinern: Es kann vorkommen, dass die anfangs gewählten KPIs nicht ideal sind (z.B. schwierig zu erheben oder nicht aussagekräftig genug). Im Rahmen der Performance-Steuerung kann man die Indikatoren anpassen oder ergänzen (ISO 41014 Kap. 7.2–7.3 deuten an, dass Messsysteme weiterentwickelt werden können). Zum Beispiel stellt man fest, dass ein KPI „Flächenkosten je MA“ stark von externen Faktoren beeinflusst wird; man ergänzt daher „Flächenausnutzung (m²/MA)“ als zusätzlichen KPI, um ein klareres Bild zu haben. Die Strategie ist kein starres System – im Monitoring darf gelernt und optimiert werden, solange die übergeordneten Ziele gleich bleiben.
Transparenz gegenüber Stakeholdern: Die Ergebnisse der Leistungssteuerung sollten nicht im stillen Kämmerchen bleiben. Insbesondere die Unternehmensleitung und relevante Stakeholder der Nachfrageorganisation erwarten eine Rückmeldung über den Erfolg der FM-Strategie. Positive Ergebnisse (z.B. erreichte Einsparziele, bessere Nutzerzufriedenheit) sollten hervorgehoben und kommuniziert werden – das schafft Vertrauen in das FM und rechtfertigt getätigte Investitionen. Negative Entwicklungen müssen ehrlich berichtet und mit einem Aktionsplan versehen werden, um Glaubwürdigkeit zu bewahren. Hier zeigt sich Professionalität: Ein reifes FM-Management erkennt Probleme und geht sie offensiv an, statt sie zu beschönigen.
Durch ein konsequentes Performance-Management wird die FM-Strategie steuerbar und überprüfbar. Es verwandelt die Strategie von einem einmaligen Plan in einen kontinuierlichen Regelkreis, der dem PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) entspricht. Dies entspricht auch anerkannten Qualitätsmanagement-Praktiken, wie sie in ISO 9001 oder ISO 41001 verankert sind. Für die FM-Organisation bedeutet dies, dass man jederzeit den Finger am Puls hat, ob man sich auf dem geplanten Pfad befindet. Für die Unternehmensleitung bedeutet es, dass FM Rechenschaft über seine Wirkung ablegt – was die strategische Bedeutung und den Stellenwert des FM weiter stärkt. Die Leistungssteuerung schafft damit die Voraussetzungen, um die Strategie bei Bedarf anzupassen und laufend zu verbessern, was im nächsten Abschnitt behandelt wird.
Kontinuierliche Verbesserung und Aktualisierung der Strategie
Kein Strategieprozess ist statisch – Veränderungen im Geschäftsumfeld oder interne Lernprozesse machen es notwendig, die FM-Strategie regelmäßig zu überprüfen und weiterzuentwickeln. ISO 41014 trägt dem mit Kapitel 8 Improving outcomes Rechnung. Eine strategische FM-Planung soll also dynamisch verstanden werden, mit fest verankerten Feedback-Schleifen.
Wesentliche Aspekte der kontinuierlichen Verbesserung sind:
Lernen aus Erfahrung: Während der Umsetzung sammeln die FM-Organisation und die Stakeholder wertvolle Erfahrungen. Es zeigen sich z.B. welche Maßnahmen gut funktionieren und wo Hindernisse auftreten. Diese Lessons Learned sollten systematisch erfasst werden (ISO 41014 Kap. 7.6 Feedback and lessons learned und 8.1 Applying lessons learned). Praktisch kann dies bedeuten: Nach Abschluss eines Teilprojekts (z.B. Outsourcing Wachdienst) führt man eine Review durch: wurden die Ziele erreicht, was lief gut/schlecht, was würden wir nächstes Mal anders machen? Solche Erkenntnisse fließen in laufende Verbesserungen ein. Man könnte dafür eine zentrale Liste pflegen oder Workshops ansetzen. Wichtig ist, eine Fehlerkultur zu haben, in der Probleme offen angesprochen werden, um daraus zu lernen.
