VDI 6024 Wassereffizienz in Trinkwasser-Installationen
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VDI 6024 für wassereffiziente Trinkwasser-Installationen
Die VDI-Richtlinie 6024 behandelt systematische Lösungen zur Reduzierung des Trinkwasserverbrauchs in Wohn- und Nichtwohngebäuden – stets unter Wahrung des bestimmungsgemäßen, hygienegerechten Betriebs (gemäß VDI/DVGW 6023). Sie richtet sich an Planer, Errichter und Betreiber von Gebäuden und listet Einflussmöglichkeiten auf. Dabei geht es um bedarfsgerechte Planung, Ausführung und Betrieb der Trinkwasserinstallation mit dem Ziel, Trinkwasser effizient zu nutzen. Neuerscheinungen wie VDI 6024 ersetzen ältere Fassungen; sie fokussiert ausdrücklich die Reduzierung des Verbrauchs, nicht die Substitution durch Regen- oder Grauwasser (diese Themen behandelt etwa VDI 2070).
Gemäß VDI 6024 ist die Anlagentechnik so auszulegen, dass bei minimalem Trinkwassereinsatz das maximal gewünschte Ergebnis (z. B. Reinigungsleistung oder Bedienkomfort) erreicht wird. Dabei müssen wirtschaftliche, nutzungsbedingte und hygienische Anforderungen gegeneinander abgewogen werden. FM-Verantwortliche nutzen VDI 6024, um Wassereffizienzziele festzulegen, technische Maßnahmen in Beschaffungs- und Modernisierungsprogrammen zu konkretisieren sowie betreiberspezifische Steuerungs- und Monitoringprozesse zu implementieren, die auditfähig und vertragsgemäß sind. Die Richtlinie ergänzt damit etwa die VDI 3807 (Wasserverbrauchswerte) und zeigt Optimierungen im Rahmen eines effizienten Gebäudemanagements auf, zu denen auch das Wassermanagement gehört.
Wassereffizienz in Trinkwassersystemen FM-Rahmen
- Anwendungsbereich
- Normative Verweise
- Objektbezogene Einsparungen
- Gartenbewässerung
- Einsparungen durch Systemoptimierung
- Betrieb, Instandhaltung und Modernisierung
- Wassermanagement
- Wirtschaftlichkeit
Geltungsbereich
VDI 6024 gilt für Trinkwasser-Installationen in Gebäuden und auf Grundstücken, unabhängig davon, ob es sich um Neubau oder Umbau/Modernisierung handelt. Das umfasst Wohngebäude ebenso wie öffentliche und gewerbliche Immobilien. Die Richtlinie gibt Hinweise zur bedarfsgerechten Planung, Errichtung und zum Betrieb solcher Anlagen, immer mit dem Anspruch, ökonomisch und ökologisch optimale Ergebnisse zu erzielen. Dies schließt ein, dass FM-Maßnahmen bei Modernisierung oder Retrofit auf den gleichen Prinzipien aufbauen wie bei Neubauten.
Zieldefinition für das Facility Management
Im FM werden Wassereffizienzziele definiert – z. B. Liter/Benutzer oder Liter/m² – als wichtige Kenngröße zur Steuerung und Bewertung von Maßnahmen. Dabei müssen die Randbedingungen „geplanter Gebrauch“ und Trinkwasserhygiene beachtet werden. Die Anlage muss den Nutzeranforderungen entsprechen (Komfort, Druck, Temperatur) und gleichzeitig den Hygieneanforderungen genügen. VDI 6024 betont, dass es gilt, bei minimalem Wassereinsatz das maximale gewünschte Ergebnis zu erreichen. Dies erfordert eine Balance: Niedrigster Wasserverbrauch soll erreicht werden, ohne den bestimmungsgemäßen, hygienegerechten Betrieb einzuschränken. FM formuliert somit Effizienz-Zielwerte und zugleich Komfortanforderungen und stellt sicher, dass bei Instandhaltung und Betrieb beide Zielsetzungen erfüllt werden.
