BNB (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen)
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BNB als FM‑Governance‑Rahmen für nachhaltige Planung, Bau und Betrieb von Gebäuden
Das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) ist ein deutsches Instrument zur Planung und Bewertung nachhaltiger, in der Regel öffentlicher Bauvorhaben. Es ergänzt den Leitfaden Nachhaltiges Bauen des Bundes als ganzheitliche Bewertungsmethodik für Gebäude und ihre Umgebung. Das BNB betrachtet den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes – von der Planung über Bau und Nutzung bis hin zur Rückbauphase – unter Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer, soziokulturell‑funktionaler sowie technischer Qualitäten und Prozessqualitäten. Ziel des nachhaltigen Bauens ist der Schutz von Umwelt, Ressourcen, Gesundheit, Kultur und Kapital; entsprechend werden die Qualität von Gebäuden und der Betrieb an messbaren Kriterien ausgerichtet. Für das Facility Management (FM) dient das BNB als Governance‑Instrument, weil es Nachhaltigkeitsziele in handübergebereife Dokumentationen, betriebliche Leistungsanforderungen und revisionssichere Prozesse übersetzt. Durch die ganzheitliche Betrachtung und die Möglichkeit der Nachverfolgung über den gesamten Lebenszyklus können Betreiber ihre Leistungspflichten und Nachweisdokumentationen eindeutig steuern und Prüfungen vorbereiten.
Nachhaltigkeits-Zertifizierung und Gebäudebewertung im Facility Management
- FM‑Anwendbarkeit
- BNB‑Systemarchitektur
- Lebenszyklusmodule
- Bewertungsmethodik
- FM‑Integrationspunkte
- BNB‑Konformität
- FM‑Ready
- Betriebssteuerungsmodell
- Zertifizierungsorientierte Output
Zweck des BNB in Bauprojekten (Zieldefinition, Verifikation, Vergleichbarkeit)
Der Zweck des BNB besteht darin, messbare Nachhaltigkeitsziele für ein Bauprojekt zu definieren und die Umsetzung dieser Ziele über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu verifizieren. Das System stellt Kriterien bereit, nach denen die Qualitäten eines Gebäudes bewertet werden können, und ergänzt so den Leitfaden Nachhaltiges Bauen. Zu Beginn eines Projekts werden die Ziele für die einzelnen Kriterien festgelegt; während der Planung und Ausführung dient das BNB als Qualitätssicherungsinstrument und nach Fertigstellung bestätigt eine Konformitätsprüfung die erreichten Qualitäten. Durch standardisierte Bewertungsskalen (Zielwert 100 Punkte, Referenzwert 50 Punkte, Schwellenwert 10 Punkte) wird die Ergebnisqualität vergleichbar gemacht.
Typischer Anwendungskontext (öffentliche Bauvorhaben als Hauptanwendungsfall; übertragbare Governance‑Logik)
Das BNB wurde für Bundesbauvorhaben entwickelt und ist im öffentlichen Hochbau verpflichtend anzuwenden. Es kann jedoch auch von Bundesländern, Kommunen oder privaten Bauherren genutzt werden; für diese Projekte hat es einen empfehlenden Charakter. Dadurch wird eine übertragbare Governance‑Logik geschaffen, die Nachhaltigkeitsziele und Nachweispflichten einheitlich strukturiert und auch in der Privatwirtschaft angewendet werden kann.
FM‑Relevanz (Betreiberpflichten, evidenzbasierte Übergabe, Lebenszyklus‑Kosten‑ und Leistungssteuerung)
Für das Facility Management ist das BNB von zentraler Bedeutung, weil der Betreiber bei Übergabe eines Gebäudes Nachweise über die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele erbringen muss. Im Modul „Neubau/Komplettmodernisierung“ werden die Projektunterlagen (Planungs‑ und Ausführungsnachweise, Kommissionierungsdokumente) vollständig übergeben; das Modul „Nutzen und Betreiben“ erfasst die konkrete Objektqualität unter Nutzungsbedingungen sowie die Qualität der Betriebsprozesse. Dadurch können Lebenszyklus‑Kosten und Betriebsleistungen kontrolliert, Energie‑ und Verbrauchsdaten verglichen und kontinuierliche Verbesserungsmaßnahmen geplant werden. Nachweise über Wartung, Instandhaltung, Nutzerkomfort und Wirtschaftlichkeit bilden die Grundlage für Zertifizierungen und dienen als Steuerungsinstrument für FM.
