Zum Inhalt springen
FM-Connect Chat

Hallo! Ich bin Ihr FM-Connect Chat-Assistent. Wie kann ich Ihnen helfen?

FM-Solutionmaker: Gemeinsam Facility Management neu denken

GEFMA 945: CAFM/IWMS-Trendreport 2023

Facility Management: Organisationsentwicklung » Normen » GEFMA » GEFMA 945: CAFM/IWMS-Trendreport 2023

GEFMA 945 Trendreport 2023 zu aktuellen Entwicklungen und Innovationen bei CAFM- und IWMS-Systemen

Zweck, Nutzen und Einordnung des GEFMA 945: CAFM-/IWMS‑Trendreport

Der Bericht GEFMA 945 bietet einen praxisnahen Orientierungsrahmen für das digitale Facility Management (FM). Er ordnet Markt‑, Technologie‑ und Anwendungsentwicklungen von Computer‑Aided Facility Management (CAFM) und Integrated Workplace Management Systems (IWMS) im Jahr 2023 ein und bildet damit die Basis für belastbare Digitalisierungsstrategien im FM. Auftraggeber‑ und Betreiberorganisationen können ihre digitalen FM‑Roadmaps anhand des Reports priorisieren, Nutzeranforderungen präzise formulieren, Risiken wie Cyber‑Security und Datenhoheit adressieren und Investitionsentscheidungen zwischen Betriebsstabilität, ESG‑Pflichten, Workplace‑Transformation und der Integration in die IT-/OT‑Landschaft absichern. Der Bericht stützt sich auf eine Befragung der deutschsprachigen FM‑Gemeinschaft mit über zweihundert Anwendern und zahlreichen Software‑Anbietern und unterstreicht, dass trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten die Budgets für CAFM‑Lösungen steigen und zwei Drittel der Befragten neue digitale Projekte initiiert haben.

GEFMA 945 – CAFM-/IWMS-Trendreport Bedeutung

Begriffs‑ und Funktionsabgrenzung

CAFM‑Systeme entstanden in den 1990er‑Jahren als modulare Softwarelösungen zur Unterstützung der Kernprozesse des Facility Managements, insbesondere Wartungs‑ und Flächenmanagement. Sie basieren auf einer zentralen Datenbank mit getrennten Modulen; frühe Systeme galten als „integriert“, konzentrierten sich jedoch hauptsächlich auf spezifische Bereiche wie Instandhaltung und Space Management. Erst einfache CAD‑Schnittstellen waren integriert. Durch professionelle Anforderungen und technologische Innovationen wurden diese Systeme ab den späten 1990er‑Jahren schrittweise erweitert, etwa um Service Management und die Standardintegration in HR‑ oder Finanzsysteme.

Das IWMS‑Konzept wurde zu Beginn der 2000er‑Jahre geprägt. Integrated‑Workplace‑Management‑Systeme unterstützen Unternehmen, ihre Arbeitsplatzressourcen zu optimieren und umfassen die Verwaltung des Immobilienportfolios, der Infrastruktur und der Gebäudeanlagen. Moderne IWMS verbinden sich mit Building Management Systems (BMS), Energie‑Management‑Software, Workplace‑Management‑Tools, Sensoren und Building Information Modelling (BIM). Der Fokus verschiebt sich von operativen FM‑Prozessen hin zu einer ganzheitlichen Sicht auf Corporate Real Estate mit enger Integration in die IT‑ und OT‑Landschaft.

CAFM und IWMS grenzen sich damit sowohl in ihrer Funktionstiefe als auch in der Integrationsbreite ab: CAFM adressiert vor allem die operativen FM‑Kernprozesse, während IWMS zusätzlich strategische Immobilien‑ und Workplace‑Themen, Portfolio‑ und Investitionsmanagement sowie ESG‑Reporting abdeckt. Weitere angrenzende Systemklassen sind Enterprise Resource Planning (ERP), IT Service Management (ITSM), Gebäudeleittechnik (GLT/BMS), Enterprise Asset Management (EAM), Dokumenten‑Management‑Systeme (DMS) und BIM‑/Common Data Environment (CDE)‑Plattformen; sie ergänzen oder überlappen die Funktionen von CAFM/IWMS, bedienen jedoch andere Schwerpunkte im Geschäftsprozess.

