Alle Zahlen dieser Fallstudie sind frei gesetzte Annahmen, keine Kundenreferenz und kein Marktvergleich. Ein Service Desk bearbeitet jährlich 12.000 ursprüngliche Anliegen. Zusätzlich entstehen 3.600 Wiederholungskontakte, weil Informationen über Bearbeitungsstand und Abschluss fehlen. Das entspricht 30 Kontakten je 100 Originalanliegen; einzelne Anliegen können mehrere Rückfragen auslösen. Nach einer organisatorischen Erprobung sinkt die Zahl auf 2.160 Kontakte beziehungsweise 18 je 100 Originalanliegen. Die 12.000 ursprünglichen Bedarfe bleiben unverändert. Geändert werden die Zuständigkeit für Rückmeldungen, der Inhalt der Abschlussinformation und die Weitergabe ungeklärter Fälle.
Fallstudie Service Desk: weniger Rückfragen, mehr nutzbare Zeit
Jeder Wiederholungskontakt bindet im Beispiel zehn Minuten im FM und acht Minuten bei den Nutzenden. Die 1.440 vermiedenen Kontakte ergeben damit 240 Stunden weniger FM-Bearbeitung und 192 Stunden weniger Nutzeraufwand pro Jahr. Für die neue Qualitätssicherung und die Kontrolle der Rückmeldungen werden jährlich 120 FM-Stunden zusätzlich benötigt. Im FM verbleibt folglich ein rechnerisches Nettopotenzial von 120 Stunden. Die 192 Nutzerstunden werden gesondert ausgewiesen. Es wäre falsch, sie erneut dem FM zuzurechnen oder alle Zeiten ohne weiteren Nachweis mit einem internen Stundensatz in Zahlungsentlastung umzuwandeln.
Größe pro Jahr
Rechnung
Ergebnis
Vermiedene Rückfragen
3.600 − 2.160
1.440 Kontakte
FM-Zeit brutto
1.440 × 10 / 60
240 Stunden
FM-Zeit netto
240 − 120 Zusatzaufwand
120 Stunden
Nutzerzeit
1.440 × 8 / 60
192 Stunden
Zusätzliche Zahlungen
4.800 laufend + 6.000 einmalig
10.800 Euro im ersten Jahr
Zusätzlichen Aufwand und Mittelbedarf einordnen
Die Einführung kostet im fiktiven Beispiel einmalig 6.000 Euro für externe Unterstützung. Eine ergänzende technische Unterstützung kostet jährlich 4.800 Euro. Weder Stellen noch bestehende Fremdaufträge entfallen. Die Maßnahme verursacht deshalb zunächst zusätzliche Zahlungen; eine finanzielle Amortisation ist aus diesen Angaben nicht nachgewiesen. Die Entscheidung kann gleichwohl begründet sein, wenn verlässlichere Information und weniger Unterbrechungen den Zusatzaufwand rechtfertigen. Dafür bestätigt die Leitung ausdrücklich den nichtfinanziellen Nutzen. Die zugrunde gelegten 120 Stunden Qualitätssicherung enthalten die gesamte zusätzlich geplante interne Facharbeit; weitere notwendige Tätigkeiten würden die Bilanz verschlechtern.
Eine verwendbare Kapazität herstellen
Die 120 Stunden entstehen verteilt über Tage und Personen. Bevor daraus zusätzliche Aufgaben zugesagt werden, prüft die Teamleitung nutzbare Zeitfenster und passende Qualifikation. Im Beispiel werden daraus feste Bearbeitungsfenster für die Bereinigung wiederkehrender Stammdatenfehler gebildet. Der erreichte Arbeitsumfang wird dokumentiert, ohne jede freie Minute personenbezogen zu überwachen. Eine höhere Erreichbarkeit kann ebenfalls ein sinnvoller Einsatz sein. Die 192 Nutzerstunden bleiben ein über viele Personen verteiltes Entlastungspotenzial; ob sie Konzentration, schnelleren Arbeitsbeginn oder andere Wirkungen ermöglichen, beurteilen die betroffenen Bereiche.
Qualität und Übertragbarkeit prüfen
Bei der Nachprüfung werden vergleichbare Anliegen und Zeiträume betrachtet. Ein Rückgang der Kontakte wäre kein Erfolg, wenn Nutzer das System wegen schlechter Erreichbarkeit aufgeben. Deshalb werden wieder geöffnete Fälle, ungelöste Anliegen, Rückmeldungen und Servicequalität mitgeprüft. Die Rechnung hängt außerdem von den angenommenen Bearbeitungszeiten ab; diese werden anhand geeigneter Stichproben plausibilisiert. Der Fall zeigt einen begrenzten, nachvollziehbaren Wertbeitrag: weniger vermeidbare Kommunikation und etwas zusätzliche Arbeitsfähigkeit. Er zeigt weder einen Personalabbau noch eine garantierte Rendite. Diese Unterscheidung macht die Entscheidung auch bei späteren Abweichungen überprüfbar.