Systemgrenzen (Gebäude und Umgebung; Abgrenzung zwischen Gebäude und Grundstück)
Die räumlichen Systemgrenzen des BNB beziehen sich hauptsächlich auf das Gebäude. In einigen Kriterien werden auch Nutzungsaspekte des zugehörigen Grundstücks betrachtet. Als zeitlicher Rahmen gelten sämtliche Lebenszyklusphasen des Gebäudes, einschließlich der Nutzungs‑ und Rückbauphase; für Neubauten von Büro‑ und Verwaltungsgebäuden wird beispielsweise ein Betrachtungszeitraum von 50 Jahren angesetzt. Diese Systemgrenzen sind wichtig, um die Verantwortlichkeiten zwischen Bauherrn (Gebäude) und Standort bzw. Außenanlagen klar zu trennen.
Systemvarianten nach Gebäudenutzung (z. B. Büro/Verwaltung, Unterricht, Laboratorien, Außenanlagen)
Die grundlegenden Dimensionen und Prinzipien des nachhaltigen Bauens gelten für alle Gebäudetypen. Dennoch besitzen verschiedene Nutzungsarten spezifische Anforderungen. Das BNB bietet deshalb spezifische Systemvarianten für stark nachgefragte Gebäudetypen.
Die wichtigsten Varianten sind:
Büro‑ und Verwaltungsgebäude (BNB_B): Grundlage für die Entwicklung des BNB; richtet sich an Gebäude mit überwiegend bürotypischer Nutzung.
Unterrichtsgebäude (BNB_U): berücksichtigt pädagogische Konzepte, vielfältige Nutzergruppen und flexible Räume.
Laborgebäude (BNB_L): enthält angepasste Kriteriensteckbriefe und vergleicht das reale Gebäude mit einem virtuellen Referenzgebäude, um Prozessenergie und Betriebskosten zu bewerten.
Überbetriebliche Berufsbildungsstätten (BNB_ÜBS) und Außenanlagen (BNB_AA): adressieren spezifische Nutzungsszenarien wie Ausbildungsstätten und Außenräume.
Das BNB unterscheidet drei Module, die sich an den Lebenszyklusphasen orientieren:
Modul Neubau (BNB BN): erfasst den geplanten und realisierten Zustand von Neubauten. Für Neubauten sind vor allem Teil A „Grundsätze zum nachhaltigen Bauen“ und Teil B „Nachhaltige Baumaßnahmen“ des Leitfadens relevant.
Modul Nutzen und Betreiben (BNB BB): bewertet die tatsächliche Objektqualität unter Nutzungsbedingungen sowie die Qualität der Nutzungs‑ und Betriebsprozesse. Es ermöglicht auch eine Ist‑Analyse von Bestandsgebäuden, die bislang nicht unter Nachhaltigkeitsaspekten betrachtet wurden, und dient als Grundlage für Modernisierungsentscheidungen.
Modul Komplettmodernisierung (BNB BK): erfasst den geplanten und realisierten Zustand bei Modernisierungs‑ und Umbaumaßnahmen; Teil D „Bauen im Bestand“ des Leitfadens ist hierbei maßgeblich.
Änderungen je Modul (Planungsnachweise vs. Betriebsnachweise; Baseline vs. Leistungsüberwachung)
Neubau/Komplettmodernisierung: Schwerpunkt liegt auf Planungs‑ und Ausführungsnachweisen. FM muss sicherstellen, dass alle Kriterien in Spezifikationen umgesetzt, Nachweise erstellt und die Handübergabe‑Dokumentation vollständig ist. Die Leistungsbaseline wird durch Kommissionierungsberichte, Abnahmedokumente und initiale Verbrauchs‑ und Komfortmessungen definiert.
Nutzen und Betreiben: Schwerpunkt verlagert sich auf betriebliche Nachweise, wie Energie‑ und Wasserverbrauch, Nutzerzufriedenheit, Wartungsprotokolle und Lebenszykluskosten. Die Baseline aus der Bauphase dient als Vergleich; Abweichungen werden durch kontinuierliches Monitoring identifiziert, um Korrekturmaßnahmen einzuleiten.