Überprüfung der Zielerreichung und Outputs: In bestimmten Abständen – oft jährlich – sollte die Strategie insgesamt auf den Prüfstand. ISO 41014 Abschnitt 8.2 spricht von Reassessing outputs and targets. Das heißt, man schaut: Sind die strategischen Ziele noch gültig? Haben sich Geschäftsziele geändert (z.B. neue CEO-Agenda)? Wurden Zielwerte eventuell schon übertroffen und können ambitionierter gesetzt werden? Oder sind sie unrealistisch und müssen angepasst werden? Ebenso wird geprüft, ob die erreichten Ergebnisse den Erwartungen entsprechen. Beispiel: Man hat 80% der geplanten Projekte umgesetzt, aber der erhoffte Nutzen trat nur zur Hälfte ein – hier müsste man analysieren warum (waren Annahmen falsch? äußere Umstände anders?). Diese Meta-Evaluation der Strategie ist quasi ein großer Check-Schritt in PDCA.
Aktualisierung der FM-Strategie: Basierend auf den Erkenntnissen aus dem Monitoring und den veränderten Rahmenbedingungen wird die FM-Strategie aktualisiert (ISO 41014 Kap. 8.3 Updating the FM strategy). Oft passiert dies in einem festen Zyklus, z.B. alle 3 bis 5 Jahre erfolgt ein Strategie-Update, das dann vom Management neu freigegeben wird. Ein Update kann kleine Anpassungen enthalten (Feinschliff von Maßnahmen, neue Kennzahlen) oder größere Richtungsänderungen, falls z.B. das Unternehmen seine Ausrichtung ändert (etwa ein ehemals expansionsorientiertes Unternehmen muss plötzlich konsolidieren – das würde die FM-Strategie stark beeinflussen). Das Update sollte durch den gleichen grundlegenden Prozess laufen wie die initiale Strategie: also wieder Analyse –> Anpassung von Anforderungen –> neue Maßnahmen definieren –> Ressourcen neu planen. Allerdings kann man dabei auf dem Bestehenden aufbauen; es ist selten nötig, bei Null zu beginnen. Ein wichtiger Punkt: Kommunikation der Änderungen – alle Betroffenen müssen wissen, was an der Strategie revidiert wurde und warum. Das erfolgt analog zur ursprünglichen Kommunikation.
Beziehung zur FM-Politik: Interessant ist, dass ISO 41014 auch die FM-Policy (FM-Politik) erwähnt. Kapitel 8.4 Updating the FM policy bedeutet, dass unter Umständen auch die übergeordnete FM-Policy angepasst werden muss. Die FM-Policy ist in ISO 41018 definiert und stellt gewissermaßen das Leitbild oder Grundsatzpapier des FM dar, während die FM-Strategie konkreter ist. Wenn also die Erfahrungen zeigen, dass grundlegende Leitlinien nicht mehr passen (z.B. man hat in der Policy stehen „FM macht alles intern“, aber die Strategieerfahrung zeigt Outsourcing ist sinnvoll, dann müsste die Policy geändert werden), sollte man das tun, um Konsistenz zu wahren. In vielen Fällen bleibt die FM-Policy aber eher stabil und die Strategie justiert sich darunter; jedoch denkt die Norm auch an diesen Schritt.
Kultur der kontinuierlichen Verbesserung: Die Strategie sollte letztlich das FM in eine Haltung der kontinuierlichen Verbesserung (KVP) versetzen – in Japan als Kaizen bekannt. Jeder im FM-Team sollte motiviert sein, laufend nach Optimierungspotenzial zu suchen, auch jenseits der initialen strategischen Projekte. Vielleicht ergeben sich im Laufe der Umsetzung neue Ideen, die anfangs gar nicht bedacht waren. Eine lernende FM-Organisation kann solche Ideen aufnehmen und ggf. Zwischenschritte einfügen. Die Norm propagiert Bewusstseinsbildung und Kompetenzentwicklung – also es soll ein Klima herrschen, in dem Mitarbeiter befähigt werden, strategisch mitzudenken und Verbesserungen anzustoßen.
In der Praxis bedeutet das
Die FM-Strategie ist kein statisches Dokument, sondern ein rollierender Plan, der in regelmäßigen Abständen fortgeschrieben wird. Er bleibt damit immer aktuell und relevant. So kann das FM auf Veränderungen agil reagieren – sei es ein plötzliches Ereignis (Pandemie, neue Gesetzeslage) oder schleichende Trends (Fachkräftemangel, Digitalisierungsschub). Mit dem Kapitel der kontinuierlichen Verbesserung schließt sich der Kreis des strategischen FM-Managements, wie ihn ISO 41014 vorsieht: Von der Planung über Umsetzung und Messung zurück zur Neubewertung.