Zielgruppen und Anwendungsszenarien

Die Zielgruppen von CAFM‑ und IWMS‑Lösungen umfassen Eigentümer und Betreiber, Corporate‑Real‑Estate‑Abteilungen, öffentliche Auftraggeber, FM‑Dienstleister sowie Multi‑Site‑Organisationen.

Typische Einsatzfelder sind:

  • Flächen‑ und Workplace‑Management (Belegungsplanung, Buchung, Umzugs‑Management, Arbeitsplatz‑Experience);

  • Instandhaltung und Asset‑Management (planmäßig/ungeplant, SLA‑Überwachung, Historien, Predictive Maintenance);

  • Service Desk (Ticketing, Omnichannel‑Kommunikation, Wissensbasis);

  • Energie‑ und ESG‑Reporting (Erfassung und Analyse von Verbrauchsdaten, CO₂‑Fußabdruck, gesetzliche Nachweise);

  • Vertrags‑ und Dokumenten‑Management (Verwaltung von Miet‑/Dienstleistungsverträgen, DMS‑Integration);

  • Projekt‑ und CapEx‑Management (Investitionsplanung, Portfolio‑Optimierung).

Der Trendreport 2023 beantwortet vier Kernfragen:

  • Marktentwicklungen 2023: Welche wirtschaftlichen und regulatorischen Trends prägen die Nachfrage nach CAFM und IWMS, und wie entwickeln sich Budgettendenzen im deutschsprachigen Markt?

  • Technologische Trends: Welche Technologien setzen sich durch (z. B. Cyber‑Security, ESG‑Reporting, Workplace/Hybrid Work, mobile Nutzung, Cloud‑Plattformen, Analytics/Automatisierung)?

  • Nutzeranforderungen: Welche Anforderungen steigen hinsichtlich Usability, Mobilität, Reporting und Integration? Welche Pain Points erleben Anwender im Alltag?

  • Konsequenzen für Auswahl, Implementierung und Betrieb: Wie lassen sich Systeme aus‑wählen, beschaffen, implementieren und betreiben, um strategische Ziele zu erreichen und Risiken zu minimieren?

Nutzen im FM‑Entscheidungsprozess (von Strategie bis Betrieb)

Entscheidungsbedarf

Beitrag des Trendreports

Typisches Ergebnisartefakt

Strategie/Zielbild

Festlegung von Digitalisierungs‑ und Prozessprioritäten

Trend‑ und Reifegradspiegel, Szenarien

Zielarchitektur, Roadmap

Beschaffung

Schärfung des Lastenhefts, Shortlist‑Bildung

Markt‑ und Trendkriterien, Anbieterprofile

Bewertungsmatrix, Scoring

Implementierung

Integrations‑ und Rolloutdesign

Erfolgsfaktoren und Risikoindikatoren

Cut‑over‑ und Betriebskonzept

Betrieb/Optimierung

KPI‑Definition, Adoption‑Management, Security

Benchmarks und Anforderungen an Betriebssicherheit

KPI‑Set, Verbesserungsplan

Untersuchungsdesign

Der Trendreport 2023 basiert auf einer zweigeteilten Untersuchung: einer anwenderseitigen Befragung von über zweihundert FM‑Organisationen und einer anbieterseitigen Befragung von 17 CAFM‑/IWMS‑Herstellern. Der Erhebungszeitraum lag im ersten Halbjahr 2023; der Fokus lag auf dem deutschsprachigen Markt (Deutschland, Österreich, Schweiz). Die Fragen wurden entlang von Funktionsgruppen (z. B. Instandhaltung, Workplace, Service Desk, Energie/ESG) strukturiert und kombinierten Prioritätenbewertung, Investitionsabsichten und Nutzungspläne. Befragt wurden Vertreter*innen aus Betreiber‑, Eigentümer‑ und Dienstleisterorganisationen, ergänzt um Anbieterperspektiven.

