VDI 6025 Betriebswirtschaftliche Berechnungen für Investitionsgüter und Anlagen
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VDI 6025 für Betriebswirtschaftliche Berechnungen für Investitionsgüter und Anlagen
Die Richtlinie VDI 6025 „Betriebswirtschaftliche Berechnungen für Investitionsgüter und Anlagen“ stellt ein standardisiertes System dynamischer Wirtschaftlichkeitsberechnungen bereit. Sie definiert einheitliche Regeln für zeitabhängige Kosten und Einnahmen, variable Änderungsraten (z. B. Preis- und Kostensteigerungen) sowie die Berücksichtigung von Unsicherheit und Risiko über den Betrachtungszeitraum. Dadurch ermöglicht VDI 6025 eine fundierte Bewertung von Investitionen in technische Anlagen.
Im Facility Management dient die VDI 6025 dazu, Investitionsbewertungen, Modernisierungsentscheidungen, Alternativenvergleiche und Vertrags- bzw. Business-Case-Dokumentationen auf einer einheitlichen, prüfbaren Basis durchzuführen. Technische Anlagenoptionen werden mit transparenten Finanzkennzahlen verknüpft, etwa Kapitalwert, Annuität, interne Zinssätze, Amortisation und Finanzierungsaspekte. Dies schafft objektive Entscheidungsgrundlagen für die Planung und Steuerung von FM-Projekten.
VDI 6025: Betriebswirtschaftliche Berechnung Investitionsgüter
- Anwendungsbereich
- Zahlungsarten und Zinssatz für Kalkulationszwecke
- Sensitivitätsanalyse, Grundlagen
- Kapitalwertmethode
- Rechnungsvorlage und Ablauf der Kapitalwertmethode
- Annuitätenmethode
- Zinsfuß-Methoden
- Amortisationsmethode
- Kombination verschiedener Wirtschaftlichkeitsmethoden
- Finanzierung durch Fremdkapital
- Verwendung des Kapitals
- Rechenbeispiele
Zweck der Richtlinie für Investitionsentscheidungen
VDI 6025 unterstützt dynamische Investitionsentscheidungen mit konsistenten Annahmen. Wirtschaftlichkeitsrechnungen werden zeitlich aufgelöst und berücksichtigen gezielt unterschiedliche Zahlungsströme. Ziel ist eine transparente Strukturierung finanzieller Effekte von Investitionsprojekten. Die einheitliche Methodik vermeidet versteckte Annahmen und erhöht die Nachvollziehbarkeit betriebswirtschaftlicher Bewertungen im FM. So wird eine objektive Entscheidungsbasis geschaffen, z. B. für Sanierungen, Modernisierungen oder Neubauprojekte in Gebäuden.
Charakteristische Merkmale der Verfahren
Die Verfahren in VDI 6025 zeichnen sich durch folgende Merkmale aus: (a) unterschiedliche Änderungsraten für verschiedene Kosten- und Zahlungsarten, (b) explizite Berücksichtigung zeitlich versetzter Zahlungen (anstelle pauschaler Durchschnittskosten pro Periode) und (c) Einbindung von Unsicherheit bzw. Risiko künftiger Kosten- und Einnahmen. Können diese Merkmale vernachlässigt werden, treten statische Verfahren als Spezialfall der dynamischen Verfahren auf. Die Richtlinie verdeutlicht, dass moderne Investitionsrechnungen diese dynamischen Merkmale berücksichtigen sollten.
Betrachtete Investitionsarten
VDI 6025 umfasst Neu- und Erweiterungsinvestitionen sowie Ersatz-, Umstellungs- und Kosteneinsparungsinvestitionen. Neuinvestitionen erhöhen Kapazitäten oder führen neue Systeme ein. Ersatzinvestitionen erneuern oder ersetzen vorhandene Anlagen (z. B. Austausch eines alten Heizkessels), Umstellungsinvestitionen ändern die technische Nutzung oder Systemkomponenten, und Kosteneinsparungsinvestitionen zielen auf reduzierte Betriebskosten (z. B. effizientere Pumpen) ab. Für jede Investitionsart sollen die spezifischen Ein- und Auszahlungen vollständig erfasst werden.