Tabelle – FM‑Sicht auf die BNB‑Systemlogik
| BNB Element | Governance Gegenstand | FM Auswirkung |
|---|---|---|
| Systemvariante | anwendbarer Kriterienkatalog je Nutzungstyp | FM muss den Anlagenumfang und die Nutzungsprofile anpassen |
| Modul „Neubau/Modernisierung“ | projektphasige Nachweise und Dokumentation | Vollständige Handübergabe und Kommissionierungsbelege |
| Modul „Nutzen und Betreiben“ | Nachweise im Betrieb und Leistungsmanagement | KPI /Monitoring Routinen sowie laufende Betriebsdokumentation |
Prinzip: messbare, verifizierbare Kriterien („Kriterien + Benchmarks + Nachweise“)
Die BNB‑Bewertung erfolgt auf Ebene einzelner Kriterien, die in Kriterienprofilen beschrieben werden. Diese enthalten Zielsetzung, Relevanz, Bewertungsmethodik und – falls erforderlich – Anhänge. Für jedes Kriterium sind ein Zielwert (maximal 100 Punkte), ein Referenzwert (50 Punkte) und ein Schwellenwert (10 Punkte) definiert; mindestens der Schwellenwert muss für eine Zertifizierung erreicht werden. Die Kriterien werden thematisch zu Kriteriengruppen zusammengefasst und innerhalb der Hauptkriteriengruppen mit Bedeutungsfaktoren von 1 bis 3 gewichtet. Im Leitfaden wird festgelegt, dass für jedes Einzelkriterium sowie für die Hauptkriteriengruppen Mindesterfüllungsgrade einzuhalten sind und das Gesamtergebnis als Qualität (Gold, Silber, Bronze) ausgewiesen wird.
Hauptkriteriengruppen (BNB‑Kernstruktur)
Die Hauptkriteriengruppen entsprechen den Qualitäten des nachhaltigen Bauens und werden sowohl in der deutschen als auch in der englischen Version gleich dargestellt.
Die Gewichtungen (Neubaumodul) laut BauNetz Wissen betragen:
Ökologische Qualität (22,5 %) – Reduktion der Umweltauswirkungen, Ressourcenschonung und Ökobilanz.
Ökonomische Qualität (22,5 %) – Betrachtung der Lebenszykluskosten, Investitions‑ und Betriebskosten sowie Wertstabilität.
Soziokulturelle und funktionale Qualität (22,5 %) – Nutzerkomfort, Gesundheit, Barrierefreiheit, Gestaltung und Funktionalität.
Technische Qualität (22,5 %) – technischer Zustand, Robustheit, Bauphysik, Brandschutz und Anpassungsfähigkeit.
Prozessqualität (10 %) – Qualität der Planung, Vergabe, Bauausführung und Vorbereitung des Betriebs.
Standortqualität (bei Bedarf) – Bewertung von Lage, Erschließung, Infrastruktur und Außenanlagen (Wird separat ausgewiesen; die Standortmerkmale werden teilweise im Zertifikat getrennt dargestellt.)
Gewichtungs‑ und Aggregationslogik
Die Erfüllungsgrade der Einzelkriterien werden innerhalb der jeweiligen Hauptkriteriengruppe zusammengeführt. Die Gewichtung der Kriterien erfolgt mittels Bedeutungsfaktor (1 – gering, 2 – mittel, 3 – hoch). Daraus wird der Erfüllungsgrad je Hauptgruppe ermittelt; dieser wird mit den prozentualen Gewichtungen (siehe oben) multipliziert, um den Gesamterfüllungsgrad zu berechnen. Je nach Gesamtpunktzahl wird ein Gold-, Silber- oder Bronze‑Zertifikat vergeben.
Nachweiskonzept (Wie Nachweise erzeugt, geprüft und archiviert werden)
Das BNB verlangt zu jeder Bewertungsphase spezifische Nachweise. In der Planungsphase sind Berechnungen, Variantenstudien und Pflichtenhefte zu erstellen. In der Bauphase werden Prüfprotokolle, Baustoffdokumentationen und Qualitätssicherungsunterlagen gesammelt. Für das Betriebsmodul müssen Energie‑ und Verbrauchsdaten, Wartungs‑ und Inspektionsprotokolle, Nutzerbefragungen und kontinuierliche Verbesserungsschritte dokumentiert werden. Das internetgestützte Projektmanagementsystem eBNB unterstützt die systematische Erfassung und Dokumentation der erforderlichen Informationen und ermöglicht die digitale Durchführung von Konformitätsprüfungen.
