ISO/TR 41019:2024-06 Facility Management - Die Rolle von FM bei Nachhaltigkeit und Resilienz
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ISO/TR 41019:2024-06 – Rolle des Facility Managements in Nachhaltigkeit, Resilienz und Anpassungsfähigkeit
Diese Internationale Norm reflektiert auf einen breiten gesellschaftlichen Rahmen für das Facility Management (FM), um Organisationen zu inspirieren, nachhaltige, integrierte FM-Systeme aufzubauen oder zu verbessern. Dabei wird herausgestellt, dass FM einen positiven Beitrag zum Management der gebauten Umwelt leistet und die Ziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen unterstützen kann. Der Bericht liefert einen einführenden Überblick über relevante Konzepte und Begriffe (z. B. Nachhaltigkeit, Resilienz, Anpassungsfähigkeit) im FM-Kontext, ohne spezifische Vorgaben oder Anforderungen zu setzen. Er ermutigt Unternehmen vielmehr, diese Empfehlungen auf ihre eigenen Rahmenbedingungen anzuwenden.
Anwendungsbereich des technischen Berichts
- Begriffe und Definitionen
- Forderungen
- Sustainable Development Goals (SDGs)
- Rolle internationaler Standards
- Integration der SDGs
- FM-Systeme unterstützt
- Weg zu einem nachhaltigen FM
Begriffe und Definitionen
| Begriff (Deutsch) | Begriff (Englisch) | Erläuterung (Deutsch) |
|---|---|---|
| Facility Management (FM) | Facility Management (FM) | Organisationsfunktion, die Menschen, Ort und Prozesse im gebauten Umfeld integriert, um die Lebensqualität zu steigern und die Produktivität des Kerngeschäfts zu fördern. |
| Nachhaltigkeit | Sustainability | Zustand eines Systems (ökologisch, sozial, ökonomisch), bei dem die Bedürfnisse der Gegenwart erfüllt werden, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden. |
| Nachhaltige Entwicklung | Sustainable development | Entwicklung, die die Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftsbedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne die Fähigkeit künftiger Generationen zu gefährden. |
| Resilienz | Resilience | Widerstandsfähigkeit eines Systems gegen Störungen; Fähigkeit, sich an komplexe und sich ändernde Umweltbedingungen anzupassen und in einen stabilen Zustand zurückzukehren. |
| Anpassungsfähigkeit | Adaptability | Fähigkeit eines Systems, flexibel auf neue oder unerwartete Bedingungen zu reagieren und sich proaktiv anzupassen. |
| CSR (Unternehmerische Verantwortung) | CSR (Corporate Social Responsibility) | Freiwilliger Managementansatz, bei dem Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen (wirtschaftliche, soziale, ökologische Auswirkungen). |
| ESG (Kriterien) | ESG (Environmental, Social, Governance) | Rahmenwerk von Kriterien für Umwelt (E), Soziales (S) und Unternehmensführung (G). ESG-Kriterien sind konkreter und messbarer als traditionelle CSR-Ansätze und werden zunehmend zur Bewertung nachhaltiger Unternehmensleistung herangezogen. |
| SDGs (Nachhaltigkeitsziele) | SDGs (Sustainable Development Goals) | 17 globale Entwicklungsziele der UN-Agenda 2030, die weltweit bis 2030 erreicht werden sollen, um eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Entwicklung zu fördern. |
| Klimawandel | Climate change | Langfristige Veränderung des Klimas über Jahrzehnte oder länger; eine Abweichung von Wetterstatistiken im Mittelwert oder in der Variabilität. |
| Klimaneutralität (Netto-Null) | Carbon neutrality (net-zero) | Ausgewogener CO₂-Haushalt, bei dem unvermeidbare Emissionen durch Maßnahmen (z. B. CO₂-Kompensation, Emissionsminderung) vollständig ausgeglichen werden. |
| Kreislaufwirtschaft | Circular economy | Wirtschaftliches Modell, das auf Wiederverwendung, Recycling und Verlängerung von Produktlebenszyklen abzielt, um Ressourcen zu schonen und Abfall zu minimieren. |
| Stakeholder (Interessenträger) | Stakeholder | Personen oder Organisationen, die Einfluss auf Entscheidungen eines Unternehmens haben können oder von diesen betroffen sind; im FM z. B. Eigentümer, Nutzer, Betreiber, Behörden. |
Diese Norm beleuchtet zentrale Konzepte und globale Herausforderungen, die das Facility Management betreffen. Dazu gehören insbesondere:
Agenda 2030 / SDGs: Die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) legen 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung fest. Rund 90 % unserer Zeit verbringen Menschen in Gebäuden, weshalb ein nachhaltiger Betrieb der Gebäude- und Anlagenwirtschaft einen erheblichen Einfluss auf die SDGs hat. So entfallen etwa 50 % des Energie- und Rohstoffverbrauchs sowie ein Drittel des Wasserverbrauchs auf Bau und Immobilienbetrieb. Ein umweltfreundlicher Betrieb (z. B. effiziente Haustechnik, erneuerbare Energien, Wassereinsparung) trägt direkt zu SDG 3 (Gesundheit & Wohlergehen), SDG 6 (sauberes Wasser), SDG 7 (Bezahlbare Energie), SDG 11 (Nachhaltige Städte), SDG 12 (Nachhaltiger Konsum) und SDG 13 (Klimaschutz) bei. Um den SDGs gerecht zu werden, müssen FM-Strategien in die Unternehmensziele integriert werden.
