GEFMA 160: Nachhaltigkeit im FM – Grundlagen und Konzeption
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GEFMA 160: Nachhaltigkeit als strategisches Prinzip des Facility Managements
Die GEFMA-Richtlinie 160 „Nachhaltigkeit im FM – Grundlagen und Konzeption“ definiert die methodischen Grundlagen für eine systematische Berücksichtigung von Nachhaltigkeit im Facility Management. Sie etabliert Nachhaltigkeit als strategisches Managementprinzip, das ökologische, ökonomische und soziale Aspekte über den gesamten Lebenszyklus von Immobilien und Anlagen integriert. Die Richtlinie gibt konkrete Handlungsempfehlungen zur Vereinbarung, Steuerung und Umsetzung der Nachhaltigkeit von Facility Services. Dabei wird ein Kennzahlensystem gefordert, das qualitative und quantitative Kriterien festlegt, um Nachhaltigkeitsmerkmale messbar, steuerbar und vergleichbar zu machen. Das 3-Säulen-Modell aus Ökologie, Ökonomie und Soziokulturellem bildet die konzeptionelle Basis und sichert eine ausgewogene Berücksichtigung aller Dimensionen. GEFMA 160 liegt in deutscher Sprache vor; eine englische Version (GEFMA 160-e) ist ebenfalls verfügbar und dient der internationalen Anwendbarkeit.
Das von GEFMA entwickelte Management- und Zertifizierungssystem „SustainFM“ dient als Leitfaden für nachhaltige FM-Prozesse. Es kann zur Selbstauskunft über den aktuellen Nachhaltigkeitsstatus genutzt und bietet einen Maßstab zur Bewertung von FM-Dienstleistungen nach klar definierten Kriterien. Zertifizierungen nach GEFMA 160 schaffen für Stakeholder wie Eigentümer, Mieter oder Investoren Transparenz und Nachvollziehbarkeit.
GEFMA 160 – Nachhaltigkeit im Facility Management
- Zweck, Geltungsbereich und Einordnung
- Verständnis von Nachhaltigkeit im FM-Kontext
- Prinzipien und Leitkonzepte des nachhaltigen FM
- Konzeptueller Rahmen für Nachhaltigkeit im FM
- Organisationale und prozessbezogene Umsetzung
- Messung, Kennzahlen und Controlling
- Kontinuierliche Verbesserung und Entwicklung
Im Rahmen eines nachhaltigen FM werden unter anderem folgende Zielsetzungen verfolgt:
Ressourceneffizienz: Optimierung des Energie-, Wasser- und Materialeinsatzes zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks.
Langfristiger Werterhalt: Sicherung und Steigerung des Immobilienwerts durch geplante Instandhaltung und werterhaltende Maßnahmen.
Kostenreduktion: Senkung der Lebenszykluskosten durch effiziente Betriebsprozesse und vorausschauende Instandhaltung.
Risikominderung: Minimierung betrieblicher und strategischer Risiken (z.B. durch frühzeitiges ESG-Risikomanagement) zur Erhöhung der Resilienz.
Integration in Unternehmensstrategie: Ausrichtung der FM-Ziele an übergeordneten Nachhaltigkeits- und CSR-Strategien des Unternehmens.
Anwendungsbereich
Die GEFMA 160 ist auf alle Arten von Gebäuden, Liegenschaften und FM-Organisationen anwendbar. Sie deckt sämtliche Nutzungsarten (Büro, Industrie, öffentlich usw.) und alle Phasen des Immobilienlebenszyklus ab, mit einem Schwerpunkt auf dem operativen Gebäudebetrieb. Die Leitlinien bieten praxisnahe Unterstützung für die Betriebs- und Nutzungsphase von Gebäuden – unabhängig vom Gebäudetyp oder Zustand – und helfen Facility Managern, nachhaltige Maßnahmen über den gesamten Betriebszeitraum zu planen und umzusetzen.
Position im FM-Rahmenwerk
Nachhaltigkeit ist im FM als Querschnittsaufgabe zu verstehen, die technische, infrastrukturelle und kaufmännische FM-Bereiche miteinander verbindet. Die GEFMA-Richtlinie erweitert die klassische 3‑Säulen-Perspektive um Aspekte der FM-Organisation und der detaillierten Serviceprozesse. Sie richtet sich gleichermaßen an FM-Kunden (Eigentümer, Investoren), interne FM-Organisationen und externe Dienstleister oder Berater. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass Nachhaltigkeitsüberlegungen sowohl in die strategische Steuerung als auch in die operativen FM-Prozesse einfließen.