Stichprobe, Segmentierung und Interpretationsgrenzen

Um eine differenzierte Auswertung zu ermöglichen, wurden die Teilnehmer nach Flächengröße und Standortanzahl (Single‑Site vs. Multi‑Site, kleine vs. große Portfolios) sowie nach Branchenclustern (Corporate Real Estate, öffentliche Hand, Gesundheitswesen, Industrie, Dienstleistungssektor) segmentiert. Zudem wurde zwischen Eigenbetrieb und externem Dienstleister unterschieden. Die Auswahl erfolgte freiwillig; daher sind Bias‑Risiken (z. B. eine Überrepräsentation technologieaffiner Organisationen) möglich. Die Ergebnisse sind als Trends und Richtwerte zu interpretieren, nicht als repräsentative Marktprognosen.

Auswertungslogik und Ergebnisdarstellung

Die Befragungsergebnisse werden in Form von Rankings ausgewertet: Top‑Trends, Top‑Pain‑Points und Top‑Investitionsfelder. Darüber hinaus differenziert der Report nach Nutzergruppen (Betreiber, Dienstleister, öffentliche Hand), Komplexitätsstufen (Single‑Site vs. Multi‑Site) und Digitalisierungsreifegraden. Grafiken und Tabellen veranschaulichen die jeweiligen Prioritäten und erleichtern den Vergleich zwischen verschiedenen Segmenten.

Marktreife, Investitionsklima und Budgettendenzen

Der Trendreport 2023 zeigt ein positives Investitionsklima trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten. Zwei Drittel der befragten Anwender initiierten im Jahr 2023 neue CAFM‑Projekte, und 44 % beschleunigten bereits geplante Erweiterungen. Die Budgets steigen vor allem für Cyber‑Security‑Maßnahmen, neue Arbeitsplatzkonzepte und Energiemanagement; viele Unternehmen erweitern ihre Systeme um mobile Funktionen und ESG‑Reporting. Prof. Joachim Hohmann betont, dass das FM einem rapiden Wandel unterliegt und ohne moderne Software nicht zukunftsfähig ist.

Investitionsschwerpunkte liegen auf der Ablösung veralteter Systeme, Migration in die Cloud und der Integration bestehender FM‑Anwendungen in unternehmensweite Plattformstrategien. Organisationen müssen einen Ausgleich zwischen Kosten und Time‑to‑Value einer neuen Lösung sowie Governance‑ und Compliance‑Anforderungen finden.

Systemlandschaften und Integrationsrealität

Die Zielarchitekturen variieren zwischen Hub‑&‑Spoke‑Modellen (zentrale Plattform mit angebundenen Fachapplikationen), integralen Plattformlösungen (monolithische IWMS‑Suite) und Best‑of‑Breed‑Ansätzen, bei denen spezialisierte Systeme über standardisierte Schnittstellen verbunden werden.

Relevante Integrationsdomänen sind:

  • Identitäten und Rollen (Single‑Sign‑On, Berechtigungsmanagement);

  • Stammdaten (z. B. Assets, Flächen, Verträge);

  • Ticketing und Service‑Management;

  • IoT/OT‑Daten aus Gebäudeautomation und Sensorik;

  • Dokumente und Pläne (DMS/BIM).

Eine hohe Schnittstellen‑ und API‑Fähigkeit ist entscheidend, um Doppelpflege zu vermeiden und Prozesse Ende‑zu‑Ende abzubilden.

Erfolgsfaktoren und typische Hemmnisse

Erfolgsentscheidend ist eine hohe Datenqualität und ein strukturiertes Datenmanagement. Die GEFMA‑Richtlinie 430 betont, dass Datenbasis und Datenmanagement die entscheidende Säule eines CAFM‑Systems bilden; sie liefert Projektverantwortlichen Orientierung zu Datenumfang, Qualität und Datenschutz sowie zur Funktionsfähigkeit digitaler Schnittstellen in komplexen IT‑Landschaften. Weitere Erfolgsfaktoren sind Change‑ und Adoption‑Management mit frühzeitiger Einbindung der Nutzer, klare Verantwortlichkeiten für Daten‑ und Systempflege und eine zukunftsfähige Schnittstellenarchitektur.