CSR und ESG: Corporate Social Responsibility (CSR) geht auf die 1950er Jahre zurück und bezeichnet die freiwillige gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen (sozial, ökologisch, ökonomisch). In den 2000er Jahren hat sich das ESG-Modell etabliert, das Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte quantifizierbarer macht. ESG-Kriterien sind konkreter und messbarer als frühere CSR-Ansätze. Die stärkere Fokussierung auf ESG führt dazu, dass Unternehmen ihre Daten nun an SDGs und Nachhaltigkeitskriterien ausrichten. GEFMA hat etwa mit der Richtlinie GEFMA 163-1 „ESG im Facility Management“ eine Definition der ESG-Vorgaben für den Immobilienbetrieb veröffentlicht. Finanzmärkte und Investoren verlangen zunehmend ESG-konforme Geschäftsmodelle; Untersuchungen zeigen positive Zusammenhänge zwischen ESG-Performance und finanzieller Rendite.
Geschäfts- und Finanzkontext: Angesichts globaler Megatrends (Dekarbonisierung, Digitalisierung, demografischer Wandel) müssen FM-Organisationen ökonomische Resilienz aufbauen. Nachhaltigkeit im FM wird zum Wettbewerbsfaktor: Effizienzsteigerungen und Ressourceneinsparungen senken Betriebskosten, stärken den Markenwert und senken Risiken (z. B. regulatorische Strafen). Gleichzeitig erfordern neue Rahmenwerke (EU-Taxonomie, CSRD-Berichtspflichten) transparente Daten. ESG-Reporting und Nachhaltigkeitsindikatoren (CO₂-Bilanz, Energieverbrauch, ESG-KPIs) werden zunehmend in Geschäftsberichte integriert.
Klimawandel, Klimaneutralität und Kreislaufwirtschaft: Klimaschutz ist eine Kernaufgabe. Deutschland strebt Treibhausgasneutralität bis 2045 an. FM muss den CO₂-Fußabdruck von Gebäuden und Betriebsprozessen verringern – etwa durch Energiemanagement, Gebäudesanierung, klimaneutrale Energieversorgung und Nutzungsmaterialien. DIN SPEC 91475 nennt hierzu einheitliche Datenpunkte (z. B. Klimarisiko des Standorts, Ressourcenverbräuche, CO₂-Intensität des Gebäudebetriebs), damit die ökologische Güte von Gebäuden objektiv bewertet werden kann. Auch die Kreislaufwirtschaft gewinnt an Bedeutung: FM soll Materialien nach Möglichkeit im Kreislauf führen und Abfall minimieren, z. B. durch Recycling und Nachhaltigkeitscontrolling. Digitale Tools (gebäudespezifische Verbrauchsdaten, Monitoring) spielen hierbei eine zentrale Rolle.
