ISO 41012:2017-04 FM - Leitfaden zur strategischen Beschaffung
Facility Management: Organisationsentwicklung » Normen » ISO » ISO 41012 FM-Vereinbarungen
ISO 41012:2017 im Facility Management – Strategische Beschaffung und wirksame Gestaltung von FM-Vereinbarungen
Die ISO 41012:2017 „Facility Management – Leitfaden zur strategischen Beschaffung und Entwicklung von Vereinbarungen“ bietet einen international anerkannten Rahmen, um FM-Leistungen effektiv zu beschaffen und in vertragliche Vereinbarungen zu überführen. Dieser Leitfaden zielt darauf ab, Best Practices für die Gestaltung von Sourcing-Strategien und FM-Verträgen bereitzustellen, sodass Bedarfsorganisationen (die nachfragenden Einrichtungen) und FM-Dienstleister (Serviceanbieter) klare, effiziente und für beide Seiten vorteilhafte Vereinbarungen treffen können.
ISO 41012 FM – Leitfaden strategische Beschaffung
- Zweck
- Kontext
- Anwendungsbereich
- Normative Verweisungen
- Begriffe und Definitionen
- Beschaffungsstrategie und Kerngeschäftskontext
- Strategische, taktische und operative Ebene
- Strategische Ebene
- Taktische Ebene
- Operative Ebene
- Beschaffungsprozess im FM
- Überblick über die Prozessschritte
- Prozessablauf (Flussdiagramm)
- Aktuelle und zukünftige Bedarfe und Erwartungen ermitteln
- Bedarfe in Anforderungen übersetzen
- Service Levels festlegen
- Optionen der Leistungserbringung identifizieren
- Entwicklung und Analyse eines Business Case
- Allgemeines
- Finanzielle Überlegungen
- Investitionsstrategie
- Kosten und Mehrwert abschätzen
- Preisstrategie
- Risikoanalyse
- Verschiedene Ebenen der Vereinbarung
- Projektstrategie
- Business Case für Service-Optionen erstellen
- Bevorzugte Sourcing-/Bereitstellungsoption auswählen
- Leistungserbringungsmodelle
- Externe Leistungserbringung
- Hauptmerkmale von FM-Vereinbarungen
- Allgemeines
- Wesentliche Bestandteile einer Vereinbarung
- Untervergabe
- Führungsverantwortung und Kommunikation
- Service Level Agreements (SLAs)
- Vertragsbeendigung (Termination of Contracts)
- Vertragsstruktur und -inhalt
- Allgemeine Aspekte in FM-Vereinbarungen
- Flexibilität
- Leistungskriterien
- Informationsverantwortlichkeiten
- Reporting und Prüfaudits
- Kontinuierliche Verbesserung, Best Practice und Innovation
- Anlagenersatz und Projektaktivitäten
- Kommunikation
- Vorschriften und Regulierungen
- Unternehmensstandards
- Beendigung von Vereinbarungen
- Vorbereitung und Entwicklung einer Vereinbarung
- Vorbereitungsphase
- Präqualifikationsphase
- Angebots-/Verhandlungsphase
- Vertragserstellungsphase
- Unterzeichnungsphase
- Implementierungsphase
- Mobilisierungsphase
- Validierungsphase
- Betriebsphase
- Beendigungsphase
- Messung der Leistungserbringung
- Allgemeines
- Messung der Effektivität
- Ergebnisse (Outputs)
Zweck
Die Norm ISO 41012:2017 stellt sicher, dass FM-Vereinbarungen systematisch und ganzheitlich entwickelt werden. Durch eine enge Verzahnung von FM mit der Unternehmensstrategie soll erreicht werden, dass Unterstützungsleistungen qualitativ hochwertig, kostenwirksam und konform mit den Zielen der Bedarfsorganisation erbracht werden.
Die ISO-Norm identifiziert gemeinsame Verfahren und Strukturen, die sektorenübergreifend anwendbar sind, um:
Qualität, Produktivität und Wirtschaftlichkeit im FM zu steigern,
Nachhaltigkeit zu fördern und Umweltbelastungen zu reduzieren,
sichere, rechtskonforme Arbeitsumgebungen bereitzustellen und die Resilienz der Organisation zu erhöhen,
die Lebenszykluskosten von Anlagen zu optimieren und
das Image der Organisation durch professionelles FM zu stärken.
Kontext
ISO 41012 ist Teil der ISO-41000-Normenfamilie für Facility Management und baut auf ISO 41011 (Begriffe) und ISO 41001 (FM-Managementsysteme) auf. Sie ersetzt die frühere europäische Norm EN 15221-2:2006, die sich auf FM-Vertragsgestaltung konzentrierte. Die Anwendung der ISO 41012:2017 wird in Deutschland durch die DIN EN ISO 41012:2018 bestätigt, welche den Inhalt in deutscher Sprache wiedergibt. Damit steht ein konsistenter Begriffskatalog (vgl. ISO 41011 für Definitionen) sowie eine anerkannte Prozessstruktur zur Verfügung, um FM-Vereinbarungen sowohl in der öffentlichen Verwaltung als auch in Unternehmen zu gestalten. Der Leitfaden reflektiert aktuelle gesetzliche Anforderungen und betriebliche Best Practices in Deutschland, z. B. hinsichtlich Vergabeverfahren im öffentlichen Sektor, arbeitsrechtlicher Vorgaben bei Dienstleisterwechsel (Stichwort Personalübergang gem. § 613a BGB) und der Ausgestaltung von Service-Level-Agreements (SLA) gemäß gängigen Marktstandards. Im Ergebnis hilft die Norm Organisationen dabei, Beschaffungsstrategien zu entwickeln, die optimal auf ihr Kerngeschäft abgestimmt sind, und FM-Verträge zu schließen, die klare Leistungserwartungen, Verantwortlichkeiten und Leistungskennzahlen beinhalten.
Die ISO 41012:2017 ist weltweit anwendbar und richtet sich an alle Organisationen, die Facility-Management-Dienstleistungen strategisch planen, beschaffen und steuern möchten. Sie gilt gleichermaßen für interne FM-Einheiten wie für ausgelagerte FM-Di
Strategische Planungsprozesse im Zusammenhang mit Service- und Supportfunktionen des Kerngeschäfts (z. B. FM-Strategieentwicklung),
die Entwicklung von FM-Strategien und -Konzepten zur optimalen Unterstützung der Unternehmensziele,
die Entwicklung von FM-Vereinbarungen zur Leistungserbringung, sowohl in der öffentlichen Hand als auch in der Privatwirtschaft – einschließend interner Leistungserbringung (Eigenleistung) oder externer Vergabe an Dienstleister,
die Gestaltung von Informationssystemen im FM (z. B. CAFM-Systeme) zur Unterstützung der Beschaffungs- und Vertragsprozesse,
Aus- und Weiterbildung im Facility Management sowie die Forschung im FM-Bereich, und
Organisationsentwicklung und Prozessoptimierung im Umfeld unterschiedlicher Arbeitsumgebungen (Industrie, Handel, Verwaltung, Militär, Gesundheitswesen, Wohnungswirtschaft etc.).
Abgrenzung
Die Norm legt einen Fokus auf den strategischen und konzeptionellen Rahmen. Konkrete technische Spezifikationen einzelner FM-Leistungen (wie z. B. Wartungsstandards nach DIN 31051 oder Reinigungsstandards) sind nicht Gegenstand dieser Norm, können jedoch im Zuge der Vertragsgestaltung als Anlagen oder Referenzen eingebunden werden.
Normative Verweisungen
Die ISO 41012:2017 stützt sich auf bestimmte normative Referenzdokumente, die für das Verständnis und die Anwendung des Leitfadens grundlegend sind. Im Text wird explizit auf diese Dokumente verwiesen, sodass deren Inhalte als verbindlicher Bestandteil der Norm gelten. Für datierte Referenzen gilt die angegebene Ausgabe; bei undatierten Verweisen ist jeweils die neueste Fassung heranzuziehen.
Die wichtigsten normativen Verweisungen sind:
ISO 41011:2017 – Facility Management – Begriffe: Enthält die offiziellen Definitionen und Begriffe des Facility Management. Alle in ISO 41012 verwendeten Fachbegriffe sind im Sinne der ISO 41011 zu verstehen. Beispielsweise werden Begriffe wie „Facility-Service“ (FM-Leistung), „Demand Organization“ (Bedarfsorganisation), „Service Provider“ (Dienstleister), „Service Level“ etc. durch ISO 41011 eindeutig definiert. Eine konsistente Terminologie stellt sicher, dass Verträge und SLAs sprachlich präzise und eindeutig formuliert werden.
(Keine weiteren Normen als normative Referenz in ISO 41012 angegeben) – ISO 41012 verweist hauptsächlich auf den Begriffsstandard ISO 41011. Ergänzende Informationen zu FM-Grundlagen liefert ISO 41013 (Leitfaden zu Grundlagen und Nutzen des FM), jedoch ohne als normative Referenz aufzutreten.
Hinweis
Terminologische Datenbanken (ISO OBP, IEC Electropedia) können zur Klärung der in ISO 41011 definierten Begriffe herangezogen werden. In deutschen FM-Verträgen sollten die übersetzten Begriffe gemäß DIN EN ISO 41011 verwendet werden, um Verwechslungsgefahren zu minimieren (z. B. „Facility Management“, „Bedarfsorganisation“, „FM-Dienstleister“, „Leistungsschein/Leistungsvereinbarung“ für SLA). Einheitliche Begriffsnutzung erleichtert das Verständnis aller Vertragsparteien.
Für diese Dokumentation gelten die Begrifflichkeiten der DIN EN ISO 41011 (Facility Management – Begriffe). Im Folgenden werden einige zentrale FM-Begriffe kurz in den deutschen Kontext gestellt:
Facility Management (FM): Organisatorische Funktion, die Menschen, Orte und Prozesse in der gebauten Umgebung integriert, mit dem Ziel, die Lebensqualität der Menschen und die Produktivität des Kerngeschäfts zu verbessern (Definition nach ISO 41011). Im deutschen Sprachgebrauch oft als ganzheitliches Gebäudemanagement verstanden, das alle Sekundärprozesse umfasst.
Bedarfsorganisation (Demand Organization): Die Organisation, die FM-Leistungen benötigt und beauftragt. Dies kann der Auftraggeber eines FM-Vertrags sein, z. B. ein Unternehmen oder eine Behörde, welche die Bewirtschaftung ihrer Immobilien oder unterstützenden Services anstrebt.
FM-Dienstleister (Service Provider): Eine interne Einheit oder externe Firma, die Facility-Services erbringt. In Verträgen auch Auftragnehmer genannt. Der FM-Dienstleister stellt die vereinbarten Leistungen bereit, z. B. Gebäudereinigung, Wartung, Catering, Empfangsdienste etc., gemäß den vertraglich festgelegten Anforderungen.
Facility Service (FM-Leistung): Materielle oder immaterielle Dienstleistung, die das Kerngeschäft unterstützt. Beispiele: Infrastrukturelle Services (Reinigung, Sicherheit), technische Services (Instandhaltung von Anlagen), kaufmännische Services (Flächenmanagement, Energieabrechnung). FM-Leistungen werden in Leistungsbeschreibungen definiert und häufig über Service Level Agreements hinsichtlich Qualität und Umfang spezifiziert.
Service Level Agreement (SLA): Vereinbarung über konkrete Leistungsniveaus und Qualitätskriterien einer Dienstleistung. Ein SLA ist typischerweise Teil eines FM-Vertrags oder einer Anlage dazu. Es legt Leistungskennzahlen (KPIs), Reaktionszeiten, Verfügbarkeiten, Qualitätsstandards und Messverfahren für eine FM-Leistung fest, sodass die Vertragspartner ein gemeinsames Verständnis der erwarteten Leistung haben. Im Deutschen spricht man auch von Dienstleistungsvereinbarung oder Leistungsniveau-Vereinbarung, üblich ist jedoch der Begriff SLA.
Key Performance Indicator (KPI): Kennzahl zur Messung der Leistung oder Effektivität von FM-Services. KPIs werden in SLAs vereinbart, um die Erreichung der Leistungsziele quantitativ oder qualitativ zu überwachen (z. B. Ausfallzeiten, Reinigungsgrad, Nutzerzufriedenheit in Schulnoten).
Hinweis:
Alle weiteren relevanten Begriffe (z. B. „Primäraktivität“, „Sekundärprozess“, „Outsourcing“, „Lebenszykluskosten“ etc.) werden im Text in ihrem Kontext erläutert oder entsprechen den Definitionen der ISO 41011. Es empfiehlt sich, im Anhang eines FM-Vertrags ein Glossar aufzunehmen (vgl. Klausel C.3 in Anhang C), das die zentralen Begriffe und Abkürzungen aufführt, um während der Umsetzung ein einheitliches Verständnis sicherzustellen.
Beschaffungsstrategie
Eine erfolgreiche FM-Beschaffungsstrategie stellt sicher, dass die Struktur und Erbringung der Facility Services eng an der Geschäftsstrategie der Bedarfsorganisation ausgerichtet sind. Die FM-Organisation muss die strategischen Ziele der Kernorganisation verstehen und ihre FM-Strategie daraus ableiten. Ein effektiver Beschaffungsprozess trägt dazu bei, die Unternehmensziele zu erreichen, indem die benötigten FM-Leistungen optimal bereitgestellt werden.
Bei der Entwicklung der Beschaffungsstrategie sind verschiedene Kriterien und Einflussfaktoren zu berücksichtigen, darunter (nicht abschließend):
Markt- und Wettbewerbsumfeld: Wie hoch ist der Wettbewerbsdruck? Gibt es zahlreiche Anbieter für die benötigten Services oder handelt es sich um spezialisierte Nischenleistungen? Dies beeinflusst z. B. die Verhandlungsposition und Outsourcing-Attraktivität.
Value-Driver und Kosten-Nutzen-Aspekte: Welche Wertbeiträge sollen durch FM erzielt werden (Qualitätsverbesserung, Kostensenkung, Flexibilität)? Kosten-Nutzen-Analysen helfen, die optimale Bezugsform (intern/extern) zu bestimmen.
Ressourcenflexibilität: Inwieweit benötigt die Organisation flexible Kapazitäten? Schwankende Bedarfe können eine Fremdvergabe attraktiv machen, um Überkapazitäten zu vermeiden, oder den Aufbau eines flexiblen internen Personalpools erfordern.
Geschäftsrisiken: Welche Risiken sind mit der Servicebereitstellung verbunden (z. B. Ausfallrisiken, Vertraulichkeit, Reputationsrisiken)? Die Risikobewertung beeinflusst die Entscheidung für Inhouse-Leistung vs. Outsourcing und die Vertragsgestaltung (Haftung, Pönalen).
Zuverlässigkeit der Lieferkette: Ist es riskant, sich auf wenige externe Anbieter zu verlassen (Single Source)? Die Versorgungssicherheit (z. B. bei kritischen technischen Anlagen) kann Redundanzen oder Multisourcing erfordern.
Operative Abhängigkeiten: In welchem Maß sind die FM-Leistungen mit Kernprozessen verzahnt? Hohe Interdependenzen (z. B. Produktion und technische Wartung) erfordern ggf. engere Steuerung und Abstimmung (z. B. durch Inhouse-Leistung oder sehr detaillierte SLAs).
Inhouse-FM-Kompetenz: Verfügt die Organisation über ausreichendes internes Know-how und Ressourcen im FM, um Leistungen selbst zu erbringen und Lieferanten zu steuern? Wenn nicht, kann Outsourcing sinnvoll sein – aber die Restkompetenz zur Steuerung externer muss dennoch vorhanden sein oder aufgebaut werden.
Verfügbarkeit externer Lieferoptionen: Gibt es am Markt geeignete Dienstleister mit ausreichender Kapazität und Leistungsfähigkeit? Sind spezialisierte Leistungen extern verfügbar oder muss man intern Expertise entwickeln?
Unternehmensrichtlinien: Vorgaben etwa zu Nachhaltigkeit, Corporate Social Responsibility oder konzernweiten Outsourcing-Strategien. Beispielsweise können Corporate-Governance-Regeln vorschreiben, bestimmte Kernkompetenzen nicht auszulagern. Umwelt- und Sozialstandards der Organisation sind ebenfalls in der Beschaffung zu berücksichtigen.
Compliance-Anforderungen: Regulatorische Vorgaben und erwartete Gesetzesänderungen. Im öffentlichen Sektor wären z. B. das Vergaberecht (GWB, VgV, UVgO) und Haushaltsrecht zu beachten. In der Privatwirtschaft können Datenschutz (bei Gebäudesicherheit), Arbeitsrecht (bei Personalübergang) oder Betreiberpflichten nach technischen Verordnungen entscheidend sein. Die Beschaffungsstrategie muss sicherstellen, dass alle einschlägigen Gesetze eingehalten werden.
Unternehmenskultur und Führungsstil: Eine Organisation mit stark zentralistischer Kultur könnte eher umfassende Outsourcing-Partnerschaften eingehen, während eine dezentrale Kultur vielleicht individuelle lokale Lösungen bevorzugt. Ebenso beeinflusst die interne Akzeptanz von Fremdfirmen (z. B. durch Betriebsrat oder Belegschaft) die Strategie.