Zu den Hemmnissen zählen mangelnde Datenqualität, fehlende Akzeptanz durch Nutzer, insuffiziente Schnittstellen und das Risiko eines Vendor‑Lock‑in. Letzteres beschreibt die Abhängigkeit von einem bestimmten Anbieter; proprietäre Datenformate und geschlossene Schnittstellen erschweren einen Systemwechsel und können die strategische und rechtliche Handlungssouveränität einschränken. Unternehmen sollten daher auf offene APIs und standardisierte Datenmodelle achten.

Trendcluster und Relevanz für FM‑Kernprozesse

Trendcluster

Typische technische Ausprägung

Hauptrisiko

Cyber‑Security & Resilienz

Zero‑Trust‑Architekturen, Multi‑Faktor‑Authentifizierung, Audit‑Logging

Schutz sensibler Betriebs‑ und Gebäudedaten; Erfüllung regulatorischer Mindestanforderungen

Betriebsunterbrechungen, Haftungs‑ und Compliance‑Risiken bei Sicherheitslücken

ESG/Reporting

KPI‑Frameworks, Datenpipelines, automatisierte Energiemonitoring‑Tools

Nachweisfähigkeit gegenüber CSRD, ESRS, EU‑Taxonomie und nationalen Energiegesetzen; Transparenz des CO₂‑Fußabdrucks

Datenlücken, heterogene Quellen, Gefahr des „Greenwashings“ bei unzureichender Dokumentation

Workplace/Hybrid Work

Buchungs‑ und Belegungssysteme, Workplace‑Experience‑Apps, Sensorik

Optimierte Flächenauslastung und nutzerzentrierte Arbeitsumgebungen

Fehlende Nutzerakzeptanz, Datenschutzfragen

Mobile Nutzung

Native Apps, offline‑fähige Anwendungen, QR‑Codes

Höhere Produktivität im Feld; sofortiges Ticketing und Dokumentation

Gerätevielfalt, Mobile‑Device‑Management‑Komplexität

Cloud & Plattformisierung

SaaS‑/PaaS‑Modelle, offene API‑Ökosysteme, Microservices

Skalierbarkeit, schnellere Updates, flexible Nutzung; geringerer Betriebsoverhead

Datenhoheit, Ausstiegsoptionen, Vendor‑Lock‑in

Analytics/Automatisierung

Dashboards, regelbasierte Automatisierungen, KI‑ und ML‑Ansätze

Priorisierung von Maßnahmen, Predictive Maintenance, proaktive Störungsprävention

Modellrisiken, mangelnde Datenethik und algorithmische Verzerrungen

Der Trendreport weist darauf hin, dass insbesondere Cyber‑Security, ESG‑Reporting und Workplace‑Themen die Agenda der FM‑Digitalisierung 2023 dominieren. Viele Unternehmen investieren zusätzlich in mobile CAFM‑Lösungen und Automatisierung; 70 % der befragten Unternehmen sehen mobile CAFM via Apps als zukünftiges Markt‑Thema, 48 % betonen die gestiegene Betreiberverantwortung, 36 % heben die Verknüpfung von CAFM und BIM hervor und 29 % betrachten Big Data/Analytics als wichtiges Zukunftsfeld.

Trendwirkungen auf Daten, Prozesse und Rollen

Die technologischen Trends haben tiefgreifende Auswirkungen auf Datenmodelle, Prozesse und Rollen im FM. Cyber‑Security erfordert ein stringentes Berechtigungs‑ und Logging‑Konzept; ESG‑Reporting führt zu erweitertem Stammdatenmodell (Asset‑, Energie‑, Nutzer‑ und Emissionsdaten). Workplace‑Apps und mobile Nutzung verstärken die Nachfrage nach Echtzeitdaten und erfordern ein flexibles Servicekatalog‑ und Ticketmodell. Die Digitalisierung schafft neue Rollen wie Data Owner, System Owner, Informationssicherheitsbeauftragte, FM‑Controller und ESG‑Manager, die für Datenhoheit, Compliance und kontinuierliche Verbesserung verantwortlich sind.