Abgrenzungen und Schnittstellen
Die VDI 6024 behandelt nur den Trinkwasserbezug und -verbrauch. Konzeptionen zur Substitution durch alternative Wasserquellen wie Regen- oder Grauwasser sind ausdrücklich ausgenommen – dafür gilt z. B. VDI 2070. Schnittstellen bestehen insbesondere zur Trinkwasserhygiene (VDI/DVGW 6023) und zu einschlägigen Verordnungen (TrinkwV) sowie Normen (z. B. DIN EN 1717 für Rückflussverhinderung). In FM-Vorgaben ist darauf zu achten, dass Projektspezifikationen klarstellen, welche Normen und Richtlinien Grundlage sind, und dass klare Regelungen getroffen werden (siehe Abschnitt 2).
Rolle normativer Verweise in FM-Spezifikationen
Normative Referenzen – wie DIN- und EN-Normen oder VDI-Richtlinien – bilden die technische Grundlage eines Projekts. Sie definieren verpflichtende Anforderungen, die als Planungsbasis, Abnahmekriterien und Betriebsanforderungen dienen. So legen etwa DIN EN 806‑3 und DIN 1988‑300 die Dimensionierung (Leitungsquerschnitte) fest, während DIN EN 1717 zwingende Vorgaben zum Schutz vor Rückverkeimung enthält. Im FM wird bei Angeboten und Leistungsverzeichnissen auf solche Normen verwiesen: Sie schaffen einen verlässlichen Grundstock, auf den technische Lösungen aufbauen müssen. Ein regelkonformes Projektmanangement stellt sicher, dass sämtliche relevanten Standards (z. B. TrinkwV, VDI 6023, DIN 1988/806, VDE 1000-10 usw.) in Lastenheften und Handbüchern abgebildet sind.
Dokumentenlenkung im FM
Alle projektrelevanten Dokumente müssen revisionssicher kontrolliert werden. Das bedeutet eindeutige Versionsverwaltung, Freigaberegelungen und Nachvollziehbarkeit aller Änderungen. Ohne standardisierte Dokumentenkontrolle ist eine effektive Auditierbarkeit erschwert: Fehlende oder inkonsistente Versionierung kann Auditabläufe massiv behindern. Daher sollten FM-Dokumente (Standards, Arbeitsanweisungen, Verträge) einen klaren „Dokumentenstamm“ mit Versionsnummer, Freigabe und Änderungsverfolgung aufweisen. Dies wird typischerweise über ein zentrales Dokumentenmanagement (z. B. DMS/CAFM) erreicht. Vertragsrelevante Dokumente (z. B. SLA) müssen als verbindliche Fassung gesperrt sein, interne Standards sollen als gültige Arbeitsgrundlage klar gekennzeichnet und an die Betreiberorganisation kommuniziert werden.
Sanitäranlagen in Wohngebäuden
In Wohngebäuden entfällt der größte Teil des Trinkwasserverbrauchs auf Bad, Küche und WC. FM betrachtet typische Bedarfsmuster (Morgenspitzen, Geschirr, Wäsche) und stellt sicher, dass funktionen (Toilettenspülung, Duschen, Wasserhähne) nach Maßgabe des tatsächlichen Bedarfs ausgelegt sind. Wassersparende Armaturen und Geräte reduzieren den Verbrauch: Beispielsweise gelten Einhebelmischer mit Durchflussbegrenzung (≤ 6 l/min) als sparsam. Die Richtlinie betont, dass Duschen dem Baden eindeutig vorzuziehen ist (weniger Wasserbedarf). WC-Spülvolumina sollten dem Spülbedarf entsprechen (geringstmögliche Menge ohne Komfortverlust) und idealerweise eine Doppelspülfunktion aufweisen. Bei Waschbeckenarmaturen ist der maximale Durchfluss begrenzt und sollte nach Nutzungsofferten (z. B. Sensorkombinationen) abgestimmt werden.
FM-Schlüsselaktionen in Wohnbauten:
Niveaufestlegung: Definition von „Komfort“- vs. „Effizienz“-Niveaus (z. B. Senkung 10 % Verbrauch bei gleichbleibendem Komfort).
Standardisierung: Auswahl einheitlicher Niedrigdurchlauf-Armaturen, sparsamer Duschen und Toilettenmodelle anhand technischer Vorgaben (z. B. self-closing Ventile für öffentliche Bereiche, Druckspüler in Wohnanlage).