Nachhaltigkeit, Resilienz und Anpassungsfähigkeit: Nachhaltigkeit im FM bedeutet, ökologische, ökonomische und soziale Kriterien systematisch einzubeziehen. Resiliente FM-Organisationen dagegen haben Mechanismen zur Störungsbewältigung und Risikominimierung (z. B. Notfallpläne, Lieferkettenausfallsicherheit), sodass sie Krisen stabiler überstehen. Anpassungsfähigkeit bezeichnet die Fähigkeit, sich proaktiv auf veränderte Rahmenbedingungen (Klimafolgen, Marktverschiebungen) einzustellen. ISO/TR 41019 betont, dass ESG-Management und Resilienz grundlegend sind, um nachhaltige Ergebnisse im FM zu erreichen. Das Zusammenspiel dieser Konzepte ist entscheidend, um FM-Prozesse zukunftsfähig zu gestalten.
Sustainable Development Goals (SDGs) und ihre Anwendung im FM
Die Agenda 2030 und ihre SDGs bieten einen übergreifenden Bezugsrahmen für nachhaltige FM-Praktiken. FM-Akteure können einzelne SDGs konkret adressieren: Beispielsweise ermöglicht ein gesundes Innenraumklima und sichere Gebäude für alle Nutzer SDG 3 (Gesundheit und Wohlergehen). Effiziente Wassernutzung und Abwassermanagement unterstützen SDG 6 (Sauberes Wasser). Erneuerbare Energien und Energieeinsparungen tragen zu SDG 7 (Bezahlbare und saubere Energie) bei. FM trägt durch Planung lebenswerter Quartiere zur Erfüllung von SDG 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden) bei. Außerdem beeinflusst FM den Ressourcenverbrauch: Durch Kreislaufwirtschaftsprinzipien können SDG 12 (Nachhaltiger Konsum und Produktion) gefördert werden, während Klimaschutzmaßnahmen (z. B. CO₂-Reduktion) direkt SDG 13 stärken. Praktisch bedeutet dies, dass FM-Leistungen und -Verträge Nachhaltigkeitskriterien enthalten und FM-Dienstleister deren Erfüllung nachweisen müssen. Zertifizierungssysteme wie GEFMA SustainFM (basierend auf GEFMA 160) setzen Nachhaltigkeitskriterien im FM quantitativ um und liefern eine Grundlage für Benchmarking und Reporting. Insgesamt arbeiten FM-Organisationen „lokal“ – durch konkrete Projekte und Prozesse – an der Erreichung der globalen Ziele.
Rolle internationaler Standards bei der Erreichung der SDGs
Internationale Standards unterstützen Unternehmen dabei, SDGs systematisch umzusetzen. So haben ISO und UNDP erstmals Leitlinien zur praktischen Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele veröffentlicht: Diese geben handfeste Empfehlungen, wie Firmen ihre Strategien und Entscheidungen an den SDGs ausrichten können. ISO/UNDP und DIN betonen, dass weltweit anerkannte Normen ein wesentlicher Hebel für die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen sind. Auch im FM-Bereich existieren etablierte Standards: Die ISO-41000-Reihe (z. B. ISO 41001 für FM-Managementsysteme, ISO 41011 für Begriffe, ISO 41012 für FM-Konzepte) definiert einheitliche Begriffe und strukturierte Prozesse. Diese Normen ermöglichen ein integriertes FM-System, in das ESG- und SDG-Anforderungen direkt einfließen können. GEFMA verweist etwa darauf, dass neue ESG-Vorgaben (EU-Richtlinien, nationale Gesetze) durch bestehende Regelwerke (z. B. ISO-Normen) im FM aufgegriffen werden. Insgesamt liefern internationale FM-Standards einen Rahmen für Governance, Kennzahlen und kontinuierliche Verbesserung, der die Nachhaltigkeitsleistung systematisch erhöht.