FM-Anwendungsfelder
VDI 6025 findet Anwendung bei Investitionsgütern und Anlagen der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA), bei Energieversorgungssystemen, gebäudetechnischen Installationen und bei Maßnahmen auf Portfolioebene. Typische Beispiele sind Heizungs-, Klima- und Lüftungsanlagen, Beleuchtungs- und Aufzugsanlagen oder auch größere Sanierungs- und Neubauprojekte. Die Richtlinie stellt sicher, dass die Bewertung solcher Investitionen konsistent, nachvollziehbar und vergleichbar erfolgt.
Für eine dynamische Wirtschaftlichkeitsberechnung klassifiziert VDI 6025 Zahlungen wie folgt:
Kapitalgebundene Zahlungen: Dazu gehören alle Investitionsauszahlungen (Anschaffungskosten) und Rückflüsse wie Rest- oder Ersatzwerte. Diese CAPEX-Werte stammen meist aus Angeboten, Leistungsverzeichnissen oder dem Anlagenbuch (Asset Register).
Verbrauchsgebundene Zahlungen: Variable Betriebskosten, insbesondere Energiekosten (Strom, Gas, Fernwärme), Medien (Wasser, Abwasser) und Verbrauchsmaterialien. In der Praxis werden diese aus Zählerdaten, Tarifabrechnungen oder Energieberichten ermittelt.
Betriebsgebundene Zahlungen: Laufende Personal- und Dienstleistungskosten, etwa Wartungsverträge, Reinigung oder Betriebsmittel. Die Daten hierfür kommen aus Wartungsverträgen, Personalplänen oder Betriebskostenabrechnungen.
Sonstige Zahlungen: Hierzu zählen Gebühren, Nebenkosten, Entsorgungskosten und Compliance-bezogene Aufwendungen (z. B. Genehmigungs- oder Zertifizierungskosten). Quellen sind Gebührenverzeichnisse, Vertragsunterlagen oder Compliance- und Entsorgungspläne.
Einzahlungen / Einsparungen: Potenzielle Einnahmen oder Kosteneinsparungen durch die Investition (z. B. Fördermittel, Erlöse aus Nebenprodukten, eingesparte Betriebskosten durch Effizienzgewinne). Diese basieren auf Prognosen oder Vergleichsrechnungen (Ist-Zustand gegen Soll-Zustand) bzw. Marktanalysen.
VDI 6025 erlaubt es, für jede dieser Kategorien unterschiedliche jährliche Änderungsraten (z. B. Inflations- oder Eskalationsraten) festzulegen. So können etwa Strompreise anders eskaliert werden als Materialpreise. Die Festlegung der Raten richtet sich üblicherweise nach Marktentwicklungen oder institutionellen Vorgaben (z. B. Energiepreisprognosen).
Der Kalkulationszinssatz in VDI 6025 ist der Diskontierungszinssatz, mit dem künftige Zahlungen auf den heutigen Wert umgerechnet werden. Er wird in der Regel zum Zeitpunkt der Entscheidung festgelegt und kann sich am gewichteten Kapitalkostensatz (WACC) oder am geforderten Mindestzins orientieren. Ein einheitlich festgelegter Zinssatz stellt sicher, dass verschiedene Investitionsalternativen vergleichbar sind.
Ziel der Sensitivitätsanalyse
Die Sensitivitätsanalyse überprüft die Robustheit einer Investitionsentscheidung gegenüber Unsicherheiten. Ihr Ziel ist es, zu testen, wie empfindlich das Ergebnis (z. B. Kapitalwert, Annuität oder Amortisationsdauer) auf Änderungen einzelner Annahmen reagiert. Durch gezielte Variation wichtiger Parameter lässt sich das Risiko von Fehleinschätzungen abschätzen und die Sicherheit der Investitionsauswahl erhöhen.