Tabelle – FM‑gerechte Interpretation der BNB‑Kriteriengruppen
| Kriteriengruppe | Abgedeckte Aspekte (Grundlagen) | FM gesteuerte Nachweisarten (Beispiele) |
|---|---|---|
| Ökologische Qualität | Umweltwirkungen, Ressourceneinsatz | Baustoffdokumentation, Ökobilanzdaten, Energie und Wasserberichte |
| Ökonomische Qualität | Lebenszykluskosten, Wirtschaftlichkeit | LCC Annahmen, Kostenverfolgung, OPEX Reporting |
| Soziokulturelle/funktionale | Nutzerkomfort, Barrierefreiheit, Funktionalität | Nutzeranforderungen, Komfort Sollwerte, Flächenfunktionen |
| Technische Qualität | technischer Zustand, Robustheit | Kommissionierungs und Abnahmeberichte, Anlagenhandbücher |
| Prozessqualität | Qualität von Planung und Ausführung | Protokolle, Freigaben, Änderungsnachweise |
| Standortqualität (falls relevant) | Standort, Erschließung, Umfeld | Grundstücksdokumentation, Mobilitätskonzepte, Nachweise für Außenanlagen |
Frühphase: Nachhaltigkeitsziele und „Owner’s Requirements“
In der Vorbereitungsphase legt der Bauherr gemeinsam mit Planungsteam und Nachhaltigkeitskoordinator die Nachhaltigkeitsziele fest. Dabei werden die anwendbare Systemvariante und das Modul bestimmt sowie die Mindesterfüllungsgrade pro Kriteriengruppe definiert. Diese Zieldefinition ist bis zur Vorplanung abzuschließen und bildet den Referenzrahmen für das gesamte Projekt.
Entwurfsphase: Übersetzung der Kriterien in Spezifikationen
In der Entwurfs‑ und Genehmigungsplanung werden die BNB‑Kriterien in ausschreibungs‑ und vertragstaugliche technische Spezifikationen übersetzt. FM‑Anforderungen wie Instandhaltungsfreundlichkeit, Betriebssicherheit und Mess‑ und Monitoringfähigkeiten werden in das Leistungsbild integriert. Ziel ist es, die Einhaltung der Kriterien später eindeutig nachweisen zu können.
Bau/Kommissionierung: Verifikation und Vollständigkeitsprüfung (Übergabereife)
In der Bau‑ und Kommissionierungsphase werden die Umsetzungen verifiziert: Prüfprotokolle, Messungen und Abnahmeberichte dienen als Nachweise für die erreichte Nachhaltigkeitsqualität. Der FM‑Vertreter überprüft die Übergabedokumentation, stellt sicher, dass alle Anlagenteile vollständig dokumentiert und funktionsfähig sind, und legt die Betriebsbaseline für das Monitoring fest.
Übergang zum Betrieb: Betriebsdokumentation und Leistungsbaseline
Beim Übergang zum Regelbetrieb werden die betriebsrelevanten Unterlagen (Anlagenhandbücher, Wartungspläne, Messkonzepte) übergeben. Die in der Bauphase definierte Baseline für Energie‑ und Komfortkennwerte wird in das FM‑System (CAFM/CMMS) integriert. Verantwortlichkeiten für das Monitoring und die regelmäßige Berichterstattung werden festgelegt.
„Nutzen und Betreiben“‑Logik: kontinuierlicher Nachweis, Monitoring und Verbesserungszyklen
Im Betriebsmodul erfolgt eine laufende Bewertung der Nachhaltigkeitskriterien. Verbrauchsdaten, Nutzerfeedback und Wartungskennzahlen werden regelmäßig erhoben und mit der Baseline verglichen. Abweichungen lösen Korrekturmaßnahmen aus, die nach dem Plan‑Do‑Check‑Act-Prinzip dokumentiert und verifiziert werden. Die Ergebnisse werden im Rahmen der jährlichen Management‑Reviews ausgewertet und fließen in die Weiterentwicklung von Betriebsstrategien ein.
