GEFMA 984-1: ESG-Positionspapier “Nachhaltigkeit braucht gemeinsames Handeln!”
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GEFMA 984-1 ESG im Facility Management
GEFMA 984-1 beschreibt ESG als gemeinsames Handlungsfeld aller Akteure im Immobilien- und Facility Management. Das Positionspapier fördert ein einheitliches Verständnis von Nachhaltigkeit und betont die Zusammenarbeit entlang des gesamten Lebenszyklus von Immobilien. Facility Management übernimmt dabei eine zentrale Rolle als operativer Umsetzer von ESG-Strategien und sorgt für Transparenz, Datenbasis und wirksame Maßnahmen im Gebäudebetrieb.
ESG-Anforderungen und gemeinsame Verantwortlichkeiten für nachhaltiges Handeln im Facility Management
- Zweck, Charakter und Geltungsbereich von GEFMA 984-1
- Nachhaltigkeit als gemeinsame Verantwortung im Immobilienlebenszyklus
- ESG-Dimensionen im Kontext des Facility Managements
- Die Rolle des Facility Managements als ESG-Enabler
- Kooperation und „Schulterschluss“ der Marktteilnehmer
- ESG-Daten, Transparenz und operatives Reporting
- Einbindung in unternehmens- und portfolioweite ESG-Strategien
- Praktische Implikationen für FM-Organisationen
- Strategische Verortung von GEFMA 984-1 in der FM-Richtlinienlandschaft
- Fazit
Zweck des Positionspapiers - GEFMA 984-1 verfolgt folgende Ziele:
Etablierung eines gemeinsamen ESG-Verständnisses innerhalb der Immobilien- und FM-Branche.
Förderung organisationsübergreifender Kooperation statt isolierter Nachhaltigkeitsmaßnahmen.
Positionierung des Facility Managements als zentraler operativer ESG-Hebel.
Charakter des Dokuments
Strategisches Positionspapier mit empfehlendem Charakter (nicht normativ).
Enthält keine verbindlichen technischen Vorgaben oder Richtlinien.
Dient als Orientierungsrahmen, um FM- und Immobilienbetriebe an ESG auszurichten.
Anwendungsbereich
Gültig für alle Ebenen: Portfolio, Asset und einzelne Immobilie (Objekt).
Relevant für sämtliche FM-Organisationen – interne Abteilungen wie externe Dienstleister.
Adressiert Investoren, Eigentümer, Betreiber, Planer sowie Serviceanbieter, die in Planung, Bau und Betrieb von Immobilien involviert sind.
Lebenszyklus-Perspektive - Das Positionspapier verfolgt explizit einen Lebenszyklus-Ansatz und berücksichtigt alle Phasen der Immobilie:
Planung und Bau – Nachhaltigkeitsaspekte frühzeitig integrieren.
Betrieb und Nutzung – Effizienter, ressourcenschonender Gebäudebetrieb.
Instandhaltung, Sanierung und Umbau – Werterhalt und Verbesserung der Nachhaltigkeitsperformance im Bestand.
Rückbau und Wiederverwendung – Nachhaltige Nachnutzung sowie Recycling von Materialien.
Die Verantwortung für Nachhaltigkeit wird als geteilte Aufgabe aller Akteure gesehen. Die Ergebnisse hängen maßgeblich ab von:
Investoren und Eigentümern, die durch strategische Entscheidungen Rahmenbedingungen schaffen.
Facility Management und Betreibern, die Nachhaltigkeitsmaßnahmen operativ umsetzen.
Nutzern und Mietern, deren Verhalten und Anforderungen die Performance beeinflussen.
Ökologische Verantwortung (Environmental)
Energieeffizienz und Dekarbonisierung im Gebäudebetrieb (Reduktion von Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen).
Ressourceneffizienz bei Wasser, Materialien und Abfallmanagement.
Klimaanpassung und Resilienz auf Gebäudeebene (z. B. Schutz vor Extremwetterfolgen, vorsorgender baulicher Klimaschutz).
Das Facility Management wird hier als primärer Ausführer der Umweltmaßnahmen gesehen, da es die längste Phase des Immobilienlebenszyklus – den Betrieb – verantwortet. Durch professionelles FM können Energieeinsparungen realisiert, Emissionen gesenkt und ökologische Risiken proaktiv gemanagt werden.
Soziale Verantwortung (Social)
Gesundheit, Sicherheit und Wohlbefinden der Gebäudenutzer (z. B. Arbeits- und Gesundheitsschutz, Behaglichkeit).
Barrierefreiheit und Inklusion im Gebäudezugang und -betrieb.
Qualität der Innenraumumgebung (Raumklima, Luftqualität, Ergonomie).