Nachhaltigkeit im Facility Management basiert auf den drei eng miteinander verzahnten Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales:
Ökologische Dimension: Schwerpunkte sind Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Emissionsreduktion. Beispielhafte Maßnahmen sind der Einsatz erneuerbarer Energien, umweltfreundliche Materialauswahl und eine Minimierung der Abfallströme.
Ökonomische Dimension: Ziele sind Kosteneffizienz und langfristiger Werterhalt. Durch optimierte Betriebsprozesse, vorausschauende Instandhaltung und strategisches Flächenmanagement werden Kosten gesenkt und der Wert der Immobilie gesichert.
Soziale Dimension: Sie umfasst Gesundheit, Arbeitssicherheit und Nutzerzufriedenheit. Arbeits- und Lebensräume sollen so gestaltet werden, dass sie das Wohlbefinden der Nutzer fördern und gesellschaftliche Anforderungen erfüllen.
Lebenszyklusorientierte Perspektive
Ein zentraler Ansatz der GEFMA 160 ist die ganzheitliche Betrachtung aller Lebensphasen von Immobilien. Nachhaltigkeit wird bereits bei Planung und Bau einbezogen und setzt sich im Betrieb und bei Modernisierungen fort; auch Rückbau- oder Revitalisierungsmaßnahmen sind berücksichtigt. Nach GEFMA endet nachhaltiger Gebäudebetrieb nicht an der Fassade, sondern wird tief in alle betrieblichen Abläufe und Entscheidungsprozesse integriert.
Stakeholder und Verantwortung
Bei nachhaltigen FM-Maßnahmen sind verschiedene interne und externe Stakeholder einzubeziehen. Wichtige Akteure sind das Management und die FM-Organisation des Unternehmens sowie Fachabteilungen (Technik, Einkauf, Arbeitssicherheit u.a.). Zu den externen Stakeholdern zählen Gebäudeeigentümer, Nutzer/Mieter, Behörden, Zertifizierer und FM-Dienstleister. Da Eigentümer- und Nutzerverhalten oder die Objektstruktur erheblichen Einfluss auf Facility Services haben, fordert GEFMA, diese Akteure in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Die Richtlinie adressiert daher FM-Kunden, FM-Dienstleister und -Berater gleichermaßen, um Zuständigkeiten und Erwartungen klar zu regeln.
Vorsorge- und Langfristigkeitsorientierung
Nachhaltiges FM setzt auf Prävention und Langlebigkeit statt auf kurzfristige Korrekturen. Wichtige Leitprinzipien sind vorbeugende Instandhaltung, sorgfältige Planung sowie der Einsatz langlebiger Materialien und Systeme. GEFMA betont einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess: Der PDCA-Zyklus umfasst die Phasen Planung (Plan), Umsetzung (Do), Kontrolle (Check) und Anpassung (Act) und bildet die Grundlage aller Verbesserungsprozesse. Durch diesen Kreislauf wird die Entwicklung von Nachhaltigkeitsstrategien (Plan), deren Umsetzung (Do), die transparente Dokumentation (Check) und die fortlaufende Optimierung (Act) abgedeckt. Damit wird gewährleistet, dass Nachhaltigkeitsziele systematisch definiert und regelmäßig überprüft werden.
Effizienz und Effektivität
Effizienz und Effektivität stehen im Zentrum des nachhaltigen FM. Dabei sind ökologisches Verantwortungsbewusstsein, wirtschaftliche Zweckmäßigkeit und funktionale Anforderungen gleichzeitig zu berücksichtigen. Nachhaltigkeit rechnet sich – optimierte Betriebsprozesse und intelligente Nutzung technischer Systeme senken den Energie- und Ressourcenverbrauch, reduzieren Kosten und steigern gleichzeitig die Leistungsfähigkeit der Anlagen.
Transparenz und Messbarkeit
Nachhaltiges Facility Management erfordert nachvollziehbare Kennzahlen, transparente Daten und regelmäßige Berichterstattung. GEFMA 160 fordert qualitative und quantitative Kriterien, die die Nachhaltigkeitsmerkmale von FM-Dienstleistungen konkret und vergleichbar machen. Die FM-Organisation muss relevante Daten erfassen und Fortschritte regelmäßig dokumentieren. SustainFM bietet die Grundlage, die nötigen Gebäude- und Leistungsdaten zu erheben, um z.B. den Berichtspflichten nach EU-Taxonomie oder CSRD nachzukommen. Durch ein konsequentes Reporting werden Nachhaltigkeitsleistungen für alle Beteiligten nachvollziehbar gemacht.