Tabelle – Mindest‑FM‑„Phase Gates“ gemäß BNB
| Phasengate | Minimale Nachhaltigkeitslieferung | FM Abnahmeschwerpunkt |
|---|---|---|
| Zieldefinition | Ziele, Systemvariante und Modul festgelegt | Geltungsbereich und Audit Trail |
| Entwurfsfreigabe | Kriterien in Leistungsbeschreibung integriert | Nachweisbarkeit und Instandhaltungsfreundlichkeit |
| Kommissionierung | Funktionsbereitschaft und Nachweispaket | Betriebserprobung und Dokumentationsvollständigkeit |
| Betriebsbaseline | Mess /Monitoring Konzept implementiert | KPI Bereitschaft und Rollenverantwortlichkeiten |
| Jährliche Überprüfung | Trendanalyse und Korrekturmaßnahmen | Nachweis der kontinuierlichen Verbesserung |
Dokumentationsstruktur (was gesammelt wird, von wem und wann)
Planungsphase: Projektziele, Kriterienzuordnungen, Variantenstudien, Kostenprognosen, Ausschreibungsunterlagen. Zuständig: Planer mit Unterstützung des Nachhaltigkeitskoordinators.
Bauphase: Qualitätsnachweise wie Prüfprotokolle, Messungen (z. B. Blower‑Door‑Tests), Baustoff‑ und Produktdokumentationen sowie Protokolle über Änderungen. Zuständig: Bauunternehmen, Fachbauleitungen und Sachverständige.
Übergabephase: Kommissionierungsberichte, as‑built‑Unterlagen, Bedienungs‑ und Wartungsanleitungen. Zuständig: Bauunternehmen; Kontrolle durch FM und Nachhaltigkeitskoordinator.
Betriebsphase: Betriebsprotokolle, Energie‑ und Ressourcenberichte, Wartungs‑ und Instandhaltungsnachweise, Nutzerbefragungen. Zuständig: FM‑Organisation und Betreiber.
Regeln für die Nachweisqualität (Rückverfolgbarkeit, Versionskontrolle, unterschriebene Freigaben, Revisionsstand)
BNB‑Nachweise müssen rückverfolgbar sein; jede Version von Dokumenten ist eindeutig zu kennzeichnen und mit Datum sowie Bearbeiter zu versehen. Änderungen sind mittels Versionskontrolle nachvollziehbar zu dokumentieren. Freigaben (z. B. für Planungsänderungen) müssen schriftlich und unterschrieben erfolgen. Die jeweils gültige Fassung ist im Dokumentenverzeichnis zu hinterlegen, frühere Versionen bleiben archiviert. Verantwortlichkeiten für die Erstellung, Prüfung und Freigabe von Nachweisen sind klar zuzuordnen (RACI‑Logik).
CAFM/CMMS‑Integrationsanforderungen (Asset‑IDs, Dokumentenrepository, Wartungshistorie)
Für den Betrieb empfiehlt sich die Integration von BNB‑Nachweisen in ein Computer‑Aided Facility Management (CAFM) oder Computerised Maintenance Management System (CMMS). Assets erhalten eindeutige Asset‑IDs; alle relevanten Dokumente (Pläne, Prüfprotokolle, Wartungsanleitungen) werden über Hyperlinks oder Dateipfade im System hinterlegt. Die Wartungshistorie und Ereignisse werden fortlaufend erfasst, um die Nachweisführung und das Reporting zu unterstützen. Schnittstellen zum eBNB und zu energetischen Analysewerkzeugen (z. B. eLCA) ermöglichen den Datenaustausch.
Mess‑ und Monitoringnachweise (Datenkontinuität im Betrieb)
Für das Modul „Nutzen und Betreiben“ sind laufend erhobene Betriebsdaten erforderlich: Energieverbrauch (Heizung, Kühlung, Strom), Wasserverbrauch, Innenraumluftqualität, Raumtemperaturen, Nutzerzufriedenheit und Verfügbarkeit der technischen Anlagen. Diese Daten müssen periodisch überprüft und kalibriert werden, um eine hohe Datenqualität sicherzustellen. Kontinuierliche Datenspeicherung garantiert, dass Trends erkennbar und Maßnahmen zeitnah abgeleitet werden können.
Rollenmodell (Bauherr/Auftraggeber, Planer, Bauausführung, FM/Betreiber, Nachhaltigkeitskoordination)
Bauherr/Auftraggeber: definiert Nachhaltigkeitsziele, wählt Systemvariante und Modul aus und genehmigt das Projekt. Er stellt die finanziellen Mittel bereit und trägt die Gesamtverantwortung.