Facility Management fungiert hierbei als Schnittstelle zwischen Gebäude und Mensch. Es sorgt dafür, dass soziale ESG-Ziele im täglichen Betrieb gelebt werden – etwa durch Sicherstellung von Komfort und Sicherheit am Arbeitsplatz, durch Nutzerzufriedenheit und durch die Einhaltung von Arbeitsschutzstandards.
Verantwortungsvolle Unternehmensführung (Governance)
Transparente Rollen und Pflichten aller Beteiligten (z. B. klare Betreiber- und Eigentümerverantwortlichkeiten).
Etablierte Entscheidungsprozesse und Zuständigkeiten für nachhaltigkeitsrelevante Themen.
Verlässliche Daten, Dokumentation und Reporting als Grundlage für Nachweisführung und Compliance.
Das Positionspapier positioniert das FM als datenliefernde und compliance-unterstützende Instanz innerhalb der ESG-Governance. Durch ein strukturiertes Dokumentationswesen (beispielsweise im Rahmen der Betreiberverantwortung) und durch Bereitstellung von Kennzahlen trägt FM zu guter Unternehmensführung und regelkonformer Betriebsführung bei.
FM als operativer ESG-Übersetzer
Facility Management wird in GEFMA 984-1 als Bindeglied dargestellt, das strategische ESG-Ziele in die operative Praxis übersetzt. Es verbindet die Vorgaben aus Nachhaltigkeitsstrategien mit den technischen Gebäudesystemen und den Alltagsprozessen vor Ort. Damit stellt FM sicher, dass abstrakte ESG-Vorgaben in konkrete Maßnahmen im Gebäudebetrieb umgesetzt werden – von der Anpassung der Anlagensteuerung bis zum nachhaltigen Verhalten der Service-Teams.
FM-Verantwortlichkeiten entlang der ESG-Ziele
Das Positionspapier konkretisiert die Beiträge des FM zu den einzelnen ESG-Dimensionen:
| ESG-Dimension | Beitrag des Facility Managements |
|---|---|
| Umwelt (E) | Energiemanagement, nachhaltige Instandhaltung, Monitoring von Verbräuchen |
| Soziales (S) | Nutzerkomfort, Sicherheit und Gesundheitsschutz, Qualität der Arbeitsumgebung |
| Governance (G) | Lückenlose Dokumentation, Unterstützung beim ESG-Reporting, Prozess-Transparenz |
Notwendigkeit gemeinsamen Handelns
Das Positionspapier ruft explizit zu einem „Schulterschluss“ – also einem Schultern-an-Schulter-Zusammenrücken – aller Beteiligten der Immobilienwirtschaft auf.
Gefordert wird eine enge Zusammenarbeit zwischen:
Investoren und Asset Managern (Kapitalgebern und Portfolioverantwortlichen),
Eigentümern und Betreibern der Immobilien,
FM-Organisationen und Dienstleistungspartnern,
sowie Behörden und Branchenverbänden.
Nur durch ein solches abgestimmtes Vorgehen lassen sich die anspruchsvollen ESG-Ziele sektorweit erreichen.
GEFMA 984-1 identifiziert Hindernisse, die einer ganzheitlichen Nachhaltigkeit entgegenstehen, etwa:
Silo-Strukturen in Verträgen, welche die Akteure separieren statt vereinen.
Widersprüchliche Anreizsysteme, die nachhaltiges Handeln nicht fördern.
Uneinheitliche Datenstandards, die einen effizienten Informationsaustausch behindern.
Überwindung der Fragmentierung
Um diese Zersplitterung zu überwinden, plädiert das Positionspapier für abgestimmte Zielvorgaben, gemeinsame Kennzahlen (KPIs) und kooperative Governance-Modelle. Alle Parteien sollen an einem Strang ziehen – mit klar definierten gemeinsamen Nachhaltigkeitsindikatoren und transparenten Verantwortungsstrukturen.
Bedeutung verlässlicher ESG-Daten
Das Positionspapier betont, dass ESG-Glaubwürdigkeit nur auf Basis belastbarer Daten aus dem Gebäudebetrieb entstehen kann. Verifizierbare Kennzahlen sind unerlässlich, um Fortschritte nachzuweisen und Greenwashing-Vorwürfen vorzubeugen. Facility-Management-Systeme (z. B. CAFM-Software) werden als Schlüssellieferanten von ESG-Daten hervorgehoben, da sie den laufenden Verbrauch, die Performance und die Compliance eines Gebäudes fortlaufend erfassen.
Facility Management unterstützt die ESG-Berichterstattung durch die Bereitstellung diverser operativer Daten und Nachweise:
Energie- und Verbrauchsdaten (z. B. Strom-, Wärme- und Wasserverbräuche, Emissionsfaktoren).
Wartungs-, Prüf- und Compliance-Dokumentationen (nachhaltige Instandhaltung, gesetzliche Prüfnachweise).
Nutzerbezogene Indikatoren (z. B. Flächenausnutzung, Ergebnisse von Zufriedenheitsbefragungen, Gesundheits- und Sicherheitskennzahlen).