Technologischer Ausblick und Reifegradpfade

Kurzfristig (12–18 Monate) lassen sich Verbesserungen bei Usability und Mobile‑First‑Ansätzen, Standard‑APIs und Reporting‑Grundlagen umsetzen. Mittelfristig (2–3 Jahre) rücken Plattform‑Ökosysteme, tiefere OT‑Integration (IoT‑Sensorik, Building‑Automation) und Automatisierung mithilfe von KI/ML und Robotik in den Fokus. Der Reifegradpfad führt von Pilotprojekten über integrale Rollouts hin zu smart building‑fähigen, adaptiven Betreiberorganisationen.

Die Befragungsergebnisse zeigen folgende prioritären Anforderungen aus Sicht der Anwender:

  • Bedienbarkeit und Prozessdurchgängigkeit: Anwender erwarten intuitive Bedienoberflächen mit prozessorientierten Workflows. Medienbrüche und Insellösungen (z. B. Excel, Papierakten) sollen durch integrierte Systeme abgelöst werden.

  • Schnelle Auswertbarkeit und Reporting: Moderne Systeme müssen standardisierte KPI‑Dashboards bieten, insbesondere für Energie‑, ESG‑ und Compliance‑Berichte.

  • Mobile Unterstützung: Apps und offline‑fähige Lösungen erlauben die Bearbeitung von Tickets und Checklisten direkt vor Ort. QR‑Codes an Anlagen liefern sofortige Informationen.

  • Integrationsfähigkeit und Datenkonsistenz: Einheitliche Datengrundlage und nahtlose Schnittstellen zu ERP, BIM, IoT‑Sensoren und anderen Systemen sind essenziell, um Prozesse zu automatisieren und Daten nur einmal zu erfassen.

  • Security‑Funktionen: Anwender fordern umfassende Sicherheitsmechanismen wie Multi‑Faktor‑Authentifizierung, rollenbasiertes Berechtigungsmanagement und Audit‑Logs, um Betreiberverantwortung nachzuweisen

Anforderungen nach Funktionsdomänen (strukturierte Lastenheft‑Perspektive)

Funktionsdomäne

Bewertungsdimension

Instandhaltung

Planung ungeplanter/geplanter Maßnahmen, SLA‑Tracking, Asset‑Historie, Predictive Maintenance

Prozessabdeckung, Datenmodell‑Tiefe

Service Desk

Omnichannel‑Ticketing, Priorisierung, Wissensdatenbank, Workflow‑Engine

TTR (Time to Resolve), FCR (First‑Call‑Resolution), Nutzerzufriedenheit

Flächen/Workplace

Belegung und Buchung, Move‑Management, Experience‑Apps, Sensor‑Integration

Flächeneffizienz, Nutzer‑Adoption

ESG/Energie

Erfassung von Energie‑ und Emissionsdaten, KPI‑Katalog, automatisierte Nachweisführung

Auditierbarkeit, Datenherkunft

Dokumente/Compliance

DMS‑Integration, Versionierung, elektronische Signaturen, Vertragsverwaltung

Revisionssicherheit, Rollen‑/Rechtekonzept

Nicht‑funktionale Anforderungen (NFA) als „Betriebsfähigkeitskriterien“

Zu den zentralen NF‑Anforderungen gehören Informationssicherheit (Schutz vor unbefugtem Zugriff, Verschlüsselung, Protokollierung), Datenschutz (Zweckbindung, Lösch‑/Archivkonzepte), Verfügbarkeit und Business‑Continuity (Redundanz, Ausfallsicherheit), Skalierbarkeit (Lastspitzen und Wachstum) sowie ein granulares Rechte‑/Rollenkonzept und Mandantenfähigkeit für Multi‑Site‑Betrieb.

