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DIN EN 16646 Instandhaltung – Instandhaltung im Anlagenmanagement

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DIN EN 16646 Instandhaltung – Instandhaltung im Anlagenmanagement

DIN EN 16646: Instandhaltung im Anlagenmanagement als Brücke zwischen Asset-Management und Instandhaltungssteuerung im FM

DIN EN 16646 beschreibt, wie Instandhaltung systematisch in den Rahmen eines Physical Asset Management (Anlagenmanagement) eingebettet wird. Die Norm definiert einen allgemeinen Ansatz, der strategische Planung und Instandhaltungsmanagement verknüpft und dabei die Wechselwirkungen des Instandhaltungsprozesses mit allen weiteren Prozessen des Anlagenlebenszyklus aufzeigt. Sie verdeutlicht die Rolle und Bedeutung der Instandhaltung im Anlagenmanagement über den gesamten Lebenszyklus eines Objekts. So wird das Zusammenspiel von Organisationsstrategie, Asset-Management-System und operativer Instandhaltung strukturiert dargestellt. Für das Facility Management ist die Norm besonders relevant, weil sie klar vermittelt, wie Instandhaltungsmaßnahmen die Verfügbarkeit von Anlagen steuern und Risiken senken – etwa durch Wartbarkeit und Standardisierung in der Planung oder durch Feedback-Schleifen zur Modernisierung.

Organisierter Instandhaltungsprozess für technische Anlagen

Insgesamt ergibt sich ein systematischer Rahmen, der die FM-Governance in folgenden Bereichen unterstützt:

  • Zielableitung: Strategische FM-Vorgaben werden in konkrete Instandhaltungsziele übersetzt.

  • Rollenklärung: Zuständigkeiten und Eskalationswege für Instandhaltung und Asset-Management werden definiert.

  • Prozessschnittstellen: Abstimmung von Instandhaltung mit Beschaffung, Betrieb, Modernisierung und Außerbetriebnahme ist transparent.

  • Performance-Monitoring: Ein konsistentes Kennzahlensystem zur Bewertung von Anlagen- und Instandhaltungsleistung wird etabliert.

  • Befähiger (Strukturen, Kompetenzen): Es werden passende Organisationsstrukturen, Prozesse und Qualifikationen aufgebaut, um das integrierte Management zu unterstützen.

Anwendungsbereich

DIN EN 16646 liefert Leitlinien und Empfehlungen zur Einbettung der Instandhaltung in ein übergeordnetes Asset-Management. Sie gilt für den gesamten Lebenszyklus von physischen Anlagen, von der Planung und Beschaffung über den Betrieb und die Modernisierung bis zur Stilllegung. Die Norm kann auf Organisationen aller Größen angewendet werden, insbesondere in produzierenden Betrieben. Es wird ausdrücklich klargestellt, dass es sich um Guidance handelt, die nicht als Grundlage für Zertifizierungen oder als Regelwerk für regulatorische und vertragliche Anforderungen gedacht ist. Somit bietet sie einen Rahmen, den Unternehmen als Orientierung für ihr Anlagen- und Instandhaltungsmanagement nutzen können, ohne formale Audit-Pflicht.

Normative Verweise

Wesentliche Verweise sind die DIN EN 13306 „Instandhaltung – Begriffe der Instandhaltung“ sowie die Asset-Management-Normen der ISO 55000er-Reihe (DIN EN ISO 55000, 55001, 55002), die grundlegende Begriffe, Prinzipien und Anforderungen des Asset Managements definieren. Darüber hinaus ist der Standard DIN EN 60300-3-3 (Zuverlässigkeitsmanagement – Teil 3-3: Anwendungsleitfaden Lebenszykluskosten) genannt. Diese Referenzen gewährleisten eine einheitliche Begriffsbasis und Methodik für Instandhaltungs- und Asset-Management-Prozesse im FM.

Begriffe, Definitionen und Abkürzungen

Die Norm definiert u. a. Begriffskategorien für Anlagenstruktur, Lebenszyklusphasen, Instandhaltungsbegriffe und Abkürzungen.

Im FM-Kontext wird dabei auf folgende Zuordnung geachtet:

Begriffsklasse

FM-relevanter Zweck

Typischer System-/Dokumentanker

Asset-/Anlagenstruktur

Einheitliche Hierarchie (Portfolio → System → Asset)

Anlagenregister/CAFM/CMMS

Lebenszyklusbegriffe

Abgrenzung der Phasen und Verantwortungen

Lebenszyklusstrategie, Investplan

Instandhaltungsbegriffe

Einheitliche Leistungs- und Prozesssprache

IH-Prozesshandbuch, SLAs

Abkürzungen

Eindeutige Kommunikation

Reporting-/KPI-Handbuch

Überblick über Physical Asset Management

Die Norm erklärt Prinzipien und Zielsetzung des PAM sowie die Hierarchieebenen von Assets. Dabei unterscheidet sie zwischen technischer Lebensdauer eines Objekts (Item life) und dessen Nutzungszyklus (Life cycle). Auch der organisatorische Kontext (z. B. Unternehmensstrategie, Umfeldfaktoren) wird beleuchtet. Diese Elemente liefern der FM-Steuerung wertvolle Impulse: Sie ermöglichen die Übersetzung strategischer Ziele in betriebliche Maßnahmen, schaffen ein transparentes Verantwortungs- und Datenmodell durch eine klare Asset-Hierarchie und unterstützen die Budgetierung von Lebenszykluskosten sowie die Planung künftiger Erneuerungen.