Reporting-Bedürfnisse und MIS: Anforderungen an Berichtswesen und Management-Informationssysteme – etwa die Fähigkeit, FM-Performance-Daten zu erfassen und auszuwerten – können die Auswahl von Anbietern mit entsprechenden IT-Systemen steuern oder internen Ausbau solcher Systeme erforderlich machen.
Unternehmensziele (strategisch & operativ): Die übergeordneten Ziele (Kostenreduktion, Qualitätssteigerung, Flexibilität etc.) müssen als Leitplanken für die Sourcing-Entscheidungen dienen. Beispielsweise passt ein reines Kostenführerziel evtl. nicht zu einem hochwertigen Service-Level, ohne Abstriche zu machen.
Innovation: Der Innovationsgrad der FM-Lösung (z. B. Einsatz von Smart-Building-Technologien, digitale Serviceplattformen) kann ein Kriterium sein. Externe Spezialanbieter bieten evtl. innovativere Lösungen als interne Abteilungen – oder umgekehrt möchte man Innovation im Haus halten.
Immobilien- und FM-Strategie: Die übergeordnete Immobilienstrategie (z. B. Konzentration auf Kernstandorte vs. Expansion) beeinflusst FM-Sourcing. Bei vielen Standorten oder internationalen Immobilien könnte mehr externes FM sinnvoll sein, um lokale Expertise zu nutzen.
Hinweis:
Da Unternehmensumfelder dynamisch sind (Wachstum, Restrukturierung, technologische Veränderungen), sollte die FM-Beschaffungsstrategie kontinuierlich überprüft und angepasst werden. Wichtig ist, dass immer eine enge Kopplung an die Gesamtstrategie besteht.
Für die Durchführung des Beschaffungsprozesses muss die Organisation über ausreichende FM-Fachkompetenz verfügen – intern oder durch Hinzuziehen externer Beratung. Zu den erforderlichen Kompetenzen zählen insbesondere: Verständnis des Kerngeschäfts, analytische Fähigkeiten (Bedarfs- und Datenanalyse), Management- und Kommunikationsskills, fundiertes FM-Fachwissen, Einkaufs- und Vergabekompetenz, rechtliche Kenntnisse (Vertrags- und Vergaberecht) sowie Umwelt- und Sozialbewusstsein. Falls diese Kompetenzen intern nicht voll abgedeckt sind, sollte die Bedarfsorganisation entsprechende Experten einbeziehen (z. B. FM-Consultants, Juristen), um einen professionellen Beschaffungsprozess sicherzustellen.
Strategische, taktische und operative Ebene
Um FM-Leistungen erfolgreich bereitzustellen und die gewünschten Resultate zu erzielen, muss das Facility Management eng mit der Mission, Vision und den Zielen des Kerngeschäfts abgestimmt sein. FM agiert dabei auf drei Ebenen – strategisch, taktisch und operativ.
Jede Ebene hat spezifische Ziele und Verantwortlichkeiten (gemäß Definitionen in ISO 41011), die im Zusammenspiel ein effektives FM-Management ausmachen:
Strategische Ebene: Langfristige Ausrichtung des FM an den Unternehmenszielen und Vorgaben der Geschäftsführung.
Taktische Ebene: Umsetzung der strategischen FM-Ziele in mittelfristige Planungen, Verfahren und Management der FM-Funktionen.
Operative Ebene: Tägliche Erbringung der Services gemäß definierter Leistungskriterien, um den unmittelbaren Bedürfnissen der Nutzer gerecht zu werden.
Auf strategischer Ebene verfolgt das FM das Ziel, die Gesamtorganisation langfristig zu unterstützen und Mehrwert zu schaffen. Typische Aufgaben und Verantwortlichkeiten der strategischen FM-Ebene sind:
FM-Strategie entwickeln: Ableiten einer FM-Strategie aus der Unternehmensstrategie. Festlegen, welche Leistungen intern/extern erbracht werden, welche Ziele (z. B. Kostensenkung um X%, Serviceverbesserung) durch FM erreicht werden sollen.
Grundsatz- und Richtlinienarbeit: Erstellung von FM-Grundsätzen, Policies und Leitlinien für Flächen, Assets, Prozesse und Services, die im gesamten Unternehmen gelten.
Aktive Beratung und Reaktion: Das FM nimmt Einfluss auf Unternehmensentscheidungen, berät die Geschäftsführung bezüglich FM-Fragen und reagiert proaktiv auf Änderungen des Kerngeschäfts (z. B. Wachstum, neue Standorte, neue Technologien).
Risikomanagement einleiten: Durchführung übergeordneter Risikoanalysen im FM-Bereich (z. B. Versorgungssicherheit, Ausfallsicherheit kritischer Infrastruktur) und Entwicklung von Strategien zur Risikominderung. Strategische FM-Ebene sorgt dafür, dass das Unternehmen FM-bezogene Risiken kennt und steuert (z. B. Notfallkonzepte).
Performance-Management-Rahmen setzen: Definieren der Leistungsmanagement-Politik und Zielvorgaben (z. B. KPI-Rahmen, SLA-Grundsätze) für das FM insgesamt.
Auswirkungen auf Primärprozesse bewerten: Analysieren, welchen Einfluss Facilities und Services auf die Kernaktivitäten, das Arbeitsumfeld und das Gemeinwesen haben (Stichwort Nachhaltigkeit, Arbeitgeberattraktivität, Corporate Image). Strategisches FM vertritt FM-Belange auch gegenüber externen Stakeholdern, Behörden und der Öffentlichkeit.
Beziehungen pflegen: Kontaktpflege zu Behörden, Vermietern, Lieferantenverbänden und anderen wichtigen Stakeholdern im Umfeld des Facility Management. Dies umfasst auch das Monitoring externer Entwicklungen (Markt, Regulierung, Technologie).
Freigabe von Plänen und Budgets: Auf strategischer Ebene werden FM-Business-Pläne, Investitionsvorhaben und jährliche Budgets geprüft und genehmigt, um sicherzustellen, dass sie konsistent mit der Unternehmensausrichtung sind.
Beratungsfunktion intern: Die FM-Führungsebene steht den Bedarfsträgern (Nutzerbereichen) beratend zur Seite, z. B. bei der Planung neuer Arbeitswelten oder der Optimierung von Support-Prozessen.
Re-Procurement-Entscheidungen: Strategische Vorgaben für Ausschreibungen und Vergaben von FM-Leistungen festlegen. Kriterien bestimmen, wann ein Neuvergabeprozess (Re-Procurement) eingeleitet wird (etwa nach Vertragsende, bei Qualitätsproblemen, Marktveränderungen).
Make-or-Buy-Entscheidungen treffen: Grundsatzentscheidungen treffen, welche Services outgesourct oder intern gehalten werden, basierend auf Kernkompetenzüberlegungen und Wirtschaftlichkeit.
Die taktische Ebene im FM dient dazu, die strategischen Vorgaben mittelfristig umzusetzen und im laufenden Betrieb zu verankern. Hier werden die strategischen FM-Ziele in konkrete Pläne, Prozesse und Vereinbarungen übersetzt. Aufgaben auf taktischer
Administratives Management: Einrichtung eines FM-Administrationsrahmens, z. B. Vertragsverwaltung, Personalplanung, Schulungen, Dokumentation der FM-Aktivitäten.
Reporting aufsetzen und durchführen: Etablierung regelmäßiger Berichtsprozesse über FM-Performance, Kosten, Qualität (Monats-/Quartalsberichte, SLA-Reports). Das taktische FM stellt sicher, dass relevante Kennzahlen erfasst und an Stakeholder kommuniziert werden.
Dokumentation und Aufzeichnungen: Pflege von Status- und Ereignisprotokollen (z. B. Wartungspläne, Störungsdatenbanken, Nutzerfeedback). So entsteht eine Wissensbasis für Analysen und Audits.
Umsetzung der strategischen Richtlinien: Konkretisierung und Überwachung der Einhaltung von FM-Richtlinien und -Standards im Tagesgeschäft. Taktisches FM entwickelt Business-Pläne und Budgets für den mittelfristigen Zeithorizont (z. B. Jahresplanung für FM-Bereich).
Übersetzung von Zielen in operative Anforderungen: Ableiten spezifischer Leistungsanforderungen für die operative Ebene aus den übergeordneten FM-Zielen. Z. B. aus dem strategischen Ziel einer hohen Nutzerzufriedenheit folgen operative Serviceziele wie Reaktionszeit des Helpdesks < 1 Stunde.
Service Level Agreements definieren: Auf taktischer Ebene werden SLAs ausgearbeitet und vereinbart. Dies umfasst die Festlegung der Leistungskataloge, Qualitätsniveaus, KPIs und Eskalationsverfahren für jeden Servicebereich.
Key Performance Indicators (KPIs) festlegen: Auswahl geeigneter KPIs zur Messung der Servicequalität und -effektivität in Abstimmung mit den SLA-Vorgaben. Taktische Ebene stellt sicher, dass KPIs sinnvoll und erreichbar sind und zu den strategischen Zielen passen.
Management von Projekten, Prozessen und Verträgen: Taktische FM-Manager steuern FM-Projekte (z. B. Umzüge, Renovierungen), optimieren Prozesse (z. B. Störungsmanagement) und managen Vertragsbeziehungen mit Dienstleistern im Detail (inkl. Leistungsüberwachung, Vertragsänderungen, Verlängerungen).
Führung der FM-Teams: Einsatzplanung und Leitung des internen FM-Personals sowie Koordination der eingesetzten Dienstleister-Teams. Sicherstellen, dass alle Beteiligten ihre Rollen kennen und effizient zusammenarbeiten.
Ressourcen optimieren: Taktisches FM überwacht den Ressourceneinsatz (Budget, Personal, Flächen, Ausrüstung) und passt diesen an wechselnde Bedarfe an, um Effizienz zu gewährleisten.
Anpassung an Veränderungen: Mittelfristige Änderungen (z. B. neue gesetzliche Vorgaben, organisatorische Umstrukturierungen, Standorterweiterungen) werden vom taktischen FM erfasst und in den FM-Planungen berücksichtigt. Die Ebene berichtet Änderungen und Status an das strategische Management.
Kommunikation auf taktischer Ebene: Austausch mit internen Bereichen und externen Serviceanbietern zu taktischen Themen. Regelmeetings mit Vertragspartnern, Abstimmung von Planungen, Besprechung von Leistungsthemen fallen in diese Ebene.
Die operative FM-Ebene ist für die tagtägliche Umsetzung der FM-Services verantwortlich. Ziel ist es, den Endnutzern (Mitarbeiter, Mieter, Besucher etc.) kontinuierlich die vereinbarte Umgebung und Servicequalität bereitzustellen. Zu den Kernaufgaben
Servicebereitstellung gemäß SLA: Tägliche Erbringung aller FM-Leistungen nach den festgelegten Leistungsinhalten und Qualitätsstandards. Die operativen Teams stellen sicher, dass Menge, Qualität und Reaktionszeiten den SLA-Vorgaben entsprechen (z. B. Gebäudereinigung nach definiertem Turnus, Technik-Wartung nach Plan).
Überwachung der Serviceprozesse: Kontinuierliches Monitoring der Leistungserbringung – z. B. Kontrollrundgänge, Checklisten abarbeiten, Prüfen von Messwerten (Temperatur, Lux-Werte etc. bei technischen Services), um Abweichungen frühzeitig zu erkennen.
Überwachung der Dienstleister: Falls externe Anbieter eingesetzt werden, prüft die operative Ebene laufend deren Arbeitsausführung. Dazu gehört z. B. Qualitätskontrolle von Reinigungsleistungen, Kontrolle der Anwesenheitszeiten des Sicherheitsdienstes, Abgleich von Soll-Ist-Leistungen etc.
Entgegennahme von Serviceanforderungen: Betrieb von Meldestellen wie Helpdesk, Störmeldeverfahren oder Ticketsystem. Hier laufen Nutzeranforderungen oder Störungsmeldungen ein, die dann priorisiert und zur Bearbeitung weitergeleitet werden.
Nutzerkommunikation und -betreuung: Direkter Ansprechpartner für die Nutzer vor Ort sein, z. B. Hausmeisterservice, Empfangsdienst, Helpdesk-Mitarbeiter, die Anliegen aufnehmen und für deren Erledigung sorgen.
Datenerfassung für Performance und Feedback: Sammeln von Betriebsdaten zur Leistung (Verbrauchsdaten, Störungsstatistiken, Wartungsberichte) sowie Einholen von Endnutzer-Feedback (z. B. Zufriedenheitsbefragungen). Diese Informationen fließen ins Performance Measurement und in kontinuierliche Verbesserungen ein.
Reporting an die taktische Ebene: Regelmäßige Berichterstattung über den operativen Betrieb, z. B. Wochenberichte über SLA-Erfüllung, besondere Vorkommnisse, erreichte KPI-Werte, damit das taktische Management den Überblick behält.
Kommunikation auf operativer Ebene: Austausch mit den entsprechenden Ansprechpartnern beim Dienstleister bzw. beim Auftraggeber im Tagesgeschäft (z. B. Einsatzpläne abstimmen, Rückfragen klären). So wird sichergestellt, dass die Zusammenarbeit reibungslos verläuft.
Hinweis:
Die operative FM-Ebene zeichnet sich durch Detailarbeit und Reaktionsfähigkeit aus. Hier sind oft Mitarbeiter vor Ort tätig (Hausmeister, Techniker, Servicekräfte), die schnell auf Bedürfnisse reagieren müssen. Ein wesentliches Kriterium ist, dass die operative Ebene die vereinbarten Prozesse (z. B. Meldewege, Eskalationen) einhält und dokumentiert, um Transparenz und Nachvollziehbarkeit gegenüber der taktischen Ebene zu gewährleisten.
Insgesamt müssen die drei Ebenen nahtlos ineinandergreifen. Die strategische Ebene setzt den Rahmen, die taktische Ebene steuert und passt an, die operative Ebene führt aus und liefert Feedback. Diese Durchgängigkeit ist ein zentrales Prinzip des FM-Managements nach ISO 41012.
Überblick über die Prozessschritte:
Bedarfe und Erwartungen ermitteln: Analyse der aktuellen Situation und zukünftigen Anforderungen der Bedarfsorganisation.
Bedarfe in Anforderungen übersetzen: Ableiten konkreter Leistungsanforderungen aus den identifizierten Bedürfnissen.
Service-Level festlegen: Definition der Qualitäts- und Leistungsniveaus für die benötigten Services.
Bereitstellungsoptionen identifizieren: Ermittlung der möglichen Modelle zur Leistungserbringung (intern, extern, Mischformen).
Business Case entwickeln und analysieren: Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, Risikobewertungen und strategische Analysen für die verschiedenen Sourcing-Optionen.
Bevorzugte Option auswählen: Entscheidung für eine Sourcing-/Bereitstellungsstrategie basierend auf den vorhergehenden Analysen.
FM-Vereinbarung vorbereiten und entwickeln: Erstellung des Vertrages bzw. der Vereinbarung mit detaillierten Bedingungen, ggf. Ausschreibung und Vergabeprozesse.
Unterzeichnung und Implementierung: Vertragsabschluss und anschließende Umsetzung der Vereinbarung (Mobilisierung, Übergangsphase, Betriebsphase).
Leistungserbringung messen: Kontinuierliches Performance Monitoring und Management der FM-Leistungen im laufenden Betrieb.
Der Beschaffungsprozess umfasst alle Phasen von der Bedarfsermittlung bis zur Leistungsmessung, wie oben skizziert. Wichtige Merkmale:
Die Schritte bauen logisch aufeinander auf. Eine klare Bedarfsanalyse (5.2) ist die Voraussetzung, um Anforderungen (5.3) formulieren zu können. Diese wiederum bilden die Grundlage für Service Levels (5.4) etc. Überspringen von Schritten würde die Qualität der nachfolgenden Entscheidungen gefährden.
Schleifen/Feedback: Der Prozess ist nicht strikt linear; Erkenntnisse aus späteren Schritten (z. B. die Performance-Messung) können Rückwirkungen auf frühere Phasen haben (z. B. Anpassung der Anforderungen oder SLAs bei Neuverhandlungen). Ein guter FM-Beschaffungsprozess ist daher dynamisch und lernfähig.
Strategische Verankerung: Der Prozess beginnt bewusst auf strategischer Ebene (Analyse der Geschäftsbedarfe) und endet im operativen Controlling. Damit wird ein Bogen von der Strategie zur Ausführung gespannt – gemäß dem Grundsatz der Norm, FM von oben nach unten zu denken.
In diesem ersten Schritt wird die Grundlage gelegt, indem die Bedarfe der Organisation hinsichtlich FM-Leistungen systematisch erhoben und analysiert werden. Ziel ist es, ein klares Verständnis der Status-quo-Situation und der erwarteten Entwicklunge
Ist-Analyse der bestehenden FM-Leistungen: Erfassung der aktuellen Services, vorhandener Verträge, interner Zuständigkeiten und Leistungsniveaus. Wichtige Fragen: Welche Leistungen werden derzeit erbracht? Mit welchem Personal/Aufwand? Welche Qualitätsstandards gelten? Welche Kosten fallen an?