Strategische Nachhaltigkeitsziele
Die strategischen Nachhaltigkeitsziele im FM werden aus den übergeordneten Unternehmenszielen abgeleitet und in FM-spezifische Zielgrößen übersetzt. Dazu zählen etwa Festlegungen zu Energieverbrauch, CO₂-Emissionen, Ressourceneinsatz, Kosten oder Nutzerzufriedenheit. Diese Ziele sind auf die gesamte Nutzungsdauer der Immobilien ausgerichtet und unterstützen die langfristige Wertschöpfung. GEFMA hilft dabei, praktische und messbare Zielgrößen zu definieren, um Immobilien über den gesamten Lebenszyklus hinweg nachhaltig zu bewirtschaften.
Nachhaltigkeits-Handlungsfelder im FM- Relevante Handlungsfelder im FM sind z.B.:
Energie- und Klimamanagement: Steigerung der Energieeffizienz, Einsatz erneuerbarer Energien, Reduzierung von Treibhausgasemissionen.
Wasser- und Ressourcenmanagement: Sparsamer Umgang mit Wasser, effiziente Nutzung von Materialien, Förderung von Recycling und Kreislaufwirtschaft.
Abfallmanagement: Minimierung von Abfallmengen und Erhöhung der Recyclingquoten.
Innenraumqualität: Sicherung gesunder und komfortabler Arbeitsbedingungen (Luftqualität, Beleuchtung, Akustik) zur Verbesserung des Nutzerkomforts.
Soziale Aspekte: Gesundheitsschutz, Arbeitssicherheit und Nutzerzufriedenheit der Gebäudenutzer.
Die GEFMA-Standards legen u.a. besonderen Wert auf Ressourcenschonung, Emissionsreduktion und nachhaltige Materialwahl als zentrale Handlungsfelder.
Integration in FM-Prozesse
Nachhaltigkeitsanforderungen müssen in alle Kernprozesse des FM eingebunden werden. Beispielsweise sollten Betriebs- und Instandhaltungsprozesse auf Energieeffizienz ausgerichtet sein, das Beschaffungswesen Umweltkriterien berücksichtigen und das Flächenmanagement nachhaltige Nutzungs- und Flexibilitätskonzepte implementieren. GEFMA 160 empfiehlt, Nachhaltigkeitskriterien bereits in Ausschreibungen und Verträgen zu verankern. Die bereitgestellten Checklisten decken z.B. Bereiche wie Beschaffungsmanagement und Abfallmanagement ab, um FM-Organisationen bei der Umsetzung systematisch zu unterstützen.
Rollen und Verantwortlichkeiten
Klare Zuständigkeiten sind entscheidend: Innerhalb der FM-Organisation sollten Verantwortliche für Nachhaltigkeit definiert sein (z.B. Energiemanager oder Nachhaltigkeitsbeauftragte). Das Top-Management muss Nachhaltigkeit durch Zielvorgaben und Ressourcenvergabe unterstützen. Auch bei abteilungsübergreifenden Projekten sollte es feste Rollen geben – beispielsweise für das Energiemanagement, Abfallcontrolling oder Nutzerfeedback. Schulungen und Qualifikationen stärken die Kompetenzen der Mitarbeitenden in Nachhaltigkeitsthemen.
Prozessintegration und Schnittstellen
Nachhaltiges FM erfordert enge Abstimmung mit angrenzenden Bereichen. FM-Teams arbeiten mit dem Immobilien- und Portfoliomanagement zusammen, um Energie- und Betriebsstrategien zu koordinieren. Die Einbindung von Corporate-Sustainability-Funktionen stellt sicher, dass gesetzliche Vorgaben (z.B. aus EU-Taxonomie, Arbeitsschutzgesetzen) eingehalten werden. Externe Dienstleister (Reinigungsfirmen, Techniker, Catering u.a.) müssen ebenfalls informiert werden, damit sie nachhaltige Vorgaben umsetzen können. GEFMA 160 gibt hier konkrete Hilfestellung: Sie bietet Orientierung für Ausschreibung, Vergabe und Durchführung, um Nachhaltigkeitskriterien systematisch in Verträge zu integrieren.
Sustainability Performance Indicators- Typische Kennzahlen sind etwa:
Ökologisch: Gesamtenergieverbrauch (kWh/m²), CO₂-Emissionen (kg/m²), Wasserverbrauch oder Recyclinganteil.
Ökonomisch: Lebenszykluskosten, Betriebskosten pro Fläche, Erfüllungsgrad geplanter Investitionen, Werterhaltungsindex.