Im Folgenden sind die Kernelemente kurz zusammengefasst:

Normelement

Inhaltlicher Fokus

FM-Nutzen (Governance)

Was ist Physical Asset Management

Prinzipien und Zielbezug

Übersetzung von Strategie in Betrieb

Hierarchie der Assets

Portfolio, Asset-Systeme, Einzelassets

Verantwortungs- und Datenmodell

Item life & Life cycle

Lebensdauer vs. Nutzungs-/Betriebszyklus

Lifecycle-Kosten & Erneuerungsplanung

Organizational context

Kontextfaktoren und Rahmenbedingungen

Ableitung von Kriterien/Targets

Diese Übersicht zeigt, dass PAM auf allen Ebenen (von der Unternehmensstrategie bis zum Einzelasset) agiert und Faktoren wie Lebensdauer und Umfeldbedingungen integriert. So entsteht ein

Managementsystem für physische Anlagen

Auf der strategischen Ebene (Organisationskontext) werden Anforderungen, Risiken und Stakeholder ermittelt, was zu einem Kontext- oder Anforderungsprofil führt. Darauf aufbauend legt die Asset-Management-Ebene strategische Rahmenbedingungen fest: Hier wird eine Asset-Policy definiert und ein strategisches Asset-Management-Programm (SAMP) erarbeitet. Im operativen Bereich arbeitet das Instandhaltungsmanagement: Es implementiert ein Instandhaltungssystem, priorisiert Maßnahmen und steuert deren Umsetzung. Die Ergebnisse auf dieser Ebene sind z. B. eine Instandhaltungsstrategie und Jahres- oder Mehrjahrespläne. Parallel dazu werden Rollen und Verantwortlichkeiten festgelegt und Eskalationswege definiert (z. B. in Form einer RACI-Matrix).

Ebene

Typische Inhalte

Ergebnisartefakte im FM

Organisationskontext

Anforderungen, Risiken, Stakeholder

Kontext-/Anforderungsprofil

Asset Management

Asset-Strategie, Entscheidkriterien

Asset-Policy, SAMP/Strategiepläne

Instandhaltungsmanagement

IH-System, Priorisierung, Steuerung

IH-Strategie, Jahres-/Mehrjahrespläne

Verantwortlichkeiten

Rollen und Eskalationen

RACI, Verantwortungsmatrix

Durch diese mehrschichtige Struktur wird sichergestellt, dass Instandhaltungsentscheidungen im Einklang mit der Gesamtstrategie stehen und klar geregelt ist, wer für welchen Teil verantwortlich ist.

Prozesse des physischen Asset Managements

Der Kern der Norm liegt in Abschnitt 6, der die Prozesse im Asset Management über den gesamten Lebenszyklus und auf verschiedenen Hierarchieebenen beschreibt. Dabei wird unterschieden zwischen den Lebenszyklusphasen eines Assets (von Erstellung/Beschaffung über Betrieb bis Modernisierung/Entsorgung) und den Ebenen der Steuerung (Portfolio-, Asset-System- und Asset-Ebene). Auf Portfolio-Ebene werden strategische Programme und Budgetrahmen festgelegt. Auf System-/Anlagenebene erfolgt die Optimierung einzelner Anlagen- oder Gewerkeprogramme. Auf Asset-Ebene konzentriert sich die Planung auf konkrete Arbeitsaufträge und Wartungs-/Prüfpläne. Die Norm verknüpft diese Perspektiven so, dass die Instandhaltung jeweils passend integriert wird.

Betrachtung

Normlogik (Struktur)

FM-Anwendungsbezug

Lebenszyklusphasen

Von Erstellung bis Entsorgung

Invest – Betrieb – Erneuerung

Portfolio-Ebene

Strategische Steuerung und Priorisierung

Portfolio-Programme, Budgetrahmen

Asset-System-Ebene

Systembezogene Optimierung

Anlagen-/Gewerkeprogramme

Asset-Ebene

Operative Planung/Umsetzung

Arbeitsaufträge, Prüf-/Wartungspläne

Für jede Phase wird eine Kernaussage formuliert, die beschreibt, wie Instandhaltung dort wirkt, sowie ein Beispiel für eine FM-Steuerungsfrage.

Schnittstelle

Kernaussage der Normstruktur

FM-Steuerungsfrage (Beispiel)

Erstellung/Beschaffung

Instandhaltung beeinflusst Anforderungen an Design/Engineering

Sind Wartbarkeit und Standardisierung in der Planung verankert?

Betrieb

Instandhaltung als Leistungstreiber für Verfügbarkeit & Risiko

Passt die IH-Planung zum Nutzungsprofil und zur Kritikalität?