Planer (Architekten/Ingenieure): übersetzen die Kriterien in das Planungskonzept und erarbeiten die Nachweise. Sie erstellen Berechnungen, Nachweise zur ökologischen und ökonomischen Qualität und sorgen für eine Ausschreibung gemäß BNB.
Bauausführende/Unternehmer: liefern die bauliche Leistung, erstellen Prüfberichte und übergeben as‑built‑Unterlagen. Sie haben Nachweise zur Qualitätssicherung und Materialverwendung zu liefern.
FM/Betreiber: verantworten den Betrieb und die Erreichung der Leistungskennzahlen im Modul „Nutzen und Betreiben“. Sie dokumentieren Wartung, Reparaturen und Verbrauchsdaten und melden Abweichungen.
Nachhaltigkeitskoordination: begleitet das Projekt als fachkundige Stelle. Sie berät zu Kriterien, führt die Dokumentation zusammen und organisiert die Konformitätsprüfung.
Verantwortungszuordnung (RACI‑Logik für Kriterienverantwortung und Nachweiserstellung)
Die Verantwortung für jedes Kriterium wird nach RACI (Responsible, Accountable, Consulted, Informed) verteilt. Planer sind häufig „Responsible“ für die Erstellung der Nachweise, Bauherren „Accountable“ für die Zieldefinition, Nachhaltigkeitskoordinatoren „Consulted“ zur Interpretation der Kriterien, und FM/Betreiber „Informed“ in der Planungsphase sowie „Responsible“ im Betrieb. Diese klare Zuordnung vermeidet Lücken und fördert die Nachvollziehbarkeit.
Schnittstellenmanagement (Kommissionierungsmanagement, Gebäudeautomation/Monitoring, Instandhaltungssteuerung)
Kommissionierungsmanagement: sorgt für strukturierte Übergabe der technischen Anlagen. Schnittstellen zwischen Bauunternehmen, Fachplanern und FM müssen klar definiert sein, damit alle Tests durchgeführt und dokumentiert werden.
Gebäudeautomation/Monitoring: Integrationsschnittstellen zwischen Gebäudeautomationssystemen (BMS), Energiemanagement und CAFM/CMMS sichern den Datenfluss. FM muss sicherstellen, dass Messpunkte installiert sind und Daten automatisiert übertragen werden.
Instandhaltungssteuerung: Wartungspläne und Aufgabenlisten sind mit den BNB‑Kriterien verknüpft. Schnittstellen zu Lieferanten, Servicepartnern und internen Fachbereichen regeln die Einhaltung der Intervalle und die Dokumentation der Arbeiten.
Tabelle – Rollenzuweisungsvorlage für die BNB‑Nachweislieferung
| Rolle | Kernauftrag im BNB Prozess | FM relevante Outputs |
|---|---|---|
| Bauherr/Auftraggeber | definiert Ziele, genehmigt Umfang | unterzeichnete Zielvereinbarungen |
| Planer | übersetzt Kriterien in Planung und Spezifikation | Planungsnachweise, Berechnungsgrundlagen |
| Bauausführende | liefert installierte Leistungen und Unterlagen | Prüfberichte, as built Dokumente |
| FM/Betreiber | gewährleistet betriebliche Nachweise und Leistung | KPI Berichte, Protokolle, Wartungshistorien |
| Nachhaltigkeitskoordination | koordiniert Kriterienabgleich und Nachweise | Evidenzregister, Vollständigkeitskontrollen |
Betriebspolitik (Nachhaltigkeitsbetriebskonzept, Nutzerkommunikation, Änderungsmanagement)
Ein Nachhaltigkeitsbetriebskonzept beschreibt, wie die definierten Ziele im laufenden Betrieb eingehalten werden. Es legt Regelungen zur Energienutzung, Raumluftqualität, Nutzerkomfort und Abfallmanagement fest und bestimmt Kommunikationswege für Nutzerfeedback. Ein Änderungsmanagement regelt den Umgang mit technischen und organisatorischen Änderungen und prüft deren Auswirkungen auf die Zertifizierungsziele.
Instandhaltungs‑ und Modernisierungsgovernance (wie Änderungen die BNB‑Performance schützen)
Wartung und Modernisierung müssen so geplant werden, dass die Zertifizierungsziele nicht gefährdet werden. Dies bedeutet, dass bei Austausch oder Modernisierung von Anlagen nur Produkte verwendet werden dürfen, die die Nachweise zur ökologischen und ökonomischen Qualität erfüllen. Änderungen sind zu dokumentieren, ihre Auswirkungen auf die Punktebewertung zu prüfen und gegebenenfalls mit dem Nachhaltigkeitskoordinator abzustimmen.