Abnahme und Dokumentation: Bei der Inbetriebnahme werden Einstellprotokolle (Durchflussmessung an Armaturen) erstellt, um Nachweise zu liefern. Bewohnerinformation und Bedienungsanleitungen fördern den effizienten Gebrauch („Waschbecken nicht unnötig laufen lassen“ etc.).
Sanitäranlagen in öffentlichen und gewerblichen Einrichtungen
Hier besteht eine höhere Nutzungshäufigkeit und Spitzenbelastung. Die Systeme müssen robust gegen intensiven Gebrauch sein und Sicherheitsreserven für Spitzenabwässer vorsehen. FM legt besonderen Wert auf automatische oder selbstschließende Armaturen, um unnötiges Laufenlassen von Wasser zu verhindern. VDI 6024 gibt für Duschen in gewerblich-öffentlichen Einrichtungen einen Richtwert von maximal 9 l/min je Entnahmestelle vor. Es wird daher empfohlen, Duschköpfe zu installieren, die diesen Wert nicht überschreiten, sowie Selbstschlussarmaturen oder automatische Abschaltungen. Aus Gründen der Hygiene und Kosteneinsparung sind Duschanlagen grundsätzlich Toiletten vorzuziehen.
In hohen Nutzerfrequenzen (Toilettenräume, Mensen, Klinikbereiche) werden häufig berührungslose Spüleinrichtungen eingesetzt. Bei Urinalen etwa können Spülungen manuell oder vollautomatisch (z. B. per Infrarotsensor) ausgelöst werden, um den Wasserverbrauch zu steuern und Rückflüsse zu vermeiden. Akzeptanznachweise umfassen hier Flussmessprotokolle (Maximalwerte für Waschbecken, Duschen) sowie Funktionsnachweise der Sensorik.
FM-Fokus (Kap. 3)
Für beide Bereiche müssen Wasserservice-Levels definiert werden (z. B. Grundsatzentscheidung Komfort vs. Sparmodus), Auswahlkriterien für Armaturen vereinheitlicht und Abnahmeparameter festgelegt werden (Inbetriebnahmeprotokolle mit Grenzwerten, Durchflussbegrenzungen, Nutzerschulungen).
Geltungsbereich und Randbedingungen
Die Gartenbewässerung erfolgt auf Grundstücksebene und unterliegt saisonalen Schwankungen. Es muss zunächst geprüft werden, ob eine Bewässerung notwendig ist (etwa bei Neuanlagen oder Trockenperioden). Falls gewässert wird, fällt im Sommer ein erheblicher Zusatzbedarf an. Wasserverbrauch durch Bewässerung ist außerhalb des eigentlichen Trinkwasserleitungsnetzes meist zusätzlich zu betrachten.
FM-Spezifikationslogik
FM-Vorgaben für Gartenbewässerung umfassen: Automatische Steuerungssysteme (Zeitschaltuhren, Feuchtesensoren) für gezieltes Wässern in der Niedrigverbrauchszeit (Früh/Abend), geeignete Regelarmaturen (z. B. Durchflussregler) sowie separate Zähleinrichtungen. Eine Rückflusssicherung ist zwingend: Gartenschläuche und -anlagen dürfen nicht direkt ans Trinkwassernetz angeschlossen werden, sondern müssen gemäß DIN EN 1717 über geeignete Sicherungsarmaturen (z. B. Freiauslauf, Systemtrenner) geschützt werden.
Zudem empfiehlt der BDEW, für bewässertes Grundstück einen separaten Gartenwasserzähler zu installieren. So wird nur Frischwasser (Zufluss) verrechnet, nicht jedoch Abwasser. Wirtschaftlich rechnet sich ein solcher Zähler ab etwa 5–12 m³ Jahresverbrauch. FM nimmt dies auf, indem die Bewässerung über ein eigenständiges Messsystem in die Verbrauchsüberwachung integriert wird. Dadurch kann leicht erfasst werden, wie viel Trinkwasser für Gartenpflege eingesetzt wird und ob die Wassersparziele erreicht werden.