Wichtige Einflussparameter
Typische Einflussgrößen sind der Kalkulationszinssatz, Kosten- und Preissteigerungsraten, Auslastungsgrad/Nutzungsumfang, Lebensdauer der Anlage und Preisannahmen für Ein- und Auszahlungen. Beispielsweise können unterschiedliche Eskalationsraten für Energiepreise (anstatt einer Durchschnittsrate) angenommen oder die erwartete Nutzungsdauer variiert werden. Die Sensitivitätsanalyse hilft zu erkennen, bei welchen Parametern schon kleine Änderungen große Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit haben.
FM-Nutzung im Governance-Prozess
Im FM-Governance-Prozess wird die Sensitivitätsanalyse genutzt, um Entscheidungsszenarien abzusichern. Häufig werden Szenarien gebildet (Basis-, pessimistische und optimistische Annahmen) oder kritische Grenzwerte definiert. Die getroffenen Annahmen werden dokumentiert und die Berechnungen dann unter alternativen Randbedingungen erneut durchgeführt. So lassen sich Handlungsgrenzen ermitteln, bei denen ein Projekt noch wirtschaftlich bleibt, und Stakeholder erhalten eine transparente Risikobewertung.
Erwartete Ergebnisse
Die Sensitivitätsanalyse zeigt, wie sich Änderungen einzelner Parameter auf die wirtschaftlichen Kennzahlen auswirken. Beispielsweise wird ersichtlich, wie sich der Kapitalwert bei veränderten Annahmen entwickelt oder wie sehr sich die Amortisationsdauer verlängert. Aus diesen Ergebnissen wird eine Risikodarstellung abgeleitet, die deutlich macht, welche Faktoren dominant sind. In der FM-Dokumentation entsteht so ein Risiko-Statement, das darlegt, unter welchen Bedingungen die Investitionsentscheidung sicher ist.
Zahlungsfolgen
Für die Kapitalwertmethode werden alle erwarteten Ein- und Auszahlungen über die Lebensdauer der Investition in einem Zahlungsfluss zeitlich gegliedert erfasst. Die Zahlungen werden periodisiert (in der Regel Jahre) und in Einzahlungen (z. B. Einsparungen, Erlöse) und Auszahlungen (z. B. Investitionsaufwand, Betriebskosten) aufgeteilt. Diese Struktur erlaubt es, jede Zahlung genau ihrem Zeitpunkt zuzuordnen und später entsprechend abzuzinsen.
Barwert
Der Kapitalwert ergibt sich als Summe der abgezinsten Zahlungsflüsse. Jede Einzahlung wird mit dem Kalkulationszinssatz auf den Bewertungszeitpunkt (meist t=0) abgezinst, ebenso jede Auszahlung (als negativer Betrag). Die Summe aller Barwerte (Einzahlungen minus Auszahlungen) liefert den Kapitalwert. Ist dieser positiv, überwiegt der Nutzen die Kosten; bei negativem Wert gilt das Investitionsprojekt als unwirtschaftlich. Die Kapitalwertmethode liefert damit eine eindeutige Kennzahl für die Gesamtbewertung.
Preis-dynamische Zahlungsfolgen
VDI 6025 ermöglicht die Integration variabler Änderungsraten in die Zahlungsfolgen. Statt fixer Kosten werden die Zahlungen jährlich um festgelegte Prozentsätze angepasst (Inflation, spezifische Kostentreiber). So kann etwa angenommen werden, dass Energiekosten um 2 % pro Jahr steigen, während Wartungskosten nur um 1 % zunehmen. Die Zahlungsreihe wird entsprechend indexiert, und die abgezinsten Cashflows ergeben den aktuellen Kapitalwert.
Ersatzwert
Die Methode berücksichtigt einen Ersatzwert (Substitute Value) am Ende der Lebensdauer. Das bedeutet, am Ende der Nutzungsdauer wird ein Rest- oder Wiederbeschaffungswert angesetzt. Dadurch wird der zukünftige Wiederbeschaffungsbedarf in den Kapitalwert einbezogen. Üblicherweise geht man davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt eine gleichwertige neue Anlage zum aktuellen Preis angeschafft werden müsste (ansonsten wird ein geschätzter Restwert angesetzt).