Modernisierung

Instandhaltung liefert Feedback für Erneuerung/Upgrades

Welche Befunde rechtfertigen CAPEX oder Retrofit?

Entsorgung

Übergang/Abwicklung als Teil des Lebenszyklus

Sind Stilllegung, Dokumentation und Restwert geregelt?

Unterstützungsprozesse

Daten, IT, Analytik, Supply als Enabler

Ist die Datenkette für Entscheidungen belastbar?

Asset-Management-Steuerung

Governance und Entscheidlogik

Sind Kriterien, Risiken und Ziele konsistent umgesetzt?

Leistungsüberwachung

Die Norm schlägt vor, ein Set aus allgemeinen Asset-Performance-Kennzahlen und instandhaltungsspezifischen Indikatoren aufzubauen, ergänzt um risikobezogene Kennzahlen. Dabei gibt die Norm keine fixen Zielwerte vor, sondern liefert ein Template zur Gestaltung des KPI-Sets.

Übliche Kategorien sind:

  • Allgemeine Asset-Performance: Kennzahlen auf Portfolio- und Systemebene (z. B. Verfügbarkeitsraten, ROI). Sie unterstützen Entscheidungen zur Priorisierung von Programmen und Investitionen.

  • Instandhaltungsspezifisch: Kennzahlen zur Wirksamkeit und Effizienz der Instandhaltung (z. B. Termintreue, Kosten pro Leistungseinheit, Compliance). Sie helfen bei der Steuerung des Ressourcenmixes und der Wartungsintervalle.

  • Risiko- und Sicherheitsbezug: Kennzahlen zur Risikoreduktion und Konformität (z. B. Ausfallwahrscheinlichkeit, Sicherheitskennwerte). Sie fließen in Maßnahmen- und Investitionsentscheidungen ein.

Die folgende Tabelle zeigt exemplarisch eine kategoriebezogene Vorlage für KPIs:

KPI-Kategorie

Zweck

Typische Entscheidung, die unterstützt wird

Allgemeine Asset-Performance

Steuerung auf Portfolio-/Systemebene

Priorisierung von Programmen und Investitionen

Instandhaltungsspezifisch

Wirksamkeit/Effizienz/Compliance

Festlegung von Ressourcenmix und Intervallen

Risiko-/Sicherheitsbezug

Risikoreduktion & Konformität

Maßnahmen- und Investitionsentscheid

So wird sichergestellt, dass sowohl der Gesamtzustand des Anlagenportfolios als auch die Effektivität der Instandhaltung transparent gemessen werden. Das FM kann die Entwicklung anhand zahlen überwachen und gegebenenfalls strategisch nachsteuern.

Organisationale Befähiger und Kompetenzen

Im integrierten Anlagen- und Instandhaltungsmanagement wird zwischen Struktur/Prozessen und Kompetenzen unterschieden – jeweils auf Portfolio/System-Ebene und auf Asset-Ebene. Auf übergeordneter Ebene sorgen Governance-Regeln, Standards und Eskalationsverfahren für einheitliche Rahmenbedingungen. Auf Asset-Ebene werden operative SOPs (Standardarbeitsanweisungen) und Arbeitsfreigaben etabliert, um den Tagesbetrieb zu steuern. Entsprechende Kompetenzprofile werden ebenfalls unterschieden: Auf strategischer Ebene werden Fähigkeiten in Analyse, Strategieentwicklung und Engineering benötigt, um die Asset-Strategie zu erarbeiten. Auf operativer Ebene sind Kompetenzen in Ausführung, Diagnose und Dokumentation entscheidend, um Instandhaltungsmaßnahmen qualitativ umzusetzen.

Befähiger

Portfolio-/Systemebene

Asset-Ebene

Struktur & Verfahren

Governance, Standards, Eskalation

Operative SOPs, Arbeitsfreigaben

Kompetenzen

Strategie-/Analyse-/Engineering-Kompetenz

Ausführung, Diagnose, Dokumentation

Mit dieser Gliederung wird deutlich, dass zum einen klare Leitplanken geschaffen werden

Literatur

Die in DIN EN 16646 genannten weiterführenden Dokumente dienen als Grundlage für das FM-interne Normen- und Regelwerksregister (u. a. für Audits).

Wichtige Referenzen sind:

  • DIN EN 13306: Instandhaltung – Begriffe der Instandhaltung.

  • DIN EN ISO 55000: Asset-Management – Überblick, Leitlinien und Begriffe.

  • DIN EN ISO 55001: Asset-Management – Managementsysteme – Anforderungen.

  • DIN EN ISO 55002: Asset-Management – Managementsysteme – Leitfaden für die Anwendung der ISO 55001.

  • DIN EN 60300-3-3: Zuverlässigkeitsmanagement – Teil 3-3: Anwendungsleitfaden – Lebenszykluskosten.

Diese Normen bilden zusammen mit DIN EN 16646 die Basis für ein einheitliches Regelwerk im Anlagen- und Instandhaltungsmanagement.