Organisationsstruktur und Fähigkeiten: Verständnis der internen Aufbau- und Ablauforganisation im FM. Wer ist wofür verantwortlich? Wie sind Entscheidungswege (zentral vs. dezentral)? Gibt es vorhandene Kompetenzen oder Lücken in bestimmten FM-Fachgebieten (z. B. fehlen Energiemanagement-Experten)?
Service Delivery Modelle: Analyse, wie die Leistungen aktuell erbracht werden – intern, extern oder gemischt. Bewertung bestehender Sourcing-Modelle: Was funktioniert gut, wo gibt es Probleme? (z. B. ist die interne Hausmeisterei ausgelastet? Liefert der externe Caterer die gewünschte Qualität?).
Derzeitige Leistungsmessung: Welche KPIs oder Messgrößen werden aktuell verfolgt? Liegen Berichte oder Kennzahlen zur FM-Performance vor (Nutzerzufriedenheit, Ausfallzeiten, Budgetabweichungen)? Diese geben Hinweise auf Optimierungsbedarf.
Parallel zur Ist-Analyse der FM-Funktion sollten Schlüsselinformationen aus dem Kerngeschäft erhoben werden, da diese den FM-Bedarf maßgeblich prägen. Wichtige Aspekte sind u. a.:
Primärprozesse, Mission und Vision: Was sind die Haupttätigkeiten des Unternehmens, dessen Mission und Leitbild? (z. B. Fertigung von Produkten, Kundenservice-Zentrum, Forschungslabor). FM muss diese Kernaufgaben kennen, um passende Services bereitzustellen.
Strategische Ziele des Kerngeschäfts: Kurz- und langfristige Ausrichtung der Organisation. Wachstum geplant? Neue Märkte oder Produkte? Digitalisierungsvorhaben? – Solche Strategien beeinflussen den Flächenbedarf, technische Infrastruktur und Kompetenzanforderungen im FM.
Standorte und Immobilienportfolio: Geografische Verteilung der Standorte, Art und Größe der Gebäude, Raumaufteilung. Ein weit verzweigtes Filialnetz erfordert bspw. andere FM-Konzepte (dezentrales FM) als ein einzelner Campus.
Organisationskultur und Governance: Zentral gesteuert oder autonom? Konservativ oder innovativ? – Dies wirkt sich auf den Umgang mit externen Partnern und auf Flexibilität in Servicebereitstellung aus.
Markenimage und Identität: Welche Anforderungen stellen Unternehmensimage oder Corporate Design an Facilities? (z. B. repräsentative Empfangsbereiche, nachhaltige Gebäude als Imagefaktor).
Produkt-/Dienstleistungsportfolio und Auslieferung: Was produziert/leistet das Unternehmen und wie? (z. B. 24/7-Produktion vs. Büroarbeitszeiten). Hieraus ergeben sich FM-Anforderungen wie Schichtbetrieb im technischen Service oder besondere Reinraum-Bedingungen.
Nachhaltigkeits- und CSR-Vorgaben: Unternehmensziele zu Umwelt und Gesellschaft (z. B. CO₂-Neutralität, Inklusion) müssen vom FM unterstützt werden, etwa durch Energiemanagement, Barrierefreiheit, nachhaltige Beschaffungsketten.
Sicherheits- und Risikofaktoren: Gibt es hochsicherheitsrelevante Bereiche (z. B. Labor mit Gefahrstoffen, Rechenzentrum) oder betriebliche Risiken (Produktionsstillstand)? Solche Aspekte beeinflussen z. B. die Notwendigkeit redundanter Systeme, Spezial-Know-how im FM oder strengere Service-Level (sofortige Reaktion im Störfall).
Stakeholder-Anforderungen: Neben den internen Nutzern können Kunden, Aufsichtsbehörden oder Muttergesellschaft Anforderungen ans FM stellen (z. B. Compliance-Berichte, Audits). Diese gilt es zu erfassen.
Informationsmanagement: Welche Systeme und Daten nutzt das Unternehmen für Planung und Steuerung? Etwa vorhandene CAFM-Systeme, IoT-Daten, BIM-Modelle, die für die FM-Bedarfsanalyse verfügbar sind.
Aktuelle und zukünftige Bedarfe und Erwartungen ermitteln
Weiterhin sollte die aktuelle Zufriedenheit und Erwartungshaltung der Nutzer erhoben werden. Dazu dienen z. B. Interviews, Workshops oder Umfragen mit Mitarbeitern, um Schwachstellen der bestehenden Services aufzudecken (z. B. „Kantine hat zu kurze Öffnungszeiten“ oder „Reinigungsqualität unzureichend“) sowie Bedürfnisse für die Zukunft zu ermitteln (z. B. Wunsch nach flexiblen Workspace-Services, Fahrradstellplätzen, etc.).
Ebenfalls essenziell ist die Prüfung gesetzlicher Anforderungen (Arbeitsstättenrichtlinien, Technische Regeln, Betreiberpflichten) – diese müssen in jedem Fall erfüllt werden und bilden einen Mindestleistungsumfang. Beispiel: Für ein Bürogebäude müssen gemäß ArbStättV regelmäßige Lüftungsanlagen-Prüfungen und Fluchtwegsicherungen vorgenommen werden; solche Pflichten fließen automatisch in den FM-Bedarf ein.
Ergebnis dieses Schritts sollte ein klar dokumentierter Anforderungskatalog bzw. ein Bedarfsbericht sein, der die ultimativen Ziele und Bedürfnisse festhält, bevor konkrete Sourcing-Aktivitäten starten. Es gilt: Nur wenn die Organisationsbedürfnisse eindeutig beschrieben sind, kann das FM-Sourcing zielgerichtet erfolgen.
Zusätzlich wird empfohlen, potenzielle Chancen und Risiken für die Zukunft zu identifizieren: Wie könnten sich Entscheidungen heute auf die künftige Service-Nachfrage auswirken? (z. B. Outsourcing jetzt könnte Know-how-Verlust bedeuten, der später Probleme macht; oder interne Beibehaltung könnte Innovationschancen verpassen). Ebenso: Welche Szenarien (Wachstum, Krise, Technologiewandel) sind denkbar und welche Konsequenzen haben sie auf FM-Bedarfe? Solche Überlegungen helfen, eine robuste Sourcing-Strategie zu entwickeln, die nicht nur den Status quo, sondern auch absehbare Entwicklungen berücksichtigt.
Die FM-Organisation sollte in dieser Phase eng mit der Geschäftsführung und den Fachbereichen zusammenarbeiten, um ein umfassendes Bild zu erhalten. Insbesondere gilt es, den Planungshorizont der Kernorganisation zu kennen: Z. B. wenn die Unternehmensstrategie einen 5-Jahresplan hat, muss FM ebenfalls in diesem Zeithorizont denken (z. B. keine 10-Jahres-Verträge abschließen, wenn nach 5 Jahren ein Umzug geplant ist). Änderungen in Kernstrategien (Produktionsumstellungen, neue Geschäftsmodelle) sind zu antizipieren und auf ihren Einfluss auf Flächenbedarf, Technik, Personal zu bewerten.
Zusammengefasst liefert Schritt 5.2 einen detaillierten Überblick über den Soll- und Ist-Zustand der FM-Services aus Sicht der Nachfrageorganisation. Diese Bedarfsanalyse ist die unverzichtbare Basis, um im nächsten Schritt konkrete Anforderungen und Leistungsbeschreibungen zu formulieren.
Bedarfe in Anforderungen übersetzen
Nach dem Verständnis der Bedürfnisse des Kerngeschäfts geht es nun darum, diese in konkrete FM-Leistungsanforderungen zu überführen. Es wird beschrieben, wie aus einem identifizierten Bedarf eindeutige Anforderungen und Spezifikationen für Facility Services abgeleitet werden.
Der Übergang von Need zu Requirement bedeutet, Erfüllungskriterien festzulegen und diese mit passenden FM-Leistungen oder Produkten zu verknüpfen. Anders ausgedrückt: Für jeden festgestellten Bedarf sollte definiert werden, woran man die Befriedigung dieses Bedarfs misst und welche FM-Leistung dies leistet.
Vorgehen zur Anforderungsableitung:
Jeden Bedarf einzeln betrachten: Für jedes identifizierte Bedürfnis (aus 5.2) sollte gefragt werden: „Wie würde Erfolg aussehen, wenn dieser Bedarf erfüllt ist?“ – daraus leitet sich ein Kriterium ab (z. B. Bedarf: Reduktion der Energiekosten -> Erfolg: 10% geringerer Energieverbrauch nächstes Jahr -> Anforderungen: Implementierung Energiemanagement inkl. Sensortechnik, monatliches Monitoring, Optimierung).
Spezifische Kriterien zuordnen: Jedem Bedarf werden mess- oder beobachtbare Kriterien zugeordnet (Qualität, Zeit, Menge etc.), an denen man später erkennt, ob die Anforderung erfüllt wurde. Im obigen Beispiel: „max. Stromverbrauch 100 kWh/m²*a“ wäre ein mögliches Kriterium.
Passende FM-Leistung bestimmen: Identifizieren, welche Art von FM-Service oder Maßnahme diese Kriterien erfüllen kann. Mögliche Lösungen können mehrere Alternativen umfassen (z. B. interner Energiemanager einstellen vs. externen Energiespar-Contractor beauftragen). In dieser Phase werden noch Optionen offengehalten, aber es kristallisiert sich heraus, welche FM-Leistungen grundsätzlich gebraucht werden.
Detailanforderungen formulieren: Für jede benötigte FM-Leistung wird eine Leistungsbeschreibung in Grobform erstellt – was soll gemacht werden, mit welchem Ziel. Daraus entstehen später Pflichtenhefte oder Leistungsverzeichnisse. Wichtig: Bereits jetzt überlegen, wie neue Anforderungen ggf. neue Kompetenzen erfordern könnten. Wenn etwa ein neuer Bedarf „IT-Helpdesk für Gebäudeleittechnik“ auftaucht, muss geprüft werden, ob man dafür Know-how zukauft. Solche Ressourcen sollten frühzeitig in den Prozess eingebunden werden (z. B. IT-Abteilung oder externer Spezialist), um vollständige Anforderungen zu schreiben.
Hinweis:
Am Ende von Schritt 5.3 sollte für den gesamten vorgesehenen Leistungsumfang eine vorläufige Leistungsbeschreibung bzw. Anforderungsliste vorliegen. Diese dient als Grundlage für die Definition der Service-Levels (Qualitätsniveaus) im nächsten Schritt. Man kann sagen: Hier wird geklärt „Was“ geleistet werden muss; die Frage „Wie gut / wie viel“ folgt unter 5.4. Zudem kann die Auflistung der Anforderungen später in die Ausschreibungsunterlagen bzw. den Vertrag (z. B. als Leistungsverzeichnis oder Statement of Work) einfließen. Die klare Spezifikation der Anforderungen erleichtert es den potenziellen FM-Dienstleistern, Angebote abzugeben, und bildet einen Maßstab für die Vertragserfüllung.
Service Levels festlegen
Nachdem feststeht, welche Leistungen benötigt werden, legt die Bedarfsorganisation das gewünschte Leistungsniveau für jede dieser Leistungen fest. Dieses Kapitel 5.4 befasst sich mit der Definition der Service Level – also den qualitativen und quantitativen Parametern, die eine Leistungserbringung erfüllen muss, um als erfolgreich zu gelten.
Service Level beschreibt im FM-Kontext konkrete Leistungsparameter wie z. B.: Reaktionszeiten, Häufigkeiten, Verfügbarkeiten, Qualitätsgrade oder andere messbare Kriterien. Die Festlegung der Service Level ist entscheidend, um Erwartungen zu präzisieren und die spätere Leistung messbar zu machen.
Vorgehen in dieser Phase:
Pro Leistungsanforderung mindestens ein Service Level definieren: Für jede in 5.3 definierte Anforderung wird überlegt, wie die Erfüllung in der Praxis gemessen/überwacht werden kann und welches Level angestrebt wird. Beispiel: Anforderung „Gebäudereinigung Büros“ -> Service Level könnten sein: Reinigungsfrequenz 5x pro Woche, Reinigungsqualität gemäß Güteklasse A nach DIN GS GL (Beispielnorm), zufriedene Nutzer > 90 % laut Umfrage.
Leistungsindikatoren und Grenzwerte festlegen: Wo möglich, sollten KPI oder klare Kenngrößen herangezogen werden. Z. B. Reparaturannahme innerhalb von 30 Minuten, Störungsbehebung innerhalb von 4 Stunden, max. 5 Beschwerden pro Monat. Dabei sind realistische, aber ambitionierte Werte zu wählen, die aus Erfahrung oder Benchmarks abgeleitet werden können.
Unterschiedliche Service Level Kategorien berücksichtigen: Manche Services können gestuft vereinbart werden (z. B. Bronze/Silber/Gold-Level). Die Organisation sollte bestimmen, welches Niveau ihrem Bedarf entspricht. Im Vertragsanhang kann dann eine Beschreibung je Level erfolgen. Falls ein Servicekatalog mit wählbaren Qualitätsstufen existiert, kann dieses genutzt werden (einige Unternehmen haben interne Service-Kataloge definiert).
Endnutzer-Erwartungen einbeziehen: Service Level sollten so gewählt werden, dass sie den Bedürfnissen der Nutzer gerecht werden.
Normen und Branchenstandards prüfen: Für bestimmte Leistungen gibt es etablierte Qualitätsstandards (z. B. DIN-Normen für Reinigungsklassen, VDI-Richtwerte für Raumluftqualität). Solche Standards kann man als Service Level anführen, um die Messbarkeit sicherzustellen
Regulatorische Mindestanforderungen einhalten: Manche Service Level sind durch Vorschriften vorgegeben, z. B. Prüfung von Brandschutzeinrichtungen mindestens jährlich. Diese müssen mindestens eingehalten werden – meist ist es sinnvoll, genau diese Frequenz als Service Level zu definieren, damit Compliance gesichert ist.
Flexibilität vs. Verlässlichkeit: Die Organisation muss abwägen, wo sie starre Service Level (mit Pönalen bei Unterschreitung) festlegt und wo flexible Regelungen sinnvoll sind. Für kritische Leistungen (Sicherheit, IT) wählt man strengere Service Level; für weniger kritische (Gartenpflege) evtl. flexibel nach Bedarf.
Hinweis:
In den FM-Verträgen werden diese Service Level später oft als Teil der SLA-Dokumentation festgehalten. Wichtig an dieser Stelle ist, dass die Weichen richtig gestellt werden: Zu hohe Anforderungen treiben Kosten unnötig, zu niedrige gefährden die Zufriedenheit. Daher kann eine Business Impact Analyse helfen: Welcher Schaden entstünde, wenn Service X schlechter wäre? Entsprechend sollte das Level gewählt werden.
Ergebnis von 5.4 ist ein Satz von SLA-Vorgaben oder Leistungskennwerten für jeden Service. Diese bilden zusammen mit den Anforderungen das Leistungsversprechen, welches man intern oder extern erfüllen will. Es empfiehlt sich, diese Service Level in einer übersichtlichen Tabelle je Service festzuhalten (Leistungsparameter, Messgröße, Zielwert, Toleranzen). Diese Tabelle fließt später in das Vertragsdokument (z. B. als Service Level Agreement je Leistungsbereich).
Interne Leistungserbringung:
Die Bedarfsorganisation stellt die Services mit eigenem Personal und eigenen Mitteln bereit (Inhouse-Lösung). Dies kann die Schaffung einer dedizierten FM-Abteilung oder Nutzung vorhandener interner Ressourcen bedeuten.
Externe Leistungserbringung (Outsourcing): Abschluss eines Vertrags mit einem oder mehreren externen FM-Dienstleistern, die die Services übernehmen. Hier gibt es Unteroptionen:
Einzelleistungsvergabe: Jeder Service an einen spezialisierten Anbieter (z. B. Reinigung an Firma A, Catering an Firma B).
Bündelvergabe (Integrated FM): Viele oder alle Services an einen Komplettanbieter, der als Generalunternehmer fungiert.
Mehrdienstleistermodell: Kombination, z. B. Soft Services extern, Hard Services intern.
Kernfrage: Intern erbringen oder extern beziehen? – und wenn extern: In welcher Form? Zu den gängigen Bereitstellungsoptionen gehören:
Gemeinschaftsmodelle: z. B. Public-Private Partnership (PPP) oder andere Kooperationsmodelle, bei denen ein externer Partner über einen langen Zeitraum Facilities bereitstellt (oft inkl. Finanzierung/Investition).
Leasing-/Mietmodelle: Hier werden nicht Services, sondern Ergebnisse gemietet. Z. B. Energiespar-Contracting: ein Anbieter garantiert Einsparung, übernimmt dafür Betrieb der Anlagen. Oder Flächen-„Servitization“: man mietet eine vollbewirtschaftete Fläche (Space-as-a-Service).
Outtasking: Sonderform, bei der nur einzelne Aufgaben/Pakete extern vergeben werden, oft kurzfristig oder projektbezogen (z. B. einmaliges Projektmanagement für eine Sanierung), während laufende Services intern erfolgen.