Eine standardisierte Dokumentation der Kapitalwertberechnung sollte mindestens folgende Elemente enthalten:
Annahmenprotokoll: Listet alle Eingangsdaten (Kosten, Preise, Zinssatz, Lebensdauer etc.) und deren Quellen auf, damit die Kalkulation transparent bleibt.
Zahlungsflussübersicht: Zeigt für jede Periode die geplanten Auszahlungen und Einzahlungen. So kann der Cashflow logisch nachvollzogen und geprüft werden.
Abzinsungsansatz: Gibt den verwendeten Kalkulationszinssatz und den Bezugszeitpunkt (z. B. Entschlusszeitpunkt) an. Ein einheitlicher Ansatz für alle Alternativen sichert die Vergleichbarkeit.
Entscheidungskriterium: Legt die klare Regel fest (z. B. „Kapitalwert > 0 = wirtschaftlich“). Dies unterstützt das Governance- und Management-Reporting.
Sensitivitätsanalyse, Anwendung
Bei der Kapitalwertmethode wird typischerweise untersucht, wie sich der Kapitalwert bei Variationen einzelner Parameter ändert. Beispielsweise kann man den Kalkulationszinssatz oder die Kostensteigerungsraten anpassen, um die Auswirkungen auf den Kapitalwert zu ermitteln. Diese Sensitivitäten zeigen, welche Annahmen kritisch sind. In der Praxis werden oft Diagramme oder Tabellen erstellt, die den Kapitalwert bei unterschiedlichen Annahmen abbilden. So wird die Stabilität der Investitionsentscheidung anschaulich dargestellt.
Zahlungsfolgen und Annuitätenbildung
Die Annuitätenmethode wandelt die über die Lebensdauer verteilten Ein- und Auszahlungen in einen konstanten jährlichen Wert um. Hierzu wird zunächst wieder der Kapitalwert der Investition berechnet. Anschließend wird dieser Barwert auf eine gleichbleibende Annuität verteilt, indem man den Kapitalwert mit einem Annuitätenfaktor multipliziert (abhängig von Zinssatz und Laufzeit). Das Ergebnis ist die jährliche Nettobelastung bzw. der Jahresnutzen der Investition bei Berücksichtigung aller Cashflows. Dies erleichtert Vergleiche, wenn gleichbleibende Jahresbudgets relevant sind.
Die Dokumentation enthält die gleichen Elemente wie bei der Kapitalwertmethode, ergänzt um die Umrechnung in eine Annuität:
Annahmen: Identisch zum Kapitalwert; zusätzlich Zinssatz und Laufzeit für die Annuitätsrechnung.
Kapitalwert-Berechnung: Ermittlung des Kapitalwerts aus den Zahlungsflüssen (wie in Abschnitt 4).
Annuitätenumrechnung: Anwendung des Annuitätenfaktors A=(1+i)n−1i(1+i)n (mit i = Zinssatz, n = Laufzeit) auf den Kapitalwert. Das Ergebnis ist die gleichmäßige Jahreszahlung.
Entscheidungskriterium: Beispielsweise der Vergleich der berechneten Annuität mit einem Budget- oder Einsparziel. Eine geringere Annuität bedeutet eine niedrigere durchschnittliche Belastung.
Der Ablauf ist standardisiert
Zahlungsfolgen → Kapitalwert → Annuität. Die resultierende Annuität dient als Entscheidungsmaß.
Sensitivitätsanalyse, Anwendung
Auch bei der Annuitätenmethode werden Parameter variiert, um deren Einfluss auf die Annuität zu prüfen. Man untersucht etwa, wie stark sich die jährliche Belastung verändert, wenn Zinssatz, Kosten oder Laufzeit angepasst werden. Da immer Annuitäten verglichen werden, bleibt die Vergleichbarkeit erhalten. In der Praxis wird etwa geprüft, wie die jährliche Nettobelastung unter steigenden Energiepreisen ansteigt. So lässt sich die Wirkung unterschiedlicher Szenarien quantifizieren und anhand der Annuität vergleichen.