Ausrichtung an Investorenvorgaben und Unternehmensrahmen
GEFMA 984-1 legt Wert darauf, dass FM-Aktivitäten mit übergeordneten Nachhaltigkeitszielen abgestimmt werden. Das Positionspapier betont die Kompatibilität mit den ESG-Strategien von Investoren und Unternehmen sowie mit Vorgaben auf Portfolioebene. FM-Maßnahmen sollen sich nahtlos in bestehende Nachhaltigkeitsprogramme einfügen und dazu beitragen, sowohl interne Zielsetzungen als auch externe regulatorische Anforderungen (z. B. aus der EU-Taxonomie oder nationalen Klimaschutzgesetzen) zu erfüllen.
FM als strategischer Partner
Facility Management wird als strategischer Partner in der ESG-Umsetzung positioniert – nicht als rein operativer Erfüllungsgehilfe. FM-Expertinnen und -Experten bringen praktisches Know-how zu Machbarkeit und Lebenszyklusbetrachtungen ein und beraten das Management hinsichtlich der operativen Konsequenzen von ESG-Vorgaben. Das Positionspapier unterstreicht, dass FM von Anfang an in die strategische ESG-Planung einbezogen werden sollte, um realistische Ziele zu setzen und die langfristigen Auswirkungen geplanter Maßnahmen auf Betrieb und Kosten transparent zu machen.
Organisatorische Veränderungen
ESG-Ziele in die Unternehmensführung und FM-Governance integrieren, sodass Nachhaltigkeit Teil der Leitlinien und Prozesse wird.
Spezifische Rollen und Qualifikationen für ESG im FM schaffen (z. B. Nachhaltigkeitsbeauftragte, ESG-Manager) und Mitarbeiter entsprechend schulen.
Dienstleistungs- und Leistungsbeschreibungen um Nachhaltigkeitskriterien erweitern, damit Ausschreibungen und Verträge ESG-Aspekte berücksichtigen.
Auch in der Zusammenarbeit mit Auftraggebern und Dienstleistern sollten Nachhaltigkeitsprinzipien verankert werden:
Abschluss ESG-orientierter FM-Verträge, die Nachhaltigkeitsziele und -kennzahlen vertraglich festschreiben.
Einführung von nachhaltigkeitsbezogenen Leistungskennzahlen (KPIs) zur Bewertung der FM-Performance, z. B. Energieeinsparziele oder Recyclingquoten.
Langfristige Partnerschaften statt kurzfristiger Kostenfokussierung, um gemeinsam in Nachhaltigkeit investieren zu können und langfristige Effekte zu erzielen.
Verhältnis zu anderen GEFMA-Richtlinien
GEFMA 984-1 ist kein isoliertes Dokument, sondern fügt sich als strategischer Überbau in die bestehende GEFMA-Richtlinienlandschaft ein. Es dient als normative Orientierungshilfe, welche die vorhandenen technischen, wirtschaftlichen und organisatorischen Richtlinien ergänzt und deren Inhalte um die Nachhaltigkeitsperspektive erweitert. Anders gesagt: Das Positionspapier bietet einen übergeordneten Rahmen, unter dem einzelne Fachrichtlinien (etwa zu Betrieb, Beschaffung oder IT im FM) im Sinne von ESG interpretiert werden können.
Rolle innerhalb der Branche
Mit diesem Positionspapier untermauert GEFMA seine Rolle als Vordenker für Nachhaltigkeit im Facility Management. Der Verband agiert als Impulsgeber und Moderator für den ESG-Diskurs in der Immobilienwirtschaft. Durch die Erarbeitung eines gemeinsamen Standpunkts fördert GEFMA den branchenweiten Dialog und die Vernetzung der verschiedenen Akteursgruppen in Sachen Nachhaltigkeit. GEFMA 984-1 wird damit zu einem Referenzpunkt für alle, die ESG in ihren FM-Strategien verankern wollen.
Fazit – ESG-Erfolg durch koordiniertes FM-zentriertes Handeln
Abschließend hält GEFMA 984-1 fest, dass die nachhaltige Transformation der Immobilienwirtschaft nur durch koordiniertes, interdisziplinäres Zusammenwirken aller Beteiligten gelingen kann. Das Facility Management übernimmt hierbei eine entscheidende operative und integrative Rolle. ESG wird nicht als isolierte Pflichtübung oder reines Compliance-Thema verstanden, sondern als geteilte strategische Verantwortung, die im täglichen Handeln des FM gelebt wird. Voraussetzung dafür sind Transparenz, Kooperation und gegenseitige Unterstützung aller Stakeholder. Nur wenn alle an einem Strang ziehen und FM als zentraler Enabler eingebunden ist, lassen sich die hochgesteckten Nachhaltigkeitsziele tatsächlich erreichen.