In 5.5 werden alle theoretisch möglichen Optionen aufgelistet und für den konkreten Anwendungsfall bewertet. Dazu gehört:
Machbarkeit: Kann die Organisation die Leistung intern stemmen (Personal, Know-how, Kapazität)? Gibt es geeignete Anbieter am Markt?
Kosten: Abschätzung der Kosten jeder Option (direkte und indirekte). Interne Kosten (Personal, Overhead) vs. externe Angebote (Marktpreise). Berücksichtigung von Transaktionskosten (z. B. Ausschreibungsaufwand, Vertragsmanagement) und Steuereffekten (Vorsteuerabzug etc.).
Qualität und Kontrolle: Inhouse bietet oft mehr direkte Kontrolle, Outsourcing evtl. höhere Spezialisierung. Abwägen, wo die Prioritäten liegen.
Flexibilität: Externe Verträge können starr (Vertragslaufzeit) oder flexibel (variable SLAs) sein, interne Strukturen evtl. schwerer anzupassen (Kündigungsschutz etc.). Je nach benötigter Flexibilität (z. B. bei unsicherer zukünftiger Auslastung) Option wählen.
Risiko: Verfügbarkeitsrisiken (bei Ausfall des Dienstleisters vs. Ausfall eigener Leute), Know-how-Abhängigkeit, Konventionalstrafen oder Haftungsrisiken etc. sind je nach Modell unterschiedlich.
Kernkompetenz-Betrachtung: Ist die FM-Leistung strategisch wichtig für die Organisation? Falls ja, tendiert man zu interner Hoheit bzw. sehr enger Partnerschaft. Falls nein, kann man es eher dem Markt überlassen.
Marktsituation: Falls z. B. der Markt für einen Service sehr ausgereift ist (viele Anbieter, Standardservice, economies of scale), spricht viel für Outsourcing. Wenn der Service sehr spezifisch für die Organisation ist, eher intern.
Hinweis:
Hier geht es zunächst darum, die Optionen überhaupt zu erkennen (Brainstorming aller möglichen Sourcing-Wege). Im Business Case erfolgt dann die tiefergehende Analyse der vielversprechendsten Optionen.
Wichtig: Keine Option vorschnell ausschließen. Selbst wenn bisher alles intern gemacht wurde, sollte man Outsourcing zumindest durchdenken (und vice versa). Die ISO 41012 fördert einen offenen Vergleich, um den optimalen Weg herauszufinden. In der öffentlichen Verwaltung in Deutschland kann z. B. eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung nach den geltenden Verwaltungsrichtlinien (z. B. § 7 BHO) vorgeschrieben sein, bevor ausgelagert wird – das deckt sich mit dem hier beschriebenen Vorgehen.
Das Ergebnis von 5.5 ist eine Liste der möglichen Sourcing-Modelle für die zuvor definierten Leistungen, idealerweise mit einer ersten Bewertung, welche Varianten realistisch und attraktiv erscheinen.
Entwicklung und Analyse eines Business Case
Dieser Abschnitt ist besonders umfangreich, da er die wirtschaftliche und strategische Bewertung der identifizierten Sourcing-Optionen umfasst. Ein Business Case ist hier die Gesamtdarstellung von Kosten, Nutzen, Risiken und strategischen Implikationen einer bestimmten Option. Es gliedert sich in mehrere Unterpunkte
Allgemeines
In der allgemeinen Beschreibung wird festgehalten, dass die ökonomischen und Mehrwert-Aspekte stets im Zusammenhang mit dem gewünschten Service-Level betrachtet werden sollen. D.h. die Business Case-Analyse berücksichtigt: Was kostet Option A und welchen Nutzen (Qualität, Performance) bringt sie im Vergleich zu Option B?
Wichtig ist eine klare Ausrichtung der Services an den Anforderungen der Bedarfsorganisation sowie daran, wie die Option zur strategischen Intent der Organisation passt. Hier fließen qualitative Betrachtungen ein, z. B. „Ermöglicht diese Sourcing-Option eine bessere Fokussierung auf Kernziele?“ oder „Wie unterstützt sie die Wettbewerbsfähigkeit der Organisation?“.
Zentrale Aussagen, die ein Business Case liefern sollte:
Übereinstimmung der Services mit den Bedürfnissen und Zielen der Organisation (Alignment).
Beitrag der Option zur Erfüllung der strategischen Unternehmensziele (z. B. Wachstum, Effizienz).
Auswirkungen auf Leistungskennzahlen des Kerngeschäfts (z. B. wie beeinflusst ein besserer FM-Service die Produktionskennzahlen oder Kundenzufriedenheit?).
Beitrag zum Wettbewerbsvorteil der Organisation (z. B. moderner FM erhöht Attraktivität als Arbeitgeber, verbessert Image bei Kunden).
Durchgeführte Risikoanalyse der Option (worst-case-Szenarien, Ausfallsicherheit etc.).
Berechneter Return on Investment (ROI) bzw. Business Value der Services, sofern anwendbar, z. B. Kosteneinsparungen oder Leistungssteigerungen quantifiziert.
Hinweis:
Mit anderen Worten, der Business Case bringt Kosten und erwarteten Nutzen in Beziehung und gibt eine Empfehlung, ob die Option vorteilhaft ist oder nicht. Im FM-Bereich ist es oft schwierig, den „Nutzen“ in Euro zu beziffern (z. B. Nutzerzufriedenheit). Trotzdem sollte qualitativ und wenn möglich quantitativ dargelegt werden, warum eine Option gewählt werden soll.
In diesem Schritt erstellt man eine detaillierte wirtschaftliche Kalkulation für jede ernsthaft in Betracht gezogene Option. Bestandteile dieser Analyse:
Kostenstruktur ermitteln: Alle relevanten Kostenposten der Option über den Betrachtungszeitraum (z. B. 5 Jahre) erfassen. Dazu gehören direkte Kosten (Personalkosten, Material, Dienstleistergebühren) und indirekte (Verwaltung, Schulung, ggf. Abfindungen bei Outsourcing).
Investitionsbedarf: Falls die Option Investitionen erfordert (z. B. Anschaffung neuer Software oder Geräte für intern, oder Vertragsübernahmen beim Outsourcing), diese beziffern.
laufende vs. einmalige Kosten: Unterscheiden zwischen CAPEX und OPEX. Z. B. eine interne Lösung könnte hohe Anfangsinvestitionen (neue Maschinen) haben, während Outsourcing eher laufende Gebühren hat.
Vergleich interner Benchmark: Falls Option intern weiterführen vs. extern Outsourcing: Die Status-quo-Kosten intern (inkl. Overhead etc.) gegen das Angebot externer Anbieter stellen. Oft wird ein TCO-Vergleich (Total Cost of Ownership) gemacht.
Steuerliche Effekte: Externe Dienstleistungen enthalten Vorsteuer (die abziehbar ist), während interne Personalkosten brutto sind. Solche Effekte in DE berücksichtigen (Mehrwertsteuerbelastung vs. Vorsteuerabzug).
Schwankungen und Indexierung: Ggf. Prognose von Lohnsteigerungen oder Index-Klauseln in langfristigen Verträgen einkalkulieren.
Falls die FM-Beschaffung mit größeren Investitionen verbunden ist (z. B. Umbau von Gebäuden, Anschaffung von Geräten, Digitalisierung), muss eine Investitionsstrategie entwickelt werden. Diese klärt:
Eigen- oder Fremdfinanzierung: Soll die Organisation selbst investieren oder dem Dienstleister überlassen (Stichwort Betreiber-Modelle)? Bsp.: Bei PPP übernimmt privater Partner die Bauinvestition und refinanziert über Vertragslaufzeit; im Vergleich dazu Eigenbau mit Kredit.
Investitionszeitpunkt und -horizont: Wann sind Investitionen fällig und über welchen Zeitraum werden sie abgeschrieben? Passen diese zum Planungshorizont der Organisation? (nicht sinnvoll: 10-Jahres-Invest bei möglicher Standortaufgabe in 5 Jahren).
Risiko und Rendite von Investitionen: Bewertung, ob Investitionen sich lohnen. Z. B. Investition in Energieeffizienz (Kosten) vs. erwartete Einsparungen (Nutzen) berechnen.
Budgetverfügbarkeit: Ist Budget frei oder muss neu beantragt werden? In öffentlichen Organisationen evtl. mehrjährige Finanzplanung berücksichtigen.
Falls Dienstleister investiert: Vertragsklauseln festlegen, die z. B. Restwertregelungen definieren, falls vorzeitig gekündigt wird.
Kosten und Mehrwert abschätzen
Hier geht es darum, neben den Kosten auch den Mehrwert (Added Value) der FM-Leistung pro Option zu beziffern bzw. zu beschreiben. Mehrwert kann vieles umfassen: erhöhte Produktivität, höhere Mitarbeiterzufriedenheit, geringere Ausfallzeiten, besseres Image, Compliance-Sicherheit etc.
Man erstellt quasi eine Nutzen-Kosten-Rechnung: welchen Output liefert jeder investierte Euro? Beispiele:
Option A kostet zwar 10% mehr als Option B, liefert aber 20% bessere Nutzerzufriedenheit laut Umfrage.
Option C spart 100.000 € p.a., birgt aber das Risiko von Qualitätseinbußen, was wiederum zu Mehrkosten durch Kontrollaufwand führen kann.
Hinweis:
Hier können auch nicht-finanzielle Aspekte mit Gewichtungen bewertet werden (Scoring-Modell). Z. B. Option Outsourcing = +++ bei Flexibilität, – bei Kontrolle, Option intern = umgekehrt. Solche qualitativ bewerteten Mehrwerte sollten im Business Case erwähnt sein, auch wenn sie nicht direkt monetär sind.
Zusätzlich wird betrachtet, ob und wie die FM-Option zum Geschäftserfolg beiträgt (value proposition). Etwa: verbessert ein moderner FM-Service die Kernprozesse und somit Umsatz? Oder minimiert er Risiken und somit potentielle Verluste? Diese Überlegungen untermauern die Empfehlung.
Die Pricing-Strategy befasst sich vor allem mit externen Beschaffungen: Wie soll der Dienstleister bezahlt werden, welche Preismodelle sind sinnvoll? Mögliche Preismodelle:
Festpreisvertrag: Fixpreis pro Zeitraum für definierte Leistungen (gut planbar, aber wenig Flexibilität).
Einheitspreise/Regie: Abrechnung nach tatsächlichem Aufwand (Stundensätze, Stückpreise je Leistungseinheit). Bietet Flexibilität, aber Kosten können variieren.
Garantierter Maximalpreis (Cost Plus mit Cap): Dienstleister erhält Kostenerstattung plus Marge, aber es gibt eine Deckelung.
Performance-basierte Vergütung: Teil der Vergütung ist an das Erreichen von Zielen gekoppelt (Bonus-Malus-System). Z. B. Bonus für KPI > Ziel, Malus bei Unterschreitung.
Gainsharing: Einsparungen werden zwischen Auftraggeber und -nehmer geteilt (z. B. Energiekosteneinsparungen).
Hinweis:
Die Strategie muss zur Art der Leistung passen. Bei gut definierter Standardleistung bietet sich Festpreis an; bei sehr schwankendem Bedarf eher Einheitspreise. Für Innovation kann ein Anreizsystem sinnvoll sein.
In DE im öffentlichen Bereich ist zudem die Vergabeverordnung relevant, die z. B. keine übermäßigen Bonuszahlungen ohne Gegenleistung zulässt. Das sollte mit Juristen abgestimmt werden.
Jede Option wird einer gründlichen Risikoanalyse unterzogen. Mögliche Risiken:
Leistungsrisiko: Gefahr, dass der Dienstleister die Service Levels nicht erreicht, oder interne Abteilung es nicht schafft. Wie wahrscheinlich und welche?
Kostenrisiko: Unvorhergesehene Mehrkosten (Währungsschwankungen, Tarifsteigerungen, Preisgleitklauseln).
Vertragsrisiko: Bei Outsourcing Ausfall/Bankrott des Dienstleisters, Abhängigkeit von wenigen Lieferanten (Single Point of Failure).
Personalrisiko: Bei intern: Fachkräftemangel, Know-how-Abgang durch Rente etc.; bei extern: Wechsel des Key Personals beim Anbieter.
Rechtsrisiko: Z. B. fehlerhafte Ausschreibung, daraus resultierende Nachprüfungsverfahren; oder bei PPP: EU-Beihilferegeln beachten.
Übergangsrisiken: Wenn man wechselt (insourcing <-> outsourcing), Risiken beim Übergang (Betriebsübergang, Datenmigration, etc.).
Dieses Unterkapitel betont, dass FM-Vereinbarungen unterschiedlich tief gehen können – je nachdem, ob strategische und/oder taktische Aufgaben mit ausgelagert werden. ISO 41012 unterscheidet im Wesentlichen drei Arten von FM-Verträgen entsprechend de
a) Umfassende FM-Verträge (strategisch + taktisch + operativ): Der Dienstleister übernimmt neben der operativen Serviceerbringung auch einen Teil der strategischen FM-Planung und des taktischen Managements. Er definiert also mit die FM-Strategie im Rahmen der Vorgaben der Primärorganisation, führt taktische Steuerungsaufgaben aus (Reporting, Verbesserungsvorschläge) und erbringt natürlich operativ die Leistungen. Dies kommt einer FM-Totalübertragung gleich – oft in Form von Facility Management-Gesamtvertrag oder Outsourcing der gesamten FM-Abteilung (inkl. Mitarbeiterübernahme).
b) Teilweises Outsourcing (taktisch + operativ): Der Dienstleister verantwortet taktische und operative FM-Aufgaben, aber die strategische Ausrichtung verbleibt beim Auftraggeber. Das heißt, der FM-Anbieter managt im Tagesgeschäft alle Services und Prozesse (inkl. SLA-Management, Berichtswesen), jedoch richtet er sich dabei strikt nach der vom Auftraggeber vorgegebenen FM-Strategie. Solche Modelle sieht man z. B. beim Integralen FM durch einen Generalunternehmer, wo der Anbieter mehrere Services integriert steuert, aber strategische Entscheidungen (z. B. welche Services überhaupt erbracht werden) vom Kunden kommen.
c) Reines Leistungsoutsourcing (nur operativ): Der Dienstleister erbringt lediglich klar definierte Services nach Weisung; alle taktischen Koordinationsfunktionen (z. B. zwischen verschiedenen Dienstleistern, internes Reporting) und strategische Aufgaben liegen beim Auftraggeber. Dies entspricht klassischen Einzelservice-Verträgen (z. B. nur Reinigungsvertrag), wo die Koordination mehrerer Gewerke und die Optimierungspotenziale vom Auftraggeber gemanagt werden.
Hinweis:
Die Analyse der Verantwortungsverteilung (a–c) hilft zu entscheiden, welche Art von Vertrag benötigt wird. Eine umfassende Auslagerung (a) bringt maximal Entlastung, erfordert aber großes Vertrauen und ein sehr sorgfältiges Vertragswerk, um strategische Zieltreue sicherzustellen. Modell c ist einfacher, erfordert aber intern mehr Steuerungsaufwand (man benötigt ggf. eigene FM-Koordinatoren, wenn viele Einzelverträge).
Die Norm empfiehlt, die Beziehungen der drei Ebenen zueinander genau zu analysieren, da dies Auswirkungen auf alle Vertragsklauseln hat. Beispielsweise: Wenn Strategie outgesourct wird, müssen Vertragsklauseln definieren, wie der Dienstleister in strategische Entscheidungen eingebunden wird. Wenn nur operativ outgesourct ist, muss im Vertrag klar sein, dass der Auftraggeber die taktische Regie behält.
Projektstrategie
Facility Management beinhaltet nicht nur laufende Services, sondern mitunter auch Projektaufgaben (Umbauten, Umzüge, Renovierungen, neue Gebäudeausstattung). Es behandelt die Strategie für Projekte im FM-Kontext.
Die Kernfrage: Wie sollen Projekte beschafft werden – integriert in den FM-Vertrag oder separat? Die Strategie sollte als Teil der Gesamt-FM-Strategie durchdacht werden. Möglichkeiten:
Einzelprojekt-Vergabe: Jedes Projekt (z. B. Sanierung einer Etage) wird eigenständig ausgeschrieben und gemanagt, ggf. vom internen Bau-/Projektteam. Das FM kümmert sich nur um laufende Services.
Integration in FM-Vertrag: Der FM-Dienstleister übernimmt auch projektbezogene Leistungen. Beispielsweise könnte im FM-Vertrag stehen, dass der Dienstleister kleinere Umbauten bis Betrag X selbst durchführen darf oder bei größeren Projekten das Projektmanagement stellt. Dann müssen SLA-ähnliche Anforderungen für Projekte definiert sein (Qualität, Zeit, Kostenrahmen).
Hinweis:
Die Strategie wählt man je nach Häufigkeit und Bedeutung der Projekte. Ist die Organisation in einem stetigen Wandel mit vielen kleinen Umbauten (z. B. Retail-Kette, die Filialen umbaut), kann Integration effizient sein (der FM-Partner kennt die Gebäude und kann Projekte schneller umsetzen). Sind Projekte seltener, kann man sie fallweise ausschreiben.