Interne Zinsfußmethode
Der interne Zinsfuß (Internal Rate of Return, IRR) ist der Zinssatz, bei dem der Kapitalwert einer Investition null wird. Er gibt die interne Rendite des Projekts an. Zur Berechnung wird der Zinssatz i bestimmt, bei dem die abgezinsten Ein- und Auszahlungen sich ausgleichen (Summe = 0). Dies erfordert in der Regel Iterationsverfahren. Aus FM-Sicht beantwortet der IRR die Frage: „Welche Verzinsung erzielt die Investition?“ Liegt der IRR über den Kapitalkosten oder einer Mindestverzinsung, gilt das Projekt als wirtschaftlich vorteilhaft.
Modifizierte interne Zinsfußmethode
Der modifizierte IRR (MIRR) berücksichtigt realistischere Annahmen zur Zwischenverzinsung. Er geht davon aus, dass positive Cashflows zu einem Reinvestitionszins (z. B. kalkulatorischer Kapitalkostensatz) angelegt und negative Cashflows mit einem Finanzierungszins abgezinst werden. Dies liefert einen eindeutigen Zinssatz und vermeidet Probleme des klassischen IRR (z. B. mehrere Lösungen bei wechselnden Vorzeichen). Der MIRR gilt als leichter interpretierbar, da er konservative Annahmen für Reinvestitionen nutzt.
Die Dokumentation umfasst:
Annahmen: Cashflow-Zeiträume sowie Zinssätze (für IRR: ein Startwert, für MIRR: Kalkulationszins und Reinvestitionszins).
Berechnung: Anwendung des IRR-Verfahrens (iterativ mittels Tabellenkalkulation oder Software) und des modifizierten Verfahrens (Formeln oder Tools, die Reinvestitionsannahmen berücksichtigen).
Entscheidungsregel: Beim klassischen IRR vergleicht man den errechneten Zinssatz mit einer Zielverzinsung (z. B. den Kapitalkosten). Beim MIRR wird das Ergebnis ebenfalls mit der gewünschten Mindestrendite verglichen. Visualisierungen wie Cashflow-Tabellen oder Iterationsschritte können den Weg zum Zinssatz illustrieren.
Üblicherweise wird ein Kalkulationsblatt erstellt, in dem der IRR per Trial-and-Error oder mit Excel-Funktionen bestimmt wird, ebenso der MIRR mit festgelegtem Reinvestitionszins.
Sensitivitätsanalyse, Anwendung
Bei Zinsfuß-Methoden variiert man meist den geforderten Zinssatz oder passt die Cashflows an. Beispielsweise untersucht man, wie sich der IRR ändert, wenn die Investitionskosten steigen oder die Einsparungen geringer ausfallen. Beim modifizierten IRR kann zusätzlich der Reinvestitionszins variiert werden. Diese Analysen zeigen, wie stark die Renditekennziffern von den Annahmen abhängen. In der Praxis werden verschiedene Alternativen anhand ihrer IRR-Werte verglichen, um zu erkennen, ob kleine Änderungen große Auswirkungen haben. So wird das Risiko in Prozentkennzahlen gefasst.
Preis-statische und preis-dynamische Amortisationsrechnung
Die Amortisationsmethode (Payback-Methode) bestimmt, in welcher Zeit sich eine Investition durch Einsparungen oder Erlöse refinanziert (Break-even). Bei der preis-statischen Amortisation wird mit konstanten durchschnittlichen Einsparungen pro Jahr gerechnet (ohne Preisänderungen). Die preis-dynamische Amortisation berücksichtigt hingegen jährliche Kostenänderungen (z. B. steigende Betriebskosten) und unterschiedliche Einsparungen pro Jahr. Dadurch erhält man ein realistischeres Bild der Amortisationsdauer.
Rechnungsvorlagen und Ablauf- Zahlungsreihe
Darstellung der kumulierten Ein- und Auszahlungen, um den Amortisationszeitpunkt zu identifizieren.