Produktstrategie‑ und Roadmap‑Signale

Anbieter von CAFM/IWMS‑Lösungen verfolgen zunehmend eine SaaS‑Strategie mit kurzen Release‑Zyklen und einem API‑First‑Ansatz. Offene Plattformen und Partner‑Ökosysteme sollen die Integration spezialisierter Anwendungen erleichtern. Die Balance zwischen Konfiguration (parametrierbare Standardfunktionen) und Customizing (individuelle Programmierung) wirkt sich unmittelbar auf Governance und Upgrade‑Fähigkeit aus – je stärker ein System modifiziert wird, desto höher sind die Pflege‑ und Migrationsaufwände.

Implementierungs‑ und Rolloutmuster

Bewährte Muster umfassen die Pilotierung neuer Funktionen, gefolgt von einem Template‑basierten Rollout über mehrere Standorte. Erfolgreiche Projekte beginnen mit einer Datenmigration und dem Aufbau eines sauberen Datenmodells. Schulungen und Change‑Management orientieren sich am Prinzip „Adoption by Design“: Anwender werden früh eingebunden, Workflows gemeinsam gestaltet und das System schrittweise ausgerollt.

Betriebsmodelle

Es existieren drei grundlegende Betriebsmodelle: On‑Premises (Betrieb im eigenen Rechenzentrum, volle Kontrolle, aber hoher Aufwand), Private Cloud (dedizierte Ressourcen bei einem Cloud‑Provider) und Public SaaS (multi‑tenant, geringere Kosten, aber geringere Datenhoheit). Ein RACI‑Modell definiert die Verantwortungsgrenzen zwischen Anbieter und Betreiber. Ein Betriebshandbuch regelt Monitoring, Incident‑/Problem‑Management, Patch‑/Release‑Management, Berechtigungsadministration und Security‑Audits.

Vom Trend zur Entscheidung: Bewertungs‑ und Priorisierungslogik

Der Report empfiehlt eine Trend‑Relevanz‑Matrix, in der Trends nach Business Value, Umsetzungsaufwand und Risiko bewertet werden. Daraus lassen sich Portfolio‑Cluster ableiten, z. B. „Workplace“, „Compliance/ESG“, „Field Service“ und „Integration“. Projekte mit hohem Mehrwert und geringem Risiko sollten kurzfristig realisiert werden, während aufwendige, risikoreichere Vorhaben in Transformationsprogramme überführt werden.

Beschaffungsunterlagen (Lastenheft‑Kern, Bewertungsmatrix, Nachweise)

Ein CAFM/IWMS‑Lastenheft sollte die fachlichen Anforderungen, die nicht‑funktionalen Kriterien, die Schnittstellen und die Datenstrukturen detailliert beschreiben. Eine Bewertungsmatrix dient der objektiven Anbieterbewertung; sie verknüpft Muss‑ und Soll‑Kriterien mit Gewichtungen. Der Nachweiskatalog umfasst Sicherheitsnachweise (z. B. Zertifizierungen, Penetration‑Tests), Referenzen, Betriebskonzepte und eine Exit‑Strategie (Datenexport, Vertragslaufzeiten) zur Vermeidung von Vendor‑Lock‑in.

Betriebs‑ und Steuerungskennzahlen

Zielsetzung

Service

First‑Time‑Fix‑Rate, SLA‑Erfüllung

Prozessqualität

Assets

Wartungsquote, Störungsfrequenz

Anlagenverfügbarkeit

Flächen

Auslastung, Anzahl Buchungen

Flächeneffizienz

ESG

Datenabdeckung, Audit‑Findings

Nachweisfähigkeit

Adoption

Aktive Nutzer, App‑Nutzungsrate

Nutzungsgrad und Akzeptanz

Cyber‑Security und Resilienz im CAFM/IWMS‑Kontext

Die zunehmende Digitalisierung im FM erhöht die Angriffsfläche für Cyberattacken. Das White Paper GEFMA 944 beschreibt typische Bedrohungsszenarien, darunter ungeschützte Remote‑Zugänge, fehlende Segmentierung zwischen IT und OT sowie Social‑Engineering‑Angriffe. Viele Organisationen unterschätzen die Risiken und verfügen weder über ausreichendes Know‑how noch über klare Zuständigkeiten; dabei sind gerade im Bereich der kritischen Infrastrukturen robuste Sicherheitskonzepte erforderlich. Empfohlene Mindestschutzmaßnahmen sind Identity Management, Mehrfaktor‑Authentifizierung, regelmäßiges Patch‑Management, Auditing und Protokollierung sowie die Sensibilisierung der Mitarbeitenden. Drittparteien (SaaS‑Anbieter, Integrationspartner) sind in das Risikomanagement einzubeziehen.