Wichtig: Wenn man Projekte integrativ vergibt, muss das im Leistungsbild und Vertrag exakt umrissen werden. Schnittstellen zwischen laufendem Servicebetrieb und Projektarbeit sollten klar geregelt sein (z. B. wer priorisiert, falls Projekte temporär Serviceunterbrechungen erfordern).
Business Case für Service-Optionen erstellen
Nachdem alle obigen Analysen erfolgt sind, wird für jede verbleibende Sourcing-Option ein vollumfänglicher Business Case ausgearbeitet. Das bedeutet: Die finanziellen Kalkulationen, Nutzenabwägungen, Risiken etc. werden zu einer schlüssigen Entscheidungsvorlage verdichtet. Oft wird am Ende des Business Case ein Favorit deutlich, der den größten Mehrwert bietet.
Es ist wichtig, im Business Case transparent und nachvollziehbar darzustellen, welche Annahmen getroffen wurden. Der Business Case sollte eine klare Aussage darüber treffen, warum die empfohlene Option die beste ist. Diese Empfehlung basiert idealerw
quantitativen Ergebnissen (Kostenersparnis von X €, ROI von Y %, Payback in Z Jahren), und
qualitativen Vorteilen (z. B. bessere Servicequalität, weniger Risiken, bessere strategische Passung).
Hinweis:
Eine gute Visualisierung (z. B. Tabellen, Grafiken) hilft, das Top-Management zu überzeugen. Die Norm verweist darauf, dass ein Beispiel für einen Business Case in Anhang B gegeben wird. Dort ist ein Musterinhalt für einen Business Case aufgeführt, das als Vorlage dienen kann. Es enthält u. a. Executive Summary, Optionenvergleich, finanzielle Analyse, Stakeholder-Impact etc. – alle diese Elemente sollten in einem professionellen FM-Business-Case enthalten sein, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu liefern.
Bevorzugte Sourcing-/Bereitstellungsoption auswählen
In diesem Schritt wird die zuvor entwickelte Empfehlung umgesetzt: Die präferierte Option zur Leistungserbringung wird ausgewählt und der Weg für die Umsetzung geebnet. Clause 5.7 beschreibt, wie die Entscheidung finalisiert und vorbereitet werden soll.
Vorgehen bei der Auswahl:
Informationsbasis sicherstellen: Sämtliche relevanten Daten und Schlussfolgerungen aus den Schritten 5.2 bis 5.6 müssen vorliegen und verständlich aufbereitet sein. Insbesondere der Business Case (Kosten/Nutzen) ist entscheidungsleitend.
Stakeholder-Konsultation: Vor der endgültigen Entscheidung sollten alle wichtigen Stakeholder einbezogen werden. Dazu zählen Top-Management, Fachabteilungen, HR (Personalübergang?), evtl. Betriebsrat (bei intern/extern Veränderungen), die Rechtsabteilung, Einkauf, IT (wenn Schnittstellen betroffen sind), evtl. Finanziers oder Budgetverantwortliche. Deren Feedback zu Implikationen ist wichtig: Haben wir Budget? Trägt HR die Maßnahme mit? etc.
Budget und Finanzierung bestätigen: Prüfen, ob die notwendigen Mittel verfügbar sind oder genehmigt werden können. Ohne gesichertes Budget keine Umsetzung. Falls externe Vergabe: ist im Budget eine Fremdvergabe vorgesehen? Falls intern: sind Kapazitäten da? Ggf. beantragen.
Entscheidungskriterien finalisieren: Falls noch Unklarheit besteht, kann eine Entscheidungsmatrix helfen, in der die Optionen anhand gewichteter Kriterien bewertet werden (z. B. Kosten 40%, Qualität 30%, Risiken 20%, strategische Passung 10%). Die Option mit dem besten Gesamtwert sollte gewählt werden. Oft hat der Business Case diese Arbeit aber schon geleistet.
Bevorzugte Lösung festlegen und dokumentieren: Formaler Beschluss (durch Management oder Gremium) für Option X. Diese Entscheidung sollte schriftlich festgehalten werden, inkl. Begründung.
Kommunikation der Entscheidung: Das Top-Management sollte über die getroffene Wahl informiert sein und deren Auswirkungen verstehen. Ggf. eine Entscheidungsvorlage / Präsentation vorlegen. Danach müssen auch betroffene interne Einheiten informiert werden (z. B. FM-Mitarbeiter, die wechseln sollen; Abteilungen, die neuen Service bekommen; bestehende Dienstleister im Falle von Wechsel).
Genehmigungen einholen: Notwendige Freigaben, Unterschriften oder Gremienzustimmungen beschaffen. In größeren Firmen vielleicht vom Vorstand, in öffentlichen vom Stadtrat etc., je nach Tragweite.
Folgenabschätzung: Sicherstellen, dass alle Konsequenzen bedacht sind und entsprechende Maßnahmen geplant werden. Beispielsweise: Wenn Outsourcing entschieden, Plan für Personaltransfer erarbeiten (Sozialplan?); wenn neue IT nötig, Zeit für Implementierung einplanen; wenn interner Ausbau entschieden, Rekrutierungsplan aufstellen.
Schnittstellen klären: Bei neuen Lösungen muss geschaut werden, wie diese in bestehende Prozesse integriert werden. Z. B. wenn ein externer FM-Dienstleister kommt, wie interagiert er mit verbleibendem Personal? Sind Verantwortlichkeiten (wer macht was) glasklar verteilt? Diese Schnittstellen sollten vor Start der Umsetzung definiert und dokumentiert sein. ISO empfiehlt, sicherzustellen, dass die Zusammenarbeit zwischen interner Organisation und neuem Service Provider im Detail abgestimmt ist.
Hinweis:
Eine Checkliste kann helfen, nichts zu übersehen. ISO 41012 gibt hierzu einige Punkte an, z. B.: Konsultationen abgeschlossen, Budget bestätigt, Auswahlkriterien geprüft, Entscheid kommuniziert, Schnittstellen definiert.
Es sei auch angemerkt, dass Norm ISO 37500 (Outsourcing) allgemeine Prinzipien enthält, die auch fürs FM gelten können – z. B. zur Partnerschaftsgestaltung. Solche externen Hinweise können ergänzend berücksichtigt werden, um sicherzugehen, dass die Entscheidung und ihre Umsetzung nach Best Practice erfolgt.
Mit Abschluss von Schritt 5.7 steht fest, welche Sourcing-Variante umgesetzt wird. Damit endet die strategische Planungsphase und es beginnt die konkrete Ausgestaltung der FM-Vereinbarung und deren Umsetzung, die in den folgenden Kapiteln (6–10) behandelt wird.
Leistungserbringungsmodelle
Nach der Auswahl der bevorzugten Sourcing-Option beschreibt Clause 6 die Gestaltung der eigentlichen Leistungserbringung im FM, insbesondere die Unterschiede zwischen interner und externer Servicebereitstellung. Dies knüpft an die identifizierten Optionen an und konkretisiert diese im Umsetzungszusammenhang.
Zunächst werden in 6.1 die prinzipiellen Bereitstellungswege nochmals zusammengefasst:
Interne Leistungserbringung (In-house): Die FM-Services werden durch eine interne Organisationseinheit oder Abteilung der Bedarfsorganisation erbracht. Externe Beschaffung entfällt, außer ggf. für sehr spezielle Aufgaben. Die Norm betont, dass wenn das In-house-Modell gewählt wird, „externe Beschaffung generell nicht erforderlich ist“. Allerdings bleibt die Möglichkeit bestehen, dass einzelne Spezialleistungen dennoch extern vergeben werden (Outtasking), z. B. weil interne Fachkenntnis fehlt (Beispiel: spezielle Laborgerätewartung). Diese können nach denselben Methoden beschafft werden, wie sie für komplette Outsourcingmodelle gelten – nur eben in kleinerem Umfang. Wichtig bei intern: Die zuvor definierten Leistungsanforderungen müssen intern in detaillierte Arbeitsanweisungen umgesetzt werden.
Externe Leistungserbringung (Outsourcing): Hier schließt die Bedarfsorganisation eine formale Vereinbarung (Vertrag) mit einem oder mehreren externen Dienstleistern, welche die definierten FM-Leistungen liefern. Dazu gehören immer: ein Vertrag (rechtliche Vereinbarung über Pflichten, Preise etc.) sowie SLAs für die einzelnen Leistungen. Zusätzlich können noch methodische Dokumente gefordert sein, wie Methodenbeschreibungen (Method Statements) falls relevant. Das externe Modell bringt den Vorteil, dass man standardisierte Beschaffungsmethoden nutzen kann (Ausschreibungen, Anbieterwettbewerb) und über Verträge sehr klar die Leistungspflichten regelt.
Hinweis:
Bei internen Services werden ebenfalls Leistungsziele und SLA-ähnliche Absprachen getroffen, auch wenn kein rechtsgültiger Vertrag vorliegt. Die Norm schlägt vor, auch für interne Services Service Level Agreements zu erstellen, um klare Erwartungen zu formulieren. Intern dienen SLAs dann als Leistungsvereinbarung zwischen z. B. der internen FM-Abteilung und den Nutzerabteilungen. Diese SLAs können außerdem als Budgetierungsinstrument fungieren – d.h. das definierte Leistungsniveau bestimmt das interne FM-Budget (äquivalent zu einem „Preis“, den man intern dem Service zuordnet). So wird eine Vergleichbarkeit hergestellt: was extern ein Preis, ist intern ein Budgetposten, der dem SLA-Level entsprechen muss.
Zusammenfassend: Clause 6.1 macht deutlich, dass egal ob intern oder extern – die Spezifikation der Services in Form von detaillierten Leistungsbeschreibungen und Service Levels der erste Schritt zur Umsetzung ist. Diese Spezifikationen können eher vorschreibend (prescriptive) oder ergebnisorientiert (performance-based) formuliert sein. Im ersten Fall wird genau vorgeschrieben, wie etwas zu tun ist (z. B. „täglich feucht wischen“); im zweiten Fall nur das Ergebnis (z. B. „Boden stets sauber, keine Flecken >1 cm“). Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile und können auch kombiniert werden. Die Norm verweist darauf, dass Beispiele für die Übersetzung von Anforderungen in Spezifikationen in Anhang A gegeben sind.
In Clause 6.2 wird speziell auf das In-house-Modell eingegangen. Wenn die Organisation sich entschieden hat, die FM-Leistungen intern zu erbringen, sind folgende Punkte zentral:
Aufbau interner Leistungsvereinbarungen: Auch ohne externen Vertrag sollte es interne Vereinbarungsdokumente geben. Insbesondere SLAs spielen hier eine Rolle. Durch interne SLAs weiß die FM-Abteilung, welche Servicequalität erwartet wird, und die Nutzerbereiche haben Transparenz über die Leistungen. Diese SLAs sollten genauso sorgfältig formuliert sein wie externe, einschließlich KPIs, Reaktionszeiten, usw.
Kosten- und Budgettransparenz: Internes FM kann leicht als „Selbstkosten ohne Wettbewerb“ abgetan werden. Daher ist es ratsam, interne Verrechnungspreise oder wenigstens Kostentransparenz pro Service einzuführen. Manche Organisationen buchen intern FM-Kosten auf die Nutzerbereiche (Kostenstellenumlage nach Fläche/Köpfen etc.), sodass ein Quasi-Markt simuliert wird. So kann die Effizienz gemessen werden („Make or Buy“-Vergleich).
Organisatorische Einbindung: Die interne FM-Einheit sollte organisatorisch so positioniert sein, dass sie effektiv arbeiten kann (z. B. ausreichende Autorität, direkte Kommunikationswege zu Nutzern). Bei interner Leistungserbringung ist oft ein internes FM-Organisationshandbuch hilfreich, das Rollen, Verantwortlichkeiten und Prozesse (z. B. Störungsmeldung) beschreibt – analog zu einem Vertrag mit Leistungsbeschreibungen.
Personalqualifizierung: Sicherstellen, dass das interne Personal die notwendigen Qualifikationen hat, um die SLA-Niveaus einzuhalten. Ggf. Fortbildungen oder Neueinstellungen planen.
Ressourcenplanung: Anschaffung benötigter Ausrüstung, Aufbau von Reserven (z. B. Vertretungsregelungen). Intern muss eigenverantwortlich sichergestellt werden, dass genügend Kapazität vorhanden ist, weil kein externes Backup kurzfristig geholt werden kann (außer Notvergabe).
Benchmarking: Um die Qualität des internen FM zu bewerten, können externe Benchmarks (z. B. Kennzahlen aus der GEFMA-Benchmarking-Datenbank oder aus Normen wie DIN EN 15221-7 für Flächen-/Leistungsbenchmarking) herangezogen werden. So bleibt das interne FM an Marktniveau orientiert.
Clause 6.3 betrachtet die Aspekte, wenn die Leistung extern bezogen wird. Hier stehen im Vordergrund:
Vertrag und SLA als Kernelemente: Bei externem FM gibt es stets zwei zentrale Dokumente: den Rahmenvertrag (vereinbart rechtlich die Beziehung, Haftung, Preise, Laufzeit etc.) und die Service Level Agreements als Bestandteil oder Anlage, welche die inhaltlichen Leistungspflichten beschreiben. Beide müssen aufeinander abgestimmt sein (Vertrag sollte auf SLA verweisen und umgekehrt, z. B. Pönalen bei SLA-Verfehlung im Vertrag geregelt).
Method Statements: Falls gefordert, legt der Dienstleister in Methodenbeschreibungen dar, wie er die Leistungen erbringen wird. Dies ist häufig bei technischen Services (Wartungsprozeduren) oder sicherheitsrelevanten Abläufen (Notdienstkonzept) der Fall. Der Auftraggeber sollte entscheiden, ob solche Dokumente Teil des Vertrags sein sollen. Sie sind insbesondere sinnvoll, wenn ein Leistungsoutput schwer greifbar ist – dann beschreibt der Dienstleister zumindest den Leistungsprozess.
Übergang (Transition): Bei Vertragsbeginn einer externen Vergabe muss eine strukturierte Mobilisierungsphase erfolgen. Bereits im Vertrag sollte ein Implementierungsplan vereinbart werden: wann übernimmt der Dienstleister, welche Altverträge oder Mitarbeiter werden übernommen, welche Due Diligence wurde gemacht. Eine klare Regelung vermeidet Reibungsverluste beim Start.
Vertragsmanagement: Ein externer Vertrag benötigt ein aktives Management auf Seiten des Auftraggebers (Contract Manager als Ansprechpartner, regelmäßige Review-Meetings). Das Vertragsmanagement sollte im Vertrag geregelt sein (Kommunikationsstruktur, z. B. monatliches Meeting, Eskalationspfade).
Änderungsmanagement: Da externe Verträge oft mehrjährig sind, braucht es Mechanismen für Leistungsänderungen. Clause 8 und Annex C thematisieren Flexibilitätsklauseln (z. B. Volumenänderungen, Zusatzleistungen), die in den Vertrag eingebaut werden sollten.
Dokumentation und Berichtswesen: Der externe Partner muss regelmäßig Berichte liefern. Im Vertrag sollte festgehalten sein, welche Reports wann erwartet werden (z. B. monatlicher KPI-Report, quartalsweise Managementbericht). Auch Auditrechte und Zugangsrechte zu FM-Daten können vereinbart werden, damit der Auftraggeber Kontrolle behält.
Compliance bei extern: Der Auftraggeber muss sicherstellen, dass der Dienstleister alle gesetzlichen Pflichten erfüllt. Das beinhaltet z. B. Nachweise nach Mindestlohngesetz, Sicherheitsüberprüfungen von Personal, Einhaltung von Datenschutz (Auftragsverarbeitungsvertrag, falls relevant). Solche Punkte gehören ebenfalls in den Vertrag bzw. in Anhänge wie Sicherheitskonzepte.
Hinweis:
ISO 41012 verdeutlicht, dass bei externer Leistung zwar vieles formal geregelt wird, die Praxis aber zeigt: Der Erfolg hängt auch von der Partnerschaft ab. Der Vertrag gibt den Rahmen, aber eine kooperative Zusammenarbeit (z. B. gemeinsame Zielvereinbarungen, offener Informationsaustausch) fördert die Leistungserfüllung. Daher wird im Normtext empfohlen, Erwartungen und Kommunikation klar zu definieren, um Missverständnisse zu vermeiden.
Ob intern oder extern – in beiden Fällen ist nach Clause 6 sicherzustellen, dass aus den Anforderungen detaillierte Spezifikationen und Vereinbarungen entstanden sind, die nun in die Umsetzung gehen können. Die folgenden Kapitel beschäftigen sich daher mit den Vertragsmerkmalen, Entwicklung der Vereinbarung und dem Performance Management.
Hauptmerkmale von FM-Vereinbarungen
Dieser Abschnitt der Norm beschreibt, welche wesentlichen Elemente ein Facility-Management-Vertrag oder eine FM-Vereinbarung enthalten sollte, um wirksam und vollständig zu sein. Unabhängig davon, ob es sich um interne SLAs oder externe Verträge handelt, gibt es bestimmte Kernthemen, die geregelt sein müssen.