Berechnung:
Bei statischer Amortisation ermittelt man die Dauer über den Durchschnitt der jährlichen Überschüsse (z. B. Investitionsaufwand geteilt durch durchschnittliche Einsparung).
Bei dynamischer Amortisation summiert man die tatsächlichen jährlichen Cashflow-Überschüsse auf, bis der ursprüngliche Investitionsaufwand erreicht ist. Optional kann hier ein diskontiertes Verfahren („Discounted Payback“) eingesetzt werden.
Entscheidungsregel: Oft wird eine maximale Amortisationsfrist (z. B. 5 Jahre) als Grenze festgelegt. Liegt die berechnete Dauer darunter, wird das Projekt in der Regel als akzeptabel bewertet. Die Payback-Regel dient vor allem dem Risikoberichtswesen: Kurze Amortisation wird als geringeres Risiko kommuniziert.
Ein standardisiertes Ablaufblatt zeigt die kumulative Kapitalrückführung im Zeitverlauf und hebt den Break-even-Punkt hervor.
Sensitivitätsanalyse, Anwendung
In der Amortisationsrechnung wird untersucht, wie sich die Amortisationsdauer bei geänderten Annahmen ändert. Beispielsweise kann man geringere Einsparungen oder höhere Anfangskosten annehmen und prüfen, ob sich der Payback deutlich verlängert. Ebenso kann man den Zins- oder Kostenansatz variieren. In der FM-Praxis verdeutlicht dies, wie sicher der Kapitalrückfluss ist: Wenn kleine Annahmenänderungen die Amortisationsdauer stark variieren, gilt das als höheres Risiko. Dies hilft, die Entscheidung transparenter zu kommunizieren und ein Risikobewusstsein zu schaffen.
Jedes Verfahren beleuchtet andere Aspekte und hat eigene Aussagekraft:
Kapitalwertmethode: Beantwortet die Frage „Ist die Investition über den gesamten Zeitraum vorteilhaft?“. Sie liefert den absoluten Netto-Barwert der Investition. Typischerweise für strategische Gesamtentscheidungen (Go/No-Go) verwendet.
Annuitätenmethode: Gibt die gleichmäßige jährliche Belastung bzw. den jährlichen Nutzen wieder. Hilfreich für Budget- und Betriebsplanung (wie hoch fällt die jährliche Kostenbelastung im Durchschnitt an?).
Interne Zinsfußmethode: Zeigt, welche Rendite bzw. Verzinsung die Investition erzielt. Eignet sich zum Vergleich von Alternativen oder zur Beurteilung gegen eine geforderte Mindestrendite.
Amortisationsmethode: Ermittelt „Wann hat sich das Investment amortisiert (refinanziert)?“. Wird vor allem für Risikokommunikation genutzt: Je kürzer die Amortisation, desto geringer das Risiko der Kapitalbindung.
Sensitivitätsanalyse: Keine Entscheidungsmethode an sich, sondern liefert die Frage „Wie stabil ist das Ergebnis?“. Dient der Risikoanalyse und macht kritische Annahmen sichtbar.
Kombinierter Einsatz (Multi-Kriterien-Entscheidung)
In der Praxis werden oft mehrere Methoden kombiniert, um eine robuste Entscheidungsgrundlage zu schaffen. Beispielsweise kann man den Kapitalwert als Hauptkriterium nutzen und gleichzeitig eine maximale Amortisationsdauer als Limit setzen. Die Annuitätenmethode hilft, die jährliche Belastung zu ermitteln, der interne Zinsfuß liefert eine Renditekennzahl für den Vergleich.
Eine mögliche Zusammenfassung in einem Entscheidungsrahmen könnte lauten:
Kapitalwert: „Ist die Alternative über den Gesamtzeitraum vorteilhaft?“ – Strategische Entscheidung (Go/No-Go).
Annuität: „Wie hoch ist die gleichmäßige Jahresbelastung?“ – Budget- und OPEX-Planung.
Interner Zinsfuß: „Welche durchschnittliche Verzinsung bringt die Investition?“ – Vergleich von Optionen, Renditebewertung.