Leistungsmonitoring (Energie, Wasser, Komfort, Verfügbarkeit – je nach Systemvariante)
Für jede Systemvariante sind spezifische Leistungskennzahlen (KPIs) zu definieren. Typische KPIs umfassen Energieverbrauch je Quadratmeter, CO₂‑Emissionen, Wasserverbrauch, Raumtemperatur und -luftqualität, Nutzerzufriedenheit, Ausfallzeiten technischer Anlagen und Wartungsrückstände. Die KPIs werden regelmäßig berichtet und mit Zielwerten verglichen. Abweichungen werden analysiert und Maßnahmen zur Optimierung definiert.
Das Korrekturmaßnahmenmanagement folgt einem zyklischen Prozess:
Feststellung: Abweichungen werden durch Monitoring oder Audits identifiziert.
Maßnahmenplanung: Ursachenanalyse, Planung der Korrekturmaßnahme und Verantwortungszuordnung.
Umsetzung: Durchführung der Maßnahme, Dokumentation im FM‑System.
Verifikation: Überprüfung der Wirksamkeit (z. B. erneute Messung); wenn erfolgreich, Abschluss; andernfalls erneute Planung.
FM‑Lieferobjekte (Übergabedossier, Betreiberhandbuch, Monitoringkonzept, KPI‑Set)
Zum Nachweis der BNB‑Konformität im Betrieb erstellt das FM ein Übergabedossier mit allen relevanten Unterlagen (as‑built‑Dokumente, Prüfprotokolle, Energieberechnungen, LCC‑Analysen). Ein Betreiberhandbuch beschreibt Prozesse, Zuständigkeiten, Wartungspläne und Monitoringroutinen. Das Monitoringkonzept definiert Messpunkte, Datenquellen und Berichtshäufigkeiten; das KPI‑Set enthält Ziel‑ und Schwellenwerte sowie Toleranzbereiche für jede Kennzahl.
Struktur des Management‑Reportings (Portfolioansicht, Gebäudeansicht, Abweichungen, Maßnahmen)
Das Reporting sollte sowohl eine Portfolioebene (Vergleich mehrerer Gebäude) als auch eine Gebäudeebene (detaillierte Analyse eines Objekts) umfassen. Berichtet werden Erfüllungsgrade je Kriteriengruppe, Verbrauchskennzahlen, Kostenentwicklungen und Nutzerfeedback. Abweichungen von den Zielwerten werden hervorgehoben und Maßnahmen zur Korrektur dokumentiert. Eine übersichtliche Darstellung ermöglicht dem Management, Trends zu erkennen und Investitionsentscheidungen zu treffen.
Audit‑Readiness‑Paket (Nachweisregister, Dokumentenlenkung, Unterschriften, Änderungshistorie)
Zur Vorbereitung einer Zertifizierung oder Rezertifizierung wird ein Audit‑Readiness‑Paket zusammengestellt. Es enthält ein Nachweisregister mit allen verfügbaren Unterlagen und deren Status, eine Dokumentenlenkung (Versionierung, Freigaben), unterschriebene Protokolle und Verträge sowie eine Änderungshistorie. Dieses Paket ermöglicht dem Auditor, die Konformität schnell zu überprüfen und reduziert den Auditaufwand.
Tabelle – FM‑„BNB‑Ready“‑Lieferobjekte (Mindestset)
| Lieferobjekt | Zweck | Ort der Kontrolle |
|---|---|---|
| Betriebskonzept | definiert, wie Ziele im Betrieb gehalten werden | Betreiberhandbuch / SOP Bibliothek |
| Nachweisregister | zeigt vorhandene Nachweise und Status | FM Compliance Ordner |
| Mess und Monitoringplan | gewährleistet messbare Leistungen | BMS/Analyse Tools + FM Dashboard |
| Änderungsprotokoll (Technik/Nutzung) | schützt die Zertifizierungsintention über Zeit | CMMS/CAFM Änderungsmodul |
| Jährlicher Leistungsbericht | demonstriert kontinuierliche Verbesserung | Nachhaltigkeitsbericht Archiv |