Allgemeines
Zunächst wird festgehalten, dass FM-Vereinbarungen vielseitig sein können – vom einfachen Einzelservice-Vertrag bis zum komplexen Total-FM-Vertrag. Dennoch gibt es gemeinsame Charakteristika: Jede Vereinbarung definiert Leistungen, Preise, Laufzeiten, Pflichten und Rechte der Parteien usw.
Eine gute FM-Vereinbarung zeichnet sich dadurch aus, dass Begriffe klar definiert, Rollen und Kommunikationswege festgelegt, und Leistungsinhalte transparent beschrieben sind. Ziel ist es, Missverständnisse auszuschließen und einen Rahmen zu schaffen, in dem beide Parteien effektiv zusammenarbeiten. Letztlich soll ein sauber strukturierter Vertrag Mehrwerte generieren, indem er reibungslose Abläufe ermöglicht und Konflikten vorbeugt.
Die Norm betont, dass ein FM-Vertrag mehr als nur rechtliche Pflichten enthält – er ist auch ein Managementwerkzeug. Durch klare Vereinbarungen (z. B. Berichtspflichten, KPIs) unterstützt der Vertrag das tägliche Facility Management und die langfristige Zusammenarbeit.
Der Vertrag sollte die Dauer der Vereinbarung klar benennen. Das umfasst:
Vertragsbeginn und -ende: Ab wann gelten die Pflichten (ggf. ab Unterzeichnung oder bestimmtem Startdatum)? Wann endet der Vertrag regulär?
Verlängerungsoptionen: Ist eine Verlängerung vorgesehen, automatisch oder durch Option? Z. B. „Der Vertrag hat eine Grundlaufzeit von 3 Jahren und verlängert sich um 1 Jahr, sofern nicht 6 Monate vor Ablauf gekündigt.“
Kündigungsfristen: Hierauf wird in 7.2.5 näher eingegangen, aber im Kontext Laufzeit wichtig: ordentliche Kündigungsfrist und evtl. vereinbarte Sonderkündigungsrechte (z. B. bei Budgetkürzungen in öffentl. Hand).
Viele FM-Dienstleister setzen für Teilbereiche Nachunternehmer ein (z. B. Spezialfirmen für Aufzugwartung unter dem Dach des Haupt-FM-Anbieters). Der Vertrag sollte Regeln zur Untervergabe enthalten:
Zulässigkeit: Darf der Anbieter Leistungen an Dritte weitervergeben? Wenn ja, an welche (z. B. nur mit Zustimmung des Auftraggebers)?
Verantwortlichkeit: Klarstellen, dass der Hauptauftragnehmer voll verantwortlich bleibt für Leistungen der Subunternehmer. Der Auftraggeber sollte im Problemfall den Hauptanbieter haftbar machen können, unabhängig von Sub-Beziehungen.
Transparenz: Forderung, dass eine Liste der Nachunternehmer vorzulegen ist und Änderungen mitzuteilen sind. Evtl. hat der Auftraggeber Vetorecht gegen bestimmte Subunternehmen (z. B. aus Sicherheitsgründen).
Vertragskonditionen weitergeben: Oft wird verlangt, dass kritische Vertragsklauseln (Geheimhaltung, Compliance, Qualitätsstandards) auch an Subunternehmer vertraglich weitergegeben werden.
Ein wesentlicher Bestandteil ist festzulegen, wer die Führung und Koordination innehat und wie die Kommunikation zwischen den Parteien abläuft. Elemente:
Ansprechpartner und Organigramm: Im Vertrag sollten beidseits zentrale Ansprechpartner benannt werden (z. B. Vertragsmanager, Objektleiter). Zudem kann ein Kommunikationsorganigramm beschrieben sein: welche Gremien (Jour Fixe, Lenkungsausschuss) es gibt, wer daran teilnimmt und welche Hierarchiestufen bei Eskalationen involviert werden.
Berichtswege: Wer berichtet an wen, in welcher Frequenz und Form. Z. B. „Dienstleister -> Quartalsbericht an FM-Leiter der Bedarfsorganisation; FM-Leiter -> jährlicher Leistungsbericht an Geschäftsführung.“
Entscheidungsbefugnisse: Falls der Dienstleister bestimmte Entscheidungen selbst treffen darf (z. B. bis Betrag X einkaufen, Personal disponieren), sollte das geregelt sein. Und umgekehrt: welche Entscheidungen der Auftraggeber vorbehalten hat (z. B. Anpassung Leistungsumfang nur nach Freigabe).
Wege der täglichen Kommunikation: z. B. Nutzung eines gemeinsamen CAFM/Ticketsystems oder festen Besprechungsrhythmus.
Struktur der Zusammenarbeit: In großen Verträgen evtl. gemeinsame Teams, Co-Location der Mitarbeiter etc. Das sollte erwähnt sein, wenn relevant.
Dieser Bestandteil verweist auf die vereinbarten Leistungsniveaus. In vielen Verträgen sind die SLAs als eigene Dokumente oder Anhänge integriert. Hierunter fallen:
Konkrete Leistungskataloge mit Qualitätskriterien: Für jede Leistung (Reinigung, Catering, etc.) gibt es eine Beschreibung, Frequenzen, Zeiten und Qualitätsmerkmale. Beispielsweise: „Reinigung Büroräume: 5x/Woche Müll leeren, 2x/Woche Staubsaugen, akzeptierte Mängelquote <5%.“
Mess- und Prüfverfahren: Angabe, wie die Einhaltung gemessen wird (Audits, Sensoren, Feedback).
Ziel- und Schwellenwerte für KPIs: z. B. Verfügbarkeit 99%, Kundenzufriedenheit ≥ 8/10.
Reaktions-/Lösungszeiten: z. B. „Störmeldung Kategorie A: Reaktion in 15 Min, Behebung in 2 Std.“
Eskalationsverfahren bei SLA-Verstößen: Wann wird was gemeldet und wer darf einschreiten.
Anreiz-/Sanktionsmechanismen: Oft mit SLA verknüpft: Bonus bei Übererfüllung, Malus bei Unterschreitung.
Hinweis:
Im Vertragstext sollte zumindest verankert sein, dass diese SLAs gelten, und wie sie angepasst werden können, falls nötig. ISO 41012 hat dem Thema SLA den gesamten Anhang D gewidmet, was zeigt, dass SLAs elementar für FM-Verträge sind. Ein gut durchdachter SLA-Teil stellt sicher, dass die Leistungsqualität vertraglich greifbar ist und nicht bloß subjektiv.
Neben der regulären Laufzeit müssen auch die Bedingungen für eine Beendigung des Vertrags festgelegt sein:
Ordentliche Kündigung: Wie erwähnt, i.d.R. zum Laufzeitende mit Frist.
Außerordentliche Kündigungsgründe: Unter welchen Umständen kann der Vertrag vorzeitig beendet werden? Typische Gründe: schwerwiegende Pflichtverletzung (z. B. wiederholtes SLA-Versagen, Sicherheitsverstöße), Insolvenz des Dienstleisters, Verlust notwendiger Zulassungen, höhere Gewalt die länger anhält. Diese Gründe sollten enumerativ aufgeführt werden.
Kündigungsprozedur: Schriftformerfordernis, an welche Adresse zu richten, ggf. Heilungsfristen (z. B. erst Abmahnung, dann Kündigung wenn nicht gebessert binnen 30 Tagen).
Leistungen bei/ nach Kündigung: Es ist sinnvoll zu regeln, wie im Kündigungsfall der Übergang erfolgen soll. Z. B. Verpflichtung des Dienstleisters, für 3 Monate noch weiterzuleisten bis Ersatz da ist (ggf. gegen Vergütung). Oder Herausgabepflichten für Dokumentation, Unterstützung beim Personaltransfer. Diese Exit-Regelungen sichern einen geordneten Ablauf.
Entschädigungen: Falls eine Partei kündigt, ohne dass ein Grund vorliegt (Vertragsbruch), was sind die Konsequenzen? Schadensersatzpflichten etc.
Vertragsstruktur und -inhalt
In diesem Abschnitt wird im Grunde auf das verwiesen, was in den Anhängen (insbesondere Anhang C und D) detailliert vorgeschlagen wird: Eine sinnvolle Strukturierung der Vertragsdokumente in allgemeine Klauseln und SLA-spezifische Klauseln.
ISO 41012 empfiehlt, Verträge zweigeteilt aufzubauen:
Allgemeine Vertragsklauseln: Diese gelten für das gesamte Vertragsverhältnis und sind geschäftsübergreifend (z. B. Definitionen, Haftung, Zahlungsbedingungen, Laufzeit etc.). Sie sollten in einem eigenen Abschnitt oder Dokument zusammengefasst werden.
Leistungsspezifische SLA-Klauseln: Für jede einzelne Serviceart gibt es einen separaten SLA-Anhang mit spezifischen Regelungen (z. B. wie genau Reinigung erfolgt, mit eigenem kleinen Klauselapparat, der aber auf die allgemeine Struktur referenziert)..
Hinweis:
Durch diese Aufteilung kann der Vertrag stabil und gleichzeitig flexibel sein. Die allgemeinen Bedingungen ändern sich selten und bilden den Rahmen. Die SLA-spezifischen Anhänge kann man leichter dynamisch anpassen, falls sich Serviceanforderungen ändern, ohne jedes Mal den ganzen Vertrag neu zu verhandeln.
Es wird ebenfalls angeregt, dass die Verknüpfung zwischen allgemeinen Klauseln und SLA-Klauseln klar sein muss. Daher nummeriert man oft die Klauseln durchgängig: Allgemeine Klauseln bekommen Nummern und die SLA-Klauseln verweisen auf die entsprechenden Nummern, wo sie Abweichungen oder Ergänzungen enthalten. So bildet allgemeiner Teil + SLA-Teil zusammen die vollständige Bedingung. Z. B. Allgemeiner Teil hat „Kündigungsbedingungen generell“ und im SLA-Teil mag „Preis und Zahlung“ speziell für jene Leistung etwas regeln.
Zusammengefasst liegt es nahe, den Vertrag mit einer klaren Gliederung auszustatten. Dies erhöht die Übersichtlichkeit, erleichtert das Finden von Regelungen und verhindert Doppelungen oder Widersprüche. Außerdem kann man so gewisse generische Klauseln standardisieren (z. B. hat die Organisation vielleicht einen Standardvertragskern für alle FM-Verträge, an den dann SLA-Module angedockt werden).
Im nächsten Abschnitt (Clause 8) geht es um einige übergreifende Aspekte, die in (fast) jedem FM-Vertrag bedacht werden sollten – unabhängig von der konkreten Struktur.
Flexibilität in Vereinbarungen bedeutet die Fähigkeit, auf Veränderungen im Bedarf oder Umfeld reagieren zu können, ohne die Vertragsbeziehung zu gefährden. Ein FM-Vertrag sollte Mechanismen vorsehen, um während seiner Laufzeit Anpassungen vorzunehme
Volumenänderungen: Etwa Anpassung der Leistungen bei Zu-/Abnahme von Flächen oder Mitarbeitern. Hierfür kann eine Preisanpassungsklausel vereinbart werden (z. B. Preis pro m² angeben, sodass Änderung der Fläche proportional wirkt).
Leistungserweiterungen oder -reduzierungen: Falls der Auftraggeber neue Leistungen hinzu buchen will (oder nicht mehr alle braucht), sollte das Verfahren definiert sein (z. B. Änderungsanzeige, Angebot vom Dienstleister, Zustimmung, Vertragsänderungsnachtrag).
Technologische oder regulatorische Veränderungen: Wenn neue Technologien (Smart Building etc.) eingeführt werden oder Gesetze neue Pflichten bringen, sollte der Vertrag offen formuliert sein, um solche Änderungen einzubeziehen. Etwa kann man festlegen: „Vertragsparteien wirken zusammen, um neue regulatorische Anforderungen in den Leistungsumfang aufzunehmen und die Vergütung entsprechend anzupassen.“
Benchmarking-Klausel: Manchmal wird vereinbart, dass nach X Jahren die Preise oder Leistungen anhand von Marktbenchmarks überprüft und ggf. neu verhandelt werden, um Flexibilität bei Marktänderungen zu ermöglichen.
Suspendierung/Anpassung bei Ausnahmesituationen: Z. B. Pandemien oder andere Ereignisse. Viele Verträge lernen aus COVID-19 und bauen z. B. Klauseln ein, wie Reinigungsleistungen hoch- oder runtergefahren werden und wie die Vergütung in solchen Fällen geregelt wird.
Hier geht es um die Kriterien zur Leistungsbewertung, insbesondere KPIs und Qualitätsmaßstäbe. Der Vertrag sollte klären, welche Kriterien herangezogen werden, um die Leistung des FM-Dienstleisters (oder der internen FM-Abteilung) zu beurteilen, und
Definition der KPIs: In Anlehnung an 7.2.4 (SLAs) werden hier nochmal die Wichtigkeit guter Leistungskennzahlen betont. Die Kriterien sollten das Erreichen der vereinbarten Service Levels überprüfen. Das können technische KPIs (z. B. Verfügbarkeit %), Prozess-KPIs (Reaktionszeit, Erledigungsquote) oder Ergebnis-KPIs (Nutzerzufriedenheit, Anzahl Beschwerden) sein.
Quellen und Methoden: Der Vertrag sollte zumindest im SLA-Teil angeben, woher die Daten kommen (z. B. aus dem CAFM-System, manuelle Zählung, Umfragen) und wer sie erhebt (Dienstleister liefert Rohdaten, Auftraggeber führt Audits durch etc.).
Zielwerte und Toleranzen: Für jedes Kriterium gilt ein Sollwert; was passiert, wenn das nicht erreicht wird? Hier Überschneidung mit 8.5 (Verbesserung) und 8.10 (ggf. Kündigung bei Nichterreichen über längere Zeit). Oft sind Pönalen/Bonus an die KPIs geknüpft, was hier evtl. erwähnt sein kann.
Überprüfung und Anpassung: Falls man merkt, ein KPI ist nicht aussagekräftig oder Ziele waren unrealistisch, sollte der Vertrag einen Prozess vorsehen, um in beider Einvernehmen KPI-Kriterien anzupassen (z. B. nach einem Jahr Review).
Hinweis:
In Deutschland existieren branchenspezifische Leistungskennzahlenkataloge (etwa GEFMA hat KPI-Empfehlungen; DIN EN 15341 liefert KPIs für Instandhaltung). Solche Standards kann man referenzieren, um anerkannte Kriterien zu nutzen. Wichtig ist Konsens: Beide Parteien müssen Leistung gleich interpretieren.
Dieser Abschnitt behandelt die Pflichten beider Seiten im Umgang mit Information und Dokumentation. Ein FM-Vertrag sollte regeln:
Datenbereitstellung durch Auftraggeber: Z. B. muss der Auftraggeber dem Dienstleister relevante Gebäudedaten, Pläne, Belegungszahlen etc. zur Verfügung stellen, damit der seine Leistung planen kann. In vielen Verträgen steht daher, welche Unterlagen bei Start übergeben werden (z. B. Wartungshistorie, Bestandsdokumentation).
Meldepflichten des Dienstleisters: Der Dienstleister muss bestimmte Ereignisse oder Änderungen dem Auftraggeber melden. Bsp.: Unfälle, Schäden sofort melden; Personalwechsel im Schlüsselpersonal anzeigen; geplante Downtimes ankündigen.
Dokumentationspflichten: Welche Dokumente muss der Dienstleister fortführen? Typisch: Wartungsdokumentation, Revisionsunterlagen, Prüfberichte, QM-Dokumente. Der Vertrag sollte festlegen, dass der Dienstleister diese ordnungsgemäß führt und ggf. auf Verlangen vorlegt oder regelmäßig übergibt.
Eigentum an Informationen: Wichtig bei Outsourcing: wem gehören die im Vertrag entstehenden Daten (z. B. CAFM-Datenbank)? Der Vertrag sollte klarstellen, dass der Auftraggeber Eigentümer aller im Rahmen der Leistungserbringung erstellten Dokumente und Daten ist, damit keine Abhängigkeit entsteht.
Vertraulichkeit: Beide Parteien müssen sensible Informationen vertraulich behandeln. Deshalb enthalten Verträge NDAs bzw. Geheimhaltungsklauseln. Im FM können z. B. Grundrisse sicherheitsrelevant sein, Personaldaten (Zutrittslisten) dem Datenschutz unterliegen, etc.
Hier wird konkretisiert, wie Berichtswesen und Prüfprozesse aussehen sollen:
Regelberichte: Vereinbarung, in welchen Abständen und in welchem Umfang der Dienstleister Bericht erstattet. Z. B. monatlicher Leistungsbericht mit KPI-Übersicht, Störungsstatistik und Maßnahmen; quartalsweise Management-Meeting mit Präsentation; jährliches Strategiegespräch mit Bericht über Innovationen.
Report-Inhalte: Der Vertrag oder SLA kann vorschreiben, welche Inhalte erwartet werden (z. B. Finanzreporting, Qualitätsreporting, Zusammenfassung von Zwischenfällen, Vorschläge zur Verbesserung).
Format: Evtl. gibt es vorgegebene Templates oder Nutzung eines gemeinsamen Portals.