Amortisation: „Wann hat sich die Investition selbst finanziert?“ – Risikokommunikation (kurze Amortisation = geringeres Risiko).
Sensitivität: „Wie robust ist diese Entscheidung?“ – Risiko-Analyse und Festlegung von Toleranzen.
Einführung
Die Art der Finanzierung beeinflusst das Ergebnis einer Wirtschaftlichkeitsberechnung erheblich, da Darlehenszahlungen die Cashflows verändern. VDI 6025 hebt hervor, dass Finanzierungsentscheidungen (Eigen- versus Fremdkapital) sowie Rückzahlungsmodalitäten in die Gesamtbetrachtung einbezogen werden sollten, da sie Liquidität und Rentabilität beeinflussen.
Tilgungsarten- Es gibt verschiedene Tilgungsmodelle bei Darlehen:
Annuitätendarlehen: Feste regelmäßige Rate bestehend aus Zins- und Tilgungsanteil. Der Tilgungsanteil steigt im Zeitverlauf, die Gesamtbelastung bleibt konstant. In der Kalkulation wird die Annuität als gleichbleibende jährliche Belastung angesetzt.
Ratendarlehen (Konstantdarlehen): Fester Tilgungsbetrag pro Periode, die Gesamtbelastung nimmt ab, da der Zinsanteil mit abnehmender Restschuld kleiner wird.
Endfälliges Darlehen: Während der Laufzeit werden nur Zinsen gezahlt, die gesamte Tilgung erfolgt am Ende in einer Summe. Dies führt zu großen Zahlungen am Schluss.
Sonderformen (Bullet, etc.): Varianten wie Tilgungsaussetzungen oder kombinierte Modelle, die in spezifischen Finanzierungsstrukturen verwendet werden.
VDI 6025 unterscheidet zudem nach dem Zweck der Fremdfinanzierung:
Projektfinanzierung: Das Darlehen dient ausschließlich zur Beschaffung der betrachteten Anlage. Dann lassen sich Finanzierungsein- und -auszahlungen direkt mit der Investition verrechnen (Anschaffung vs. Tilgung).
Unternehmensfinanzierung: Das Darlehen dient dem Gesamtbetrieb; die Zuweisung auf einzelne Investitionsprojekte ist weniger eindeutig. In solchen Fällen müsste der Gesamtkapitaleinsatz auf mehrere Objekte verteilt werden.
Oft wird das erste Szenario (projekteigene Finanzierung) angenommen, da sich so die Effekte für die Wirtschaftlichkeitsrechnung des einzelnen Projekts klar erfassen lassen.
Vergleich von Alternativen
Die Richtlinie empfiehlt, bei der Finanzierungswahl mehrere Varianten zu betrachten. Man kann z. B. dasselbe Investitionsprojekt einmal komplett eigenfinanziert und einmal mit teilweiser Fremdfinanzierung durchrechnen, oder verschiedene Zinssätze anlegen. So lässt sich ermitteln, wie sich die Gesamtwirtschaftlichkeit ändert. Oft wird eine Zielrendite definiert, und man prüft, ob das Projekt bei unterschiedlichen Finanzierungsstrukturen weiterhin vorteilhaft bleibt. Dieses Vorgehen ermöglicht es, die ökonomisch sinnvollste Finanzierungsstrategie mit in die Investitionsentscheidung einzubeziehen.
Leasing
Leasing ist eine alternative Finanzierungs- und Beschaffungsstrategie. Anstatt die Anlage zu kaufen, wird sie gemietet, wodurch die Kapitalbindung im Unternehmen verringert wird. In der VDI 6025-Betrachtung bedeutet Leasing: Es entfallen eigene Investitionsauszahlungen und stattdessen gehen Leasingraten als laufende Auszahlungen ein. Diese Raten enthalten Zins- und Tilgungsanteile für den Leasinggeber. Für das FM heißt das: Die Lebenszykluskosten der Anlage werden durch die Leasingraten repräsentiert, und die Verantwortung (Wartung, Entsorgung) kann beim Leasinggeber verbleiben, je nach Vertragsgestaltung. In der Wirtschaftlichkeitsrechnung werden Leasingzahlungen wie Betriebskosten behandelt, und die Alternative zum Kauf wird als weitere Variante gegenübergestellt.