Bemessung der Trinkwasser-Installation
Die Dimensionierung der Rohrleitungen erfolgt nach DIN EN 806‑3 und DIN 1988‑300. Ziel ist, an jeder Entnahmestelle den geforderten Mindestdurchfluss sicherzustellen. Das bedeutet: Leitungen und Armaturen werden für die hydraulisch ungünstigsten Punkte ausgelegt, um Mindestdrücke und -mengen zu garantieren. Gleichzeitig soll die Rohrnetzgeometrie so optimiert werden, dass kein unnötig großer Totraum entsteht. Eine durchdachte Planung vermeidet zu große Nennweiten, die zu Stagnation und Wärmeverlusten führen können.
Einrichtungen zum Abgleich von Systemen
Da an hydraulisch günstigen Stellen oft überhöhte Drücke und Strömungen auftreten, sind Regel- und Ausgleichseinrichtungen erforderlich. FM sieht den Einbau von Durchflussbegrenzern, Druckminderventilen und hydraulischen Abgleichssystemen vor, um Leistungsschwankungen zu vermeiden. VDI 6024 erklärt dazu: „Trinkwasser-Installationen werden so bemessen, dass … der gewünschte Mindestdurchfluss an jeder Entnahmestelle zapfen zu können ist. Zwangsläufig wird an den günstigeren Punkten…“ (hier sollten Abgleichseinrichtungen eingesetzt werden). Ziel ist, im Betrieb stabile und vorhersehbare Bedingungen zu schaffen – ohne unnötigen Wasserverlust. Beispielsweise erlauben Thermostatmischventile und Durchflussbegrenzer an Spül- und Duscharmaturen, den Wasserstrom auf das gewünschte Maß zu fixieren.
Unterdruckentwässerungssysteme
VDI 6024 nennt Unterdruckentwässerung (Vakuumtoiletten) als eine Systemalternative unter besonderen Bedingungen. Solche Anlagen kommen zum Einsatz, wenn normale Schwerkraftleitungen nicht möglich sind (enge Platzverhältnisse, fehlendes Gefälle). Sie nutzen eine kleine Wassermenge, um eine Vakuumsog-Wirkung zu erzeugen. FM berücksichtigt beim Einsatz von Unterdrucksystemen, dass sich deren Planung, Betrieb und Wasserverbrauch von herkömmlichen Systemen unterscheiden. Auch hier muss die Wasser-Effizienz evaluiert werden (z. B. Technik mit Teilladungsspitzen, regelmäßig Spüldruck sicherstellen) und in Akzeptanzprüfungen dokumentiert werden.
Betriebsregime für Wassereffizienz
Die Trinkwasseranlage ist bestimmungsgemäß und hygienegerecht zu betreiben. Das bedeutet im FM-Alltag: Betriebsparameter (z. B. Warmwassertemperatur, Zirkulationsraten) werden so eingestellt, dass sowohl Energie als auch Wasser optimiert werden, ohne Gesundheit zu gefährden (VDI 6023 fordert z. B. < 25 °C in Kaltwasserleitungen). Routineaufgaben umfassen regelmäßiges Spülen wenig genutzter Leitungen, Feststellen von Leckagen, Kontrolle der Trinkwasserstationen und hygienische Prüfungen. VDI 6024 verweist für detaillierte Betriebsanleitungen auf VDI 3810 Blatt 2 und DIN EN 806‑5. Im FM müssen die speziellen Wassereffizienzeinstellungen Teil der Betriebskontrolle sein (z. B. dokumentierte Soll-/Ist-Vergleiche der Durchflussbegrenzer) – parallel zur Sicherstellung der mikrobiologischen Sicherheit.
Wartungs- und Änderungslenkung
Jede Änderung an der Installation (neue Armatur, Systemkomponente, Rohrführung) unterliegt einer strikten Freigabe- und Dokumentenkontrolle. Nach VDI 6023 muss der Betreiber eine Gefährdungsanalyse erstellen und im Instandhaltungsplan alle Maßnahmen zur Gefahrenabwehr beschreiben. FM aktualisiert diese Gefährdungsanalyse bei Umbauten oder Systemerweiterungen um Aspekte, die Einfluss auf Wasserhygiene und -effizienz haben. Sämtliche Wartungsmaßnahmen werden protokolliert: z. B. Reinigung und Prüfen von Filteranlagen, Legionellen-Stichproben, Kalibrierung von Durchflussbegrenzer etc. Nach jeder Intervention erfolgt eine Abnahmeprüfung (durch Flussmessung oder Dichtheitskontrolle), um sicherzustellen, dass die Anlage weiterhin wasser- und energiesparend arbeitet.