Datenhoheit, Datenschutz, Auditierbarkeit

Die Datenklassifikation legt fest, welche Daten besonders schützenswert sind; nur für den definierten Zweck dürfen diese verarbeitet werden. Es bedarf Lösch‑ und Archivkonzepten, die gesetzliche Aufbewahrungsfristen berücksichtigen. Eine revisionssichere Dokumentation stellt sicher, dass Änderungen nachvollziehbar sind und bei Prüfungen (z. B. im ESG‑Reporting) nachgewiesen werden können. Transparenz und Nachvollziehbarkeit sind zentrale Anforderungen der EU‑Datenschutz‑Grundverordnung und nationaler Gesetze.

Governance‑Rahmen

Governance im FM definiert klare Verantwortlichkeiten: Data Owner verantworten Inhalt und Qualität der Daten, System Owner den Betrieb der Anwendungen. Change‑Control‑Prozesse stellen sicher, dass Änderungen an Systemen und Daten strukturiert geplant, bewertet und dokumentiert werden. Standardisierte Architekturprinzipien (Templates, Namensräume, Objektmodelle) erleichtern die Integration und Skalierung von Systemen.

Kernaussagen des Trendreports 2023

Der GEFMA‑945‑Trendreport 2023 bestätigt, dass sich das Facility Management in einem tiefgreifenden digitalen Wandel befindet. Cyber‑Security, ESG‑Reporting und Workplace/Hybrid Work sind die dominierenden Trendlinien. Die Mehrheit der Organisationen investiert trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten in CAFM‑ und IWMS‑Lösungen; viele haben neue Projekte gestartet oder bestehende Vorhaben beschleunigt. Mobile CAFM‑Anwendungen und die Integration von BIM und Analytics gewinnen an Bedeutung.

Konkrete Next Steps für Organisationen

Organisationen sollten zunächst einen Reifegradcheck ihrer digitalen FM‑Prozesse durchführen und daraus eine Roadmap ableiten.

Wesentliche Elemente sind:

  • Daten‑ und Schnittstellenstrategie: Aufbau einer konsistenten Datenbasis, Definition von Schnittstellenstandards, Vermeidung von Vendor‑Lock‑in;

  • Security‑Baseline: Einführung von Zero‑Trust‑Ansätzen, Identity Management und regelmäßigen Audits;

  • Quick Wins: mobile Apps, standardisierte Reporting‑Dashboards, einfache Automatisierungen;

  • Transformationsprogramme: mittelfristig Integration von Plattform‑Ökosystemen, tiefe OT‑Integration, Nutzung von KI/Analytics;

  • Change‑ und Schulungsprogramme: Qualifizierung der Mitarbeitenden, strukturiertes Adoption‑Management.

Ausblick auf Weiterentwicklung der Trendreport‑Reihe

Künftige Ausgaben der Trendreport‑Reihe werden voraussichtlich einen noch stärkeren Fokus auf Plattform‑ und Digitalisierungsrahmen legen und die Schnittstellen zwischen FM, Real Estate und Corporate IT weiter ausleuchten. Die 2025‑Edition hebt bereits hervor, dass der Blick weit über CAFM‑ und IWMS‑Lösungen hinausgeht und Themen wie Smart Buildings, Digital Twins und KI‑gestützte Services stärker adressiert werden. Gleichzeitig könnten neue regulatorische Anforderungen (z. B. EU‑Klimagesetze, CSRD) die Bedeutung von ESG‑Reporting weiter erhöhen.