Integration der SDGs in FM-Governance-Ebenen und FM-Beiträge in der Praxis
Eine nachhaltige FM-Governance integriert SDGs auf allen Ebenen: Strategisch durch Einbindung in FM-Leitbilder und -ziele, operativ durch konkrete Prozesse und Verantwortlichkeiten. ISO/TR 41019 weist darauf hin, dass die SDGs als Leitrahmen für Organisationsziele dienen können; diese Unternehmensziele fließen dann in FM-Strategien, -Richtlinien und -Prozesse ein. Praktisch bedeutet dies etwa, dass Beschaffungskriterien (z. B. Energieeffizienz, ökologisch zertifizierte Produkte) an relevanten SDGs ausgerichtet sind. Facility Services wie Gebäudereinigung, Abfallmanagement oder Wartung übernehmen spezifische FM-Beiträge: Beispielsweise senkt ein effizientes Energiemanagement direkt den CO₂-Fußabdruck (SDG 13), ein verbessertes Raumklima erhöht Gesundheit und Wohlbefinden (SDG 3) und die Installation von Photovoltaik unterstützt SDG 7. FM-Controlling etabliert Kennzahlen (Bsp. Energie- und Wasserverbrauch, CO₂-Emissionen, ESG-KPIs), um Fortschritte zu messen. Insgesamt stellt FM sicher, dass SDG-Relevanz in Verträgen, Leistungsverzeichnissen und laufenden Audits abgebildet ist. Der ganzheitliche Ansatz ermöglicht, dass FM nicht nur auf Nachhaltigkeitsziele hinwirkt, sondern auch konkrete Impulse im Unternehmen und in der Region setzt (z. B. durch Schulungen, Stakeholder-Dialoge, Community-Engagement).
Wie die ISO-41000-Reihe strukturierte FM-Systeme unterstützt
Die ISO-41000-Reihe bildet den Rahmen für systematisches Facility Management und trägt so zur Nachhaltigkeit bei. ISO 41001 beschreibt die Anforderungen an ein FM-Managementsystem (analog zu ISO 9001) – zum Beispiel Rollen, Prozesse und Risikoanalysen –, wodurch Organisationen ihre FM-Aktivitäten standardisiert implementieren können. ISO 41011 vereinheitlicht die Terminologie (z. B. was unter „Facility Management“ oder „Stakeholder“ zu verstehen ist). ISO 41012 liefert Leitlinien zur strategischen Ausrichtung des FM. Gemeinsam stellen diese Standards sicher, dass FM-Prozesse nachweisbar geplant, gesteuert und verbessert werden. Darüber hinaus ergänzen nationale Lösungen den Rahmen: So definiert die DIN SPEC 91475 eine einheitliche Datensprache für Nachhaltigkeitsaspekte von Immobilien (z. B. Ressourcenverbräuche, CO₂-Intensität). Durch Verknüpfung dieser Normeninhalte mit SDG- und ESG-Kriterien erhält FM ein strukturiertes System, in dem Qualität, Nachhaltigkeit und Compliance dokumentiert werden können. GEFMA unterstreicht, dass international gültige Standards die Basis für verantwortliches Handeln im Immobilienbetrieb bilden.
Weg zu einem nachhaltigen FM
Der Weg zu nachhaltigem FM verläuft über kontinuierliche Verbesserung und die Integration von SDG- und ESG-Zielen in alle FM-Prozesse. Organisationen sollten einen PDCA-Zyklus (Plan–Do–Check–Act) nutzen, um Nachhaltigkeitsmaßnahmen umzusetzen und zu optimieren: Dies beginnt bei der Zielsetzung (z. B. CO₂-Reduktionsziele, Ressourceneinsparung) über Planung (Budget, Schulungen) und Umsetzung (Beschaffungsrichtlinien, Energieprojekte) bis hin zu Überprüfung (Audits, Berichte) und Anpassung. ISO/TR 41019 betont, dass die konsequente Anwendung von ESG-Grundsätzen grundlegend ist, um Nachhaltigkeit, Resilienz und Anpassungsfähigkeit zu erreichen. Praktisch kann dies z. B. durch die Anwendung von GEFMA-Standards erfolgen: Die Richtlinie GEFMA 160 („Nachhaltigkeit im FM“) definiert 25 Kriterien in den Bereichen Ökologie, Ökonomie, Soziokultur, FM-Organisation und Servicequalität, die die Nachhaltigkeitsleistung von Facility Services messbar machen. Unternehmen können so ihren Beitrag zu SDGs (etwa über CO₂-Bilanzierung, ESG-KPIs oder Zertifizierungen) transparent belegen. Abschließend gilt: Ein nachhaltiges FM agiert vorausschauend, sucht nach umwelt- und sozialverträglichen Lösungen und trägt durch sein betriebliches Handeln aktiv zur Erreichung der globalen Ziele bei.