Audits: Das Recht des Auftraggebers, Audits durchzuführen, sollte festgehalten werden. Audits können sich auf Qualitätsprüfungen beziehen (Leistungsaudit vor Ort), Prozessaudit (Check der Dienstleister-Prozesse) oder finanzielle Audits (Rechnungsprüfung). Typischer Wortlaut: „Der Auftraggeber ist berechtigt, nach vorheriger Ankündigung Audits bei dem Auftragnehmer oder dessen Nachunternehmern durchzuführen, um die Einhaltung der Vertragsbedingungen zu überprüfen.“
Mitwirkungspflicht bei Audits: Der Dienstleister muss bei Audits kooperieren, Zugang zu Unterlagen und Bereichen gewähren und ggf. Personal für Interviews bereitstellen.
Externe Zertifizierungen: Falls gefordert, kann der Dienstleister regelmäßige externe Prüfungen nachweisen (z. B. ISO 9001-Zertifizierung, Sicherheitsschulungen etc.).
Hinweis:
Ein gut geregeltes Reporting und Auditwesen schafft Transparenz und Vertrauen. Es erlaubt dem Auftraggeber, frühzeitig Probleme zu erkennen und gegenzusteuern. Gleichzeitig zeigt es dem Dienstleister, dass Leistungsschieflagen nicht unbemerkt bleiben – was Motivation sein kann, stets die Qualität zu halten.
FM-Verträge sollten nicht statisch nur die Basiserfüllung sichern, sondern idealerweise auch Anreize für Verbesserungen bieten. Clause 8.5 befasst sich mit der Frage, wie ein Vertrag Weiterentwicklung fördert:
Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP): Vereinbarung, dass der Dienstleister einen KVP implementiert. D.h. er sammelt Vorschläge zur Effizienzsteigerung, Qualitätsverbesserung etc. und berichtet z. B. im Jahresmeeting darüber. Einige Verträge schreiben eine gewisse Zahl Verbesserungsinitiativen pro Jahr vor oder setzen Anreize (Bonus bei nachweislich erzielter Einsparung durch Vorschlag).
Benchmarking und Best Practice Sharing: Verpflichtung des Dienstleisters, seine Leistung mit Branchenbenchmarks zu vergleichen und dem Auftraggeber ggf. Best Practices aus anderen Projekten zu empfehlen. Der FM-Anbieter, der viele Kunden hat, kann Trends erkennen (z. B. neue Reinigungstechnologie) und hier einbringen.
Innovation: Der Vertrag kann Klauseln enthalten, dass der Dienstleister proaktiv neue Technologien oder Methoden vorschlagen soll, die dem Auftraggeber Nutzen bringen (z. B. Sensorik für bedarfsgerechte Reinigung). Möglich ist auch ein Innovationsbudget: ein kleiner Teil des Budgets wird reserviert für Pilotprojekte oder Tests innovativer Lösungen.
Flexibilität für Pilotprojekte: Gestattet der Vertrag z. B., dass der Dienstleister mal für 3 Monate eine neue Vorgehensweise testet, ohne dass das gleich als SLA-Verletzung zählt, sofern im gegenseitigen Einvernehmen. So können beide Seiten Erfahrungen sammeln.
Gewinnbeteiligung bei Einsparungen: Wie erwähnt, kann Gainsharing genutzt werden: erzielt der Dienstleister durch Innovation Einsparungen (z. B. Energie), wird er prozentual beteiligt. Das motiviert zur ständigen Verbesserung.
Hinweis:
All diese Aspekte sollten in der Vereinbarung zumindest qualitativ vereinbart sein („der AN verpflichtet sich zu kontinuierlicher Verbesserung und wird dem AG Optimierungspotenziale aufzeigen...“). Es signalisiert eine Partnerschaft auf Augenhöhe, die nicht nur Pflichterfüllung, sondern auch Weiterentwicklung anstrebt.
Hier geht es um die Integration von Anlageninvestitionen und Projekten in den FM-Vertrag. Wie unter 5.6.8 besprochen, können FM-Verträge auch projektartige Leistungen umfassen. Clause 8.6 betont, dass der Vertrag regeln sollte:
Zuständigkeiten für Asset-Erneuerungen: Wenn z. B. Gebäudeausrüstung ans Ende ihrer Nutzungsdauer kommt, wer entscheidet und führt Ersatzinvestitionen durch? Bleibt das beim Eigentümer/AG oder hat der FM-Dienstleister Verpflichtungen? In manchen Total-FM-Verträgen übernimmt der Dienstleister auch Life-Cycle-Verantwortung – dann muss er z. B. eine Rücklage bilden für Ersatz. So etwas muss vertraglich fixiert sein.
Projekte innerhalb der Vertragslaufzeit: Falls größere Umbauten, Umzüge, Renovationen anstehen, wie werden diese abgewickelt? Ist der FM-Dienstleister automatisch der Projektmanager oder wird extra beauftragt? Und zu welchen Konditionen? Hier kann man vorausschauend bekannte Projekte im Vertrag erwähnen („2026 Umbau Empfang, Projektunterstützung durch AN gemäß Tagessatz...“).
Abgrenzung zum laufenden Betrieb: Wichtig: dass Projekte die laufenden Services nicht beeinträchtigen oder wie im Konfliktfall priorisiert wird. Z. B. kann man vereinbaren „laufender Betrieb geht vor Projektterminen, außer sicherheitsrelevante Projekte“.
Zusatzvergütung für Projekte: Meistens werden Projekte separat vergütet, außer es ist inklusiv vereinbart. Der Vertrag sollte offenlegen, ob der Dienstleister ein Vorkaufsrecht oder eine Verpflichtung hat, Projekte zu übernehmen und wie die Preisfindung geschieht (z. B. nach Aufwand laut Stundensätzen, oder separate Angebotslegung mit Marktabgleich).
Hinweis:
Gerade die Verknüpfung von langfristigem FM-Service und einmaligen Projekten birgt Konfliktpotenzial (Thema: Schreibt man ein Projekt extra aus oder gibt man es dem bestehenden Dienstleister?). Ein vorausschauender Vertrag schafft hier Klarheit und vermeidet damit Diskussionen während der Laufzeit.
Obwohl angesprochen, hebt die Norm nochmals hervor, wie wichtig klare Kommunikationsregelungen sind. Zusätzlich zu den formalen Berichten geht es hier um den alltäglichen Informationsfluss und die Kultur der Zusammenarbeit:
Kommunikationsmatrix: Wer kommuniziert mit wem bei welchen Themen? (z. B. operativ: Hausmeister mit Abteilungsleitern der Nutzer; taktisch: Objektleiter mit FM-Steuerer; strategisch: Geschäftsleitung mit Key Account des Dienstleisters). Solche Ebenen kann man definieren, damit Informationen zielgerichtet fließen.
Regelmeetings: Fest im Vertrag verankern: es findet z. B. wöchentlich ein Betriebsmeeting vor Ort statt, monatlich ein Qualitätsmeeting, halbjährlich ein Strategiemeeting. So wird Kommunikation institutionalisiert.
Eskalationsstufen: Was passiert, wenn auf einer Ebene ein Problem nicht gelöst wird? Dann muss eine Stufe höher informiert werden. Der Vertrag kann ein Eskalationsschema enthalten (z. B. „Nach 5 Arbeitstagen ungelöster Störung -> Meldung an Standortleiter; nach 10 Tagen -> an zentralen FM-Leiter“).
Dokumentation der Kommunikation: Wichtige Absprachen sollten schriftlich festgehalten werden (Meeting-Protokolle). Man kann vereinbaren, dass der Dienstleister Protokoll führt und innert 5 Tagen verteilt, Widerspruchsrecht 5 Tage etc., damit Klarheit herrscht.
Kultur: Zwar schwer in Vertragstext zu fassen, aber manche Vereinbarungen enthalten eine Präambel, in der eine „partnerschaftliche, offene Kommunikation“ gewünscht wird. Oder man nimmt weiche Faktoren in KPIs auf (z. B. Stakeholderzufriedenheit mit Kommunikation).
Hinweis:
Eine offene und effektive Kommunikation ist das Rückgrat einer guten FM-Partnerschaft. Der Vertrag schafft hier Rahmenbedingungen, aber das tägliche Verhalten muss natürlich gelebt werden. Dennoch: klare Regeln helfen, damit z. B. keine Info verlorengeht („das habe ich dem falschen Ansprechpartner gemailt, nie angekommen“).
Ein FM-Vertrag muss die Einhaltung aller geltenden Rechtsvorschriften sicherstellen. Clause 8.8 fordert, dass dies in Vereinbarungen berücksichtigt wird. Dazu zählen:
Gesetze und Verordnungen: Arbeitsschutzgesetze, Umweltauflagen, Bauordnungen, Brandschutzvorschriften, Betreiberpflichten (z. B. Trinkwasserverordnung, Aufzugsverordnung), je nach Leistungsumfang. Der Vertrag sollte festhalten, wer für die Erfüllung welcher Pflichten verantwortlich ist. Z. B. „Der Dienstleister übernimmt die Betreiberverantwortung für die von ihm betreuten Anlagen gemäß den gesetzlichen Vorgaben.“ Manchmal werden in Anlagen Listen relevanter Gesetze erstellt.
Genehmigungen und Erlaubnisse: Wenn gewisse Leistungen nur mit behördlichen Erlaubnissen ausgeführt werden dürfen (z. B. Sicherheitsdienste nach § 34a GewO, Elektrofachkräfte), muss der Dienstleister dafür sorgen und es vertraglich zusichern.
Änderungen im Recht: Klauseln können festlegen, dass bei neuen rechtlichen Anforderungen der Vertrag angepasst wird. Oft auf Kosten des Auftraggebers, wenn z. B. Leistungsumfang steigen muss, oder in Verhandlungen.
Branchenstandards und Normen: Wenn Organisation oder Dienstleister an bestimmte Standards gebunden sind (z. B. DIN-Normen, ISO 14001 Umweltmanagement), sollte der Vertrag deren Einhaltung fordern. Ggf. können Zertifikate verlangt werden.
Arbeitnehmerüberlassung/ Werkvertrag-Klarheit: In DE ein wichtiges Thema: FM-Verträge müssen so gestaltet sein, dass es rechtlich ein Werk- oder Dienstvertrag ist und keine verdeckte Arbeitnehmerüberlassung. Daher regeln Verträge oft: „Personal des AN unterliegt seinen Weisungen, nicht in die AO eingegliedert“ etc.
Hinweis:
Kurz: Compliance muss gewährleistet sein. Der Vertrag macht deutlich, wer die Verantwortung trägt und dass Verstöße Konsequenzen haben (Schadloshaltungsklauseln etc.). Für öffentliche Auftraggeber ist zudem zu prüfen, dass Vergaberecht eingehalten wurde (was aber vor Vertragsschluss liegt), und für Dienstleister, dass sie z. B. Tariftreue einhalten (in einigen Bundesländern vorgeschrieben).
Neben externen Vorschriften haben viele Auftraggeber eigene interne Standards oder Richtlinien, die vom Dienstleister befolgt werden müssen. Clause 8.9 weist darauf hin, diese Corporate Standards ver vertraglich zu verankern. Beispiele:
IT-Richtlinien: Der Dienstleister muss ggf. die IT-Security-Policies einhalten, insbesondere wenn er auf interne Netzwerke zugreift. (Regelung in Vertrag: AN hält AG-IT-Sicherheitsrichtlinie ein)
Zutritts- und Sicherheitsregeln: Etwa werksspezifische Zugangsregeln, Schulungen (z. B. alle Dienstleister-Mitarbeiter müssen Sicherheitsunterweisung absolvieren).
Qualitätsmanagement: Wenn das Unternehmen z. B. nach ISO 9001 zertifiziert ist, muss der Dienstleister ggf. einen Beitrag leisten (Dokumentation für Audits bereitstellen etc.).
Datenschutz und Geheimhaltung: Es können spezielle NDA-Vereinbarungen für den Dienstleister gelten, die strenger sind als das Gesetz, z. B. in Forschungszentren.
Nachhaltigkeitsvorgaben: Einige Unternehmen haben Policies (keine Verwendung bestimmter Chemikalien, CO₂-Reduktion), die dann auch vom FM-Partner berücksichtigt werden müssen.
Corporate Identity: Vielleicht Vorschriften über Auftreten in Firmenkleidung, Verhalten gegenüber Endkunden etc.
Hinweis:
Solche Anforderungen sollten dem Dienstleister früh mitgeteilt und im Vertrag fixiert sein. Oft werden sie als Anlage beigefügt. Der Dienstleister bestätigt dann, diese Richtlinien gelesen zu haben und zu befolgen. Manchmal wird auch ein Verstoß gegen solche Standards als Vertragsverletzung definiert.
Hier werden nochmal Aspekte der Vertragsbeendigung aus 7.2.5 aufgegriffen, mit Fokus auf Exit-Management. Eine Vereinbarung sollte nicht nur das „Ob“ der Kündigung regeln, sondern auch das „Wie“.
Exit-Plan: Für umfangreiche FM-Verträge wird teils schon im Vertrag ein grober Exit-Plan vereinbart. Z. B. „Bei Vertragsende wird der AN in den letzten 3 Monaten aktiv an der Übergabe mitwirken: relevante Dokumentation vollständig aktualisieren und übergeben, Schlüssel/Assets zurückgeben, Personalübernahmen unterstützen.“
Know-how-Transfer: Regelung, dass der aktuelle Dienstleister einen geordneten Wissenstransfer an den Auftraggeber oder einen Nachfolger durchführt (vielleicht Workshops oder Einarbeitung). So geht beim Wechsel nichts verloren.
Personalübergang: Wenn wahrscheinlich ist, dass Personal vom Dienstleister übernommen wird (TuPE/Betriebsübergang), sollte der Vertrag die Kooperation diesbezüglich festlegen (rechtzeitige Mitarbeiterinformation, Liste der Mitarbeiter etc.). In Deutschland ist das durch § 613a BGB geregelt, aber vertragliche Absprachen können den Prozess erleichtern (z. B. was passiert mit überlassenen Arbeitsmitteln der Mitarbeiter).
Offene Themen klären: Abrechnung letzter Monate, Retention von Kautionen, Erledigung von Restleistungen. Beispielsweise: Sicherstellen, dass offene Tickets oder begonnene Projekte sauber übergeben werden.
Weitergeltung von Klauseln: Manche Klauseln (Geheimhaltung, Wettbewerbsverbote, Garantieverpflichtungen) sollten über Vertragsende hinaus gelten. Der Vertrag kann definieren, welche Bestimmungen „surviven“.
Hinweis:
Ziel ist, dass keine Lücke entsteht, wenn der Vertrag endet. Für den Auftraggeber besonders kritisch, damit seine Betriebsfähigkeit erhalten bleibt. Daher lieber im Voraus die Modalitäten klären als im Trennungsstress.
Mit diesen allgemeinen Überlegungen stellt ISO 41012 sicher, dass ein FM-Vertrag ganzheitlich gedacht wird: Er muss flexibel, leistungsorientiert, kommunikativ, rechtskonform, zukunftsgerichtet und ausstiegsgewappnet sein.
Die konkreten Ausformulierungen dieser Aspekte werden meist in den Vertragsklauseln zu finden sein – was uns zu Clause 9 führt, wo es um die tatsächliche Erstellung und Umsetzung der Vereinbarung geht.
Vorbereitung und Entwicklung einer Vereinbarung
Clause 9 beschreibt die Phasen, in denen aus den bisherigen Analysen und Entscheidungen ein konkreter Vertrag bzw. eine Betriebsvereinbarung entsteht. Diese Phasen umfassen von der ersten Vorbereitung über Ausschreibung/Verhandlung bis zur Unterschrift und Implementierung.
Allgemeines
Allgemein wird betont, dass die Vertragsentwicklung ein strukturiertes Vorgehen erfordert. Es ist empfehlenswert, ein Projektteam zu bilden, das alle relevanten Abteilungen einbindet (FM-Fachleute, Einkauf, Recht, IT etc.), um die Vereinbarung auszuarbeiten. Außerdem sollte ausreichend Zeit für jede Phase eingeplant werden – überhastete Vertragsabschlüsse führen oft zu Fehlern.
In der Vorbereitungsphase wird die Grundlage für den eigentlichen Vergabe- oder Verhandlungsprozess gelegt:
Anforderungsdokumentation finalisieren: Die in Clause 5 erarbeiteten Anforderungen, Leistungsbeschreibungen und SLA-Entwürfe werden in eine saubere Form gebracht (Lastenheft/Pflichtenheft).
Markterkundung (optional): Bei externen Vergaben kann man informell den Markt sondieren (RFI – Request for Information), um mögliche Bieter und grobe Budgetindikationen zu bekommen. Im öffentlichen Sektor sind hier aber Grenzen zu beachten (Vergabetransparenz).
Entscheidung: Ausschreibung oder Verhandlung?: Öffentlich: meist Ausschreibung mit definierten Kriterien. Privat: evtl. freihändige Vergabe an bekannten Partner oder doch Wettbewerb zwischen mehreren Angeboten. Strategie festlegen.