Modernisierungsstrategie
Ein strukturiertes Modernisierungskonzept umfasst in FM folgende Schritte: Erstens Ist-Analyse (Verbrauchsdaten, Zustand der Armaturen und Leitungen, bisherige Hygiene-Erfahrungen). Zweitens Maßnahmenselektion: Auswahl von Verbesserungen (z. B. Einbau wassersparender Armaturen, Nachrüstung von Automation, Installation von Zirkulationspumpen mit richtiger Steuerung). Drittens Inbetriebnahme und Abnahme: Neue Komponenten werden fachgerecht eingebaut, verglichen mit den Zielen (Durchfluss und Druckmessungen). VDI 6024 betont, dass die Anlage so modernisiert werden muss, dass die vorgegebenen Verbrauchskennwerte nicht überschritten werden. Schließlich erfolgt Monitoring nach Maßnahme: Verbrauchskontrolle und Funktionsprüfung sichern, dass die Effizienzgewinne eintreten. Für die FM-Übergabe wird ein Abnahmedossier erstellt (inkl. Inbetriebnahmeprotokoll, Messprotokollen, aktualisierten Plänen und Bedienungsanleitungen), um den ordnungsgemäßen Betrieb nachgewiesen zu übergeben.
Mess- und Überwachungskonzept
FM implementiert ein Energiemanagement für Wasser: Das bedeutet, es wird gemessen, wo Wasser fließt und verbraucht wird. Üblicherweise erfolgt die Hauptmessung am Gebäude-Hausanschluss. Optional können Unterzähler in kritischen Bereichen (z. B. Großküche, Labor, Beregnungsanlage) vorgesehen werden. Die Daten werden digital erfasst – idealerweise automatisiert (z. B. via Gebäudeleittechnik oder Smartmeter).
Wichtige Messgrößen sind z. B. Gesamtverbrauch (Jahr, Monat, Tag), Verbräuche pro Nutzungseinheit (Pro Wohnheit, Pro Arbeitsplatz) oder Basislast (Verbräuche bei Abwesenheit). Aus den Messwerten lassen sich Anlagenfehler oder Leckagen ableiten (plötzliche Abweichungen). Im CAFM/CMMS werden die Messpunkte den Anlagenkomponenten zugeordnet, so dass bei Unregelmäßigkeiten sofort Wartungsaufträge ausgelöst werden können.
Zielsetzung und Reporting
Interne Benchmarks und Sollwerte (z. B. nach VDI 3807) dienen als Referenz für Wasserkennzahlen. VDI 6024 verweist auf diese Zielwerte und fordert, die Anlage so zu betreiben, dass sie nicht überschritten werden. FM erstellt regelmäßige Verbrauchsberichte (z. B. monatliche oder quartalsweise Reports), die den aktuellen Verbrauch dem Zielwert gegenüberstellen. Trendanalysen (z. B. Jahresvergleich, per Quadratmeter oder pro Nutzer) werden visualisiert. Liegt der Verbrauch außerhalb definierter Toleranzgrenzen, greifen Eskalationsprozesse: Ursachenforschung und Maßnahmenplanung. Berichte können beispielsweise Meßdaten, Durchschnittswerte und Hinweise auf Auffälligkeiten enthalten, um eine kontinuierliche Optimierung zu unterstützen.
Integration in FM-Managementsysteme
Die Wasserbilanz wird in das CAFM/CMMS eingebunden: Wasserzähler, Armaturen, Pumpen und sonstige Anlagen sind als Assets erfasst und mit Attributen (z. B. Nenndurchfluss, Prüfintervalle) hinterlegt. Automatisierte Workflows sorgen dafür, dass aus den Messdaten Wartungsaufträge generiert werden (z. B. Dichtheitsprüfung bei kontinuierlichem Verbrauch oder Legionellenprobenummer bei Warmwasserschwankungen).