Beispiel: Wohngebäude (Pelletheizung)
Ein bestehendes Mehrfamilienhaus erhält eine neue Holzpelletheizung. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung erfasst hier die Investitionskosten (Pelletkessel, Brennstofflager, Installation) und die Einsparungen (niedrigere Heizkosten im Vergleich zur alten Ölheizung). Nach VDI 6025 wird dazu ein Kapitalwert ermittelt: Man diskontiert die jährlichen Heizkosteneinsparungen (unter Einbeziehung von Energiekostensteigerungen) abzüglich der Anschaffungskosten. Auch mögliche Fördermittel oder Wartungskostendifferenzen werden berücksichtigt. Sensitivitätsanalysen können Pellet- und Ölpreisprognosen variieren. Das Ergebnis zeigt, ob sich die Pelletheizung über den Lebenszyklus bezahlt macht (positiver Kapitalwert, akzeptable Annuität bzw. Amortisationsdauer).
Beispiel: Schulgebäude (Kesseltausch)
In einem Schulgebäude wird der alte Gasheizkessel durch einen neuen, hocheffizienten Kessel ersetzt. Die Kalkulation erfasst die Ausgaben für Anschaffung und Einbau des neuen Kessels (CAPEX) und vergleicht sie mit den zu erwartenden Einsparungen durch geringeren Gasverbrauch und niedrigere Instandhaltungskosten. Eventuelle Zusatzeffekte (z. B. Fördermittel, Verkauf überschüssiger Wärme) können als Einzahlungen angesetzt werden. Mit Kapitalwert- oder Annuitätenmethode wird dann ermittelt, ob die Investition langfristig rentabel ist. Die Analyse liefert Kennzahlen (z. B. Kapitalwert, IRR, Amortisation), anhand derer das FM entscheidet, ob sich der Austausch wirtschaftlich rechnet.
Beispiel: KWK-Anlage vs. Gasheizung
Hier werden zwei Anlagenvarianten verglichen: ein Blockheizkraftwerk (KWK) gegen eine konventionelle Gasheizung. Für beide Systeme werden Investitionskosten, Betriebskosten (z. B. Brennstoff, Wartung) und Erträge (z. B. Stromverkauf beim KWK) gegenübergestellt. Die Cashflows beider Alternativen werden über denselben Zeitraum, mit demselben Zinssatz und identischen Preisannahmen kalkuliert. Anschließend ermittelt man Kapitalwert und interne Zinssätze beider Optionen. So lässt sich vergleichen, welche Technologie über den Lebenszyklus den höheren Nettogewinn bzw. die höhere Rendite erbringt. Dieses Beispiel veranschaulicht den Einsatz von VDI 6025 zum Vergleich unterschiedlich komplexer Energieanlagen.
Beispiel: Mehrfamilienhaus (Ölheizung)
In einem anderen Mehrfamilienhaus wird die bestehende Ölheizung durch moderne Brennwerttechnik ersetzt. Die Investitionsrechnung umfasst hier Ausgaben für den neuen Brennwertkessel, erforderliche Rohr- und Tankumbauten sowie Tankentsorgung. Dem stehen Einsparungen durch deutlich geringeren Heizölverbrauch und effizientere Verbrennung gegenüber. Alternativ wird in der Regel auch ein Vergleich mit anderen Brennstoffen (z. B. Gas, Pellets) durchgeführt. Der Kapitalwert wird mit einem kalkulierten Zinssatz aus den jährlichen Ein- und Auszahlungen berechnet, wobei Prognosen für Ölpreise und mögliche Förderungen einbezogen werden. Dieses Beispiel zeigt, wie VDI 6025 genutzt wird, um die wirtschaftlich beste Heizoption für ein Wohngebäude zu ermitteln.