Ausschreibungsunterlagen vorbereiten: Dazu gehören Anschreiben, Vertragsentwurf, Leistungsbeschreibung, Preisblatt, Bieterrückfragen-Formular, etc. Ebenso die Kriterien zur Auswertung der Angebote (Preis/Qualität-Schlüssel).
Interne Gremien abholen: Vor Start sollte intern geklärt sein: Budget freigegeben? Management hinter dem Vorgehen? Ggf. Vorstandsbeschluss zur Outsourcing-Absicht vorhanden?
In dieser Phase wird quasi das „Drehbuch“ für die Beschaffung geschrieben. Je gründlicher hier, desto reibungsloser die nächsten Schritte.
Falls man extern mehrere Anbieter in Erwägung zieht, kann eine Pre-Qualification sinnvoll sein (v. a. bei größeren Projekten oder PPP):
Teilnahmewettbewerb: Veröffentlichung einer Ausschreibung, in der erst einmal nur Eignungsnachweise abgefragt werden (z. B. Referenzen, Unternehmensgröße, Zertifikate).
Shortlist bilden: Aus allen Interessenten wählt man anhand objektiver Kriterien eine begrenzte Anzahl (z. B. 5) qualifizierter Bieter aus. Diese bekommen dann die vollständigen Unterlagen.
Hinweis:
Diese Phase dient dazu, ungeeignete Anbieter auszufiltern (z. B. kleine Firma, die Großprojekt nicht stemmen kann) und Aufwand zu reduzieren. Im privaten Sektor wird oft stattdessen gleich eine Handvoll bekannter Anbieter direkt angesprochen. Wichtig ist, die Auswahl fair und nachvollziehbar zu gestalten.
In dieser Phase (Tender/Negotiation) erfolgt die eigentliche Angebotserstellung und Vertragsverhandlung:
Ausschreibung versenden: Die qualifizierten oder eingeladenen Bieter erhalten die Unterlagen mit Aufforderung zur Angebotseinreichung. Es wird eine Frist gesetzt.
Bieterfragen beantworten: In einer definierten Frist können Bieter Rückfragen stellen. Antworten werden allen zugänglich gemacht (transparenter Prozess). So wird sichergestellt, dass jeder die Anforderungen richtig versteht.
Angebotsbewertung: Nach Frist prüft das Vergabeteam die Angebote auf formale Korrektheit, vergleicht Preise und qualitatives Konzept nach dem vorher festgelegten Bewertungsschema. Möglicherweise gibt es Bewertungssitzungen oder Matrixauswertungen.
Bietergespräche/Verhandlungen: Je nach Verfahren (im offenen Verfahren öffentlich eingeschränkt; im Verhandlungsverfahren üblich) werden mit einem oder mehreren Bietern Gespräche geführt. Man klärt offene Punkte, fordert ggf. Verbesserungen oder Präzisierungen. In der Privatwirtschaft werden oft mehrere Verhandlungsrunden gemacht, um bessere Konditionen zu erzielen oder Unklarheiten auszuräumen.
Best and Final Offer (BAFO): Möglicherweise fordert man nach Verhandlungen die finalen Angebote an.
Zuschlag/Entscheidung: Das beste Angebot wird ausgewählt. Im öffentlichen Bereich: offizielle Zuschlagserteilung nach vorgeschriebener Prozedur (inkl. Informationsschreiben an unterlegene Bieter, Stillhaltefrist etc.). Im privaten: Entscheidung und Absage an andere, meist formloser.
Vertragsdokument finalisieren: Während der Verhandlungen wird typischerweise der Vertragsentwurf weiterentwickelt. Bei Zuschlag sollte ein konsentierter Vertragsstand vorliegen, der nur noch formal aufgesetzt wird.
Nach Auswahl des Dienstleisters muss der endgültige Vertragstext fertiggestellt und zur Unterschrift gebracht werden. Arbeitsschritte:
Vertragsdokument zusammenstellen: Alle Teile (Hauptvertrag, Leistungsbeschreibung, SLA-Anhänge, Preisblätter, Pläne, etc.) in eine konsistente Fassung bringen. Dabei darauf achten, dass keine Widersprüche entstanden sind durch Änderungen in letzter Minute.
Juristische Prüfung (final): Der fertige Vertrag sollte nochmal von Rechtskundigen gecheckt werden (gerade, wenn während Verhandlung viel redlined wurde).
Internes Einverständnis: Auftraggeber-interne Unterschriftsberechtigte prüfen finale Version. Ggf. Vorstand oder Rechtsabteilung müssen letztes Okay geben.
Zustimmung des Auftragnehmers: Auch der Dienstleister wird den finalen Vertrag gegenlesen. Was idealerweise vorher ausgehandelt war, sollte nun feststehen. Beide einigen sich auf die letzte Fassung.
Druck und Unterschriftsbereitstellung: Vertrag wird in erforderlicher Anzahl ausgedruckt, Seiten initialisiert (je nach Policy), und an Unterschriftenrunden verteilt.
Hier erfolgt die formale Legalisierung der Vereinbarung:
Vertragsunterzeichnung: Die bevollmächtigten Vertreter beider Parteien unterzeichnen den Vertrag. Oft geschieht dies in einem Meeting oder nacheinander per Postumlauf. Wichtig ist, dass alle Exemplare rechtsgültig unterzeichnet sind (ggf. mit Unternehmensstempel, wenn gefordert).
Austausch der Originale: Jede Partei erhält ein unterschriebenes Original. Eventuell wird ein Exemplar für einen Treuhänder oder Behörde hinterlegt, falls nötig.
Dokumentation: Interne Ablage (Vertragsmanagement-System). Eventuell Erstellung einer Vertragszusammenfassung für die FM-Abteilung, damit diese weiß, was vereinbart ist. Kommunikation intern: alle Betroffenen informieren, dass der Vertrag jetzt gültig ist und ab wann was passiert.
Die Mobilisierung (Transition) bezeichnet die Anlaufphase, in der die Voraussetzungen geschaffen werden, damit der FM-Dienstleister voll leistungsfähig ist:
Übergabe bestehender Services: Der bisherige Leistungserbringer (internes Team oder alter Dienstleister) übergibt schrittweise an den neuen. Dazu gehören: Übernahme von Personal (falls vorgesehen), Inventar, laufende Vorgänge, Schlüssel und Zugänge, Dokumentationen.
Einrichtung vor Ort: Der Dienstleister richtet sein Büro/Team vor Ort ein, bringt Ausrüstung mit oder übernimmt vorhandene.
Einarbeitung: Kennenlernen der Örtlichkeiten, Liegenschaftsbegehungen, Vorstellung bei den Nutzerabteilungen.
Schulungen: Falls z. B. übernommene Mitarbeiter in neue Systeme eingearbeitet werden müssen oder spezifische Sicherheitsschulungen, findet das hier statt.
Mobilisierungs-Meetings: Regelmäßige Treffen zwischen Auftraggeber und neuem Team, um Fragen zu klären und eventuelle Anfangsprobleme sofort zu lösen.
Hochlauf gemäß Plan: Eventuell werden Leistungen stufenweise aktiviert (z. B. zuerst Reinigung, dann nach 1 Monat technisches FM, etc.), je nach Komplexität.
Hinweis:
Die Mobilisierungsphase hat oft einen definierten Zeitrahmen (z. B. 1–3 Monate) und ist im Vertrag eventuell als separate Phase mit Meilensteinen beschrieben (z. B. „Mobilisierung abgeschlossen, wenn: 100% der Objekte befahren, 90% der Altakten digitalisiert, ServiceDesk übernimmt Ticketsystem“).
Manche Verträge sehen eine kurze Übergangsphase vor, in der die Leistungserbringung geprüft und justiert wird, bevor man in den Regelbetrieb übergeht. Das könnte man als Validierungs- oder Stabilisierungsphase bezeichnen.
Intensives Monitoring: In den ersten Wochen/Monaten nach Start wird genau beobachtet, ob SLAs erreicht werden, ob die Mitarbeiterzahlen passen, ob die Prozesse funktionieren.
Feinjustierung: Kleinere Anpassungen werden vorgenommen, ohne gleich den Vertrag ändern zu müssen (z. B. Tourenpläne der Hausmeister optimieren, Reinigungszeitfenster anpassen, wenn sich herausstellt, es kollidiert mit Nutzern).
Abnahme der Anfangsleistung: Manche Verträge definieren, dass nach z. B. 3 Monaten ein formaler Review stattfindet, in dem der Auftraggeber bestätigt, dass die Implementierung erfolgreich war. Falls nicht, können hier noch Nachbesserungen eingefordert werden.
Finale Inventur/Basislinine: Ggf. wird nach der Validierungsphase ein finaler Bestand aufgenommen, der als neue Basis dient (z. B. alle Geräte erfasst, Wartungskalender erstellt).
Die operative Phase ist der Regelbetrieb über die restliche Vertragslaufzeit. Hier werden die FM-Services gemäß Vertrag und SLAs erbracht, überwacht und gesteuert. Inhalte:
Leistungserbringung im Tagesgeschäft: Alle vereinbarten Leistungen laufen in den festgelegten Intervallen. Der Dienstleister erbringt, der Auftraggeber überwacht (via Berichte, Meetings, Feedback).
Fortlaufendes Vertragsmanagement: Beide Seiten führen die im Vertrag vorgesehenen Managementaufgaben durch: SLA-Reviews, Budgetkontrollen, Anpassungen falls Change Requests auftreten.
Beziehungspflege: Regelkommunikation pflegen (Meetings, Eskalationen lösen, etc.).
Dokumentation: Laufende Pflege der Dokumentation (Wartungsnachweise, Berichte archivieren, etc.), um am Ende auch sauber übergeben zu können.
Performance Management: Periodische Bewertung der Dienstleisterleistung anhand der KPIs, ggf. Einleitung von Verbesserungsmaßnahmen. Wenn die Performance top ist, ggf. Bonus, wenn schlecht, Maßnahmen / Abmahnungen, etc.
Vertragsänderungen bei Bedarf: Sollten sich signifikante Änderungen ergeben (z. B. Erweiterung des Gebäudebestands), wird formal ein Vertragszusatz erstellt (Change Order).
Gegen Ende der Vertragslaufzeit oder wenn eine vorzeitige Kündigung ansteht, beginnt die Exit-Phase:
Übergabeplanung: Wie schon in 8.10 diskutiert, es wird ein konkreter Plan erstellt, wann was an wen übergeben wird. Der Nachfolge-Anbieter (oder interne Übernahme) wird ggf. eingebunden.
Durchführung des Auslaufs: Schrittweise Rücknahme von Tätigkeiten oder parallele Einarbeitung des Nachfolgers. Personalthemen klären (bleiben MA, wechseln sie zum neuen Anbieter, Wechsel in interne Positionen?).
Rückgabe von Eigentum: Schlüssel, Zugangskarten, Geräte des Auftraggebers, Fahrzeuge etc. müssen zurück. Ggf. Abrechnung offener Bestände (Verbrauchsmaterialien).
Abschlussberichte: Der Dienstleister liefert Abschlussdokumentation: letzte Wartungsprotokolle, Gesamtbericht über Zustand, etc.
Offene Abrechnungen erledigen: Finale Rechnung, Ausgleich eventueller Guthaben oder Schadensersatzforderungen, Bürgschaften freigeben.
Lessons Learned: Einige Organisationen führen nach Ende eine Auswertungsrunde durch: Was lief gut/schlecht? Diese Erkenntnisse fließen in zukünftige Ausschreibungen ein.
Hinweis:
Die Beendigungsphase ist erfolgreich, wenn der Geschäftsbetrieb nahtlos weiterläuft (entweder intern oder mit neuem Vertragspartner) und keine wichtigen Informationen oder Ressourcen verloren gegangen sind. Ein gut vertraglich geregeltes Exit-Management ist hier Gold wert.
Mit Abschluss der Phase 9 ist die Vereinbarung implementiert und im vollen Betrieb. Damit haben wir den Bogen von der Strategie (Clause 4) bis zur Umsetzung (Clause 9) gespannt. Der letzte Schritt, Clause 10, widmet sich nun noch dem Performance Management während des laufenden Betriebs.
Allgemeines
Grundsätzlich stellt die Norm fest, dass die Messung der Leistungserbringung unerlässlich ist, um sicherzustellen, dass die FM-Vereinbarung ihren Zweck erfüllt. Performance Measurement gibt Aufschluss darüber, ob die festgelegten Ziele (Service Levels, Kosteneffizienz, Nutzerzufriedenheit etc.) erreicht werden und wo Steuerungsbedarf besteht.
Eine effektive Leistungsmessung umfasst:
Messgrößen festlegen: Wie schon beschrieben, müssen KPIs und andere Kennzahlen definiert sein.
Messverfahren etablieren: Es braucht Prozesse und ggf. Systeme (z. B. CAFM, Helpdesk-System), um die erforderlichen Daten zu erheben.
Rollen bestimmen: Wer misst und wertet aus? Oft liefert der Dienstleister Rohdaten (z. B. Ticket-Statistiken) und der Auftraggeber prüft/verifiziert stichprobenartig.
Regelkommunikation der Ergebnisse: Die gemessenen Leistungen werden regelmäßig in Berichten zusammengefasst und besprochen.
Effektivität im FM-Kontext bedeutet, inwiefern die erbrachten Services die beabsichtigten Ergebnisse für die Organisation unterstützen (also die richtigen Dinge tun). Die Norm empfiehlt, die Messung nicht nur auf Input (z. B. Arbeitsstunden) oder Out
Nutzerzufriedenheit: Ein zentraler Indikator der Effektivität. Regelmäßige User Surveys oder Feedback-Runden (z. B. jährlich) sind sinnvoll. Wenn 90% der Mitarbeiter mit den FM-Services zufrieden sind, ist das ein Zeichen für hohe Effektivität hinsichtlich Arbeitsplatzerlebnis.
Primärprozess-Kennzahlen: Man kann versuchen, Korrelationen zu ziehen zwischen FM-Leistung und Kernprozess-KPIs. Z. B.: Wie wirkt sich verbesserte Instandhaltung auf Produktionsausfälle aus? Reduzieren bessere Reinigungsintervalle die Krankheitsquote? Diese Zusammenhänge sind manchmal komplex, aber qualitativ kann man Bewertungen vornehmen.
Zielerreichungsgrad: Wurden die zu Beginn definierten strategischen FM-Ziele erreicht? (z. B. Kosteneinsparziel, Nachhaltigkeitsziel wie Müllreduzierung etc.). Die Messung erfolgt über entsprechende Kennzahlen (Kostenvergleich vorher-nachher, Recyclingquote etc.).
Benchmarking der Ergebnisse: Vergleich der Performance mit Branchendurchschnitt oder ähnlichen Standorten. Z. B. Energieverbrauch pro m² gegen Benchmarks – liegt man besser oder schlechter? Das zeigt Effektivität des Energiemanagements.
Nach der Messung muss es Konsequenzen und Output-Aktivitäten geben. Die Norm spricht hier die Nutzung der Messergebnisse an:
Reporting an Management: Die Resultate des Performance Measurements sollten ins Organisations-Management rückgekoppelt werden. Z. B. als Teil des Jahresberichts oder in Management-Meetings. So wird FM als Wertbeitrag transparent.
Vertragssteuerung: Schlechte Performance zeigt Handlungsbedarf. Je nach Vertrag folgen dann formelle Schritte: Abmahnungen bei SLA-Nichteinhaltung, Einbehalt von Vergütung (Malus) oder im Positivfall Bonuszahlungen.
Korrekturmaßnahmen: Messung ist Grundlage für KVP-Maßnahmen. Wenn ein KPI hinterherhinkt, fragt man nach Ursachen und leitet Verbesserungen ein (z. B. Personalaufstockung, Prozessänderung).
Strategieanpassungen: Sollte das Performance Monitoring zeigen, dass gewisse Leistungen nicht mehr so gebraucht werden oder neue Bedürfnisse entstehen, kann das höheres Management veranlassen, die FM-Strategie zu überdenken. Bsp.: Ständig Übererfüllung und viel Puffer -> evtl. Service-Level senken und Kosten sparen. Oder ständige SLA-Verletzung in einem unwichtigen Bereich -> evtl. Service-Level an realistischen Bedarf anpassen.
Dokumentation & Lessons Learned: Die Performance-Daten und Erfahrungen daraus sollten festgehalten werden. Das hilft bei einer nächsten Ausschreibung oder Vertragsverlängerung, realistische Anforderungen zu formulieren.
Erfolgskommunikation: Ggf. kann man positive Ergebnisse auch intern/extern vermarkten. Z. B. „Wir haben durch FM-Optimierung 15% Energie gespart = X €“ – das zeigt Wert von FM und motiviert Personal.
Letztlich schließt Clause 10 den Regelkreis:
Von den strategischen Zielen über die Umsetzung bis zum Monitoring – und aus dem Monitoring werden Verbesserungen und Anpassungen generiert, die wieder ins Management zurückfließen.
Damit endet der normative Teil der ISO 41012. Die Norm wird ergänzt durch informative Anhänge (A–D) mit Beispielen und Vertiefungen. Diese sind nicht verbindlich, aber sehr hilfreich zur Verdeutlichung der Anwendung der Norminhalte in der Praxis.