Durch Dashboards im CAFM können die Wasser-KPIs (Gesamtverbrauch, Wasserverbrauch pro Objekt, Trends) fortlaufend überwacht werden. Inspektionen (z. B. Sichtprüfung auf Lecks) werden terminiert und dokumentiert. Auf diese Weise ist das Wassermanagement vollständig im Gebäudemanagement integriert: Es nutzt die vorhandenen Prozesse für Assets, Aufträge, Inspektionen und Berichte, sodass alle Wasserdaten im Rahmen der normalen FM-Routinen erfasst und ausgewertet werden.
Wirtschaftliche Gesamtbetrachtung
Bei Investitionsentscheidungen betrachtet FM den Lebenszyklus. Investitionskosten für wassersparende Armaturen oder neue Systeme müssen gegen die erwarteten Einsparungen abgewogen werden. Neben direkten Wasserkosteneinsparungen fallen meist auch Energiekosteneinsparungen an – denn geringerer Warmwasserbedarf senkt den Energieaufwand. VDI hat hierzu festgestellt, dass durch die Reduzierung des Trinkwasserverbrauchs automatisch auch weniger Wasser erwärmt werden muss, was Heiz- und Stromkosten verringert. Zusätzlich führen geringerer Wasserverbrauch und weniger Warmwasserabrechnung zu entlasteten Abwassergebühren und verbessern die CO₂-Bilanz der Immobilie.
Business Case im FM
Ein FM-Business-Case für wassersparende Maßnahmen enthält typischerweise die Aufstellung von CAPEX/OPEX. Auf der Investitionsseite stehen z. B. Anschaffungskosten für Spararmaturen, Elektroinstallation für Sensoren oder Kosten für Systemoptimierung. Diese werden den jährlichen Kosteneinsparungen (weniger Frisch- und Abwasser, niedrigerer Energieverbrauch fürs Wasser) gegenübergestellt. Die Amortisationsdauer und Kapitalrendite (ROI) werden berechnet, meist auf Basis eines bestimmten Nutzungszeitraums.
Portfolio-Priorisierung erfolgt nach Kriterien wie Einsparpotenzial pro Maßnahme oder Wirtschaftlichkeit im Gebäudebestand. Dabei werden auch weiche Faktoren berücksichtigt, etwa Auswirkungen auf die Mieterseite (ein modernes, „grünes“ Gebäude steigert die Mieterzufriedenheit). Bei Investitionsrechnungen ist außerdem der Behandlungseffekt auf Nebenkosten und ESG-Kennzahlen einzubeziehen.
Beschaffung und Vertragsintegration
FM-Anforderungen werden in der Ausschreibung meist leistungsgerecht formuliert („Performance-Spezifikationen“). Beispielsweise können Zulässigkeitsanforderungen für Armaturen (Maximal-Durchfluss, Mindesteffizienzklassen) sowie Nachweispflichten (Messprotokolle) festgeschrieben werden. Im Vertrag oder SLA werden akzeptierte Kriterien verankert (z. B. jährlicher Zielwert, Lieferumfang von Komponenten).
In der Abnahme wird die Lieferung und Umsetzung gem. technischen Spezifikation geprüft. Dazu wird ein Inbetriebnahmeprotokoll erstellt, in dem alle relevanten Parameter (Durchflüsse, Druckeinstellungen) dokumentiert sind. Am Ende erhält das FM-Team ein Übergabedossier als formellen Nachweis. Im Betrieb definiert FM Kontrollmechanismen (Monitoringplan, Grenzwerte und Korrekturmaßnahmen) und verankert sie in SOPs. Die fortlaufende Effizienz wird dann gemessen und in einem jährlichen Bericht dokumentiert.
| FM-Entscheidungselement | Im formalen FM-Prozess geforderter Nachweis | Typisches Ergebnis |
|---|---|---|
| Maßnahmenselektion | Anforderungsspezifikation + Risiko-/Hygieneprüfung | Technische Spezifikation / Leistungsverzeichnis |
| Abnahme | Inbetriebnahmeprotokoll + Parameterliste | Übergabedossier |
| Betriebskontrolle | Monitoring-Plan + Korrekturmaßnahmenprozess | SOP (Arbeitsanweisung) + KPI-Definitionen (Dashboard) |
| Kontinuierliche Verbesserung | Review-Zyklus + Wirksamkeitsnachweis der Maßnahmen | Jährlicher Bericht zur Wassereffizienz |