Sozial: Unfall- oder Krankheitsraten, Mitarbeiter- und Nutzerzufriedenheitswerte, Indikatoren zur Raumqualität (z.B. CO₂-Gehalt, Beleuchtungsstärke).
Diese KPIs ermöglichen es, Fortschritte objektiv zu messen und Vergleiche über Zeiträume oder Standorte hinweg anzustellen.
Monitoring und Evaluierung
Ein kontinuierliches Monitoring sorgt dafür, dass Soll-Ist-Vergleiche regelmäßig stattfinden. Hierfür werden Zählerdaten (Strom, Gas, Wasser) elektronisch erfasst, Checklisten befüllt und Audits durchgeführt. Die gesammelten Daten werden analysiert, um Abweichungen zu identifizieren und Maßnahmen anzupassen. Der beschriebene PDCA-Zyklus wird erneut angewendet: Zieldefinition (Plan), Umsetzung und Datenerhebung (Do), Ergebnisvergleich (Check) und Anpassung der Strategien (Act). So bleibt das Nachhaltigkeitsprogramm dynamisch und wird ständig verbessert.
Berichterstattung und Dokumentation
Die FM-Organisation dokumentiert intern und extern über die Nachhaltigkeitsleistung. Intern können z.B. Managementberichte, Dashboards oder regelmäßige Meetings dienen. Für externe Stakeholder (Eigentümer, Aufsichtsräte, Zertifizierer) liefern standardisierte Berichte Transparenz. GEFMA betont, dass SustainFM die systematische Erhebung aller relevanten Gebäudedaten ermöglicht, die für Berichtsanforderungen (z.B. CSR-/ESG-Berichte nach CSRD) benötigt werden. Durch konsequentes Reporting wird die Nachvollziehbarkeit des Fortschritts sichergestellt.
Optimierung und Innovation
Nachhaltigkeit ist ein fortlaufender Prozess: Die Analyse der gemessenen Kennzahlen zeigt Optimierungspotenziale auf. Auf dieser Grundlage leiten FM-Verantwortliche weitere Maßnahmen ab, etwa die Nachrüstung energieeffizienterer Anlagen oder die Anpassung von Betriebsabläufen. GEFMA betont, dass moderne Technologien und Digitalisierung eine zentrale Rolle spielen: Die Standards fördern gezielt die Nutzung digitaler Werkzeuge und die kontinuierliche Weiterentwicklung von FM-Prozessen. Dies fördert Innovation und trägt zu langfristiger Effizienzsteigerung bei.
Lernen und Wissensmanagement
Lernende Organisationen können ihre Nachhaltigkeitsleistung systematisch steigern. FM-Abteilungen sollten Erfahrungen aus Projekten dokumentieren und Erfolge intern teilen. Gezielte Schulungen und Weiterbildungen bauen Kompetenzen auf. GEFMA unterstützt den Austausch von Best Practices: Durch Leitfäden, Zertifizierungen und Netzwerke wird Erfahrungsschatz verbreitet. Kontinuierlicher Wissenstransfer und Kollaboration zwischen FM-Teams fördern die stetige Verbesserung und Anpassung der Nachhaltigkeitsstrategie.
Übersicht der Nachhaltigkeitsdimensionen in GEFMA 160
| Nachhaltigkeitsdimension | Schwerpunkte im FM | Typische Ziele |
|---|---|---|
| Ökologische | Energieverbrauch, Ressourcennutzung, Emissionen | Reduktion der Umweltbelastung |
| Ökonomische | Lebenszykluskosten, Werterhalt | Kosteneffizienz und Resilienz |
| Soziale | Gesundheit, Arbeitssicherheit, Nutzerzufriedenheit | Nutzungsqualität und Wohlbefinden |
Positionierung im professionellen Facility Management
GEFMA 160 liefert Organisationen ein strukturiertes Rahmenwerk, um Nachhaltigkeit als strategische und operative Disziplin im FM zu verankern. Sie ermöglicht es, FM-Aktivitäten systematisch auf die Nachhaltigkeitsziele abzustimmen und so transparenten Managementprozessen und langfristiger Wertschöpfung Rechnung zu tragen. Die GEFMA fungiert dabei als Taktgeber: Ihre praxisnahen Standards erlauben es, Immobilien über den gesamten Lebenszyklus hinweg nachhaltig zu bewirtschaften. Mit dem zertifizierbaren Standard GEFMA 160 setzt die Branche zudem einen anerkannten Nachweis für nachhaltigen Gebäudebetrieb und fördert damit Transparenz sowie kontinuierliche Optimierung.
